Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 5 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 74 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Agudas lisroel zu zahlen, wie es •lange schon von -unsem Führern verlangt wurde. Es ist der berechtigte Anspruch der Organisation des Gottesvolkes an seine Glieder. Jedem Mitglied geht monatlich unser Organ kostenfrei zu. — In den Vorstand wählbar sind Juden, die in Gesinnung und Lebensführung gewissenhaft auf dem Bode» der schriftlichen, und überlieferten Lehre stehen. Die Zugehörigkeit zu andersartigen Organisationen ist, wenn die vorher genannten Voraussetzungen zutreffen, kein blinder, nis. Doch muß natürlich dafür gesorgt werden, daß nicht Personen in die Leitung kommen, von denen Schädigung der Agudo-Interessen oder des Agudo-Gedankens zu erwarten ist. Der Vorstand besteht aus mindestens drei Personen (Vorsitzender, Schriftführer und Kassierer). Für die Art der Leitung der Ortsgruppe sind feste Regeln nicht zu geben; sie hängt von dem Verständnis und der Tatkraft des Vorstandes ab, wie von der Mitarbeit der Mitglieder und ergibt sich aus der Praxis von selbst. — In erster Reihe ist Gewicht darauf zu legen, daß fleißig ״gelernt“ wird, und zwar in möglichst so viel Abteilungen, als die Reife und die Fähigkeiten der Mitgliederkreise erforderlich machen. Auch die Frauen und Mädchen sollen Tnach und Dinim lernen. Wünschenswert sind außerdem möglichst regelmäßig Zusammenkünfte zur Aus- Sprache über den Agudo-Gedanken und über die jüdischen Tagesfragen. Soweit Referenten am Orte fehlen, wird der Gruppenverband Referate zur Verfügung stellen, die verlesen und besprochen werden körnen. Überhaupt wird ein reger Briefwechsel zwischen Ortsgruppe und Gruppenverband empfohlen; dadurch wird die Gruppe sich ständig über die Bewegung unterrichtet halten und die Zentrale nutzbringende Anregungen aufrehmen können. Soweit es möglich ist, wird der Verband auch bemüht sein, auf Wunsch Redner zu Vorträgen für die Ortsgruppe zu gewinnen. Die notwendige Betätigung des Zusammengehörigkeits- (Arejwus-) Gedankens setzt innerhalb der Gruppe selbst zuerst ein. Kranke, Sieche, Arme sind nach Verabredung zu besuchen, Freundschaft und Frieden unter den, Mitgliedern zu stiften und zu erhalten, gesellige Zusammenkünfte, soweit sie dem Arejwus zu dienen geeignet sind, in gut jüdischem Geiste zu veranstalten. Überhaupt, weil wir mehr oder weniger bewußt und ungewollt vom nichtjüdischen Sinn unserer Umgebung beeinflußt werden, müssen wir trachten, in der Ortsgruppe zu reinjüdischem Fühlen und zu reinjüdischer Unterhaltung uns zurückzufir.den. — Darüber hinaus ist Verständnis und Schätzung der ostjüdischen Brüder dadurch zu pflegen, daß man sie über die örtliehen Verhältnisse belehrt und kleinliche Kritik der fremdartig erscheinenden Äußerlichkeiten abstreift. Man erziehe sich dazu, die ungeheueren jüdischen Werte der ostjüdischen Massensiedlungen für den Westen zu erkennen und sich allen Juden der Welt in Verwandtschaft des Blutes und der Seele nahe zu fühlen. Dann schwindet der Begriff ״Ausländer“, der auf nichtjüdischem Boden! entstand und arglos nachgesprochen wurde, für die Kinder unseres Stammes gänzlich aus Gedanke und Gesinnung. Zur völligen Ausprägung des Volksgedankens im Agudo Geiste gegenüber anderartigen Deutungen ist immer wieder darauf hinzuweisen, daß uns ein Judentum ohne Gott und Thora undenkbar ist; daß Lehre und Gesetz nicht nur auf den Einzelnen sondern vor allem auf die Gesamtheit als solche ihre unverbrüchliche, unkündbare Verpflichtungskraft geltend machen; und daß es für die Schüler und Schülerinnen von Mauscheh rabeinu keine ״jüdische Politik“ geben kann, die sich losgelöst vom Gottesgesetz auswirken wollte. Je leidenschaftsloser und versöhnlicher in den Formen diese Klarstellung gegenüber Andersdenkenden zu betreiben ist, umso fester und eindringlicher ist sie den Unseren und besonders der Jugend einzuschärfen. Das Ziel