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Blätter · 1919-03-01 · 3 (3.1919) · p. Seite 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
3 (3.1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 46 (sequence 16)
Language
German
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46 Ost machen wir die Erfahrung, daß unter rastloser Denkarbeit der Körper vernachlässigt wird. Elia aber fiel das Lernen so leicht, daß seine Gesundheit nicht darunter litt. Im Gegenteil! Die Schönheit der äußeren Erscheinung wurde noch erhöht durch den ernsten Willen und das reiche Wissen, die beide aus den feurigen, klugen Augen hervorleuchteten. Alles wollte ihn kennen lernen, jeder war begeistert von ihm. Eines Tages kam der Brisker Rabbiner R. Abraham Katzenellenbogen zu Besuch nach Wilna. Wie natürlich, erzählte man auch von dem Wunder Wilnas. Als er den 8 jährigen Knaben kennen gelernt hatte, ließ er der Familie keine Ruhe, bis er den Knaben milnehmen durfte. Durch diese Bekanntschaft kam Elia nach Keydanic, wo R. Abrahams Vater, R. David Katzenellenbogen, Rabbiner war. Daselbst konnte er auch bei Mosche Margolit, dem berühmten Kommentator des Jeruschalmi, lernen. Aber er hielt es nicht lange aus. Wie er nie eine eigentliche Kindheit gehabt, so gab es auch keine Kameraden, die ihm gleich gewesen wären, und so gab es auch keine Lehrer und keine Schule, deren System sich sein Geist auf die Dauer beugen konnte. Kaum ein halbes Jahr war vergangen, seit Elia mtt R. Abraham Wilna verlassen hatte, da kam er auch schon wieder zurück. Ein Kranz von Sagen schlang sich bald um sein Haupt, wie es noch nie einem Lebenden, geschweige denn einem Kinde vergönnt war. Mit 9 Jahren — was können w ir in diesem Alter! soll er תנ״ך und ש״ס » Bibel und Talmud vollständig beherrscht haben. Er Pflegte — um ein Beispiel seines Könnens anzuführen zum Simchath-Thorafeste alljährlich die Traktate Sebochim und Menachoth abzuschließen. Zufällig hatte er sich — im 11. Lebensjahre — das Jahr hindurch mtt anderen Traktaten beschäftigt, und die Nacht zum Simchath-Thorafeste kam heran, ohne daß er sein gewohntes Pensum erledigt hätte. Sofort begann er bei Eintritt der Nacht das Studium, und als die Nacht vorüber war, hatte er sein Pensum erledigt. Ein zufällig - anwesender Gelehrter, R. Michel aus Ralnowi, wollte es nicht glauben, er prüfte den Knaben und war über die entwickelten Kenntnisse und den dargetanen Scharfsinn so erstaunt, daß er ausrief: ״Das ist kein Mensch, sondern ein übernatürliches Wesen".*) Mit 12 Jahren beherrschte er nicht nur das ganze Gebiet jüdischen Wissens, sondern beschäftigte sich auch mit nichtjüdischen Fächern, wie Mathematik und Astronomie. So überraschte er die Gelehrtenwelt aufs höchste, als er mittels seiner astronomischen Kenntnisse eine schwierige Frage der Kalenderbestimmung löste, an der sich die andern Gelehrten vergeblich gemüht hatten. Ohne es zu wissen, hatte Elia bei seinem kurzen Aufenthatt in Keydonic seine künftige Gattin gewonnen. Denn unter den Männern, die ihn damals kennen lernten, befand sich auch der angesehene R. Jehuda Lob, der sofort gelobte, Elia einst zum Schwiegersohn zu machen. Jetzt erst wurde sein Glück und seine Größe vollkommen. Denn nun konnte er sich, ungestört, in der stillen Zurückgezogenheit eines Waldes, nur seiner Familie zugänglich, und unabhängig, wie es sein Ideal war, ganz seiner Eigenart gemäß entfalten, um schließlich zu werden, was er wurde: der Wilnaer Gaon. *) Kottek, )üb. Geschichte.

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