Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 3 (3.1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 40 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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40 den. Die Gefahr, die hier droht, wird neben den geistigen Gefahren zu wenig beachtet, und das Frankfurter Programm bedeutet eine Festlegung der Nichtbeachtung körperlicher Ausbildung. Und schließlich עשיר soll der zukünftige נביא sein; nicht im üblen Sinne. איזהו עשיר השמח בהיסקו zufrieden mit seinem Anteil, aber auch so gestellt soll er sein, daß er ökonomisch selbständig ist. Solche Selbständigkeit kann aber lm allgemeinen und bei den durch den Krieg hervorgerufenen Verhältnissen erst recht nur erreicht werden durch möglichst gründliche, weitreichende profane Kenntnisse, die ebenfalls in der Jugend zu erwerben sind. Sie dem jungen Manne, wenn er zu 15 Jahren die Schule verläßt, vorenthalten zu wollen, hieße in zahlreichen Fällen ihm die Existenz unmöglich machen. Zugegeben, daß ein an talmudischen Studien geschulter Kopf vieles weit leichter und rascher erfaßt, eine gewisse Zeit wird der Aneignung profaner praktischer Kenntnisse immer gewidmet bleiben müssen. Einerlei ob dieser Unterricht im Rahmen der Agudoh oder außerhalb stattfindet, das Programm, Pas die harmonische Ausbildung des ganzen Menschen zum Gegenstände hat, sollte auch diese Forderungen nicht totschweigen. Und nicht nur praktischer Zwecke halber darf Außerjüdisches ausgenommen werden. In neueren Bestrebungen macht sich als Reaktion auf die allzuhohe Be- Wertung nichtjüdischer Kultur eine zu geringe Einschätzung fremden Geistesgutes geltend. Gewiß sollen fremde Kulturen nicht den Wertmesser für unsere Lehre und unser Geistesleben abgeben, aber wir sollen das Wahre, Schöne, Gute, das sich bei anderen Völkern findet, auch in uns aufnehmen dürfen. Wenn jede wertvolle Äußerung des denkenden Menschen ein Funke von Gottes Geist ist, so brauchen wir uns nicht zu scheuen, diesen Funken aufzufangen und weilerzutragen. ״Jede Kenntnis, die den Geist nach irgend welcher Richtung bereichert, gereicht der jüdischen Welt- und Lebensanschauung zu nicht geringer Bereicherung". — Es ist hier nicht der Ort, das Hirschsche Ideal תלמוד תורה עם דרך ארץ gegen die Angriffe der Epigonen zu verteidigen; es steht ja gar nicht im Widerspruch zu dem richtig erfaßten Motto תלמוד תורה כנגד נלם . Wir können uns nicht denken, daß die geistigen Führer der Agudoh-Jugendbewegung vom Hirschschen Leitsätze sich abwenden wollen. Im Frankfurter Programm aber ist er nicht zu finden. Frankurt a. M. Studienrat Di*. Schüler. Weltkonferenz der jüdisch-orthodoxen Verbände. Zürich, 19. bis 25. Februar 1919. Es kann sich für uns nicht darum handeln, auch in den ״Blättern" einen genauen Bericht über die bedeutsame Tagung zu geben. Referate und Verhandlungen, der Verlauf der ganzen Sitzung, er ist unseren Lesern sicherlich aus den jüdischen Zeitungen bekannt. Wir wollen heute nur auf die Resultate Hinweisen, wollen zu zeigen versuchen, welchen Einfluß die Züricher Beschlüsse auf unsere Agudoarbeit in der Jugendorganisation möglicherweise ausüben werden oder gar ausüben müssen. Vier große Fragenkomplexe sind es gewesen, die die Konferenz Hauptsächlich beschäftigt haben. In erster Linie war es natürlich die Sorge für die תורה, die einen breiten Raum der Verhandlungen einnahm. Es war nichts Neues, wenn von allen