Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 3 (3.1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 39 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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39 des Ostens gerade dazu veranlassen sollen. Mussarssorim find im Programm nicht erwähnt, wo man doch sogar im weniger gefährdeten Osten die Pflege von Mussar für nötig erachtete. Vielleicht sind bei uns keine besonderen Kurse dafür nötig, wenn nur die gewünschte ethische Ausschöpfung im Sinne von S. R. Hirsch beim Lernen allgemein würde. Dabei würde es gar nichts schaden, wenn auch die Er- Zeugnisse fremder Kulturen aus den Gebieten Praktischer Morallehre Förster, Payot, Smiles z. B. - Berücksichtigung fänden. Es ist nicht überflüssig, das zu sagen, weil das Programm der Agudoh durch sein Schweigen über fremde Kulturen diese als für die jüdische Jugend nicht bestehend zu erachten scheint. 11. Die Bestimmung, daß nur solche männlichen Mitglieder zu hebräischen Sprachkursen zuzulassen find, ״die sich über ihre ausreichende Beschäftigung mit Tenach und Talmud ausweisen", ist rigoros. Nehmen wir an, des Lernens unkundige, brave jüdische Handwerker wollten nach Palästina übersiedeln und suchten Gelegenheit, sich zuvor die Sprache anzueignen! Sollte man sie abweisen? überdies soll es dahingestellt bleiben, ob nicht ein Sprachkursus in Verbindung mit Thenach die Kenntnis des letzteren wesentlich fördern könnte. 12. Wir verstehen den Standpunkt, grundsätzlich jede Teilnahme an einer Organisation abzulehnen, die nicht ausschließlich unter der Herrschaft ״des Rechtes Gottes" steht. Es ist allerdings schwer zu sehen, worin der Versuch der Agudas Jisroel besteht, ״die verirrten Brüder zur nationalen Gottesfahne zurückzuführen". Zu mißbilligen ist aber die Wendung, daß die Unabhängigkeit ״es erleichtere, andere von Fall zu Fall zur Mitarbeit nach außen z u z u l a s s e n". Man mag noch so sehr im Rechte sein, wenn man augenblicklich nicht im Besitze der Macht ist, ziemt nicht die Sprache des Herrschenden gegenüber dem eben Mächtigeren. Die frühere Form ״im gegebenen Falle Zusammenarbeiten" oder ״in Fühlung bleiben" hätte weder der Würde noch dem Prinzip der Agudoh geschadet. Und nun noch eine allgemeine Bemerkung, die wichtigste, die - wir zu machen haben. Das hohe Ziel des Frankfurter Programms ist, Moschehs Wunsch מי יתן כל עם ד‘ נביאים erfüllt zu sehen. Das hieße dann wahrhaft ״Gott schauen". Wie aber muß ein נביא beschaffen sein? Er soll חכם. נברר und עשיר fein. Daß das Programm der Agudoh die Herbeiführung der חבמח durch konzentriertes Thaurostudium erstrebt, wird ihr niemand bestreiten. Aber גבורה steht — wie S. R. Hirsch wiederholt hervorhebt - gerade an erster Stelle, um das auszudrücken, was andere Kreise in den Satz faßten: men8 sana in corpore sano. Nur in einem gesunden Körper kann sich für die Dauer ein gesunder Geist entwickeln; nur ein gesunder Körper verbürgt auch für die kommenden Generationen die הבמה. Es muß aber leider von jedem aufmerksamen Beobachter festgcstellt werden, daß das jüdische Kind und gerade das Kind aus den תורה pflegenden Kreisen gar oft körperlich hinter anderen zurücksteht, daß Körperbau und Sinnesorgane häufig mangelhaft entwickelt sind. Ein Jugend- Programm erfordert daher auch ein Wort in dieser Beziehung. Nicht alles, was andere Jugendorganisationen eiugeführt haben, ist falsch. Wenn nach dem Talmud jeder Vater verpflichtet ist, seinem Sohn das Schwimmen zu lehren, so brauchte die Agudoh sich nicht zu scheuen, in Fällen, wo das versäumt worden ist, einzuspringen. Wenn schon die Weisen (in Kesuwaus) aussprachen, daß in alten Zeiten das Wohnen in großen Städten mit gesundheitlichen Schäden verbunden war und demgegenüber den Aufenthalt in guter freier Luft empfahlen, um wieviel mehr gilt das für uns! Gerade das Wandern — und dieses selber könnte ja zur Pflege von Geistigem mit ausgenützt werden - sollte nicht als etwas überflüssiges - wie es auf dem Würzburger Agudohtag geschehen ist — hingestellt wer-