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Blätter · 1919-03-01 · 3 (3.1919) · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
3 (3.1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 36 (sequence 6)
Language
German
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36 Ich denke Dein, wenn ich mich erhebe, ich denke Dein, wenn ich mich niederlege. Ich denke Dein, wenn ich dreimal des Tages vor meinem, Deinem Gotte stehe. Ich denke Dein bei jedem Bissen, den ich genieße. Ich denke Tein — in Freud und Leid. Ich denke Dein noch im Tode, denn noch meine verglasten Augen schauen — gen Osten. Ich denke Dein in Wahrheil. Ich denke Dein in Liebe. Ich denke Dein - immerdar.deshalb will ich jetzt, da ich jung bin, da man auf mich blickt, als ein Stückchen jüdischer Zukunft, will ich jetzt mich heiligen, will all meine jungen Brüder und Schwestern zur Heiligung rufen und dann . . . Dann, Brüder, wollen wir hinaufsteigen zu unserem Lande — Gott wird uns helfen - dann wird junges, lebendiges Judentum schlummernde Heiligkeil in schaffender Arbeit erwecken, dann kann Geulas ameinu, kann Geulas hoaulom eintreten, denn Geulas hoorez - unsere Aufgabe — ist erfüllt; dann werden wir zu unserem neugewonilenen Lande sagen, was jener Jüngling zu feiner neugewonnenen Liebe sprach: weeirastich li leaulom; weeirastich li bezedek uwemischpot uwechessed uwerachamim; weeirastich li beemunoh wejodaat es Haschem .... ja — ich denke Dein . . . .! Berlin. Kurt Alexander. Zum Frankfurter Agudoh-Programm. Der Bericht über den Delegiertentag in Cassel enthielt als sogenanntes ״Frankfurter Programm" Richtlinien für die Jugendorganisation der ״Agudas Jisroel". Der Entwurf wurde durch einstimmigen Beschluß als Grundlage des Zukunftprogramms bezeichnet. Bei aller Anerkennung der Vorzüge des Programms Erhabenheit der Grundidee, Geschlossenheit der Gedankenführung, Kraft des Wortes — soll doch in Anbetracht der Wichtigkeit der Sache, die der Offentlichkeit zur Diskussion übergeben ist, eine Reihe von Einwänden nicht zurückgehalten werden. Sie beziehen sich z. T. auf die Formulierung, z. T. auf den Inhalt selbst. 1. Jeder Angehörige der Agudoh soll ״keine andere Wirklichkeit anerkennen als Gott und sein Recht". Die Forderung ist zum mindesten unklar. Gibt es eine andere Wirklichkeit, oder gibt es keine? Stellt sich der Verfasser des Frankfurter Programms auf den Standpunkt, daß er jede andere Wirklichkeit außer ״der Welt, wie sie sein soll" als wirklich existierend bestreitet, daß er sie nur als Scheinwelt gelten läßt, so müßte er sagen, man fordere von jedem Angehörigen, daß er nichts als Wirklichkeit anerkennt außer ״Gott und sein Recht." Es läßt sich aber schlechterdings nicht leugnen, daß leider neben ״Gottes Recht" vielfach anderes Recht herrscht; das gibt der Frankfurter Entwurf ja zu, wenn er später selber von der Notwendigkeit spricht, auf das Wesen der Reform, des Zionismus, des Antisemitismus — warum nicht auch des Materialismus? — einzugehen, lauter Bestrebungen, die ״Gottes Recht" teilweise oder ganz zuwiderlaufen. Gibt cs aber andere Wirklichkeiten im Leben, so scheint es uns, als ob es

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