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Blätter · 1919-03-01 · 3 (3.1919) · p. Seite 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
3 (3.1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 35 (sequence 5)
Language
German
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S5 Aber — die Juden sollen nun nicht hinüberkommen und die ״Kultur", die sie drüben gelebt haben, auf Neuhebräisch übersetzt, in unserem Lande weiterleben wollen - das wäre nicht das Israel, das sein Land erlösen könnte. Und — laßt Euch nicht irre machen, Brüder, wenn jene Ench sagen, die Heiligkeit des Landes würde schon die Hinübergekommenen heiligen - sie werden nur bleiben, was sie bereits sind: Volk des Landes (auf hebräisch: am hoorez); nicht das Land heiligt sie höchstens könnten sie das Land entheiligen .... Allerdings — damit haben sie Recht — heilig ist das Land; nur ist seine Heiligkeit weit reicher, höher und inniger, als jene auch nur im entferntesten ahnen können — aber diese Heiligkeit ist latent, sie schlummert; schlummert in den Trümmern jenes Hauses, das einzig gewürdigt wurde, ״Gotteshaus" zu heißen, schlummert in jener Felsengruft neben der Straße nach Efras, aus der das bittere Weinen einer Mutter um ihre verstoßenen Kinder hervorschluchzt, schlummert in all den verödeten Bergen und Tälern, die derer warten, von denen es heißt, daß sie den Neubruch umpflügen werden ..... die — unser warten, Brüder . . .! Wißt Ihr, was diese schlummernde Heiligkeit erwecken kann, wißt Ihr, wie Geulas hoorez zustande kommt? Laßt es Euch sagen: nur aktive Heiligkeit kann die latente Heiligkeit aktivieren; nur wirkende, blühende, jüdische Heiligkeit kann die schlummernde erwecken, kann sich mit ihr verbinden zur großen schaffenden Heiligkeit .... Keduschas hoorez wird zur Geulas hoorez . . . .! Brüder, hier liegt unsere Aufgabe! Geulas hoorez ruft die Zeit, soll Jung-Jsrael umsonst sich rufen lassen? Brüder, seht Ihr unsere Arbeit, die Erez-Jisroel-Aufgabe der Agudas-Jisroel? Ja, wir sollen hebräische Sprache lernen, sollen neujüdische Literatur treiben. Ja, wir sollen und müssen praktische Arbeit leisten, müssen eine Einwanderung organisieren, müssen Arbeitsämter und Dispositionszentralen errichten. — Aber, Brüder, wir sollen zuerst heilig werden. Nur der darf heiligen Boden betreten, der sich geheiligt hat. Wißt Ihr, wie Juden sich heiligen? Wir sollen zuerst und vor allem alt jüdische Literatur treiben — Bialik kann lesen, wer Tenach versteht. Wir sollen Gemoroh lernen; und zwar trotz unserer vermehrten Klall-- Arbeit - nicht weniger als bisher, sondern viel, viel mehr - denn unsere Heilig-- keit soll eine tiefere werden. Wir sollen Schulchan Oruch und Poskim lernen, denn wir wollen in uwserem Lande nach unserem Gottesrecht Recht sprechen - fragt einmal jene, die sich ״Zionisten" nennen, ob das auch ihr Wollen ist! Dann, Brüder entscheidet selbst, wer die wahren Zionisten sind . . . . Sind's jene, die im Munde führen: ״im eschkochech Jeruscholajim, tischkach jemini" und nur zum kleinsten Teil sich je gemüht, den Sinn von ״Gottes Jeruscholajim" im tiefsten auszuschürfen .... oder - sind's wir, deren jeder sagen kann: ״Ich denke Dein, Jeruscholajim, wenn ich im Tenach die Wunder Deines Gottes lese. Ich denke Dein, wenn ich in der Gemoroh die Weisheit Deiner größten Kinder zu erfassen mich bemühe. Ich denke Dein, wenn ich die Satzungen mir einpräge, deren Befolgung langes, ewiges Verweilen auf Deiner geliebten Scholle mir in Aussicht stellt.

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