Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 3 (3.1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 34 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Was wird denn geschehen, wenn Moschiach uns erlöst. «aS ist denn GeulaS ameinu? Geulas ameinu ist die Bekundung des unbedingten Sichzueigengebens des in Freiheit geeinten jüdischen Volkes an seinen göttlichen Herrscher auf heiligem Boden durch den Moschiach. Brüder, in Freiheit uns einen wird Moschiach, sein Mund, seine Tat wird uns Gott zu eigen geben; aber. Brüder, kann Moschiach schon kommen, ist der Boden unseres Landes schon vorbereitet, schon geheiligt - Brüder, wie steht es mit der Geulas h o o r e z? Laßt mich Euch eine Geschickte erzählen, die ich einmal irgendwo gesunden habe. < War da vor langen Jahren ein wunderseines Mägdelein, kein schöneres hat je die Sonne gekannt- Ein Jüngling liebte es. Wunder der Liebe vollbrachte er. um zu ihr zu kommen. Und als sie beieinander waren, da freuten sie sich ihrer Liebe in Sonne und in Reinheit. Doch der Jüngling geriet auf Abwege, verfiel in schwere Schuld. Da trennte sie der Vater des Jünglings; denn, so sagte er, ein Schuldbeladener ist solcher Liebe nicht wert - er würde sie beflecken. Und er verstieß seinen Sohn. Der irrte nun umher in Weiler fremder Ferne, und immer trug er im Herzen das Bild seiner Liebe. Sie aber kleidete sich in Sack und Asche; wie um einen Toten trauerte sie um ihren Liebsten. Doch, mochte er auch noch so fern sein, sie hielt ihm die Treue; all die Freier, die im Laufe der Jahre an ihre Tür pochten, wurden abgewiesen, venn er lebte ja noch und würde, das sagte sein Flammenbild in ihrem Herzen, würde zu ihr zurückkehren. Einmal war er auf seinen Wanderungen in die Nähe seiner Heimat gekommen. Da ließ ihn die Sehnsucht nicht ruhen. Er kleidete sich modisch nach Art der Stutzer jener Gegend und ging zu seiner Liebsten- Sie erkannten einander. Doch ihr mißfiel sein modisches Auftreten, mißfiel der noch immer schuldige Ausdruck seines Antlitzes, und so wies sie ihn ab. ״Ja", sagte sie, ״ich hatte einen Liebsten und Du ähnelst seinem Bilde, das noch unverändert deutlich in meinem Herzen steht; aber mein Liebster war einfach, unschuldig und rein, — Dich kenne ich nicht!" Und ihr Liebster zog wieder durch die Lande .... Aber ihre Worte wollten nicht aus seinen Sinnen Weichen. Und da erkannte er, daß die alte Schuld noch nicht getilgt war, ja, daß er sie noch gemehrt Halle. Da legte er all den äußeren Putz ab, löste auch im Glutenfeuer der Reue den stählernen Panzer, der um seine Herzensschuld geschmiedet war und — da sah er im tiefsten Winkel seines Herzens ihr Bild, das ihm bisher wie verschleiert geschienen hatte, sah es rein und leuchten^ Da fiel alles Häßliche von ihm ab — in schimmernder Reinheit zog er heimwärts. . . . . Als er so vor seine Liebe trat, da warf sie jubelnd die Kleider der Witwe ab und kleidete sich in bräutlich' Gewand. In Reinheit Verlobte er sich ihr aufs Neue — für alle Ewigkeit .... Brüder, kennt Ihr den Sinn dieser alten Geschichte? Brüder, sagt unserem Volke, daß sein Land warte, warte auf den Augenblick, da Israel in Reinheit heimkehren und seiner Väter Land erlösen werde aus seiner Witwenschaft.. Brüder, wißt Ihr nun, was es mit der Geulas hoorez auf sich hat, wißt Ihr nun, warum Geulas ameinu so lange auf sich warten läßt? Das Land Israel trauert um das Volk Israel.