Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 1/2 (Januar/Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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25 "Den Juden ward Licht, Freude, Wonne und Herrlichkeit". „Licht" das ist die Thoralehre; „Freude": Festesfeier; „Wonne": Beschneidungen; „Herrlichkeit": Tefillin. Die Thoralehre, das Begehen der Freudenfeste, die Vornahme der Bcschneidungen wie das Anlegen der Tefillin, waren den Juden vorher bei Todesstrafe untersagt. Mit diesen vier Ausdrücken des Jubels ist die Wiedergewinnung des Rechtes, Gott in Freuden zu dienen, klar ausgedrückt. F r a n k f u r t a. M. S. Schachnowitz. l|=°='l Esra-RubriK Eine „Esra-Zusammenkunst". „Komm Hanna, wir wollen uns eilen; es ist noch 10 Minuten bis 3. Du weißt, wer auch nur 5 Minuten zu spät kommt, muß Strafe zahlen;" denn mit größter Pünktlichkeit beginnen wir mit unserem „Esra". Haben wir doch an unserer erwachsenen Agudoh-Jugend das beste Beispiel für diese Tugend. Freudigen Sinnes gehen wir den schönen Röderberg hinauf in unser trauliches Heim. Unsere liebe Führerin ist natürlich schon längst da und wartet ungeduldig auf ihre Herde, die ihr anvertraut ist. Sie ist froh und glücklich, wenn sie uns begeisterte Jugend sieht, und ich weiß nicht, wessen Augen freudiger blicken, die unserer lieben Führerin oder die unseren! Es ist aber auch gar zu gemütlich in unsrer trauten Esrastube! Die Wände mit Bildern geschmückt, auf der schönen Plüschdecke des Tisches der immer frische Blumenstrauß, auch einige Bücher dürfen nicht fehlen, um dem Zimmer einen „gelehrten" Ausdruck zu verleihen, und erst wir Esrakinder mit unseren freudig erwartungsvollen Gesichtern rund um unsre Führerin! Und wenn es dann auf dem nahen Kirchturm 3 geschlagen hat, dann können wir uns nicht mehr zurückhalten. Haben wir doch in der langen Woche so vieles erlebt, über was wir uns Klarheit holen wollen. Und die beste Auskunft bekommen wir immer in unserem „Esra". Da wird diskutiert über Zionismus, Liberalismus, Separatismus und was dergleichen „ismusse" es noch gibt. Oder wir lesen einen Artikel aus den inhaltreichen, belehrenden Schriften Rabbiner Hirschs, zu denen unsere liebe Führerin uns immer reiche Erläuterungen gibt. So ganz ohne Geräusch gehen ja unsere Zusammenkünfte nicht ab, und die elektrische Klingel, die uns eine mildtätige Hand gestiftet hat, könnte vieles leisten, würde sie nicht von unseren Stimmen übertönt. Aber was schadet der Lärm! Die Leute wissen, daß es Jugend ist, die sich da versammelt, und noch dazu Jugend, die begeistert und entflammt ist für unser höchstes Ideal, für unsere Thauroh! Und wie gut versteht cs doch auch unsere liebe Führerin, uns die richtige Liebe einzuflößen für unser heiliges Land, für Erez Jisroel. Wie ergriffen sind wir, wenn sie uns von unseren dortigen notleidenden Brüdern erzählt, von dem Elend, das sie selbst mit eigenen Auge,: gesehen. Sie versteht es, das echt jüdische Empfinden in uns zu wecken! Und weitn wir uns dann nach zweistündigem Beisammensein trennen, dann haben wir alle den festen Vorsatz, auch einmal etwas zu leiste,i für unser Judentum. Wir gehen fort mit dem befriedigten 'Gefühl, wieder etwas mehr bewußter Jehudi geworden zu sein. — Eine Esräerin aus M I Frankfurt a. M.