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Blätter · 1919-01-01 · 1/2 (Januar/Februar 1919) · p. Seite 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
1/2 (Januar/Februar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 22 (sequence 25)
Language
German
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24 eine rettende Tat zu vollziehen?" Ans diesen Erwägungen heraus ließ er die Ehronik-Bücher herbeiholen, und fand darin bezüglich des Mordechai seine letztere Vermutung bestätigt. So erklärt sich das Weitere von selbst. * * * Tie Diener, die es bestätigten, daß der Lohn Mordechais noch ausstehe, taten es wohl weniger aus Liebe zu Mordechai als vielmehr aus Haß gegen Haman. * * * „Und es sprach der König Achaswerosch zu Haman: Gehe hin und mache so, wie du gesprochen, dem Mordechai, dem Juden usw.". Haman stellte sich dunim und fragte, von welchem Mordechai die Rede sei. Der König: „Mordechai, der Jude". Haman will immer noch nicht verstehen. „Es gibt gar viele Juden dieses Namens", wendet er ein. Der König: „Es ist Mordechai der Judo, der sich im königlichen Hofe aufhält". Nun wußte Haman, daß nichts an seinem harten Geschicke zu ändern war, er nahm das königliche Gewand, sowie das königliche Roß und suchte Mordechai im Lehrhause aus. Mordechai saß gerade im Kreise seiner Jünger und zeigte ihnen die Art, wie der Priester das Omer-Opfer abhäufto. Wie Mordechai den Haman erblickte, überkam ihn Todesangst und er sprach zu den Jüngern: „Nun hat meine letzte Stunde geschlagen, es trachtet der Bösewicht nach meinem Leben. Weichet ihr von mir, daniit nicht der letzte Funke in Israel erlischt. Mordechai selbst hüllte sich in Gebetmantel und flehte still zu seinem Gotte empor. Da ließ sich Haman ihm gegenüber nieder und wartete ruhig ab, bis Mordechai sein langes Gebet beendet hatte. Haman fragte nun: „Wovon war die Rede, als ich ins Lehrhaus trat?" Mordechai erwiderte: „Als unser Tempel noch in Jerusalem bestand, da pflegten wir auf dem Altäre zuweilen ein Häuflein Mehl darzubringen und damit Sühne zu bewirken". „Ja", seufzte Haman bitten, „euer Häuflein Mehl hat nun meine Zehntausend Silberkikar weit ausgewogen". Nun teilte Haman Mordechai den Zweck seines Kommens mit und forderte ihn auf, die Prachtgewänder anzuziehen und das Roß zu besteigen. Mordechai aber erwiderte: Es ist nicht Anstand, so ohne Vorbereitung den königlichen Purpurrock anzulegen, ich muß mich für diese Ehrung erst reinigen und schmücken. Da aber weder ein Bader, noch ein Haarschneider in der ganzen Stadt aufzutreiben war — Esther hielt sie versteckt — so mußte Haman selbst die Bader-Arbeit übernehmen und seinen Erzfeind Mordechai untertänigst bedienen. Als er dabei bitter seufzte, erinnerte ihn Mordechai daran, daß er, Haman, ja früher 22 Jahre lang im Dorfe Karzum als Bader gewirkt habe. Er mußte nun Mordechai in den Sattel helfen. Als aber der Zug durch die Straßen ging und am Hause Hamans vorbei kam, stand dessen Tochter auf dem Balkone, von wo aus sie das seltsame Schauspiel beobachtete. In ferner Höhe verwechselte sie Reiter und Führer. Sie glaubte, ihr Vater werde auf dem Rosse von Mordechai geführt. Nun schüttete sie — nicht nur bildlich — die ganze Schale ihres Zornes und ihrer Verachtung auf des Führers, ihres eigenen Vaters, Haupt. So heißt es denn gleich daraus: „Und Haman stürzte traurig und bedeckten Hauptes . . ." * * * Als der König nach der Eröffnung Esthers im grimmigen Zorn das Zimmer verließ und sich in den Lustgarten begab, sah er, wie sich Männer anschickten, Prachtbäume zu fällen und Edelpflanzen zu entwurzeln. Es waren Engel des Himmels, die sich als Menschen gaben und dieses Spiel vor des Königs Augen vollführten. In flammendem Zorn fragte der König, wer sie mit dieser Zerstörungsarbeit beauftragt hätte. „Haman", antworteten sie kurz, wodurch seine Wut auf den ungetreuen Kanzler sich bis zum überlaufen steigerte. * * * \

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