Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 1/2 (Januar/Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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22 fassend gedacht — aber auch als eine besondere Ehrenpflicht erachten, an dieser Stelle zu geben, was wir zu sagemhaben, schon um zu beweisen, daß wir unsere Zeit im „Esra" gut angewandt, daß wir nicht „M'watel S'man" gewesen sind. Breslau. I. S. Talmud und Midraldi. Die Purimgeschichte im Farbenlichte der talmudischen Agava. Rabbi Simon, Sohn Jochis, wurde von seinen Schülern gefragt, wodurch die Juden jener Zeit diese schweren Gefahren und ausgestandenen Ängste verdient hätten. Daß sie am Königsmahle teilgenommen hatten, wäre Wohl ein Grund, der für die Hauptstadt Susa zutraf, aber nicht für die gesamte Diaspora. Rabbi Simeon meinte: „Es kam daher, daß sie sich vor Götzenbildern niederwarfen". „Waren sie aber so weit gesunken", meinen die Schüler, „da wüßten wir nicht, warum Gott ihr Geschick noch zum Guten gewandelt hat". „Sie haben", antwortet Rabbi Simeon, „den Götzen im Zwange der Umstände und zum Scheine nur gedient, so war auch die Strafe der Vernichtung nur zum Scheine über sie verhängt worden". „Der König sprach zu den Weisen, den Kundigen der Zeiten": Es sind damit Israels Weisen, die die Zeiten künden und die Monate heiligen, gemeint. An diese hatte sich der König mit der Frage gewandt, was mit der unbotmäßigen Waschti zu geschehen habe, und zwar sollten sie im Sinne des jüdischen Religionsgesetzes entscheiden. Die Weisen empfanden große Beklommenheit und wußten nicht, wie sie es nun anfangen sollten. Wollten sie die Königin verurteilen, so stand zu befürchten, daß sie der König morgen, nachdem er seinen Rausch ausgeschlafen hatte, dieses Urteil schwer und blutig büßen ließe. Wollten sie sie aber freisprechen, dann hätte die Milde gegen die Ungehorsame leicht als schwere Beleidigung des Königs ausgefaßt werden können. So sprachen sie denn ausweichend: „Vom Tage an, da man den heiligen Tempel zerstört und uns von unserer heiligen Erde losgelöst hat, ist uns auch der weise Ratschluß genommen, sodaß wir nicht mehr kundig sind, über Tod und Leben zu urteilen. Wendest du dich hingegen an die Weisen Amons und Moabs, der Völker, denen das harte Los des Exils erspart geblieben ist. so wirst du bei ihnen Rat finden". * * * Achaswerosch ließ in seinem ersten Rundschreiben an das Volk kund und zu wissen tun, daß „Jedermann Herr in seinem Hause sei". Welch Glück, daß er diese lächerliche Selbstverständlichkeit zuerst in das Land hinaus verkündet hatte. Denn dadurch erwarb er sich im Volke so sehr den Namen eines Narrenkönigs, daß man auch seine späteren Verordnungen zum allgemeinen Ausrottungsfeldzugs gegen die Juden nicht gar zu ernst nahm. * * * Als David eine Frau freien wollte, wurde im ganzen Lande nach einer Jungfrau gesucht, was zur Folge hatte, daß jeder ihm seine Tochter zuführte, in der Hoffnung, sie würde zur Königin erkoren. Achaswerosch ließ närrischerweise alle Mädchen im Lande einbringen, was zur Folge haben mußte, daß jeder seine Tochter möglichst unauffindbar versteckte, da man wußte, daß er von. den Vielen ja nur eine erwählen würde. % £ \