Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 1/2 (Januar/Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Aber geht nicht die Agudas-Jisroel-Jugendorganisation mit so glühendem Idealismus daran, das Panier des alten Väterglaubens und seiner Lehre überall aufzurichten, wo der Boden dazu vorhanden ist? Sollte nicht sie gerade zusammen mit anderen gleichgesinnten Einzelnen und Vereinigungen darangehen, hier zu wirken angesichts der Dringlichkeit des zu Schaffenden? Ich höre Einwände, daß Notwendigeres heute zu tun sei, daß vielleicht heute angesichts der großen Umwälzungen, angesichts der Erez-Jisroel-Frage kaum Zeit bleibe für anderes. Es wäre der schlimmste Fehler, wenn bei all den Gegenwartsaufgaben die eine große vernachlässigt würde: Überall, wo immer es nur möglich ist, zu arbeiten an der Vorbereitung des jüdischen Geschlechtes, das schon im Golus — oder erst recht im Golus — Erez Jisroel würdig werden soll. Keine Aufgabe kann dringender sein, keine heiliger, kein Lohn schöner als das Bewußtsein mitgewirkt zu haben an der Rettung des „Überrestes in Jisroel". Könnte nicht am Ende auch ein Verein, wie der Frankfurter „M e k o r Ehaji m", der während des Krieges so ungeheure Arbeit mit wenigen Straften bewältigt hat, Mitwirken bei der Pflege des unbebauten, des von Unkraut überwucherten jüdischen Ackerbodens auf dem Lande? Könnte er, der nun kein belehrendes Wort mehr in ferne Länder hinzusenden braucht und wieder viele um sich sammelt zum Lehre» und Lernen, könnte er nicht auch von dem „Lebensqucll", den er Dürstenden darreicht, etwas hinleiten hinaus aufs Land? Und wenn auch in Gemeinden, in denen wohl Lehrer sind, solche doppelte Arbeit an der Jugend geleistet würde, was wäre dagegen einzuwenden? Müßte nicht jeder Lehrer, der unterstützt würde in seinem hohen Beruf, solche Unterstützung dankbar begrüßen? (Sie dürfte natürlich nicht seine materielle Stellung beeinträchtigen oder gar verschlechtern,) Und alle, die Lehrer und Gemeindeverwaltcr, die Rabbiner müssen mithelfen, dürfen nicht abseits stehen mit Achselzucken und Belächeln theoretischer, unerfüllbarer Forderungen. Nichts ist unerfüllbar, wo der Wille und die Begeisterung mithilft. Wenn erst einmal alle wollen, wenn erst einmal diejenigen, an die ich mich in erster Linie wende, die Agudo Vorkämpfer, die Idee der Nen-Verjüdischung (man verzeihe das unschöne Wort) in ihrer vollen Bedeutung erkannt, in ihrer ungeheuren Tragweite erfaßt haben, dann wird die „Verjüngung", die ich für die Wissen und Lernen entbehrenden Kinder der kleinsten Landgemeinden sehnlichst herbciwünsche, nicht auf sich warten lassen. „Verjüngung" nenne ich es,mit Vorbedacht heute. Was ich wünsche, gleicht ja so sehr jener „Verjüngung" der Natur, gleicht ja so sehr dem Zeitpunkt, da „die Bäume ihr stilles, winterliches Fest der Verjüngung feiern", wenn der Schewat-Mond seine „Lichthöhe" erklommen bat, „Lichthöhe"! S. R. Hirsch hat das Wort geprägt in seiner Schewatbetrachtung (Ges. Schr. III>! Eine Lichthöhe soll erklommen werden! Ein Ruf ergeht nach all der geschauten Zerstörung „zur Ackersäuberung, zur Wegcbesserung und Straßenherstellung!" Ein Ruf ergeht an alle, die helfen können. Und keiner wird die Wucht der Frage unbeachtet lassen, der Frage, die S. R. Hirsch in anderer Zeit hinausgerufen hat ins jüdische Land: „Soll unsere Zeit nur groß sein der Zerstörung und so armselig und verächtlich im Bauen? Soll nicht endlich die Größe der Zerstörung eine noch mächtigere Größe des Wiederaufbaues wecken? Können wir denn so gar nichts tun ... in dieser armen-großen Zeit?" Ladenburg. Siatl Darmstädter.