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Blätter · 1919-01-01 · 1/2 (Januar/Februar 1919) · p. Seite 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
1/2 (Januar/Februar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 17 (sequence 20)
Language
German
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19 Mehr Opferfreudigkeit. Wir haben es in Würzburg gehört, haben es in Cassel abermals vernommen: „Unsere Jugendorganisation braucht Geld, wen inehr Geld, als ihr zufließt, will sie ferner erfolgreich arbeiten". Das ist verständlich. Der Betrieb der weit ausgespannten Organisation, die Entsendung von Wanderrednern und vor allem die Herausgabe unserer Zeitschrift erfordern große Mittel. Voller Freude haben ivir im Dezember unser „Blättchen" zu den „erledigten Akten" gelegt, und mit Stolz und Dankbarkeit begrüßen wir jetzt die neuen, stattlichen „Blätter". Und, unbegreiflich! unverbesserliche Jugend, die wir sind, träumen wir heimlich immer noch davon, daß doch noch mal ein 14 tägiges Erscheinen unserer Zeitschrift möglich werden wird. Für diese Aufwendungen müssen unsere Mitglieder sorgen. Gewiß, wir sind alle ehrlich begeistert von der Agudoh-Jdee, den Agudoh- Zielen. Es wird mehr gelernt als vorher, es werden Beziehungen zwischen den verschiedenen Gruppen angeknüpft, man sorgt und müht sich, unsere Kleinsten schon für dos Judentums unverfälschte Ideale zu gewinnen, Uno viel Vorrräge toerden gehalten, Reden, aus denen leidenschaftliche Glut der Begeisterung tönt, die beim Hörer mit der gleichen feurigen Hingabe ausgenommen werden. Aber wir dürfen es dabei nicht bewenden lassen. Wir müssen mehr tun, mehr finanzielle Opfer bringen. Gestehen wir es uns offen ein: wir können in dieser Hinsicht noch manches von anderen Vereinigungen in der Judenhrit lernen. 5ie Zionlsten und Misr.,- chistcu bringen mit Selbstverständlichkeit und Lust jedes Opfer für ihre Organü sation. Kein Ausflug, keine private gemütliche Zusammenkunft vergeht, ohne daß nicht des Nationalfonds gedacht wird. Wollen wir uns nicht auch dazu erziehen, bis zur größten Leistungsfähigkeit für lmfcre Agudeli zu geben-/ Fällt es uns schwer, Mittel zu erübrigen, dann sollten wir manche Lebensannehmlichkeit dem hohen Ziele opfern. Schön und gewinnreich wäre es zum Beispiel, wenn statt jedes gestickten Lautenbandes der Betrag der Agudoh Organisation zufiele. Müssen denn Agudoh Mitglieder, denen die Sehnsucht nach Erfüllung unserer jüdischen Hochziele mit Glut im tiefsten Herzen brennt, so viel Geld in die Cafes, in die Kinos tragen? Müssen Zigaretten im Übermaß für teures Geld verpafft werden? Dächten wir. bei jedem überflüssigen Pfennig, den wir ausgeben: . . . „unsere Jugendorganisation braucht Geld", wir würden unser Gewissen schärfen, unfern Verantwortlichkei ssinn heben, und unsere Kassen besser füllen. Es ist bedauerlich, aber verständlich, daß der Antrag P e l s in Cassel aus jährliche Abgabe von 5 Ji pro Kops au die Jugendorganisation nicht durchging. Es ist nicht jedem jungen Mitglied möglich. 5 J( zu zahlen. Aber es zahlt auch nicht jeder, dem cs m ö g l i ch ist. Wir sollten diese freiwillige Besteuerung mit fröhlichem Herzen aus uns nehmen. Wir wollen doch nicht unser Vorbild in der Gegenwart sehen, wo erst gottlob endlich Staatszwang mit Gewalt den Leistungsfähigen die Beiträge entnehmen muß. Als Jugend des altehrwürdigsten Volkes wollen wir uns lieber nacli dem Wort: Scheal Owicho wjagedcho richten, wollen danach streben, an Gebefreudigkcit und Opferbercitschast den Vorbildern unserer Vergangenheit gleichzukommen, von denen das Gottcswort lehrt: „Zu viel bringt das Volk für den Dienst am Werk, das der Ewige befohlen hat, es zu tun". Fulda. Hanna Lipstadt.

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