Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 1/2 (Januar/Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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16 indem es uns verständnisvoll auseinandersetzte, daß man über eine Orange בורא פרי העין sagen müsse, weil Gott sie auf dem Baume wachsen läßt, dagegen über eine Melone פרי האדמה. In der obersten Mädchenklasse kamen wir gerade zum יע?עיה-Unterricht. Ein Mädchen von 14 Jahren erklärte in fein gewähltem Hebräisch ben Inhalt des 6. Kapitels. In einer der unteren Klassen wurde gerade das Einmaleins auf Hebräisch geübt. Ganz besonders interessant war uns die Haushaltungsschule, die mit der Mädcheitschule verbunden ist. In der schönen sauberen Küche standen gerade zwei Mädchen an dem großen Herde beim Kochen des Mittagessens für etwa 40 Kinder. Das ältere der beiden erklärte uns den Nährwert des heutigen Essens mit genauer Preisberechnung. — . Als wir die Schule verließen, war es bald Mittag. Im Hause unseres Wirtes erwartete uns ein Kolonist, um uns zur Besichtigung seiner Orangerie einzuladen. Wir nahmen die Einladung dankend an, und nach einer Stunde fuhren wir in einem kleinen Korbwagen in den ״Pardes", wie die Orangerien genannt werden. Unter Führung des Besitzers besichtigten wir sie. Zum größten Teile war sie schon abgeerntet, nur etwa ein Viertel zeigte noch die rotgoldene reife Frucht. Der freundlichen Aufforderung unseres Führers, uns selbst Orangen abzupflücken, kamen wir gerne nach. Noch nie hatten wir solche Früchte gegessen, da die nach Europa verschickten nie recht ausreifen dürfen, um nicht während der Fahrt faul zu werden. Zu fast jeder Orangerie gehört eine Wasserpumpe, die durch einen Petroleummotor getrieben wird. Sie speist einen riesigen Wasserbehälter, aus dem im Sommer die Orangerie regelmäßig bewässert werden muß, um die Hitze und Trockenheit der regenlosen Jahreszeit zu ertragen. Die Bewässerung ist das Kostspieligste am Unterhalt eines Orangengartens. — So interessant wie die Orangerie war uns der Besitzer, der auf unsere Aufforderung kurz seine Lebensgeschichte erzählte: bis zu seinem 17. Lebensjahre hatte er auf der Telser Jcschiwo gelernt. Die Sehnsucht nach Erez Jisroel trieb ihn dann her. Als ein Vetter aus Bialystok herüberzog, schloß er sich ihm an. Nun wurde aus dem Jeschiwobochur ein Landarbeiter, der für l]/2 Francs täglich mit Hacke und Schaufel im Schweiße seines Angesichtes sein Brot verdiente, abends aber in Schul bei der Gcmoro saß. Allmählich wurde er ein sehr tüchtiger Arbeiter, so daß ihm ein älterer Kolonist die Aufsicht über sein Anwesen gab. Als dieser Kolonist Ende der neunziger Jahre sich eine Orangerie anlegte, da machte er seinen Aufseher zum Teilhaber. Doch leicht war die Arbeit deshalb nicht: manch schwerer Kampf mit räuberischen Arabern mußte ausgesochten werden. Eine große Narbe an der Stirn zeigte uns, daß solche Kämpfe nicht ungefährlich gewesen waren. Ein schlimmer Feind war lange Jahre hindurch auch das Fieber gewesen, dem mancher Arbeiter und mancher Kolonist zum Opfer gefallen war. - ״Aber", meinte er ״die schlimme Zeit ist jetzt vorüber" ׳ - leider kamen wärend des Krieges noch viel schlimmere und freudig blickte er auf die in der Nachmittagssonne liegende Orangerie mit ihren dunkelgrünen Bäumen und dem großen Vorratshausc, vor dem gerade eine Karawane Kamele mit Orangenkisten beladen wurden, die süße Frucht nach Jerusalem zu bringen. - Jetzt ertönte ein Glockenschlag, als Zeichen, die Arbeit cinzustellen. Die schnell sinkende Sonne ermahnte uns zur Eile, wollten wir noch recht zum Minchagebet kommen. Begleitet von unserem freundlichen Füller, der uns noch schnell einen Korb Orangen mitgab, kamen wir zur großen Ortssynagoge, wo jetzt ein ununterbrochenes Kommen und Gehen war, von Kolonisten, Arbeitern und Handwerkern, die von und zu Mincho kamen. Nachdem wir in einem der Nebenzimmer gebetet hatten, gingen wir in den großen Hauptraum, der jetzt das Bild eines Bes Hamidrosch bot. An einigen Tischen wurde גמרא gelernt, am anderen משניות; an einem großen Tisch