Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 1/2 (Januar/Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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12 genug gewesen, so war doch der Abstand von dieser Zeit her ein gewaltiger. In der Königszeit fanden sich noch immer Männer, die in die Bresche treten konnten und eZ auch taten. Die Propheten fanden beim einfachen Manne des Volkes ein geneigtes Ohr und noch bis zum Ende der Königsepoche fanden sich doch Männer, die aus der Zeit des Königs Chiskia und seines großen Enkels Josija nicht ganz ausgestorben waren — die belehrend auf diejenigen einwirken konnten, die nicht jede Belehrung a limine von sich gewiesen haben. Anders aber jetzt, nachdem 50 lange Jahre der völligen geistigen Verödung über das Land hinwcggegangen waren. Es war eine völlige geistige Einöde, die Serubabel mit seinem Gefolge hier antraf. Wollen wir uns ein Bild machen von dem religiös-geistigen Zerfall der Palästina-Bevölkerung, so brauchen wir bloß den viel späteren Bericht von Nehemia vorwegzunehmen, den er von einer Zeit gibt, in welcher sich die Verhältnisse schon einigermaßen gebessert hatten. Kap. 13, Vers 23/24, גם בימים ההם ראיתי את היהודים הושיבו נשים אשדדיות עמוניות : נחמיה ומואבית. ובניהם חצי העם מדבר אשדודית ואינם מכירים לדבר עברית וכלשון עם ועם ״Auch sah ich zu jener Zeit Jehudim, die aschdodische, ammonitische und moabitische Frauen geehelicht hatten. Und was ihre Kinder betraf: die Hälfte des Volkes redete aschdodisch und verstand nicht ״Jehudith" zu sprechen, wie die Sprache eines anderen Volkes gesprochen wird." Ein weiteres noch größeres Hindernis erstand ihnen in den Samaritanern, die hauptsächlich den Norden Palästinas bewohnten. Es waren dies die Nachkommen der Chutäer, jenes Volksstammes aus Chutha, den die assyrischen Könige vom fernen Asien hierher verpflanzt hatten. Diese hatten sich jetzt während des Interregnums als die eigentlichen Herren des Landes gefühlt, umsomehr, als sie es dahin gebracht hatten, daß die im Lande zurückgebliebenen Jehudim sich ihnen und ihrer Lebensweise assimiliert hatten. Durch Verschwägerung mit ihnen beherrschten sie völlig und so waren sie — die Samaritaner —, das herrschende Element im Lande. Es ist begreiflich, daß diese Kreise beüürzt waren, als durch die Erlaubnis des Cyrus nunmehr die eigentlichen Besitzer des Landes sich anschickten, in dasselbe zurückzukehren. Sie waren nun darauf bedacht, wie sie die Rückkehrenden unschädlich machen konnten. Ihr erster Versuch ging dahin, wie sie es mit den in Palästina Zurück״ gebliebenen getan hatten, die Remigranten zu völliger Verschmelzung mit ihren Ideen und damit auch mit ihrem Volkstum zu veranlassen. Dahin ist es aufzufassen, wenn sie an Serubabel mit dem Ansinnen herantraten: נבנה עמכם כי ככם נדרוש לאלקיכם ולא אנחנו זבחים מימי אסרחדון מלך אשור Wir wollen mit Euch bauen, denn wir beten so wie Ihr Eueren Gott an und ihm opfern wir seit den Tagen Esarhaddon's, des Königs von Assyrien." Sie erklärten sich nicht etwa bereit, von ihrer bisherigen halb götzendienerischen Lebensanschauung abzulassen. Sie wollten vielmehr in ihrer Art beharren und hierbei doch gemeinsam mit den eigentlichen Jehudim das בית המקדש bauen. Unter diesen Umständen konnte es nicht überraschen, wenn Serubabel und Josua sie mit ihrem Ansinnen znrückgewiesen haben. Es handelte sich in der Betrachtung der Dinge um zweierlei. Einmal um den prinzipiellen Standpunkt und sodann um die Gefahr, die die Verbindung mit einem völlig heterogenen Kulturkreis für die schwachen Ansätze zur Bildung eines neuen jüdischen GemeinwesenD unweigerlich mit sich bringen mußte.