Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 1/2 (Januar/Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Wir wollen aber doch, da ein Teil des jüdischen Volkes sich anschickt, in der einen oder anderen Weise von dem Lande seiner Väter Besitz zu ergreifen, an der Hand der jüdischen Geschichte sehen, wie wir an den Wiederaufbau des Landes gehen, von welchen Prinzipien wir hierbei geleitet sein sollen. Wir wollen sehen, wie und unter welchen Grundsätzen sich der Aufbau der zweiten jüdischen Staatlichkeit vollzog. Denn wenn auch einzelne Modi des Wiederaufbaus von dem unter Esra verschieden sein müssen, die Grundgedanken müssen dieselben sein, wenn von der Errichtung eines wirklich jüdischen Staatswesens die Rede sein soll. I. Nach den Angaben in den beiden biblischen Büchern Esra und Nehemia haben wir es mit drei verschiedenen Phasen in der Rückkehr der Exilanten von Babylon — damals schon Persien — nach Palästina zu tun. Die erste Rückkehr vollzog sich unter Führung des Serubabel, des Sohnes Schealthiels und des Priesters Josua, die zweite unter Esra und die dritte unter Nehemia. Die erste Rückkehr unter Serubabel, dem Enkel des nach Babylon exilierten Königs von Juda, Jechonja, hat nicht einer gewissen Feierlichkeit entbehrt. Nach einem Berichte in der alten Chronik סדר עולם sei Serubabel, als ein Sprößling des davidischen Königshauses, auch in Babylon das Oberhaupt der dorthin Verbannten gewesen. Wenn nun König Cyrus ihm und dem Abkömmling der Kohanimfamilie Zadok die Rückkehr nach Erez Jisroel gestattet hat, ja sie sogar an die Spitze der Rückkehrenden gestellt hat, so zeigte er hiermit deutlich, daß er nichts dagegen hatte, wenn sie an die Vergangenheit anknüpften und sich wieder staatlich einrichteten. Um die Oberherrschaft Großpersiens brauchte es Cyrus nicht bange zu sein. Sein Statthalter westlich des Euphrat sorgte schon dafür, daß dieser kein Abbruch getan ward. Von umso größerer Bedeutung ist diese Erlaubnis, das jüdische Gemeinwesen neuerdings zu konsolidieren, für die Rückkehrenden selber gewesen. Auf diese Erlaubnis mag es zurückzusühren gewesen sein, daß die angesehensten der Emigranten zu den nunmehr Rückkehrenden gehört haben. Nicht weniger als 85 in sich geordneter Familien haben mit Serubabel den Rückzug angetreten. Alle diese Familien waren von ihren Oberhäuptern, ראשי האבות genannt, geführt. Sie waren versehen mit den Geräten des Tempels, mit reichlichen Geldmitteln, und Empfehlungen und Anweisungen des Königs Cyrus waren ihnen an seinen Statt- Halter mitgegeben, daß er die Heimkehrenden in ihrem Vorhaben in weitgehender Weise zu fördern habe. II. Nach mehrmonatlicher Reise kamen die ersten Remigranten, 42000 Personen an Zahl, glücklich in Jerusalem an. Die Zustände, die sie da und in Erez Jisroel überhaupt antrafen, waren sehr niederdrückend. Sie, die mit keinesfalls glänzenden Erwartungen gekommen waren, um sich im Lande ihrer Väter als Pioniere zu betätigen, hatten sicherlich nicht mit einer solch schwierigen Lage gerechnet, wie sie in Wirklichkeit vorlag. Diese Schwierigkeiten waren vorerst mehr geistiger Natur, aber später sollten sich aus ihnen auch schwere politische Hemmnisse ergeben. Wir möchten diese Schwierigkeiten zur leichteren Übersicht in zwei Gruppen teilen. Das eine, allen Wiederaufbau äußerst erschwerende Moment war der geistige Tiefstand des im Lande zurückgebliebenen Volksteiles. Denn, waren die Zustände im letzten Jahrhundert der Königszeit auf diesem Gebiete auch schon traurig