Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 1/2 (Januar/Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Erfüllung unserer letzten, angelegentlichsten, eigentlichsten Ziauns-Hoffnungen können wir von den Erdmächten nicht beanspruchen, noch erwarten, unser Palästina- Endprogramm verwirklicht nur Meschiach Zidkcjnu. Was aber Agudas Jisroel mit den Thoratreuen allüberall zunächst erwartet, wird m. G. H., soweit menschliche Berechnung reicht, mit und ohne „Zionismus" erlangt. — Unsere Kolonien werden gutjüdisch. Wie aber ist das übrige Land vor der Tummo zu retten? d i e Frage bleibt offen. Agudas Jisroel hat der „Zionistischen Vereinigung" zu diesem Zwecke gemeinsames Vorgehen vorgeschlagen; unsere Bedingung wurde abgewiesen. Wir haben es ihr zum zweiten Male nahegelegt, und es ist allerdings anzunehmen, daß den Verhandlungen zum zweiten Male ausgewichen oder durch undenkbare Vorbedingungen ein Riegel vorgeschoben wird. Der Gedanke an das Land tut weh. Vielleicht kommt, wenn die Theorie der Praxis den Platz räumt, trotz allem gegnerischen Widerstand ein generelles oder doch von Fall zu Fall wirksames Abkommen zustande. Darauf müssen wir einstweilen hoffen. — Die sichere Abhilfe wird erst kommen, wenn der „Zionismus" sich zu Ziaun bekennt und zu unserem Volksgedanken: Gottes ist das Volk, Gottes die Tauro, Gottes das Land. Am 26. Januar 1919. G. Schmidt. Messianismus und Zionismus. Mit Ideen ist es ein merkwürdig Ding: man kann sie nicht tot schreiben und tot reden und erst recht nicht tot schweigen; cs nützt nichts, sie abzulehnen oder gar mit Leidenschaft zu verdammen; nicht einmal der Nachweis logischer Widersprüche oder historischer Unzulänglichkeiten raubt ihnen die Lebenskraft. Für Ideen gilt das Gesetz der Kongenialität: ein Idee kann stets nur durch eine andere Idee, nicht zwar widerlegt, wohl aber überwunden werden. Der sogenannten Reform des Judentums, wie sie am Anfangdes 19. Jahrhunderts in Deutschland inauguriert wurde, lag eine Idee nicht zu Grunde. Sie erschöpfte sich in Negationen; sie negierte das jüdische Volkstum, sie negierte das jüdische Gesetz und ließ schließlich vom Judentum nur einen Faden Monotheismus übrig, wie er im Westen längst Gemeingut aller Gebildeten ist. Ihr gegenüber konnten wir uns mit einer einfachen Absage begnügen und konnten im übrigen unser Augenmerk auf den Nachweis konzentrieren, daß die Werte des Judentums zeitlos seien und in ihrer Zeitlosigkcit die Auseinandersetzung mit den zeitgeborenen Werten der Völker nicht zu scheuen hätten. Anders der Z i o n i s m u s. Er nennt allerdings mit Recht eine Idee sein eigen. Er stellt als Theorie eine Auffassung des Judentums dar, die nicht negieren, sondern deuten, nicht zerstören, sondern aufbauen will. Der Zionismus ist die einzig mögliche wirkliche „Reform" des Judentums, ist Zuendedenker der zagen und schülerhaften Gedankengänge eines H o l d h e i m , eines Geiger und eines P h i l i p p s o h n , der aus dem Torso, das jene hinterlassen, einen konsequenten und achtunggebietenden Bau errichtet hat, mit dessen Vorhandensein wir uns niemals abfinden dürfen, den wir vielmehr mit all seinen Fundamenten entwurzeln müssen, wenn anders dem Judentum nicht die größte Gefahr drohen soll, die es in seiner ganzen bisherigen Geschichte erlebt hat. Holdheim, Geiger und Philippsohn stürmten gegen das Gesetz und machten aus ihm im Westen einen wüsten Trümmerhaufen. Das war ihre Lebensleistnng. Das nannten sie „Reform". Was denn nun eigentlich übrig bliebe, wenn einmal