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Blätter · 1919-01-01 · 1/2 (Januar/Februar 1919) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
1/2 (Januar/Februar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 4 (sequence 7)
Language
German
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6 Jedoch auch die Verständigungsmahner, die wohlmeinend davor warnen, daß man der Well das betrübliche Schauspiel der Zwietracht im jüdischen Lager biete, auch sie können beruhigt sein. So grundverschieden auch in Weltanschauung und Sinnesart unsere Gruppe von den andern ist, so grundverschieden die Gesichtspunkte und Gründe sind, aus denen heraus die Gruppen ihre Forderungen für die Judenhcit Vorbringen — d i e Forderungen selber sind die gleichen: die Gleichberechtigung der jüdischen Individuen überall, das Recht zur Bildung jüdischer Gemeinschaften mit Selbstverwaltung in den Ländern jüdischer Massensiedlung und schließlich das jüdische Gemeinwesen in Erez Jisroel. In concreto sind wir also alle einig. Die ganz verschiedenartige Begründung wird aus der ganz verschiedenartigen Auffassung des Volksgedankens jedermann verständlich und gereicht vor dem Völkerbund keiner der Parteien und erst recht nicht unserer Gesamtheit zur Unehre. Jo klarer und plastischer der gewaltige Unterschied zwischen unserem und jedem andern Nationalismus uns immerwährend vor Augen steht, je weniger versucht wird, den geistigen Gegensatz zu verwischen, je fester vor allem das jüngere Geschlecht sich die Einzigartigkeit unseres Volksbekenntnisses auf die Herzenstafeln und in die Hirnzellen gräbt, umso leichter, freundschaftlicher, unbefangener wird sich in praktischen Dingen die Zusammenarbeit zwischen Orthodoxie und „Zionismus" handhaben lassen, umso brüderlicher und friedlicher werden die Personen aus beiden Lagern einander begegnen können. Um des Friedens unter den jüdischen Menschen willen haltet die einander wesensfremden Grundsätze scharf auseinander. Furchtbar wäre der Fehler, wenn sich aus unserem Lager der Anschluß an den Misrachi mehrte, wie es dessen beredte und rührige Werber während dieser Woche in Wort und Schrift mühereich und unablässig anstreben, weshalb wir umso nachdrücklicher davor warnen müssen. Den Personen gebührt eine andere Sprache als dem System. Darum sei es wiederholt hervorgehoben: wir ehren und schätzen die Thoratreuen des Misrachi-„Zionismus", so sehr wir es bedauern, daß sie durch den Einbruch gerade in unsere Reihe uns diese Abwehr aufzwingen. Wir verstehen ihren idealistischen Wunsch, unter „zionistischer" Herrschaft innerhalb der Organisation für Gott und Thnuro einzutrcten. Sie waren in jugendlichem Eifer „Zionisten" geworden, glaubten der Sache des unverfälschten Judentums damit nützen zu können und haben es in zwanzig Jahren endlichen Mühens ständig versucht. Damals gab es noch keine andere Organisation ihres Sinnes, die sie der „zionistischen" hätten vorziehen können. Jetzt sind sie darin und wollen nicht austreten, wie cs viele ihrer Fraktionsgenossen taten, die es im „Zionismus" nicht aushalten konnten und ihm wehen Herzens den Rücken gedreht haben. Es war in der Tat von den „zionistischen" Leitern versprochen worden, daß seitens ihrer Vereinigung nicht gegen das jüdische Gesetz verstoßen werde. Man hat auch zweifellos den guten Willen gehabt, die Rücksicht auf die gesetzestreue Minderheit durchzuführen. Lieber Himmel! wenn aber einmal im Büro viel zu tun war und am Schabbos gearbeitet werden mußte, so geschah das wahrlich nicht aus Rücksichtslosigkeit, so viel Einsehen müßten die anspruchsvollen Misrachisten schon haben. D a liegt eben der Grundfehler. Aus Gründen inner Taktik verhieß und leistet man im allgemeinen gern die Beachtung der Thoraverbote, obwohl sie („zionistisch" gedacht), doch nur allenfalls den Einzelnen binden, für die Nation aber belanglos sind. Organisationsbüros und Sekretäre stehen indessen im Dienste der Gesamtheit, und die Rücksicht auf diese steht voran — soviel Einsehen müssen die anspruchsvollen Misrachisten schon haben. Was geht für uns daraus hervor? Aus Rücksicht auf einzelne Menschen gab man die Zusage, nicht aus Rücksicht auf die Verbote des Nationalgesetzes, dessen Gebote

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