Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 1/2 (Januar/Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Isaiah 1× ep/1005097
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4 höhnt man drüben. Propaganda treibt man doch wohl für das, was man zu erringen sucht. Was wir uns und den Unfern erstreben, ist im Sinn unseres Volksgedankens aber an erster Stelle Gottesfurcht und Thoraliebe, die positivsten Ziele, die wir kennen. Treiben andere ihr Propaganda (und fast nichts sonst) um dieser selbst willen, zu lediglich politischen Zwecken — sollten wir es nachäffen? Das wäre nutzlose Vergeudung an Zeit und Kraft. Unsere Werbearbeit wird in Haus und Schule geleistet, im Bes hakneses und bei den sifre kaudesch, unsere Propaganda- Redner sind Moses, David und Jesaja, unsere Propaganda-Mittel sind die Mizwaus. Der rein technische Zusammenschluß der so Geworbenen ergibt sich leicht, sobald die Grenzen offen stehen werden. — Den „Anschluß" versäumen wir aber nicht, weil wir keines Anschlusses bedürfen, weil wir uns keiner fremden Bewegung anschließen können; weil wir wohl praktisch mit andern arbeiten, doch niemals Wesenseins mit ihnen werden dürfen; weil wir unsere Sache nur durch die Besten des Judentums vertreten lassen und nicht durch die Anwälte des Abfalls, der K'firo; weil wir nur im Namen Gottes und der Bibel verhandeln und nicht als selbständige Tagespolitiker Geschäfte treiben; weil wir gehört werden mit den andern und verstanden werden, besser als sie; und weil in Herz und Sinn der überwältigenden Mehrheit des Gottesvolkes unsere Forderung lebt und keine andere. Gottes i st d a s Volk, G o t t e s i st d i e T h a u r o . G o t t e s i st d a s Land. — Das ist die wahrhaft „große Aktion" des jüdischen Volkes. Das ist in Wirklichkeit die einzig denkbare Einheit. Das ist die nationale Grundlage für die Einigung aller Kinder Israels. Sie ist es. Und wenn uns hundert Mal entgegnet wird: wie können die Thoralosen zu solcher Einheit gehören? so antworten wir immer wieder: Jawohl, jawohl, sie gehören dazu. Denn nicht so sehr die individuelle Treue zur Thauro und Mizwaus macht Jisroel zum Volke, als vielmehr ihre Verpflichtung s k r a f t, die sich in erster Reihe auf die Nation als Ganzes und dann erst auch auf jedes ihrer Glieder erstreckt. Alle sind Fleisch und Blut derer, die am Sinai standen. Alle haben sie die Seelen von denen, die den Vertrag mit Gott vor Himmel und Erde beschworen haben. Mitgeschworen haben die eigenen Seelen. An den Vertrag sind sie alle gebunden. Brechen können sie ihn, aber aufkündigen können sie ihn nicht. Dieser Vertrag macht die zwölf bis vierzehn Millionen Einzelner zur Nation. Durch diesen Vertrag wurden, sind und bleiben wir das Volk der Juden — durch nichts sonst. Weg mit dem Gerede von der politisch-nationalen Einheit — die Voraussetzungen dafür fehlen, der Maßstab keines Nationalbegriffcs ist anwendbar, und alle äquilibristischen Kunststücke bringen keine Angleichung heraus. Sind Einzelindividuen unrein, so sollen sie ihre Erlösungstat im Jjar statt im Nissan begehen; die Gesamtheit aber, und wären alle Einzelnen oder doch ihr größter Teil unrein, hat bemauadau ihr Erlösungsopfer zu bringen. Privatsache ist die Thoratreue dem Einzelnen, die Nation aber besteht unausweichlich unter und unablöslich mit dem Nationalgesetz als Einheit .... oder sie bestünde nicht mehr, wie die andern Nationen gleicher Entstehungszeit von der Bildfläche verschwunden sind. Darüber sind 98% der jüdischen Massen einig; der Wille der Gesamtheit ist dokumentiert: Gottes Volk für Gottes Thauro in Gottes Land! So ist das Volksbekenntnis seit alter Zeit für alle Zeit. Nein, den „Anschluß" versäumen wir mcht. Von drüben kommt der Spott: Die „Frankfurter Gruppe", die Herren des „Israelit" wollen sich vermessen, den jüdischen Geist besser und reiner zu begreifen als die großen östlichen Führer! — Wie kann ein ehrlicher Jude mit solchen Argumenten arbeiten! Erstlich ist es unzutreffend, daß die „Frankfurter Gruppe" allein stünde, daß es sich nur um „die Herren des Israelit" handele. Zählt die Stimmen der thorafesten Rabbinen Deutschlands, die gegen die „zionistische" Verfälschung