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Blätter · 1915-10-01 · 5 (10.1915) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
1 (1915)
Issue
5 (10.1915)
Date
1915-10-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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S. ^chachnowitz-Hrankfurt Im Zeichen des Weltkrieges. 5 sehe Opferfreude auch all den tausendfach gesteigerten Aufgaben gewachsen gezeigt. Wie die gesetzestreuen Gemeinden Deutschlands in dieser Zeit schwerer Not der alten Mutter Zion gedachten, wird allezeit ein glänzendes Ruhmesblatt in der Geschichte dieser traurigen Tage bilden. - Wenn so bei uns in den deutschen Landen die Juden als Vollbürger, als Kinder ihres Landes und ihrer Zeit, deren Graus und Größe ungeteilt miterleben, so bewahrheitet sich für das Gros der Iudenheit im Osten der talmudische Erfahrungssatz vom doppelten Leidens maße des Juden. Als Bürger und als Jude hat er all die Nöte der Weltkatastrophe bis zur Neige auszukosten. Gleich zu Kriegsbeginn erkannte man mit Entsetzen in den Namen der russischen Führer die Stützen der auf Judenverfolgung eingestellten schwarzen Gesellschaft, und man wußte, es Hub ein Feldzug gegen die Juden an, und ein recht erfolgreicher. Kosakenplünderungen, Iudenmorde im Großen und Kleinen, Verwüstungen jüdischen Eigentums, Massenaustreibungcn, Ausrottungen ganzer blühender Gemeinden — als Rache für im Felde erlittenen Niederlagen — dies der erschütternde Inhalt des neusten traurigsten Kapitels in der Geschichte des russischen Golusleides. Und doch fällt bereits auch im Osten der Blick auf die Ecke, wo aus tiefstem Leide das Heil zu erblühen beginnt. Millionen Juden sonnen sich bereits in Polen, Littauen, Kurland und Wolynien in der Bürgerfreiheit, die für sie bislang nur im Reiche der Träume vorhanden war; ein Strom neuen Lebens, dem granitenen Felsen deutschen Rechtes und deutschen Ordnungssinnes entsprungen, durchrieselt die alten, der freien Initiative bisher fest verrammelten Straßen Westrußlands. Und ein Aufatmen geht durch Stadt und Land. Noch dürfen wir nicht das Fazit der Ereignisse ziehen, noch nicht uns in Betrachtungen über die Dinge von morgen ergehen. Ansichten und Vorschläge, wie sie beispielsweise in der vor kurzem (bei Lehmann, München) erschienenen Schrift vom Kaiserlich Geh. Regierungsrat Georg Fritz zur Äußerung gelangten und die in dem Ruf nach einer Grenzsperre für die polnischen Juden gipfeln, können uns über die künftige Gestaltung der Dinge im okkupierten Osten nicht ernstlich beunruhigen. Auch lastet noch die bange Frage auf dem

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