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Blätter · 1915-10-01 · 5 (10.1915) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
1 (1915)
Issue
5 (10.1915)
Date
1915-10-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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4 S. Schachnowitz-Frankfurt Im Zeichen des Weltkrieges. uns nicht erst das Bewußtsein geweckt zu werden. Dieses lebte und blieb wirksam auch in den Tagen kleinlicher Verkennung und nationaler Engherzigkeit. Heute, nach mehr als einem Jahre Weltkrieg, legen aber unzählige Auszeichnungen und Beförderungen von Juden, ungezählte jüdische Soldatengräber in Ost und West, hervorragende charitative Einrichtungen von Gemeinden, Vereinen und Privaten ehrendes Zeugnis ab von der Art, wie der jüdische Patriotismus seine Feuerprobe bestanden hat. Freilich war das Kaiserwort auch als Gelöbnis, als Sicherstellung von Rassenhaß und Klassengeist bedrohten Menschenrechtes gedacht, was kleine Seelen nicht gleich einsehen konnten und wollten. Einen letzten Rest seines ätzenden Giftes konnte sich der Antisemitismus auch in die große Gegenwart hinüberretten, um damit, allem Burgfrieden zum Trotze, zuweilen die reinsten, größten Momente der nationalen Erhebung zu trüben. Sie werden, wir dürfen es zuversichtlich hoffen, nicht hinreichen, die geistige und mvraliche Beute dieses opferschweren Ringens ernstlich zu gefährden. Andererseits ging der große Mahner Krieg auch an unserem Geistesleben nicht unbeachtet vorbei und schuf religiöse und Gemütswerte, die uns über die Kampfstimmung des Tages hinaus ein Bleibendes bieten werden. Im täglichen Anblick des Todes draußen, wie im ewigen Hoffen und Bangen daheim, war es Seines Geistes ein Hauch, den man verspürte, der den religiösen Funken zur seelenwärmenden Lohe anfachte. Ein nie gekanntes religiöses Sehnen, ein Lechzen nach dem kühlenden Balsam des ewigen Wortes machte sich geltend, dem man in Gemeinde und Verein, in Synagoge und Familie entgegenzukommen suchte. So manches gute Buch der Belehrung und Unterhaltung dankt sein Entstehen der Not der Stunde, manches schöne jüdische Wort der Ermutigung und Ermunterung geht ins Feld als Brudergruß hinaus. Jüdische Körperschaften sorgen liebevoll für die religiösen Bedürfnisse der eigenen und Kriegsgefangenen Soldaten, überall wo sie sich geltend machen. Die Agudas Iisroel Jugendorganisation nimmt mit ihren Liebesgabensendungen ins Feld reichen Anteil an diesen Bestrebungen. Auf eine harte Probe war das jüdische Herz, die jüdische Opferkraft durch die manigfache Not von Anfang an gestellt. Kriegselend, Flüchtlingsstrom, Hunger in Palästina — waren für uns das ganze Jahr über des grausigen Krieges stete Begleitrufe. Es hat sich die jüdi-

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