Mannheim
Compact Memory

Das Echo · 1960-12-28 · 238 (28.12.1960) · p. [Seite 2]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Echo
Volume
11 (1960)
Issue
238 (28.12.1960)
Date
1960-12-28
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/9620162-9633717-9626004--528-9626006
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DAS ECHO 28. Dezember 1950. Katastrophen - Politik Trotzdem hetzt man weiter gegen Moskau, als "Heuchler und Unruhefaktor". Es scheint, dass sich gewisse Kraefte im Westen sehr darum bemühen, einen Krieg vom Zaune zu brechen. Die Kontra-Kruschtschew-Politik muss zu Explosionen führen, da dieser relativ jgemaessigte Sowjet-Politiker an Boden und Einfluss verliert, den aggressive, kriegerische kommunistische Persoenlichkeiten einzunehmen wünschen. Die Shukow, Malerikow, Kaganowitsch, Suslow u.a. ^warten sehnsüchtig auf den Tag, der ihnen aufs Neue Macht verleihen soll. Kaemen diese Kraefte im Kreml zur Regierung, dann würde der Stalinismus mit all seinen Tücken, Wirrungen und seiner Westfeindlichkeät Auferstehung feiern. Bei allen Negativen die der Kreml-Boss besitzt, ist er ein Mann des guten Wülens und des Friedens; dies ist unbestreitbar und wurde von hunderten klarblickenden Politikern und Publizisten bestaetigt. Faellt Kruschtschew, dann ist es um die Sache des Friedens schlecht bestellt. Mit einer Inkonsequenz ohnegleichen treibt man heute westliche Politik; man spricht von Abrüstung und rüstet im groessten Aussmasse, man spricht von Verstaendigung und legt auf diesem Wege Dynamit, man spricht von Kulturaustausch, und sabbotfert diesen, wo’es nur moeglich ist. Adenauer und Eisenhower sind bezw. waren gefaehrliche graue Schatten in der Weltpolitik, die mit ihrer “starken Politik" nur Unheil anrichteten. Im Jahre 1961 wird auch in 'Bonn ein neuer Mann zur Regierung gelangen; es waere weltwichtig, wenn er politisch anderer Auffassung waere als Konrad Adenauer. Kennedy, der zweilsohne ein guter Demokrat ist und liberal denkt, wird es in naechster Zeit zu beweisen haben, ob ihm das 2-geteilt© Berlin wichtiger ist als die Weltmacht Russland, ob er die nervliche und charakterliche Kraft haben wird, um gegen die US - Kapitalmacht und gegen ehrgeiziges Militaer, sich als liberal-demokratischer Politiker durchzusetzen; gelingt ihm dies, wird er als "Grosser Praesident" in die Geschichte der USA eingehen. Es ist keine kommunistische, sondern eine rationalistische, pazifistische und demokratische Einstellung, wenn man empfiehlt, dass es an der Zeit waere, den Menschen zu sagen, dass im demokratischen Lager nicht alles so gut ist, wie es eine Propaganda wahr haben moechte, anderseits aber im kommunistischen Raum auch nicht alles so schlecht ist, wie man es den westlichen Voelkern einblaeut. Beide Staats-Systeme sind noch nicht gegoren, es arbeitet noch kraeftig im Bau der Fundamente. Eine Ko-Existenz waere sowohl für den Sowjetismus, als auch für die Demokratie von hohem Wert, denn man würde sich dadurch so nahe kommen, dass man gegenseitig lernen, Gutes annehmen, und Falsches abstreifen würde. Beide Systeme haben keinen Grund zur Ueberheblichkeit, aber beide Formen in eine kluge Kombination gebracht, koennte etwas ergeben, was einen gewaltigen Fortschritt fuer die Menschheit bedeuten koennte Die Stunde der Annaeherung ist ungewoehnlich günstig. Hierin sollte der neue US - Praesident seine primaere Aufgabe sehen und alle übrigen Probleme cds sekundaer betrachten. Eine Konvergenz zwischen Washington und Moskau ist theoretisch moeglich, es liegt nur an dem Geschick, wo man den Punkt der Konversation ansetzt, um aus Theorien zur Praxis zu gelangen. In diesem grossen Schachspiel n den Frieden, ist Kennedy der Koenig, der aber seinen Gegner nicht matt setzen sollte. Kennedy - die Hoffnung aller Friedliebenden! Wenn John F. Kennedy die Kraft haette, die reaktionaeren, beunruhigenden Kraefte zu isolieren, die cembitioese Politik des Charels de Gaulle, die sowjetfeindliche Kcnrad Adenauers zu limitieren, wenn Kennedy die Rüstungen, die Atombasen und die Blockbildungen auf ein vernünftiges Mass reduzieren koennte, wenn er haftenden Kontakt mit dem Kreml finden würde — waere ein sehr grosser Teil der gigantischen Weltprobleme geloest. Und noch eines waere wichtig, dass Kennedy es tut; seinen Einfluss auszunutzen in der Foerderung der Entwicklung der United Nations zu einem neutralen, unparteiischen Friedensinstrument. Es gibt dafür viele Dokumente (u.a. im Buch von L. L. Matthias "Die Entdeckung Amerikas"), dass die UN schon von Anfang an dazu missbraucht wurde "eine Politik gegen Russland zu treiben". Mit diesen üblen Praktiken muss nun endlich Schluss gemacht werden, damit die gegenseitigen, friedensgefaehrdenden, vertrauensspaltenden Provokationen nicht voellig das Ansehen der "Vereinten Nationen" untergraben. Die Alternative für unserer aller Zukunft: Eine Welt in Frieden, der eine zerstoerte aus unzaehligen Wunden blutende Welt! Es gibt heute keine andere Wahl, und diese Entscheidungsenge muss zum rationalem Zwang führen: den Frieden zu sichern! Der Weg zu Frieden oder Krieg ist klar, denn über Leben oder Tod in dieser Welt haben nur die USA und die UdSSR zu entscheiden. ut l/Velt Der neue US-Prctesident ist hurtig am Werk um die Zeit bis zur Praesidentschaftsübemahme ausunutzen. Kennedy sendet Botschaften an Regierungsoberhaeupter, in denen er diesen seine Sympathie und die Hoffnung auf gute Zusammenarbeit ausdrückt. Die Botschaft an Adenauer enthaelt u.a. den Passus vom "unbezwingbaren Führer der Freien Welt". John F. Kennedy hat auch bereits eine Anzahl der wichtigsten Ministerposten besetzt, nicht immer so' wie man hoffte, aber dennoch hoffnungsverheissend. In manchen seinen Entschlüssen ist seine Haltung mit Truman identisch, zu dessen Administration man jedoch nicht immer Ja sagen konnte. Es waere fahrlaessig, aus den heutigen Dispositionen von Kennedy, irgendwelche entscheidenden Schlüsse zu ziehen. Viele liberale Demokraten glauben fest daran, dass de<r neue, junge, tatkraeftige US-Praesident ein Weltführer sein wird, dessen Werk die Welt staerken und versoehnen dürfte. Pessimistischer darf man bei der Beurteilung der Situation in Algerien sein. Charles de Gaulle, der ohne zu erroeten ausspricht “Ich — Frankreich" hat bei seinem kürzlichen Algerien-Besuch ein Blutbad hinterlassen und Stimmungen erlebt, die ihn bewiesen haben dürften, dass es dort nur eine Laesung gibt: Bedingungslose Freiheit für Algerien. Als Russland den faschistischen Aufstand in Ungarn niederknüppelte, war die "freie" Weit darüber lichterloh empoert, man beschimpfte den Kreml monate—, jahrelang, als Mcerder von Freiheitsbewegungen. Was sich in Algerien abspielt, seit vielen, vielen Jahren, ist gleichfalls Mord an dem Freiheitswillen feines Volkes. Es wurden unsagbare Brutalitaeten, Folterungen und Torturen durch Franzosen in Algerien bewiesen — aber hier schwieg geschlossen das demokratische "Gewissen", und stützte den Aggressor. Ein Protest passte eben nicht in das aussenpo- Mische Konzept, und so wurde das um seine Freiheit kaempfende Volk Algeriens durch die "freie" Welt in immer groesseres Elend gebracht, was aber immer mehr seine Freiheitskraft stimulierte. Im Westen spricht man sehr viel von Humanismus, von Selbst- ' bestimmung der Voelker, in praxi aber wird nur das Verbrechen verdammt, was die Gegenseite tut. Humanismus aber sollte ein unteilbarer ethischer (und auch politischer) Begriff sein. elkas Allein diese Maechte haben es in der Hand, dass die Welt nicht zusammenstürzt, sondern ausammengeführt wird im Dienste der Humanitaet, des Fortschrittes, der Wissenschaften und der Wirtschaft. Was bisher getrieben wurde, war Katdstraphen-Politik. Ein neuer Wind weht vom White House her, der alles verjagen soll, was bislang ehrliche Friedenskonstruktion stoerte. In diesem Sinne wünscht die friedliebende Welt, John F. Kennedy, vollen Erfolg in seiner poltischen Arbeit. LUDWIG K. STARGARDT. KURZ-KOMMENTAR: Israel marschiert... Es gab wohl niemals in der Staatsgeschichte eine Nation, die sich in kürzester Zeit derart entwickefn könnt«, wie es bei dem Staat Israel der Fall ist. Dieses Phaenomen “Israel” hat im Verlaufe von 12 Jahren auf militaerischen, diplomatischen, industriellen und wissenschaftli. chen Gebieten Erfolge errungen, die für einen Staat vom Format von Israel als einzigartig zu bezeichnen sind. Auf vielen Gebieten ist Israel achtungsgebietend führend. In diesen Tagen berichtete z.B. die Presse, dass ein grosser Teil des deutschen Bundesheeres in Kürze Uniformen tragen wird, die in Israel gefertigt wurden. Im Uebrigen hat die deutsche Bundeswehr beste Erfahrungen mit den Leichtwaffen gemacht, die ihr aus Israel geliefert wurden. Es ist allgemein bekannt, dass Juden lin der Atomphysik Ausserordentliches geleistet haben; Namen wie Einstein, Teller, Oppenheimer u.a. sind die prominentesten unter denen der grossen Atomforscher. Ein« wahre sensationelle Mitteilung, die die ganze Welt aufhorche iess, war die offizielle Ankündigung von David Ben Gurion .dass Israel heute zwei Atomreaktoren besitze, die es ihm praktisch moeglich mach«n, Atombomben zu bauen. Hier hat das kleine und arme Israel einen gewaltigen Vorsprung vor groesseren und maechtigeren Staaten, deren Ehrgeiz es ist, Atomwaffen zu schaffen. Denn die komplizierte Atomspaltung ist heute ein Symptom für die Kraft und Macht eines Landes. Israel hat es geschafft und kann in dieser Beziehung in die Grossmaechte eingeordnet w«rden! Die Nuclear Reaktoren bei Tel Aviv und im Negew werden von der israelischen Regierung nremafls missbraucht werden, sie werden ausschliesslich der friedlichen (technischen und medizinischen) Forschung dienen. Den umliegenden arabischen Laendern aber wird es wieder einmal klar gemacht, welche immense Leistungsfaehigkeit und Bedeutung der junge und kleine Staat Israel besitzt und es ein Gebot primitiver Klugkeit wa«re, wenn di« arabischen Laender mit Israel Frieden schiliessen und gemeinsam arbeiten, damit das reiche Nah-Ost-Gebiet fruchtbar aufgeschlossen werden kann. Der Genius Israel marschiert.. Leistungen durch Geisteskraft und Idealismus werden im Judenstaat geschaffen, die wahrscheinlich einst für die gesamte Kulturwelt von gravierender Be. deutung sein werden. * 9 i ■i* 99999996

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.