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Das Echo · 1960-11-18 · 236 (18.11.1960) · p. [Seite 6]

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Journal
Das Echo
Volume
11 (1960)
Issue
236 (18.11.1960)
Date
1960-11-18
Page
[Seite 6] (sequence 6)
Language
German
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6. ‘‘DAS ECHO” 18. November 1960, MEDIZIN UND MEDIZINISCHE FRAGEN, CHEMOTHERAPIE ODER NATURMEDIZIN? Die Industrie ist maechtig, und dank ihrer kapitalistischen und organisatorischen Potenz konnte sie bisher in immer groesserem Umfange Raum gewinnen. Diese Expansion kommerzieller Kraft hat sich auf manchen Gebieten als gut erwiesen und konnte den Volksstandard verbessern. Die pharmazeutische Industrie konnte ganz besondere eindringliche Erfolge registrieren. Das pharm. Markensystem wurde aber zu einem Alpdruck von Aerzten und Apothekern, die, wie das Laienpublikum, von der Fülle von Neuerscheinungen auf dem Arzneimittelmarkt verwirrt wurden. Auf dem weiten Felde der Pharmakognosie blüht — wie das Veilchen — versteckt, die Phytotherapie, eine Wissenschaft, die uralt ist gediegene Resultate aufzeigen kann, aber dennoch stiefmütterlich behandelt wird, weil sie nicht “modern” ist. ln der Arzneikunde aber sollte es das Wort 'modern" nicht geben; Erfolge in der biologischen Praxis lassen sich nicht aktualisieren sondern sind zeitlos, doch Normen, diese Praxis zu erweitern und zu immer groesseren Erfolgen zu führen. a Gerade bei uns in Lateinamerika besitzt die Pflanzenhe:!kunde eine besonders geringe Bedeutung. Die modernen Menschen und die Staedfer verachten das, was die alten Indios, die Medizinmaenner uralter Sekten, für gut und richtig erkannt haben, die mit pflanzlichen Stoffen Heilungserfolge beweisen koennen, auf die die moderne Chemotherapie mit Recht neidisch sein darf. In der Pflanzenheilkunde trifft es zu, dass manches heilbringende Goldkorn unbeachtet auf der Leidensstr.as- Sg der Menschheit liegt. Manch; Produkte raffiniertester Arzneimitteltechnik und der pharmazeutischen ürossindustrie reichen nicht heran, an die therapeutischen Effekte so mancher, heute halbvergessener Heilpflanze. Die moderne Medizin wird durch den modernen Mediziner bestimmt, der aus Beauemiichkeit in die reich ausgestatteten Kataloge der pharmazeutischen Industrie greift und die darin empfohlenen Mittel rezeptiert. Dies ist eine Methode, die wenig zeitraubend ist, und die der Patient auch gern akzeptiert, da die grosse Werbung der Arzneimittelindustrie ihm auch den Erfolg suggeriert. Gewiss, wir wollen uns nicht mit den alten Kraeuterheen befassen, sondern in moderner Sicht die Situation der Phytotherapie überprüfen. Trotzdem moechten wir den Blick kurz zurueck schweifen lassen und die bedeutenden Verdienste von Moenchen und stillen naturverbundenen Heilkundigen (Erasmus, Darwin, Withering u.a.) aufzeigen, die uns das arzneiliche Wunder vieler Pfianzen aufschlossen. Es würde den Rahmen eines pharmakologisch-populaeren Zeitungsartikels sprengen, wenn wir uns ausführlicher mit den Monographien von Heilkraeutern beschaeftigen wuerden. Nur soviel: Gerbstoffe, Sterine, Kie. selsaeuren, Saponine, Chlorophyll, Carotin, Enzyme, iMinaralstoftfe und Vitamine etc. koennen von hohem pharmakodynamischen Effekt sein, sie koennen u.a. tonisierend, entgiftend und zellverbessernd wirken. Ein sehr grosser Teil unserer Pflanzen enthaelt Wirkstoffe, die für zahlreiche Indikationen angezeigt sind und die es verdienen, dass mehr als bisher, sich Aerzte, Biologen und Pharmakologen mit den therapeutischen Moeglichkeiten unserer Heilkr.aeuter ernsthaft beschaeftigen. Ein Feld fruchtbarer Forschung liegt in der weiten Pflanzenwelt, von der man im pharmakologischen Sinne, relativ noch recht wenig weiss. I Die Chemotherapie hat ihre na- I türlichen Grenzen, die ein unendlich j weites Feld der Phytotherapie sprengt. Die modernen Forschungsmethoden (Fltioreszens-Mikroskopie u. a. Untersuchungsformen) koennen aus Pflanzen, aus ihren Saeften, Kernen, Wurzeln, neue Wirkstoffe gewinnen, die in der fabrikatorischen Ausbeutung verhaeltnissmaessig preisniedrig sind und daher geeignet sein dürften, Volksme dizinen im besten Sinne des Wortes zu werden. Hochbedeutende Mediziner und Wissenschaftler wie Paracelsus, Haller, Hahnemann und andere mehr, hatten die grosse Bedeutung der Pflanzenmedizin erkannt, die durch eine hoch technisierte Arzneimittel-Grossfabrikation und ein propagandistisch gewaltig aufgezogenes Markensystem, veri draengt wurde. Das Wort des edlen deutschen Dichters, Friedrich Schiller, hat auch noch heute seine volle Berechtigung: “Suchst du das Hoechste, das Groesste? -- Die Pflanze kann es dich lehr, enl”. i Dr. Stargardt. I FLUCH DER ATOMSTRAHLEN Die gesamte Medizin ist alarmiert rden. In den Atomenergie-Produkisstaetten mehren sich die Fael’e i toedlich verlaufender akuter ikaemie, einer unheimlichen Blutiche. Als auslcesenden Faktor man die Atomstrahlung erkannt, e Heilung scheint nach dem hetitii Stand der Wissenschaft ausgelossen. Die erkrankten Atomarbeimüssen unter grausamen Qualen linsiechen. Die Krankheit faengt iz harmlos mit Fieber an. Schütrost tritt ein, Anzeichen einer Blut- "iftung treten auf, im Mund, am infleisch und an den Mandeln nmt es zu schweren Entzüundungen 1 schliesslich zu Geschwürbildungen, r Erkrankte magert zum Skelett ab; ,er Milz und Lymphdrüsen sind groessert, das Brustbein schmerzt er Druckeinflüssen. Eine Blutunsiichung am Knochenmark ergi t n die schreckliche Gewissheit: akute Leukaemie. Wie beim Krebs die Koerperzellen am Krankheitsherd sich in wilder Unordnung voellig zügellos vermehren und dahinwuchern, so vermehren sich bei Leukaemie die Leukozyten, die weissen Blutkoerperchen. Sie brechen schliesslich, aus ihren Entstehungsgebieten heraus, verdraengen die roten Blutk oerperche-n und überschwemmen die Blut bahn. Dabei gelangen auch sehr viele unreife Leukozytenzellen in das Blut. Der Ausgangspunkt der Leukaemie ist eine krebsaehniiehe Entartung des blutbildenden Gewebes, das weiss die Wissenschaft. Ueber ihre Entstehung, sursachen tappt sie trotz intensiver Forschung aber noch im Dunkeln. “Krebs ist gegen Leukaemiefast harmlos zu nennen”, sagte, ein hervorragender Kenner der Materie. “Beim Krebs erzielen wir bereits sehr schoene Erfolge, indem wir das wuchernde Gewebe chirurgisch entfernen. FORSCHUNG MS KUNO-EM SCHICKSALSFAKTOR “Das Klima bestimmt unser Schicksal.” Mit: diesem Satz fasst ein amerikanischer Wissenschaftler, Ür. Raymond Holder Wheeler — Leiter der Klimaforschungen eines wetter- (USA) — die Ergebnisse seiner Arbeiwissenschaftlichen Institutes in Illinois ten über bisher unbekannte Zusam. menhaenge zwischen Weltwetter und Menschheitsgeschichte zusammen. Alle bedeutenden EerGgnisse und Entwicklungen der letzten 3000 Jahre haben sich, wie er nachzuwejsen sucht, in regelmaessig wiederkehrenden Zyklen abgespielt, die den jeweiligen Klimaperieden entsprechen. Aus fast gesetzmaessigen Wechselwirkungen laesst sich nach Ansicht Dr. Wheelers auch die kulturelle und politische Menschheitsgeschichte der kommenden Jahrzehnte Voraussagen. Wetterkarten der Riesenkiefem Die Beschaeftigung mit verschiedenen Kulturkreisen brachte Dr. Wheeler eines Tages auf den Gedanken, das Auf und Ab der das Schicksal der Menscheit bestimmenden Ereignisse kurvenmaessig aufzuzeichnen, Bereits die ersten, noch ungenauen Tabellen Hessen fast genau periodisch auftretende Wellenzüge erkennen. Der Zutall wollte es, dass zur gleichen Zeit ein andrer Forscher, Dr. A. E. Dougla s, angefangen hatte, die Jahresringe von 1500 Jahre alten Arizona-Gelbkiefern zu studieren. Die Ringe waren jahrelang abwechselnd fett, dann wieder schrumpelig. Sie mussten also in feuchten oder trockenen Jahren entstanden sein. Wie Dr. Wheeler zu seinem Erstaunen bemerkte, stimmten die Wetterkurven der Kiefern genau mit seinen eigenen “Kulturkurven” überein. Sollte das Klimamuster der amerikanischen Kiefern eventuell auch für die übrige Welt zutreffen? Um diese Frage beanworten zu koennen, begann Dr. Wheeler Anfang der dreissiger Jahre seine Forschungen in dieser Richtung. Vor mehr als hundert Jahren wurden keine .zuverlaassjgen Wetterberichte ausgegeben. Dr. Wheeler war daher auf indirkte Beweise angewiesen. Das Studium der Baumringe erlaubte ¡in Verfolgen des Klimas bis zum Jahre 1000 v. Chr. Verblüffenderweise fand er im Zeitraum um 1290 sehr dünne Jahresringe dieser Baumriesen, die von einer grossen Trockenheit in Kalifornien zu berichten wissen. Tatsaechlich ereignete sich damals auch eine grosse Hungersnot in Aegypten, waehrend China und Indien unter Missernten litten. Zahlreiche andere Beweise ergaben, dass in bestimmten Jahrzehnten überail in der Welt Trocken- und Dürrperioden vorherrschen, die wiederum von heiss-feuchten Zeiten abgeloest werden. Dass Weltwetter folgt — so nahm Dr. Wheeler an — einer Gesetzmaessigkeit, die seit Tausenden von Jahren die gleiche bleibt. Dabei lassen sich mehrerer Zyklen genau unterscheiden. Der groesste unter ihnen hat eine Periodendauer von etwa 1020 Jahren. Neben ihm existieren mehrere mit kürzerer Ablaufszeit. Sie betragen nach den Berechnungen Dr. Wheelers 510, 170 und 100 Jahre. Sozialrelormen;n “KaltperJCden” ln welcher Weise beeinflusst dieser Rhythmus des Weltwetters die Menschen? Grosse militaerisclie Führer pflegen mit Sicherheit in heissen Zeu. naeuren aufzutauchen. Attila, Wilhe.m der Eroberer, Karl der Grosse und Napmeon sind Beispiele dafür Für die Jetztzeit führt Dr. Wheeler Eisennower und Romme) an. Neunzig Prozent aller historischen Juden Verfolgungen ereigneten sich in warmen Perioden. Eine Waermekurve herrschte auch zur Zeit der Christenverfo.gungen in Rom. Angefangen von dem Krieg Nebukadnezars gegen Jerusalem im Jahre 5S5 v. Cnr. bis zu Napoleon und Hitler fallen 90 Prozent aller Kriege und Zeiten des Despotismus in warme Perioden. Beginnt das Weltthermometer zu fallen, und mag es auch im Mittel nur um eine ouer zwei Grad Ce.sius sein, so treten Individualismus und i endenzen zur Freiheit und Toleranz hervor. Die franzoesische Revolution vv:e c>ik i, uie amerika..ische ereigneten sich wachend einer solchen “Katltekurve”. Die meisten grossen Sozialreformen — die Magna Charta, die Bill of Rights, die Abschaffung der Sklaverei und Leibeigenschaft — geschahen in Perioden der Abkühlung. Christus, Karl Marte,1, Dante, Luther, Calwin,. Washintgon, Lincoln lebten in ihnen, ebenso wie 90 Prozent ahei Koeuige, die den Beinamen "der Grosse“ tragen. Frieden bi» zuni Jahre 2000? Dr. Wheelers historische “Kurven der menschlichen Entwicklung” in den vergangenen 3000 Jahren verleiten dazu, sie zu extrapolieren, um prophezeien zu koennen. Was haben wir — nach dem Wetterzykius wenigstens — in den kommenden Jahrzehnten zu erwarten? Die zweite Haelfte unseres Jahrunderts wird im allgemeinen kait sein. Nur ausnahmsweise soll das Thermometer in den Jahren 1962 und 1970 steigen. Diese Jahre sieht Wheeler als Gemurenpunkte an. Wjrd in diesen Zeitraetimen kein Krieg begonnen, so haben wir eine Zeit des Friedens bis zum Jahre 2000 zu erwarten. Da dann .allerdings der 510er und der 170er Zyklus Zusammentreffen, müsste eine grosse “Weltwende” eintreten. Als sich die beiden Kurven in der Vergangenheit schon einmal schnitten, brachen zwei grosse Reiche zusammen, das roemische und das Karls des Grossen. Ein zweiter historischer Punkt ihres Zusammentreffens eroeffnete im Mittelalter den Weg zur Renaissance, ln jedem Fall starb eine alte Welt und eine neue wurde .geboren. Die “Renaissance nach dem Jahre 2000" — so meinte Wheeler — wird viel durchgreifender, aber auch dramatischer sein, als die des 15 Jahrhunderts. Die Welt wird nicht vom Kommunismus regiert sein, wohl aber von einer Demokratie, die vollkommener sein wird als alle bisherigen in der menschlichen Geschichte. Dr. N. Alken Das geht bei der Leukaemie nicht. Wir koennen nicht mehr tun, als zu versuchen, die Entstehung der weissen Blutkoerperchen zu verringern. Roentgenstrahlen bringen dieses Wunderwerk zuwege. Aber meistens ist der Erfolg nur von vorübergehender Datier, weil man die Erkrankten nicht inem Dauerbombardement der harten Roentgenstrahlen aussetzen kann, Ihre Haut würde verbrennen und das blutbildende Gewebe zerstoert. Als wachstumshemmend erwiesen sich auch wohldosierte Gaben von hoch, giftigem Arsen und dem befürchteten Kriegskampfstoff Stickstofflost. Abei auch sie darf man nicht unbegrenzt reichen, sonst ist der Schaden groesser als der. Nu-tzen. Eine letzte Hoff, nung besteht in dem voelligen Austausch des erkrankten Blutes durch Transfusionen.

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