Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 11 (1960)
- Issue
- 236 (18.11.1960)
- Date
- 1960-11-18
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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18» November 1960. “DAS ECHO“ 5. Die Aufzeichnungen In Deutschland erschien ein Buch, das über eine Reihe von V/orgaengen der Naziepoche neue Aufschlüsse gibt. Es handelt sich um “Der stille Befehl Medizjnalrat Kersten, Himmler und das Dritte Reich” van Achim Besgen. Dieser Bericht zeigt nicht nur die Charakterzüge eines der “treuesten Diener” Hitlers, des Reichsführers Heinrich. Himmler auf, beweist nicht nur die innere und aeuss«re Korruption der Groessen Nazideutschlands, er wirft ajjch neues licht auf die Einstellung des Grafen Bemadotte sowohl den Nazis als auch den Juden gegenüber. Achtlindert Tagebuchseiten über Heinrich Himmler — das ist naemlich ihr Hauptthema — sind enthü.le.-i. Ue Dokumente. Sie stellen bloss, und sie stellen klar. Heinrich Himmler, der das Herrenmenschentum predigte, der in 120 Jahren Aufnordung afe Deutschen wieder gross, blond und blaitaeugig machen wollte, war in sicli seibst unsicher, verklemmt und schwankend. Hitler und Hitlers Befehle waren sein einziges Rückgrat. 'Wenn Hitler mit ihm telefonierte, nahm er stramme Haltung an. Als Kersten ihn einmal fragte, wie er seine millionenfachen Morde rechtfertigen wollte, war Himmler ganz erstaunt und zog ein Schreiben Hitlers .aus der Tasche und verwies auf den Passus, dass doch Hitler für alle erteilten Befehle die volle Verantwortung übernehme. Er Himmler, sei doch nur Ausführender, auch bei der “Endloesung” der Judentrage. Im übrigen habe er sich persoenlich das anders vorgestellt. Eduard Alexander Felix Kersten wurde am 30. September 1898 in Dorpat, der Universitaetsstadt Livlands und dem geistigen Zentrum des Baltikums, geboren. Der 20-jaehrige Kersten trat 1918 in die finnische Armee ein und beteiligte sich als Leutnant an den Befreiungskaempfen gegen die Russen. Bei einem Lazarettaufenthalt entdeckte der Arzt Dr. Ekmann die besonderen Massagefaehigkeiten Kerstens. “Sie haben ja Kapital inlhren Haenden!” Andere Aerzte rieten dem jungen Massagetherapeuten, nach Berlin zu gehen und sich dort weiterzubilden. Im Berliner Hause des berühmten Chirurgen Professor August Bier traf Kersten mit dem chinesischen Arzt Dr. Ko zusammen. Dr. Ko verlangte von Kersten, auf finnische Art massiert zu werden. Darauf sagt er zu ihm: “junger Freund, Sie verstehen noch gar nichts. Aber dreissig Jahre habe ich auf Sie gewartet. Sie sind ein Auserwaehlter. Wenn Sie mir versprechen, so zu bleiben, haben Sie ein unschaetzbares Gut in Ihren Haenden!” FÜR NATURHEILKUNDE Kersten fühlte sich lange Jahre durch die Tatsache beeintraechtigt dass er wegen seines fehlenden Abiturs kein ordentliches Medizinstudium absolvieren konnte. Auf Grund des Heilpraktikergesetztes konnte er schliesslich 1941 zum Arzt für Naturkeikunoe bestallt werden. Der finnische Reichstag gab ihm den Titel, eines Medizinalrates. Die schicksalsvolle Begegnung mit Himmler war im Maerz 1939. Zwei Grossindustrielle vermittelten ihn an den damaligen Reichsführer SS, der an sehr schmerzhaften Stoerungen im Nervensystem litt. Himmier hatte manchmal Schmerzanfaelle, meist Magen'kraempfe, die ihn stundenlang be wusstlas machten. Diese sich immer wiederholenden Anfälle konnte Kersten jeweils in wenigen Minuten Behandlung lindern und zum Abklingen bringen. Waehrend des Krieges verbrachte Kersten als “Hofarzt” Himmlers viele Wochen und Monate in dessen Kommandostelle. Er gewann einen ausserordentlichen Einfluss auf Himmler und machte sich diesen Einfluss zunutze. Im Jahre 1940 probierte Kersten zum erstenmal seinen Einfluss aus. Nach einigen Hin und Her gab Himmler einen Grubensteiger, der als Sozialdemokrat wegen Beleidigung des Führers in ein Konzentrationslager gesteckt worden war, frei. Kersten kannte die Menschen meist gar nicht, die er dann in immer mehr steigender Zahl befreite. “Er - rettet einfach Zahlen. Er besitzt heute noch Listen, auf denen viele Namen von Geretteten stehen, die er niemals kennengelernt hat”. Im einzelnen verhinderte Kersten die Durchführung eines von Hitler an Himmler gegebenen Auftrages, drei Millionen “unzuverlaessige” HoUaender nach Osten umzusiedeln. Er verhinderte teils mit direkten Bitten, teils mit listigen Ratschlaegen die Auslieferung finnischer Juden nach Palen. Einmal holte er 15 Franzosen, ein andermal 30 Norweger oder 50 holla«ndische Studenten heraus. Himmler sagte einmal scherzhaft, dass er jede Behandlung durch Kersten beim Aufstehen vom Behandlungsbett mit Menschenleben honorieren müsse. Als der Krieg seinem Ende zuging, glaubte Himmler durch grosszügige Freilassung vom Haeftlingen und Juden seinen eigenen Kopf retten zu EICHMANN - EIN JUDE? Erschrecken Sie, lieber Echo-Leser, nicht, über diese Ungeheuerlichkeit. Diesen knalligen Titel lasen Millionen von Deutschen waehrend der letzten Woche. Der Untertitel der gross aufgemachten Schlagzeile lautete: “Für Eichmanns Taten ist Deutschland nicht verantwortlich!” In der Meldung heisst es, dass Adolf Eichmann jüdischer Abstammung sei, diese Nachricht stamme aus einer argentinischen Zeitung, die diese Nachricht wie folgt brachte: “Las autoridades israelis han comprobado que Eichmann es de origen judio!” Diese Tollheit erschien in der astrologischen, weit verbreiteten Wochenschrift “Neue Weltschau”, die auch im gleichen Artikel die kühne Behauptung aufstellt “Millionen von Nationalsozialisten waren keine Judenfeinde” und dann sich “demokratisch” gibt indem sie weiter berichtet: “Die Weltgeschichte zeigt, dass jedes Volk, dass sich gegen Israel wandte, zerstoert wurde. Israel hat eine Berufung in unserer Welt und im Leben aller Voelker”. Ein Artikel der ein typisches Beispiel für eine niedertraechtige Re. daktionsführung ist, die den Nazis ebenso wie den Demokraten dienen will; Vermutungen in die Welt setzen, Zweifel aufkommen zu lassen, ist eine alte antisemitische Handhabe, die bei der Giftauslegung spekuliert “etwas wird dabei schon vergiftet werden!” Diese verlogene Israelfreundlichkeit auf der einen Seite und die antisemitische Giftstreuung auf der andern Seite, begegnet man reichlich in de: deutschen Presse, die oft charakterlos ist und es mit “beiden” Seiten halten will. Aber in welches Lager die famose “Weltschau” gehoert beweist klar ein weiterer Artikel in der gleichen Ausgabe unter dem posaunenhaften Titel “Hitler war kein Narr!”. I des Felix Kersten koennen. Er beauftragte Kersten, der eine Wohnung in Stockholm unterhielt, mit der Herstellung von Kontakten zur amerikanischen Seite. Kersten draengte auf die Freilassung saemtlicher skandinavischer Haf.inge aus den Konzentrationslagern. Er hat nur teil, weise Ertolg. So gibt .Himmler bei einer Unterredung in Triberg im Schwarzwald, am 8. Dezember 1944, 1.000 hollaendisehe Frauen, 800 Franzoesinnen, 400 belgische Staatsangehoerige und 500 Polinnen frei. Wenige Tage spaeter bestaetigt Kersten in einem Brief an Himmler noch die kreiiassung von 2.700 Juden aus dem Lager Theresienstadt, die dann in die Schweiz abtransportiert wurden. Eine seltsame und bis heute noch nicht aufgeklaerte Affaerg ist die Roille, Oie der schwedische Graf Bernadottie bei der Freilassung schwedischer Gefangener durch Himmler spielt. Himmler hatte sein ZugestaenUnis an die Bedingung geknüpft, dass Schweden die Gefangenen mit eigenen Autobussen abzuholen habe. Aber es vergehen lange Wochen, bis die Schweden diese Moeglichkeiten benutzen. Als am, 11. Maerz Kersten Himmler besucht, erklaert ihm dieser, dass Bernardotte sich geweigert habe, die Juden, die er, Himmler, freigegeben habe, mitzunehmen. In den Unterlagen Kerstens befindet sich folgender Brief Bernardottes: “10 Maerz 1945. Sehr geehrter Herr Himmler. Die Juden sind in Schweden ebenso unerwünscht wie in Deutschland. Daher verstehe ich Sie vollkommen in der Judenfrage. Wie mir Medizinailrat Kersten mitteilte, haben Sie ihm 5.000 Juden freigegeben zum Abtransport nach Schweden. Ich bin damit nicht zufrieden, denn ich will keine Juden abtransportieren. Da ich das aber offiziell nicht verweigern kann, so bitte ich Sie, tun Sie es, Herr Himmler”. Durch die Intervention Kerstens sind dann bis zum Kriegsende unge-- faehr 19.000 Personen aus 27 verschiedenen Nationen aus deutschen Konzentrationslagern oder Gefangenenlagern nach Schweden gerettet worden. ALLE DETAILS GEPRUEFT Medizinalrat Kersten, den der Infarkttod in einem Hammer Krankenhaus entseelte, ohne dass jemand seine wahre Identität ahnte, hat einmal auf die Frage, warum er nicht den millionenfachen Judenmoerder Himmler mit seinen Haenden umgebracht hat, geantwortet: “Nicht alle konnten Helden oder Maertyrer sein”. Alle Details des Buches, so unglaublich sie auch erscheinen moegen, sind nachgeprüft und von einer hoilaendischen Historiker-Kommission bestaetigt worden. Kersten diente Himmler in einer makabren Atmosphaere. Er sah das Gewimmel zynischer Herrenmenschen, aber auch nachdenklicher SS-Offiziere’. Himmler war ein zwiespältiger Mann Seine Lieblingslektüre war der Koran'. i r catarros SE COMBATEN RAPIDAMENTE ./ POR US FAMOSAS ¿PASTILLAS i 1VI HE O EN VENTA EN TODAS LAS FARMACIAS Als er einmal auf Bitten Kerstens 27katholischen Geistlichen die Freiheit gab., bemerkte er: “Ja, Kersten, Sie haben recht behalten. Wir haetten die Kirche nicht angreifen dürfen, denn sie ist staerker als wir. Wenn ich tot bin, sollen diese Geistlichen auch für meine Seele beten”. Tagebuch des Teufels Bei seinem letzten Staatsbesuch auf der Erde führte der Teufel ein Tagebuch, das durch eine Indiskretion in falsche Haende gekommen ist. Wir veroeffentlichen einen Auszug aus diesem Tagebuch. Donnerstag, den 14. Neue Hoellenquai auf der Erde entdeckt: Laerm. Beschlossen, in der Hoelle Radio einzuführen, das von morgens bis abends arme Seelen peinigt. Sünder haben sich auf der Erde vor allem durch Strassenverkehr vermehrt. Teufel — da bin ich los! Motorfahrzeuge machen Hoellenlaerm und riechen ganz heimatlich. Leider versuchen Schutzleute als Strassenntissionare Menschen daran zu hindern, sich gegensitig auszurotten. Montag, den 18. Bericht von der Seelenboerse: Bei lebhafter Abrufstaetigkeit ist die Lage am Seelenmarkt weiterhin flatterhaft. Tugenden zeigen nachgebende Tendenzen bei verstimmten Preisen für prompte Ware. Auf den Bürgerkriegssehauplaetzen gehen Greuel flott ab. Bei einem starken Angebot an Lastern haben sich Habgier und Neid kraeftig erholt. Traegheit konnte sich behaupten. Die Produktion an Lügen wurde kra-ef/ig gesteigert: das ¡Angebot konnte ohne Kursdruck mühelos in der Politik untergebracht werden. Am Sündenmarkt, der gut beauptete Notierungen aufwies, stand Geiz im Vordergrund, da eine hohe Dividende in Aussicht gestellt wird. Kaeufliche Liebe war bei starker Zurückhaltung etwas billiger zu haben und schloss zu niedrigen Tageskursen. Fehltritte waren gefragt, gaben dann nach und zogen schliesslich kraeftig an. Dummheit zeigte sich widerstandsfaehig und verspricht eine wesentliche Ausweitung auf Sünden und Laster, die hohe Renditen in Aussicht stellen. Mittwoch, den 20. In einem Restaurant beim Haehnchenbraten zugeschaut und Erfahrungen für Hoelle gesammelt. Entschlossen, dort einen Grill einzurichten. Arme Seelen werden an Spiesse gesteckt, mit heissem Fett übergossen, über offenem Feuer gedreht, mit Kognnak benetzt und flambiert. Einem Politiker alle Wahlversprechen nachgewiesen, die er nicht gehalten hat. Seine weitere Karriere mit guten Vorsaetzen gepflastert. Ihm den schwarzen Uriansorden mit Pech und Schwefel verliehen. Hoellenverdienst- Kreuz Zweiter Klasse an verschiedene Ehefrauen, die Leben ihrer Maenner auf Erden zur Hoelle machen. Samstag, den 23. Vor Freude Feiertag gemacht, weil auf einer Abrüstungskonferenz kalter K'ieg leicht angewaermt wurde. Dienstag, den 20. Sehr boese geworde", weil Besuch \om Vertreter einer Feuerversicherung. Mich schliesslich überreden lassen, meine Zigarren g. gen Feuer zu versichern. Mit Psychiater geredet, der mir Klargemacht, meine Hoerner und Pferdefuss seien rein psychisch bedingt. Müsse in meiner Jugend unglückliches Erlebnis mit Ziegenbock gehabt haben. Ihn gefr.at: “Doktor, sind Sie des Teufels?”