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Das Echo · 1960-11-03 · 235 (3.11.1960) · p. [Seite 4]

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Journal
Das Echo
Volume
11 (1960)
Issue
235 (3.11.1960)
Date
1960-11-03
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German
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6 6 DAS ECHO 3. November I960. 3. No« M. KILAI: S Die juedische Gemeinschaft in Italien hat den besten Willen ihre juedische Substanz zu erhalten, aber sie ist noch mehr als in Frankreich, ohnma-echtig; und die Assimilation, die in Italien schon vor dem ersten Weltkrieg viel staerker und intensiver war als in anderen westeuropaeischen Laendern, nimmt staendig zu. Italien hat heute ca. 30 000 Juden, fast weniger als die Haelft-e der Zahl vor dem Kriege, obgleich nur 20 % des Vorkriegsjudentums vernichtet wurde. Ein viel groesserer Prozentsatz des Vorkriegs-Judentums ist dem Judentum durch Taufe verloren gegangen. In den Staedten Rom (12000 Juden) Milan (6000) und in Turin, Florenz, Venedig und Livorno (zwischen je 1000 und 1500 Juden) versucht man durch Sunday Schools, Religionstunde und hebraeischen Sprachunterricht den Kindern eine juedische Erziehung beizubringen. Es gibt in Rom be. sonders das Problem der juedischen Jugend des Ghettos in Rom, was zwar auch ein soziales Problem ist, aber in erster Reihe ein juedisches, das sicherlich die Hilfe auch vom Ausland braucht. Die Tuerk'zi, die jahrelang ohne einen Rabbiner war, zeigte vor einigen Jahren eine Aenderung bezueglich der juedischen Minderheit, und als erstes wurde ein neuer Oberrabbiner offiziell gewaehlt. Damit begann die juedische Gemeinschaft in der Tuerkei groesser- Bewegungsfreiheit zu erlangen. Trotzdem wanderten sehr viel" Juden aus der Tuerkei aus, wobei zu beruecksichtigen ist, dass die sephardischen Gemeinschaften in Liebersee schon seit Jahrzehnten aus Einwandern, die aus der Tuerkei und Griechenland stammten, bestehen. Tuerkei zaehlt heute ca. 60.000 luden, und es ist sicherlich nicht uebertrieben, dass eine eben solche Zahl Juden in den letzten zwanzig Jahren die Tuerkei verlassen haben, davon sollen in Israel allein 40.000 Juden, die aus der Tuerkei stammen, leben. In Istambul wohnen ca. 50.000 Juden, in Izmir 6.000, in Ankara 3.000 und in kleineren Gemeinden ca. 1.000 Griechenland, das vor dem Krieg 75.000 Juden hatte, zaehlt jetzt nur knapp 7.000, und fast die einzige .aktive Gemeinde ist Athen. Die Athener juedische Gemeinde hat am wenigsten von dem Nazimassaker gelitten. Der Athener Rabbiner, der noch heute ais Rabbiner amtiert — trotzdem Saloniki auch eine organisierte juedische Gemeinde hat und ein halbes dutzend kleinere juedische Gemeinden existieren — ist der einzige Rabbiner in Griechenland, der auch seine Gemeinde mit Hilfe der Partisanen vor den Gaskammern gerettet hat. Dieser Rabbiner bemueht sich die Jugend juedisch zu erziehen, und es sind auch juedische Clubs fuer die Jugend gegruendet worden, aber die Jugend ist eher dafuer, in diesen Clubs modern zu tanzen als modern juedisch erzogen zu werden. In Belgien leben ca. 35.000 Juden, aehnlich wie in Italien, aber mit umgekehrten Vorzeichen. Sowohl die Erziehung der Juden in Belgien, wie das Familienhaus ist juedisch-traditionell und speziell Antwerpen mit seinen 12.000 Juden ist eine juedische Gemeinschaft mit traditionellen Institutionen, Jeschiwoth und (Chass:dim- Stüblech), dabei auch gut zionistisch. Auch Brüssel mit seinen 20.000 Juden ist zwar eine ganz andere Welt als Antwerpen, aber trotzdem zaehlt auch Bruesse'l zu den guten juedischen (Jasen in Westeuropa. Auch die kleineren Gemeinden in Liege und Mit diesem Artikel beenden wir die Serie unserer Artikel ueber das Leben der Juden ,'n Europa. In vorhergehenden Aufsaetzen berichtete unser Mitarbeiter M. Kilai über die jüdischen Situationen in Russland, Polin, in andern Ostlaendem, in Holland, Deutschland, in England und Frankreich. Heute beschlossen wir diese Folge mit Berichten über jüdisches Leben in Italien, Türkei, Griechenland, Belgien, Schweiz, Oesterreich Luxemburg, Portugal und Spanien. Naturgemaess musten diese Berichte aeusserst knapp gefasst werden, doch glauben wir, dass diese immerhin doch so klar waren, dass diese unsem Lesern ein ungefaehres Bild von der Lage der Juden in Europa, vermittelten. uropas Charlero x sind von gutem juedischen Geist erfuellt. Ueber das Schweizer Judentum kann man in einem Satz sagen “Gott sei Dank, wie gehabt“. Ihre 20.000 Juden, die sie auch vor dem Kriege hatte, leben, davon ca. 70% in Zuerich Genf, Basel, Bern und Lausanne, und der, Rest verteilt sich auf ein Dutzend andere kleinere Staedte. Die jahrzehntlange Tradition des Schweizer Judentums' ist eine gute Garantie fuer das Aufrechterhalten ihrer nicht nur sehr guten juedischen Gemeindeorganisation sondern auch ihres Judentums, das typisch schweizerisch ist. Sie sind nicht sehr orthodox, aber sie sind sehr fuer ein traditionelles Judentum. Ihre Beziehung zu Israel datiert von der historischen Verpflichtung, dass die zionistischen Kongresse in der Schweiz stattgefunden haben. Es war sehr gut, dass die zentrale Feier der zionistischen Weltorganisation anlaesslich des hundertsten Geburtstag von Theodor Herzl, in diesem Herzljahr, im historischen Baseler Kasino stattgefunden hat. Die juedische Gemeinschaft in Oesterreich, die vor einiger Zeit auf knapp 10.000 geschaetzt wurde, hat in den letzten zwei Jahren eine Vergroesserung dadurch erfahren, dass eine Anzahl Auswanderer aus den Laendern hinter dem eisernen Vorhang sich in Wien niedergelassen hat. Obzwar dies meist orthodoxe Chassidim aus unga. risch sprechenden Laendern sind, hat es das Staerkeverhaeltnis in der juedischen Gemeindestube nicht geaendert. Die juedische Gemeinde besitzt eine Leitung, die aus allen Gruppen zusammengesetzt ist. Das juedische Leben in Wien ist sehr intensiv, und wenn man vom Strassenbild urteilen wuerde, koennte man sagen, dass die juedische Gemeinde in Wien eine orthodoxe Gemeinschaft ist. Wenn auch der Eindruck nicht den Tatsachen entspricht, gibt es einige sehr fromme Bethaeuser und die grosse Synagoge in der Seitenstettergasse ist an Feiertagen aeusserst stark frequentiert. Es gibt auch eine aktive juedische Gemeinde in Salzburg wie auch je ein knappes Minjan in Linz und Insbruck, wobei in Insbruck der Praesident der Gemeinde ein Ger ist, Fuerst Lubo. mirski, ein polnischer Adliger, der in diesem lahr zum Judentum ueber getreten ist. Das Budget der Provinzgemeinde wird zentral aus Wien gedeckt, was sich im letzten Jahr vereinfachte. Die juedische Gemeinden haben aehnlich wie die katholische Kirche, durch das abgeschlossene Konkordat geregelt, eine Jahressubvention von der oesterreichischen Regierung, wobei das Zahlen-Verhaeltnis der Bevoelkerungszahl nicht zur juedi sehen Gemeinschaft von heute sondern von vor dem Krieg genommen wurde. Die juedische Gemeinde fuehrt zusammen mit dem juedischen Weltkongress einen muehsamen unermuedlichen Kampf seit vielen Jahren um Gewaehrung e:ner Wiedergutmachung fuer die juedischen Opfer seitens der oesterreichischen Regierung. Ein schoenes Symbol fuer den ächten Wiedergutmachungswillen eines zwar kleinen aber noblen Volkes ist der schoene neue Bau der Synagoge in Luxemburg. In Luxemburg lebten vor dem Hitlereinmarsch 4.000 Juden, davon ein grosser Teil Fluechtlinge aus dem Saarland und Deutschland. Die Zahl der juedischen Familien im Jahre 1033 war 250 wovon ein Teil umgekommen sind. Heute ’.eben in Luxemburg zwischen 8 —■ 900 Seelen. Von der Luxemburger Regierung kann man sagen, dass sie fuer ihr Land das Verdienst buchen kann, dass sie aehnlich wie Holland alles getan hat um sich nicht an dem [unterbliebenen Vermoegen von gemordeten Juden zu bereichern, sondern im Gegenteil haben sie Mittel und Wege gesucht, um die Wiedergutmachung an den Juden wirklich durchzufuehren. Die Juden bemuehen sich in Luxemburg trotzdem sie eine kleine Gemeinschaft sind, ein juedischaktives Leben zu fuehren, was ihnen sogat ganz gut gelingt. Das es nicht in allen kleinen Gemeinden ein aktives juedisches Leben zu fuehren gelingt, zeigt Portugal. Portugal ist eine alte juedische Gemeinde, die im Weltkrieg eine glorreiche Zeit durchmachte. Lissabon war das Zentrum der Fluechtlingshilfe und lag geographisch viel besser als das neutrale Genf. In Lissabon hatte Dr. Joseph Schwarz sein Hauptquartier und alle anderen internationalen Hilfsorganisationen. Damals gab es in Lissabon eine dreifache Zahl Juden wie heute. Es gab einen Verein dei polnischen Juden, die sich Polacos Judíos nannten, die ein sehr reges juedisches Leben gefuehrt haben. Von diesen “Polacos Judíos” gibt es jetzt in Lissabon noch einzelne, unter ihnen M. Ryten, der immer noch versucht, diese Gemeinschaft juedisch zionistisch zu beeinflussen. Die eingeborenen Lissaboner, meist sphardische Juden sind diesen Einfluessen nicht sehr freundlich gesinnt und neigen eher zu den nichtjuedischen Einfluessen als zu den israelischen, so zum Beispiel lehnen die Gemeindegewaltigen in Lissabon es ab einen Versuch zu unternehmen, juedische Kinder vom christlichen Religionsunterricht zu befreien, was ohne Weiteres moeglich waere. Eine neue juedische Gemeinschaft •Tekrutiert sich in Spanien, speziell in Madrid, von Einwanderer aus Tunis. Die Juden, die ihre sephardische Abstammung nachweisen koennen, bekommen gleich Einreise mit Aufenthaltserlaubnis in Spanien. Es gibt heute schon zwei relativ gut organisierte Gemeinden, eine groessere in Barcelona und eine kleinere in Madrid. Waehrend man vor dem Krieg glaubte, dass keine tausend Juden in Spanien vorhanden sind, wird jetzt die Zahl der Juden in Spanien auf über 3.000 geschaetzt. Auch ist in den letzten Jahren der Status der juedischen Gemeinde legalisiert worden, und das Gemeindehaus in Barcelona, von aussen nicht als solches erkennbar, hat schoene Vereinsraeume und Clubs fuer die Jugend. Das Haus hat zwei Synagogen, eine sephardische und eine askenasische. Wenn auch Spanien mit Israel keine Beziehungen unterh.aelt, findet man in dem Gemeindehaus nicht nur die Brlder fuehrender Persoenlichkeiten Israels sondern auch Lehrer aus Israel, die von der juedischen Gemeinde dorthin berufen worden sind. Die Stimmung des Durchchnittsspaniers ist eine israelfreundliche, wobei die spanischen Junen sehr witzig sagen, dass dies kein Wunder sei, da es sich sicherlich um solche Spanier handelt, die von den Marannen abstammen. D.as europaeische Judentum wurde vor zwanzig lahren in einem schnellen Prozess innerhalb von fünf Jahren um Zwei-Drittel verkleinert. Die Gefahr, dass das europaeische Judentum von heute durch die Assimilationswölle in beträchtlicher Kopf.anzahl dem jüdischen Volk verloren geht, ist nicht von der Hand zu weisen, wenn dieser Prozess auch ein langsamer ist und sich über einige Generationen erstrecken kann. Wenn nicht eine positive Wandlung im europaeischen ludentum vor sich gehen wird, so gilt für viele jüdische Gemeinschaften in Europa die Gefahr des Todeskusses “Mitah Benischikah” und diese Gefahr «verpflichtet jeden Juden in Israel, für den Zionisten in Israel und für den Staatsbürger in Israel, wie d:e Medinath Israel als Ganzes, alles was nur moeglich ist zu tun, um dieses europaeische Judentum für uns und für sich selbst zu retten. ifi J-*AA***** ***• WENN REISEN - DANN DURCH EXPRINTER IHRE PASSAGEN fuer Flugzeug, Schiff oder Eisenbahn IHRE HOTEL - RESERVIERUNGEN besorgt Ihnen schnellstens, zuverlaessig und preisguenstig StlVlCIO MUHDIM Dt VUJtl ' EXPRINTER Av. rw w w 1 LA PAZ Camacho (Edif. 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