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Das Echo · 1960-11-03 · 235 (3.11.1960) · p. [Seite 5]

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Journal
Das Echo
Volume
11 (1960)
Issue
235 (3.11.1960)
Date
1960-11-03
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German
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3. November 1960. “DAS ECHO 5. def»altigei5 zu unter- Kinder vom christlirncht zu befreien moeglich waere. ’ c chfJ Gemeinschaft Spamen, speziell in anderer aus Tunis. , re sephardische liweisen koennen, ™nse mit Aufenpamen. Es gibt relativ gut organi. eine groessere in kleinere in Madrid, dem Krieg glaubsend Juden in Spa- 'd. wird jetzt die Spanien auf über Auch ist in den Status der juedilegalisiert worden, haus in Barcelona, solches erkennbar, sraeume und Clubs )as Haus hat zwei phardische und eine nn auch Spanien Beziehungen unterin dem Gemeinde- Bilder fuehrender raels sondern auch die von der juedi. irthin berufen wornmung des Durcht eine israeldie spanischen Ju-?en, dass dies kein sich sicherlich um lelt, die von den n. e Judentum wurde in einem schnellen on fünf Jahren um nert. Die Gefahr, h« Judentum von ssim'iationswdlle in anzahl dem jüdieeht, ist nicht von en, wenn dieser langsamer ist und?e Generationen mm nicht eine im europäischen aehen wird, s0 $ Gemeinschaften m des Todeskusses und diese GefJ uden in IsraA fuf «1?££ “£ - S um für uns und n. CH GEN BRIEF AUF WIEN von Fred Kubie Die Tage der internationalen Atomenergiekonferenz in Wien sind vorüber. Der israelische Delegierte Prof. Ernst Bergmann brachte die Anerkennung seiner Regierung für die von der IAEO erhaltene Hilfe zum Ausdruck und meinte, dass die Missionen der Organisation, die sein Land besucht haben, Hervorragendes geleistet haetten. Prof. Bergmann machte besonders darauf aufmerksam, dass es moetig sei, die Forschungsarbeiten des .Strahlenschutzes und die Verwendung von Strahlen zur Bekaempfung der landwirtschaftlichen Schaedlinge weiterhin energisch durchzuführen. An dieser Konferenz nahmen sehr viele südamerikanische Laender teil und es bleibt bedauerlich, dass Bolivien bei „der IAEO nicht vertreten war. Der Koalitionsausschuss der beiden Regierungsparteien hat sich endlich in der Frage der Wiedergutmachung ■geeinigt. Es wurde beschlossen, einen Betrag von 600 Millionen Schilling den Opfern zur Verfügung zu stellen, ■der innerhalb von drei Jahren flüssig gemacht werden soll. Es ist damit zu rechnen, dass die Wiedergutmachung nun in einem breiteren Fluss kommen wird. m, Oesterreich hat wiederum eine kleine politische Sensation: 15 Jahre gelang es dem ehern. Aussenstellenleiter des berüchtigten Reichssicherungshauptdienstes, SS-Offizier, Hauptsturmführer Josef Kripsch, in Graz unterzutauchen; er benützte dazu den Namen eines faelschlich totgesagten Mannes, namens Bolek, der aber jetzt in Wien auf getaucht ist. Kripsch verstand es in Graz festen Fuss zu fassen. Kripsch war seit 1934 illegales Mitglied der NSDAP und avancierte nach 1938 zum Leiter einer der vier Anssenstellen der SD. Durch die drohende Verhaftung durch die Russen und Amerikaner — auch Oesterreich fahndete nach im wegen des Verdachtes der Ermordung oesterr. Wider- ■standskaempfer — tauchte er unter und erst jetzt, nach der Amnestie, meldete re sich bei den zustaendigen Amtsstellen. Bei der Weihe eines neuen Heldendenkmals in Amstetten, wandte sich der Hauptredner sehr scharf gegen die •'Verleumdner” der Ehre der Frontsoldaten. Die ehern. Soldaten trugen ■beim Vorbeimarsch .alle Auszeichnunggen “beider" Weltkriege. In Wien wird jetzt mit ungewoehnlichem Erfolg der Film “Mein Kampf" vorgeführt, der schonungslos die Na. ziverbrechen beweist. Der Film arbeitet in grossen Teilen mit Originaldokumenten, darunter Instruktionsfilme der SS. Ein düsteres Kapitel der wiener Nachkriegszeit verschwindet: das Rothschildhospital, welches einem modernen Versicherungshau weichen muss. Tausenden juedischen Pluechtlingen diente es als erste Zufluchts- -staette nach der Befreiung. Anlaesshch des Auslandsoesterreicher-Treffens wurde in den Raeumen der oesterr. Staatsdruckerei eine Ausstellung der Buecher und Zeitschriften der oesterreichischen Emigration 1934-1945 gezeigt. 41 Zeitungen lagen auf, aber nur eine die “Austria” (New York) erscheint noch heute. Begrfissenswert ist der Beschluss «er Gemeinde Wien, einen Platz dem Andenken von Stefan Zweig zu widmen. Einen grossen Krach gab es, als bekannt wurde, dass der Bundespraesident einen neuen Wohnsitz beziehen sollte; der Baupreis waere 30 Millionen Schilling gewesen. Dank der Aufmerksamkeit der unahhaengigen Presse, die die Oeffentlichkeit informierte, gelang es dieses Vorhagen zu verhindern. Der Herr Bundespraesident gab seinen Entschluss bekannt, weiter in seiner Privatwohnung zu bleiben. HÂTUIR “ Kortner: aller tage abend Der neuen Generation unseres Kreises sind die Namen der grossen Repraesentanten der Kunst nicht mehr gelaeufig. Theaterruhm welkt schnell. Es ist daher für die Aelteren überaus interessant und für die aus unserm Kulturkreis stammende Jugend interessant und bildend, dieses Buch von dem Theatermann Fritz Kortner zu lesen, welches uns mit 70 Jahren deutsch-sprachiger Theatergeschichte konfrontiert. Kortners Buch atmet ein erfülltes Leben für das Theater. Aber nient nur liebt Kortner die Schaubühne sondern mit scharfer Intelligenz und mit kritischen (und tapferen) Vorbe-; halten betrachtet er auch die Lebensbühne, die turbulenter ist als die Welt des Komoedianten. in 570 Seiten berichtet der Regisseur,Schauspieler und Lebenskünstler Fritz Kortner von sich und der Welt um ihn. Der Stil ist dynamisch, er ist (manchesmal allzusehr) überfliessend. Gegenwart und Rückblendungen knallen hart aufeinander. Kortners Betrachuingen (insbesondere seine politischen) lassen manche Polemiken zu, sie fesseln aber stets den Leser, da diese nie blutleer sind, sondern aus ehrlicher Empfindung heraus, vorgetragen werden. Kortner malt gern in der effekvollen Schwarz-Weiss-Manier, er zeichnet gern das Pro zusammen mit dem Contra, nicht zuletzt um der Wirkung willen. Aber oft wirkt dies recht amüsant und treffend, wie zB. auf Seite 166: “Im totalitaeren Staat müssen die Filme in diktierter Weise verlogen sein, in der Demokratie dürfen sie es in jeder Weise sein. Zuwiderhandelnde werden in Ger einen Staatsform eingesperrt, in der andern ausgesperrt”. Aphoristischem Witz, Sophistik und anekdotischem Charme begegnet man reichlich in diesen Blaet- )tern. Ein Buch, theatersinnlich, lebensvoll und lebenstoll, das jeden musisch-infizierten Leser interessiert und fesselt. Es fesselt auch daher, da Kortner sein literarisches Lebensbild schizoid formt, die Bilder sind nicht stereotyp, sondern sie sind im dauernden Wechsel von Sein und Schein. Eine Unmenge von Prominentennamen, von Begegnungen fallen den Leser an; manches dürfte überflüssig sein, manche Schilderungen sind zu weitschweifig - aber das literarische Temparament von Kortner ist ebensowenig zu beschneiden wie sein bühnenkünstlerisches. Dem jüdischen Leser wird dieses Buch besonders nahe gebracht durch -die menschliche Waerme, durch Kortners enge Verbundenheit mit dem Judentum und Israel und die Betrachtung Kortners politischer und kultureller Geschehnisse in jüdischer Sicht. Nehmt dieses Buch zur Hand! Ein Besessener des Theaters, ein kluger Mann im Leben, der auf vielen Gebieten gelebt und gelitten hat, der Aussagen zu machen hat, die oft recht wesentliche sind. Aus diesem Buch klingt noch einmal die herrliche Zeit deutschen Theaterlebens auf, noch einmal werden wir dem Glanz von Darstellungen eines Kainz, Moissi, Bassermann, den Regietaten eines Reinhardt und Jessner gegenübergestellt, wir werden eingeführt in eine Zeit wo Frieden herrschte, wo Liebe und gute Tat waltete. Aber Kortners Buch ist mehr als nur ein Erinnerungsbuch, mehr als das Memorial eines reichen Lebens - es ist ein Buch, welches das Leben von Gestern schildert und hineinführt in die Gegenwartszeit mit einem hoffnungsfrohen Ausblick für die Zukunft. Eine moderne Kultur- und Lebensgeschichte, klug berichtet, interessant gestaltet - ein Buch für Jeden, der Kontakt mit dem Gestern haelt, und der verbunden ist mit den Fragen und Forderungen unserer Zeit. (Dieses Buch erschien in gediegener Aufmachung (570 Seiten) im münchener Kindler-Verlag. Zu beziehen durch den im “Echo” inserierenden Buchhandel). Luis Lagro W E R T U In vielen Kreisen, der als Hort der Menschlichkeit gepriesenen USA, herrscht noch immer ein bestürzender sozialer Ungeist. Die folgenden Zleilen scMen einmal mehr darauf Hinweisen, dass die amerikanische “soziale Ausle. se” recht wenig mit demokratischer Moral identisch ist. Es ist allgemein bekannt, dass es heute (nach Hitler!) noch immer Hotels und Gastetaetten in den USA gibt, wo z.B. Juden unerwünscht sind und man sich auch nicht scheut, dies klar zum Ausdruck zu bringen. Die Südsta.aten mit ihren ultrareaktionaeren Mentaiitaet, die Nordstaatem, die vieles als “Nicht-Amerikanisch” geissüin, was nicht in die gegenwaertige politische Linie passt, beweisen leider, dass Nordamerika nur sehr bedingt als freies und fortschrittlichles Land anzusprechen ist. O Wenn Maria und Joseph heute nach Detroit kaemen, würden sie in Grosse Point niemals Unterkunft finden”, wetterte Reverend Arnold Johnson von der Kanzel der Trinity Church im Zentrum der amerikanischen Industriemetropole. Nach dem Ausleseverfahren, das die Detroiter Haeusermakler anwenden, würde die Heilige Familie naemlich nur 45 der 85 Punkte erreichen, die zur Zeit erforderlich sind, um als Kaeufer eines dei efeu-umrankten Bungalows der Vorstadt Grosse Point in Betracht gezogen zu werden. Mit dieser Predigt hatte Reverend Johnson ei„ heisses Eisen angefasst- W aehrend die Bürger des amerikanischen Mittdwcstens gern mit anschuldigendem Finger auf die neeerfemulichen Südstaatler weisen sind sie von jeder Erwaehnung von’ Rassenvorurteilen im eigenen Hinterhof unangenehm berührt. Rassische Diskriminierung in den Nordstaaten nimmt S° krasse Formen an wie südlich d er sogenannten “Mason- Dizon-Linie . Sie richtet sich aber nicht nur gegen Neger, sondern auch gegen. Angehoerige verschiedenste! Minderheitsgruppen. Das Punktesystem beim Ankauf von Haeusern, mein! Johnson, sei bezeichnend für die Vorurteile seiner Mitbürger, und seine Beseitigung würde das Problem bei der Wurzel packen. Nach diesem System werden hellhaeutige Amerikaner dunkelhaeutigen vorgezogen, Intellektuelle haben vor Handwerkern Vorrang. Die Makler haben ihre eigenen Regeln aufgestellt; 0 Kunden skandinavischer oder britischer Herkunft werden allen anderen vorgezogen; Q für gehobene Berufe und vornehmes Auftreten gibt es mehr Punkte als für “niedere Professionen; 9 Christen haben es leichter als Juden, doch hat ein Jude aus Westeuropa bessere Chancen als sein Religionsgenosse aus dem Osten. Das bedeutet aber nicht, dass Juden grundsaetzlich ausgeschlossen sind: vielmehr müssen sie das ‘'Manko” ihrer Religion durch andere Qualitaeten aufwiegen; Ein kultivierter griechischer Rechtsanwalt erhaelt weniger Punkte als ein rauhbeiniger Geschaeftsmann aus Schottland. Dafür würde der Grieche aber spie. 1 EN... lend einen neureichen Italiener ausstechen. Die Bezirksvaeter von Grosse Point zeigten sich von dem Sturm, den Johnsons Predigt entfachte, überrascht: das Punktesystem, so meinten sie, sei nichts als eine Art “sozialer Auslese”, etwa wie bei der Aufnahme eines neuen Mitgliedes in einen Country- Club. Johnson fand aber kraeftige Unterstützung beim Gouverneur des Staates Michigan, Mennen (“Soapy”) Williams, der trotz seiner im Toitetteartikelgeschaeft zirkulierenden Familienmillionen enge Beziehungen zu Detroits alimaechtiger Autoarbeiter- Gewerkschaft unterhaelt. Williams rief eine staatliche Kommission ins Leben, um die Frage zu prüfen, ob das Punktesystem nicht gegen irgendwelche Gesetze des Staates Michigan verstoesst. Nach Ansicht Reverend Johnsons würde Jesus Christus in den entscheidenden Punkten des Ausleseverfahrens Herkunft, Hautfarbe, Umgang — besonders schlecht abschneiden. Er würde, so sagte der Reverend, fast am Ende der Skala stehen, “denn er war vein palestinensischer Jude, hat Umgang mit Sündern gepflegt und war offenbar von jener etwas dunkleren Hautfarbe, die den Bewohner des Mittoimeerraumes kennzeichnet”. Millionen von Menschen liegt eine Verstaendigung von Voelkern untereinander am Herzen. Es gibt unge. zaehlte Bemühungen von grossen Maechten, von Organisationen und auch von Privatpersonen, in dieser Hinsicht mitzuwirken. Ein besonders sympathisches und unterstiitziingswiirdiges Bemühen die Menschen untereinander freundlicher zu machen ist die junge WORLD TAPE—Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, durch Tonbandaustausch mit Menschen aller Rassen m Kontakt zu kommen. Diese Ton- Von Volk zu Volk baender im Austausch sollen Ideen und Anregungen in Erziehung und Kunst, auf allen Lebensgebieten geben. Diese “World Tape” besteht seit acht Jahren und hat bereits mehr als 8.000 Mitglieder Ein eigene Zeitschrift “Tape Topics ’ verbessert die gesuchten und gefundenen Kontakte. — Auch in Bolivien gibt es eine Geschaeftssteile die Senor Luis Zapata leitet. Wer von den Echo-Lesern über diese Organisation moderner Kultur und guter Kameradschaft naeher informiert sein moechte, werde *ich an Herrn Otto Dornbusch (Potosí 1230, “Credinform’ ). ÈÉlâiJCv

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