Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 11 (1960)
- Issue
- 234 (19.10.1960)
- Date
- 1960-10-19
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4. i i n % DAS ECHO’’ 19. Oktober 1960. % Von den knapp zwanzig Laendern im freien Europa mit juedischen Gemeinschaften, die ungefaehr auf eine Million geschaetzt werden, entfallen auf die zwei groessten juedischen Gemeinschaften, England und Frankreich sicherlich mehr a'ls zwei Drittel, aber vielleicht auch wohnen in diesen zwei Laendern 80 % des europaeischen Judentums in der freien Welt. Die Juden in England haben im Gegensatz zum franzoesischen Juden, tum unter der Hitlermassaker nicht direkt gelitten, das englische Judentum ist zahlenmaessig durch eine relativ nennenswerte Einwanderung von deutschsprechenden Juden nach England verstaerkt worden. Trotzdem, dass das englische Judentum zu den bestorganisierten juedischen Gemeinschaften gehoert, gibt es keine genaue Statistik ueber die Zahl der Juden in Eng'and. Man weiss, dass es mehr als 400.000 Juden in England gibt, wobei fuehrende englische Juden mit Sicherheit behaupten, dass es ueber 450.000 gibt. In London selbst leben heute zwei Drittel des englischen Judentums (ca. 300.000). ln Leeds, Glasgow und Manchester wohnen etwa 13— 30.000 Juden, das sind 15 %; und in Birmingham, Liverpool, Brighton, Westcliff, Cardiff und Southport wohnen . 3 — 8.000 Juden, so dass in 10 Grosstaedten 90 % der Juden Englands wohnen und die restlichen 10 %, d.h. ca 30 — 40.000 Juden sich auf weitere achtzig verschiedene Staedte verteilen. Das englische Judentum ist vorzueglich in einer einheitlichen Gemeindevertretung (Board of Deputies) organisiert und es ist schon fast eine juedische Tradition in England, dass sich jeder Jude stillschweigend dieser hoechsten juedischen Instanz unterwirft. Obzwar London der Sitz des bekannten Agudahfuehrers Goodman ist, der eine besondere Schwaeche dafuer hat, Partisanenpolitik zu machen, steht das englische Judentum trotzdem in allen Fragen als «ine geschlossene Gemeinschaft da. Auch als es sich um Palaestina handelte, wo englische Zionisten und Juden gegen ihre eigene Regierung kaempfen mussten stand auch in dieser Frage das englische Judentum geschlossen hinter dem Jischuw. Neben dem Britischen Museum befindet sich das Symbol der zionistischen Aktivitaet in England, das Haus, in dem Prof. Weizmann s.A., Nachum Sokolow s.A. Prof. Selig Brodetzky s.A. und andere zionistische Fuehrer von Weltruf, die zionistische Arbeit in der ganzen Welt dirigierten. Es war immer eine sehr gut gelungene Zusammenarbeit zwischen den Fuehrern des Weltzionismus und den Fuehrern der zionistischen Arbeit in England, wie Israel und Betty Sieff, Sir Simon Marks und von der juengeren Generation, Barnett Jänner und dem zionistischen Veteranen und Mitarbeiter Herzls, Rev, Goldbloom. Trotzdem, dass mit der Gruendung des Staates Israel die zionistische Weltpolitik ihren Schwerpunkt, vielleicht nicht sehr gluecklieb gewaehlt, von London nach anderen Orten verlegt hat, sind die Mithelfer der grossen Weltpolitik von Weizmann und Sokolow ihren zionistischen Idealen treu geblieben. Obzw.ar die Herren Marks und Sieff, die Eigentuemer von Marks & Spencer mit ueber 800 Laeden in England, genuegend beschaeftigt sind, steht Herr Simon Marks an der Spitze des Magbit, wobei die Familie Marks nicht nur im spenden sondern auch im mitarbeiten beispielgebend ist, und Israel Sieff, der Ehrenpraesident der zionistischen Foederation in England, ist nicht nur aktiv in allen zionistischen Arbeiten, sondern hat sich in den letzten Jahren an der Spitze eines neugegruendeteu juedischen Schuhverkes gestellt. Diese neueroeffneten juedischen Volksschulen, nicht nur in London, sondern auch in der Provinz, sind das Wer« von Israel Sieff und seinem Mitarbeiterstab. Wer Israel Sieff, diesen vornehmen eindrucksvollen englischen Gentleman, ueber die Wichtigkeit dieser Schulen sprechen hoert, wird ungeheuer von der (Jeberzeugungskraft Sieffs mitgerissen, dass man mit dieser in England neuen Erziehungsmethode — zweisprachigen Unterricht, hebraeisch und englisch — einerseits eine gemeinsame Sprache zwischen der Jugend in England und der Israelbevoelkerung schafft und andererseits, dass man damit und nui damit die Hoffnung haben kann, dass die Zukunft des englischen Judentums juedisch erhalten bleibt. Durch dieses Schulwerk ist die zionistische Foederation in England sehr gestaerkt und populaer geworden, und es ist dabei kein Wunder, wenn der Bericht von 60 Jahre zionistischer Foederation;n England in der Lage ist hervorzuheben, dass 470 Vereine und Koerper. schäften der zionistischen Foederation in England angeschlossen sind. Einzig dastehend ist es, dass weit ueber hundert Synagogen und die wichtigsten Synagogen als Synagogenverband der zionistischen Foederation angeschlossen sind. Natuerlich kann sich eine jüdische Gemeinschaft wie England, die das Glueck hatte von Hitler verschont zu werden, sich eher juedisch behaupten als Frankreich, deren urspruengliche Bevoelkerung vor dem Krieg durch das Hitlermassaker dezimiert wurde. Wenn England im gewissen Sinne ein Meer von juedischen Organisationen und Vereinen ist, so koennte man vielleicht manchesmal sagen, dass das Judentum in England ueberorganisiert, waherend man ueber die juedische Gemeinschaft in Frankreich sagen muss, dass sie total desorganisiert ist. Nach den ersten Kriegsjahren schaetzte man, dass in Frankreich 100.000 Juden vorhanden sind, die vor dem Krieg in Frankreich lebten und weitere 100.000 aus den osteuropaeischen Laendern und andere juedische Emigranten. Heute glaubt man, dass in Frankreich 350.000 Juden sind, es koennen aber ebenso 300.000 oder 400.000 sein, da aus Algerien, Tunis und aehnlichen Laendern zehntausende Juden nach Frankreich kamen, die fast inkognito in Paris leben und dort untergetaucht sind. Diese Juden aus den franzoesischen Kolonien waren weder ein Problem fuer die juedischen Organisationen noch ein Problem fuer die franzoesische Fremdenpolizei. Sie sind als franzoesische Buerger mit franzoesischer Sprache nach Frankreich gekommen und haben auch in ihren Laendern manuele Berufe ausgeuebt, und aehnliche Berufe ergreifen sie auch in Frankreich. In Paris hat vor zwei Jahren eine groessere Synagoge, die jahrelang geschlossen war, Wieder-Auferstehung gefeiert. In der Naehe der BastiUe gab es eine Synagoge, in der es in den letzten Jahren ungeheuer schwer war, sogar am Schabbath einen Minjan zusammenzubringen weif die Juden, die nach dem zweiten Weltkrieg dort wohnten, jetzt in eine bessere Gegend gezogen sind da sich ihre wirtschaftliche Lage inzwischen besserte. Jetzt gibt es in dieser Gegend einen algerischen Oberrabbiner und es wird geschaetzt, dass in dieser Gegend in Paris fast 10.000 Juden aus Algerien leben. In einer anderen Gegend merkt man in der Synagoge den Einfluss von aegyptischen Juden. Es gibt in Paris einige tausend juedische Familien aus Aegypten, die .auch kein Problem in Frankreich darstellen. Bekanntlich ging das aegyptisch-juedische Proletariat nach Israel, vielleicht auch etwas Mittelstand, und die sehr reichen aegvptischen Juden sind meistens nach Frankreich gefahren, und insbesonders dadurch, weil die meisten reichen Juden in Aegypten franzoesisch-sprechend waren. Charakterisch fuer franzoesische i Statistik ist, dass Jacob Lestschinsky! meint, dass in Srrassburg 9.000 Juden j leben und in Lyon 12.000, dagegen berichtet der Pariser Journalist Leneman, dass in Strassburg, das er als die zweitgroesste Gemeinde betrachtet, 30.000 Juden wohnen und in Lyon 15.000, luden. Eines scheint klar zu sein, 'dass 80 — 85 % der Juden in Frankreich; aehnlich wie in England sich in ein Dutzend Staedte konzentriert, wobei darunter fast die Haelfte der Orte nicht mehr als 2 — 5.000 jüdische Seelen zaehlt. Paris, Strassburg, Lyons, Marseille, Nice, Bordeaux, Metz, Muehlhouse, Lilles, Nancy, Grenoble, Cannes sind die nennnenswerten Gemeinden, wobei die letzten zwei Staedte noch vor drei bis vier Jahren nicht als beachtliche Gemeinden betrachtet wurden. Die Desorganisation des juedischen Gemeindenbens in Frankreich liegt daran, dass es fast keine juedische Gemeinden und keinen Verband der juedischen Gemeinden in Frankreich gibt. Es gibt in Strasbourg ein musterhaftes juedisches Leben und die zehn Synagogen sind voll und man sieht sehr viele juedisch interessierte Jugend. Dieses koennte man viellleicht auch noch von anderen kleinen Gemeinden sagen. Aber Paris, wo sicherlich 60 — 70 % der franzoesischen Juden leben, hat Vereine und Vereinchen, Synagogen und Minjanim, aber keine juedische Gemeinde. Der Gemeindeverband, die Consisto're, eine Vorkriegsinstitution, hat die Vorkriegskarthotek in Besitz und im ganzen soll sie 4.000 Mitglieder zaehlen. Dafuer finanziert sie aber zwanzig Synagogen in Frankreich, zwei Dutzend Rabbiner und laesst zwei Dutzend Jtienger als Rabbinatskandidaten lehren. Aber sie waren bis jetzt nicht in der Lage irgend eine verlaessliche Statistik ueber die juedische Bevoelkerung in Frankreich oder wenigstens in Par:s aufzustellen. Es existiert in Paris eine zweite Organisation, das ist der Fonds Sociale, die etwas aktiver ist, aber auch nicht stark genug, um durchgreifend organisatorisch wirken zu koennen. In den letzten Jahren, wo sich die Stimmung unter den franzoesischen Politikern sehr stark zu Gunsten Israels gewendet hat, ist es dem Magbit und dem Keren Kajemeth gelungen, weitere und groessere Kreise des franzoesischen Judentums zu umfassen, aber Kenner der Lage glauben, dass die Zahl der Juden, die von dieser Organisationen erfasst wurden kleiner ist als der Teil der bis jetzt nicht erfasst wurde. Frankreich ist eins der Laender, dis einen sehr hohen Prozentsatz Mischehen in der juedischen Bevoelkerung zaehlen. Sicherlich sind andere Gruende dafuer auch massgebend, aber es ist klar, dass die Desorganisation des juedischen Lebens der Mischehe-Epedemie nur Vorschub leistet, und man kann nur fragen: wo ist der Retter des juedischen Frankreichs? Ein Judenfreund wandert aus KOEPPERN/Taunus (dpa) — Der 46-jaehrige Fuhrunternehmer Max Kaufmann aus Koeppern will jetzt mit seiner Frau nach Holland auswandern, da seine Landsleute ihn als “Judenfreund" boykottieren. Kaufmann war vor einem Jahr als einziger Zeuge f^ir den jüdischen Kaffeehaus- Besitzer Kurt Sumpf eingetreten, der einige Dorfbewohner wegen Antisemitismus verklagt hatte. Daraufhin wurde Kaufmanns Geschaeft sowie das Taxiunternehmen seiner Frau boykottiert, bis sie bankrott waren. Als sich das Ehepaar vor ausiaendischen Journalisten über die Behandlung beklagte, fand es insbeson.- dere in den Niederlanden zahlreiche Menschen, die ihm dui Aufbau einer neuen Existenz ermoeglichen wotlen. Neuer Oberbürgermeister von London LONDON. — Sir Bernard Waley- Cohen wurde zum Oberbürgermeistei von London gewaehlt. Er wird sein Amt Anfang November übernehmen. — Sir Waley-Cohen entstammt einer alten jüdischen Familie, die seit 120 Jahren in England ansaessig ist. Waehrend dieser ganzen Zeit waren Mitglieder der Familie in der Londoner Stadtverwaltung in leitenden Stellen beschaeftigt. Bundestags-Abgeordnete fuhren nach Israel BONN. — Zum ersten Mal ist eine interfraktionelle Gruppe von deutschen Bundestagsabgeordneten zu einem Besuch nach Israel gefahren. Die Imtiative dazu ging von den Abgeordneten aus, und die israelische Regierung hat den Besuch begrüsst. Wiedergutmachung an oesterreichischen Juden JERUSALEM. — Ein Ausschuss der oesterreichischen Regierungsparteien hat Einigung über die Hoehe der Wiedergutmachung erzielt, die von der oesterreichischen Regierung an jüdische Opfer der nationalsozialistischen Aera gezahlt werden soll. Danach wird Oesterreich einen Gesamtbetrag in Hoehe von 600 Millionen Schilling — verteilt auf mehrere Jahresraten — zahlen. Wie der Bericht herverhebt, wird die Bundesrepublik Deutschland zu den oesterreichischen Wiedergutmachungszahlungen einen Beitrag leisten. NASSERS — “das Verhalten der Juden in den Konzentrationslagern”. Themen: Asoziale Haltung der jüdischen Haeftlinge, Mangel an Kameraderie, Feigheit, Neigung zum Verrat aus Furcht. Birgel leitete einen Sicherheitsdienst in zwei Konzentrationslagern und war auch an der “Austilgung” der Maertyrer des Warschauer Ghettos beteiligt. Es ist unverkennbar, dass ein guter Teil der von Zeit zu Zeit in der deutschen Bundesrepublik und in anderen Laendern auftauchenden illegalen antisemitischen Hstz-und Schmaehpamphlete aus dieser Sektion der Nasserschen “Israel-Abteilung” stammen. Die Broschüren werden auf Umwegen, nach Frankreich und Italien, nach1 der Schweiz und in die Bunderrepublik geschleust. Modernste Lebensversicherungsploene durch Credinform International M. Kilai: Situation der Juden in Europa 1 In unserer vorigen Ausgabe brachten wir einen Bericht unseres Mitarbeiters M. Kilai, welcher sich mit der jüdischen Situation in Russland, Polen und anderen Ostlaendern beschaeftigte, ebenso mit den Juden in Holland und Deutschland. In unserem heutigen Artikel berichtet Kilai lieber das Judentum in England und Frankreich. ln allen gibt es mehr ragendes. Es alp gut und nur wenige, Fang zukomi ne Geistige I Wirken und ihrer Gemein Bei uns; Ruf geniesse; Lemle in Ric ungewoehnlic wie Dr. Frit der gerade j Video wirkt taet und Liel Pinkuss aus Es ist sic teressant zu gen eine ra vollbringen Pinkuss ist i Die Germ umfasst 2.001 »gültig gi l 11 I I C I N :: li d d u;! ir Iv u Vi fl iE u II V u a i i i S i i i i i