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Das Echo · 1960-10-19 · 234 (19.10.1960) · p. [Seite 3]

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Journal
Das Echo
Volume
11 (1960)
Issue
234 (19.10.1960)
Date
1960-10-19
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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.19. Oktober I960. ‘‘DAS ECHO 3, Der Name des Massenschlaechters Eichmann ist wieder aus den Schlagzeilen der Zeitungen verschwunden. Das dürfte gewissen Leuten sehr angenehm sein. Bekanntlich rief seine Festnahme in aller Welt die Erinnerung an die faschistischen Verbrechen wach. Besonders in Bon wird das Verfahren gegen Eichmann mit grossem Unbehagen erwartet, denn der SS- Moerder kündigte an, er werde hohe Persoenlichkeiten in der Residenz am Rhein schwer belasten. Er beging die Verbrechen nicht allein, sondern er besass zehlrejche Handlanger. Die israelische Regierung sandte schon vor einiger Zeit an die Adenauer- Regierung eine Liste von 61 Personen, die dringend verdaechtig sind, an Verbrechen des Nazi-Faschismus beteiligt gewesen zu sein. Welche Namen standen darauf? Waren dort vielleicht Globke, Braeutigam, und noch andere Leute verzeichnet, die heute in Bonn eine bedeutende Roll spielen? Israels Regierung überreichte weitere Zusammenstellungen von belasteten Personen. Bis heute hielt Bonn es nicht für noetig, die Oeffentlichkeit über dieses Belastungsmaterial zu unterrichten. Nach den antisemitischen Hakenkreuzschmierereien Anfang des Jahres in Westdeutschland kam der Direktor des Jüdischen Weltkongresses, Easterman nach Bonn. Er übergab dort zehn Forderungen, darunter diese: Sofortige Untersuchung der nationalsozialistischen Vergangenheit aller Maenner in Regierung, Verwaltung, Gericht, Schule und Presse; baldige Veroeffentlichung der Ergebnisse. Den Ergebnissen sollten sobald wie moeglich Handlungen zur Ausschaltung nationalsozialistischer Elemente folgen. Ausländische antisemitische Flüchtlingsgruppen in Westdeutschland, wie Ungarn und Ukrainer, sollten scharf überwacht und im Falle antisemitischer Betaetigung in ihre Heimatlaender deportiert werden. Inzwischen sind viele Monate ins Land gegangen, aber die Bonner Regierung hielt es nicht für noetig, das Verlangen des Jüdischen Weltkongresses zu erfüllen. Hat vielleicht Adenauers Staatssekretaer Globke die Listen aus Israel und die genannten Forderungen sorgfaeltig unter Verschluss genommen? Kürzlich legte die DDR Belastungsmaterial gegen die “graue Eminenz” Globke vor. Darin wurde u. a. erklaert, Globke sei nicht nur Kommentator, sondern auch Mitverfasser der berüchtigten Nürnberger “Rassengesetze ’ gewesen. In Bonn hat man darauf wieder in derselben Art reagiert, wie man es seinerzeit im Falle Oberlaender tat. Aber wenn die DDR nicht konkrete Vorwürfe gegen den Bonner Vertriebenenminister” erhoben und Dokumente vorgelegt haette, saesse Oberlaender noch immer auf seinem Posten. Inzwischen wurde er immerhin pensioniert — auf Kosten der Steuer. zahler, die ihm auch Diaeten als Volksvertreter” der Kanzlerpartei in Bonn zahlen dürfen. Im Jahr 1951 erklaerte der stellvc tretende SPD.Vorsitzende Mellies de Bonner Kanzler, sein “engster Mite beiter” werde einmal eine schwere B lastung vor der Geschichte” für i sein. “Globke hat einem Geist gediei dem Millionen Menschen zum Opi gefallen sind", betonte der FDP-Pol ker Thomas Dehler und sagte auf ein Pressekonferenz, Typen wie Glob und der demalige Bonner Pressecf Forschbach würden sich “besser Franco-Spanien als in einer deutsch Demokratie ausnehmen”. “Sie kleben mit einer Dickfelligke die einem Elefanten Ehre mach würde, an Ihrem Posten” warf c Stuttgarter Zeitung” des Kanzle rechter Hand vor. “Was sind Sie r tú-!** DAS ECHO hat wiederholt gegen Nazis in hohen deutschen Amtsstellen protestiert da der Geist der in den heutigen deutschen Amtsstellen herrscht, repraesentativ ist fuer die deutsche politisch-moralische Haltung. Kurz nach den Nazischmierereien in Westdeutschland, hat die Regierung von Bonn (auf Auslandsdruck hin) erklaert dass sie nunmehr die Aemter von Neo- und Ex-Naxis saeubern wird, um endlich dem Ausland nicht immer wieder Anlass zu diesbezueglichen Protesten zu geben und den Beweis einer ehrlichen demokratischen Gesinnung zu liefern. Diese Versprechen wurden nicht gehalten. Die Nazis sind nach wie vor in wichtigsten deutschen Amtssstellen die Wünsche von der DDR od er von Israel her, die Regierung von Bonn moege endlich mit dem Eisernen Besen die nazi-belasteten Personen aus ihren hohen Aemtern entfernen, blieben unerhoert. Auch heute noch waere Herr Oberlaender Minister, wenn er nicht dem allzu starken und vernichtenden Druck von Aussen her haette weichen nüssen. Es ist daher wichtigste Aufgabe der demokratischen Presse, immer wieder auf den nazistischen Augiasstall innerhalb der westdeutschen Administration hinzuweisen, bis endlich eine einwandfreie Verwaltung in Westdeutschland geschaffen ist. Den nachfolgenden Artikel entnahmen wir einer hamburger Wochenschrift. für ein Mensch?” fragte seinerzeit die “Frankfurter Rundschau”. Politiker der SPD nannten es eine Schande, dass ein Mann wie Globke im Bundeskanzleramt taetig sei. Auf die Vorwürfe gegen Globke meinte Adenauer: “Ich wüsste keinen, der Globke ersetzen koennte”. Der berüchtigte Praesident des Na- | zi-“Volksgerichtshofes”, Freisler, nannte einst Golbkes Rassengesetz-Kommentar “besonders wertvoll”. “Man hat... alles, was man in der Praxis benoetigt, hier aufgenommen... Der Kommentar kann wohl in keiner juristischen Handbücherei fehlen”, bescheinigte ihm der Blutgerichtspraesident in der Zeitschrift “Deutsche Justiz”, Schon damals also war Globke unersetzlich. Der SPD-Abgeordnete Arndt kennzeichnete Globkes Kommentar mit folgenden Worten: “Ebensowenig wie es moeglich ist, die Satzungen eines aus Verbrechern gebildeten Ringvereins oder die Hausordnung eines Bordells zum Gegenstand einer rechtswissenschaftlichen Erlaeuterung zu machen, ist es moeglich. das Nürnberger Recht als geeignet für ein juristisches Buch zu behandeln. In Nürnberg sagte Globke aus: “Ich wusste, dass die Juden massenweise umgebfacht wurden, aber ich war immer der Meinung, dass es daneben auch Juden gab, die entweder in Deutschland lebten oder die, wie in Theresienstadt oder dergleichen, in einer Art Getto zusammengefasst wurden”. Der amerikanische Anklaeger Kempner fragte: “Sie dachten, es handele sich um Exekutionen, aber nicht um eine systematische Ausrottung?” Adenauers Staatssekretaer gab nun sein Wissen von den Verbrechen zu: “Nein, das wollte ich nicht sagen. Ich bin der Auffassung und wusste das zu jener Zeit, dass die Ausrottung der Juden systematisch betrieben wurde”, er fügte aber “entschuldigend” hinzu: “Ich wusste nicht, dass sie sich auf alle Juden bezog”. Heute ist Globke einer der maechtigsten Leute im Bonner Staat. Er hat Weisungsbefugnis an das “Bundesamtfür Verfassungsschutz” und den “Nachrichtendienst Gehlen”, er tritt bei der Vorbereitung und Durchführung der Adenauer-Politik in Aktion, stellt die Tagesordnung der Kabinettssitzungen zusammen. Globke verfügt über den “Reptilienfonds” und beaufsichtigt das Propagandaamt. “Solange der Kanzler bleibt, bleibe ich da”, erklaerte der Mann im Vorzimmer des früheren Oberbürgermeisters im Jahre 1956 zuversichtlich. Er ist der Gunst seines Chefs sicher, der den “Unersetzlichen“ immer wieder gegen die Vorwürfe der Opposition verteidigte. Die Regierung der DDR stellte Israel das neue Belastungsmaterial gegen Globke als Unterlagen für den kommenden Eichmann-Prozess zur Verfügung. Sicherlich wird auch Globke im Eichmann-Prozess zur Sprache kommen, wenn der Massenschlaechter seine Ankündigung wahr macht und auspackt. Wann wird sich aber in Bonn ein Untersuchungsausschuss mit Globkes Vergangenheit beschaeftigen?? In anderen Laendern wird man sich Gedanken darüber machen, was von einem Staat und seiner Demokratie zu halten ist, wenn Leute wie Globke, und andere mit gleicher Vergangenheit in ihm hohe Posten einnehmen koennen. W;ird der Jüdische Weltkongress jetzt energisch darauf dringen, dass sein Verlangen nach Durchleuchtung und Saeuberung der Regierung, Verwaltung, Gerchte, Schule und Presse in Westdeutschland endlich erfüllt wird? Es ist aber nicht nur Aufgabe des Auslandes, für Sauberkeit im Bundesgebiet zu sorgen. Vor allem auf den Gewerkschaften und den Oppositionsparteien in Westdeutschland liegt hier eine grosse Verantwortung. 1*' Ueber die “Israel-Abteilung” Nassers werden interessante Einzelheiten bekannt, über die man bisher nicht genügend informiert war. Der Name “Israel-Abteilung” besagt nur wenig über die eigentliche Aktivitaet dieser Abteilung, die in Wahrheit die zentrale Giftküche des Regimes ist, in der antisemitische Propaganda in allen Variationen betrieben wird, und die auch der Spionage, der Sabotage und der Vorbereitung von Mordüberfaellen auf die Kolonisten in den Grenzbezirken dient. Sie ist vor allem eine Propagandaabteilung, in der antisemitische Pamphlete in zahlreichen Sprachen wie Englisch, Franzoesisch, Deutsch, Spanisch und Arabisch fabriziert und in grossen Mengen in alle Welt geschleust werden. Diese Pamphlete sollen der Umwelt nicht nur die absolute Schaedlichkeit des Staates Israel, die Gefahr für den Frieden und die Sicherheit der Welt, die er angeblich darstellt, beweisen, sie beschaeftigen sich auch mit dem “jüdischen Problem” und zwar in der “klassischen” Weise des ehemaligen deutschen Nationalsozialismus. Es wird aus .alten Baenden des “Voelkischen Beobachters” und des “Stürmers” geschoepft, es wird die Mordliteratur des Dritten Reiches gegen die luden herangezogen und es werden die pathologischen Hetzreden der Prominenten des NS-Staates verwendet. Aber man geht noch über Hitler und seine Bande hinaus. Die sogenannten “Protokolle der Weisen von Zion”, eine uralte freche Faelschung aus zaristischer Zeit, wurden von dieser “Israel-Abteilung” in sechs Sprachen neu herausgebracht. Ein alter antisemitischer “Klassiker”, Houston Chamberlain, der “Rasse-Wissenschaftler”, ist in dieser Israel-Abteilung zu neuen Ehren gekommen. Auch die Vaeter des franzoesischen Antisemitismus, wie Dru. mont, wurden von der “Israel-Abteilung” als würdig befunden, in ihre Propaganda eingeschaltet zu werden. Nach den Rezepten der Goebbels- Taktik gibt man “Aufklaerungsserien” heraus, die die “Gefahr” des. Judentums für die Gesellschaft erlaeutern sollen. Diese Serien haben Titel wie diese; “Das Judentum und das Verbrechen”. Thema: “Der jüdische Prozentsatz am Weltverbrechen übersteigt die Norm.” — “Das Judentum und die Unzucht in der Literatur". Thema:“Fast alle ,in der Kunst machenden’ Pornographen sind Juden”. — Judentum und Sittlichkeitsverbre chen”. Thema: “Die Mehrzahl der Sittlichkeitsverbrecher sind Juden”. — “Jüdische Ritualmorde”. Aufwaer. mung des laengst totgeglaubten Ritualmordmaerchens, Missgeburt aus pervertierter Phantasie und infamer Hetze eines früheren antisemitischen Jahrhunderts —. Daneben gibt es Serien, die alle aktuellen Krisenerscheinungen (politische Unruhen, soziale Krisen, Wirtschaftsstoerungen) auf jüdische Machinationen zurückzuführen suchen. In der deutschsprachigen Sektion der “Israel-Abteilung” sind mindestens sechs ehemalige SA , SS= und Gestapo=Chefs taetig. Franz Bartel, früher Niederschlesien, hoeherer Gestapobeamter, NS Parteimitglied seit 1927, heisst heute El Hussein. Seine Spezialitaet: Materialbeschaffung über “die überragende Beteiligung von Juden an Taschendiebstahl und Hochstapelei”. Wilhelm Boeckeler, früher Ostpreussen, nennt sich zur Zeit Abdel Mah Krim. War SS=Sturmführer, an Morden an Juden beteiligt; war bei der “Ausraeucherung” des Warschauer Ghettos dabei —. Mitarbeiter an den | Broschüren über “jüdische Unzucht” sowie an allgemein antisemitischen Pamphleten. Erich Bünz, SA Sturmführer, bereits 1929 an den Berliner Kurfürstendamm =Progromen beteiligt; Spezialist für “die Erfahrungen des 3. Reiches in der Judenfrage”. Heisst jetzt Ali Allan. Karl Holter, früher Kreis Oppeln, Gestapomann, Experte für “Judenverhoere” in den Konzentrationslagern, Mitarbeiter an Broschüren über “Jüdisches Verbrechertum]'”. Albert Thielemann. SS=Chef aus Boehmen (Reichenberger Bezirk), an schweren ludenausschreitungen bereits im Frühjahr 1939 beteiligt, heisst heute Aman Khader. Wertet Streicher- Artikel über das “sittlich verfallene Judentum” aus. Schreibt antisemitische “Stoss.Flugblaetter”. die dazu bestimmt sind, den Antisemitismus in Deutschland zu beleben. Werner Birgel, heute El Gamin, früher SS Führer im Bezirk Leipzig; arbeitet an allgemein-antisemitischen Broschüren und gilt als Experte für (Fortsetzung Seite 4) ^713434939191

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