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Das Echo · 1960-09-30 · 233 (30.9.1960) · p. [Seite 3]

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Journal
Das Echo
Volume
11 (1960)
Issue
233 (30.9.1960)
Date
1960-09-30
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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30. September I960. ‘DAS ECHO Echo-Korrespondenten melden - Ci A a, tie: Der westberl.ner Innensenator Joachim LlpSCllilZ Wellie aul bCUl'-nl juuaineriKaoesucn kuizhoi aucn in ouenos Aires, wo lnr Horresponueni UiMegtnneit Harte, mit mm in ttomaKt zu Kommen. Innensenator Lipschitz ist, wie d.e argentimscnen joiuiia.isien nacn uer Iricsse'KOnterenz sagten, "un nomore muy habil. tr natte ueingcmaess vom Fraesiüenten uer KepuonK ois zum “Mann von Uer Btrasse ment nur in argentimscnen Kreisen evne oesonuere Resonanz, sonuern er wurue m den wenigen treien Minuten ui<= er zwischen uem umtangreichen ortizieilem Programm zur veriugung Hatte, von berliner Emigranten loermlicn überlauten, die mm uir Anliegen m aer " Wiedergutmachung” vortrugen. ,W|.r moeenten hier als einen oesonderen Wesenszug des berliner Innensenators mit’ Dank vermerken, uass er sicn die zeit nanm, jeden einzelnen aiizunoeren, sich ade unterlagen gsoen zu lassen und zu verspi eenen, sich persoenheh um die Angelegenheit zu kümmern. ns muss weiterhin besonders vorgenooen werden, dass Senator Lipsemtz sowohl bei seinem Vortrag ueoer Westberlin als aucn aut de. Pressekonferenz in tiiessenden bpamsen sich an seine Zuhoerer wandte, ja sogar den schwierigsten Fragen uer Journalisten in jeder Weise gewachsen war, und das, obwohl er me in einem spanischsprechenden Lande weilte und die Sprache nur autouidaktisch _ erlernte. Senator Lipschitz ist ausser Innensenator (Innenminister des Landes Benin) auch Praesident der berliner lbera-Amervkanischen Uestiil- - schaff. Senator Lipschitz Aufgabe auf dieser Reise ist es, die südamerikanischen Laender über die Lage Westberlins autzuklaeren und um Verstaendnis und Unterstützung zu werben. Darüber hinaus liegt ihm sehr am Herzen, persoenlichen Kontakt mit den Opfern der Naz.herrschaft aufzunehmen, und sich über Fragen der Wiedergutmachung zu unterr.chten, da ihm als berliner Innensenator auch das berliner Amt der. Wiedergutmachung untersteht. Bevor wir auf einige unsere Leser interessierende Fragen «ingehen, moechten wir bemerken, dass Senator Lipschitz nur ueber Westberlin Auskunft geben konnte und wollte, da die Bundesrepublik betreffende Fragen in die Zustaendigkeit Bonns gehoeren. Von seinen Ausführungen generell auf gleichgelagerte Verhaeitnisse in der Bundesrepublik schliessen zu wollen, waere verfehlt. Die isolierte politische Lage Berlins bedingt oft einen anderen Gesichtspunkt als den der bonner Regierung; auch die Wiedergutmachung muss man anders beurteilen, da ihre Behandlung in Berlin im Gegensatz zu manchen Amt in der Bundessepublik von gutem Willen getragen ist und vers.ue-ht moeglichst dem Willen des Gesetzgebers gerecht zu werden, dem Geiste des Gesetzes und nicht dem Buchstaben Rechnung zu tragen. Nach Information von Senator Lipschitz seien insgesamt 2.7 Millionen Naechste Ausgabe: HALLE (Buenos Aires): Debatte um die Wiedergutmachung. KILAI (Tel Aviv): Die Situation der Juden in Europa. KUB1E (Wien): Oesterreichisches Tagebuch. Antraege auf Wiedergutmachung eingegangen, wooei allerdings Oie Anzahl u<=r Antragssteller geringer ist, ua last jeder Antragsstener mehrere b orderungen eingereicht habe. Bis jetzt seien 51 y0 der vorliegenden antraege erledigt und etwa 7 Milliarden Mark ausgezahlt worden, ben..- tor Lipschitz g.aubt, dass die Schaeizung, man müsse noch weitere 7 Milliarden auszahlen, um die Restforderungen zu ertiiilen, zu hoch gegriffen sei, da die wirklich grossen uojekte auigearbeitet seien und die noch aussenstehenden wertmaessig niedrige« laegen. ln diese Zahlen seien die Leistungen an Israeli und die Rückerstattungen nicht einbegriffen. Von den 2.7 Millionen Fae.len wurden in Berlin 480 000, d.h. 18% bearbeitet und 2.2 Milliarden DM an Vorschüssen ausgezahlt. Senator Lipschitz beanstandete, (Fortsetzung Seite 4) 14. Kllal, Wenn man eine Ueb«isicht ueber das europaeische Judentum gibt, und wenn man sich dabei erinnert, dass es erst 15 Jahre sind, seit das europae.sch© Judentum, die Ueberlebenden, wieder in relativer Freiheit-Idas neue Jahr begruessen kann, ist es unmoeglich, in demselben Zuge den Niedergang und die Vernichtung des europäischen Judentumes unerwaehnt zu lassen. Europa hatte vor dem zweiten Weltkrieg 10 Millionen Juden, und das war fast zwei dritten des gesamten Judentums. Heute beziffert man die Zahl der Juden in Europa auf knapp 4 Millionen Juden, nur ein drittel des Gesamtjudentums. Es gibt keine vergessliche Ziffer lieber die Zahl der Juden in Europa, nicht nur, weil die Ziffer aus Russland und osteuropaeischen Staaten nur vage und unzuverlaessig sind, sondern auch in den Laendern Westeuropas gibt es juedische Gemeinschaften, wo man sich .auf ungefaehre Schaetzungen verlassen muss, was ein Beweis fuer nicht sehr gute Organisation des juedischen Lebens der betreffende juedische Gemeinschaft ist, was im Vorkriegs-Europa schwer denkbar war. Soziologen und Statisker glauben, dass im europaeischen Russland (im asiatischen Teil Russlands sollen einige hundertausend Juden leben) zwei Millionen Juden leben und in den Laendern hinter dem eisernen Vorhang, (wie Rumaenien, 225,000, Ungarn 100.000, Polen 40.000, Tschechoslowakei 20.000, Albanien 300, Bulgarien 6.000, Jugoslawien 7.000), knapp 15. Oktober im üblichen Umfange von 8 Seiten! ANZEIGEN für diese Ausgabe rechtzeitig erbeten unter Telefon 6080 oder Casilla 2217. La Paz oder im Echo-Büro. Harrison 3 (Miraflores). 400.000, zusammen 2.400.000. Man koerinte 5tuiung=n und Varianonen ueDer die Lage der Juden, ihre rengioese Freiheit, die s.e gemessen, hervorneoen, aber das wutrde zu weit fuehren. Sicherlich ist die Lage der Juden in Polen bei weitem besser ais die der Juden in Rumaenien, und ü.e der Juuen in Bulgarien als in Ungarn. Das Judentum in Jugoslawien schon vor dem Krieg war ein Mittelding zwischen dem üst-und Westjudentum und eine Mischung von bester Sorte, im Weltkrieg hat Jugoslawien den Leidenskeilch der Vermcntung des Ostjudentums auf das Bitterste mitgenossen. Es g.bt nur ein westliches Land, wo ein Grossteil der juedischen Gemeinschaft vergast wurde, und das ist Holland. Sonst sind in allen westlichen Laendern der Prozentsatz der Vernichtung der betreffenden juedischen Gemeinschaft viel niedriger als Polen, C5R, Litauen, Lettland, Griechenland, wo ueber 8U % der juedischen Gemeiinschattetn vernichtet wurde: Jugoslawien fuehrt mit Polen die Spitze von 87 resp. 88 %. Jugoslawien zaehite nach dem Krieg 12.000 Juden und jeder jugoslawische Jude ist stolz darauf, und sie erwaennen immer mit Dankbarkeit Titos liberale AuswanderungspoJitik, dass von den 12.000 lebend gebliebenen Juden in Jugoslawien, 6.000 in Israel eine Heimat gefunden haben. Unter den 6.000, die heute in Jugoslawien leben, gibt es aufallend viele, die aus Israel nach Jugoslawien zurueckgekehrt sind, und auch das sieht man in Jugoslawien als den Ausdruck guter Beziehungen der jugoslawischen Regierung zu den Juden, das sie die Moeglichkeiten hatten, aus Israel nach Jugoslawien zurueckzukehren. Es sind meistens Mischehen, wo der nichtjuedische Teil und meistens die Frau, sich nicht in Israel einleben konnte und oft ist in diesem Falle mehr die Umgebung, in denen diese Mischehen in Israel gelebt habn ,an dem Nichteinleben schuld, als der nichtjuedische Ehepartner. Im Gegensatz zu jordim in anderen Laendern sind diese Jordim in Jugoslawien nicht nur keine anti-israelische Propagandisten sondern sprechen von Israel mit grosser Bewunderung und Liebe. Sehr vieile dieser Partner der Mischehen begleiten ihre Maenner an den hohen Feiertagen in die Synagoge und allgemein ist man in Jugoslawien der Ansicht, dass auch diese Mischehen juedisch mehr verwurzelt werden koennen.. Es fehlen aber in Jugoslawien die noetigen Vorkehrungen dafuer. Es gibt zwar drei organisierte Gemeinden wie Zagreb, Belgrad, Sarajewo und ein halbes Dutzend andere kleine Gemeinden und alle diese Gemeindefuehrer bestuermen alle auslaendischen Besucher mit einer Bitte, man moege ihnen einen Rabbiner nach Jugoslawien schicken, damit sie einer Hoffnung haben sollen, Juden bleiben zu koennen. Ein viel , hoffnungsvolleres Bild kann man von der kleinen juedischen Gemeinschaft von Holland geben es ist eins der wenigen Laender in Westeuropa, wo es keine Minimum-und keine Maximumschaetzung. der juedischen Bevoelkerungszahl gibt. Di« (Fortsetzung Seite 4) té'. Durch Zufall konnte Oesterreichs Bevoelkerung auf einen Skandal aufmerksam gemacht werden. Hitler SS- General, bepp Dietrich, Kommandant der “Leibstandarte”, einer der Hauptschuldigen an der Zerstoerung Wiens, kam zum Sommerurlaub nacn Oesterreich. Er war erst einige 'Lage in Tirol und kam dann zur Jagd nacn dem Burgenland, wo er Gast eines Weinbauers war. Er ist einer der groessten Kriegsverbrecher. Er war es, auf dessen Befehl Wien zur “Frontstadt” erklaert wurde. Als die Bevoelkerung durch die Presse alarmiert wurde, sandte das Innenministerium einige Beamte zu ihm und forderten ihn auf, sofort oesterreichischen Boden zu verlassen, da sein Aufenthalt h.er unerwünscht sei. Am gleichen Tage verliess er in einem Auto Oesterreich. Vor einiger Zeit wurde in Klagenfurt eine Erinnerungsfeier von “Narvik-Kaempfern” abgehalten. (Vor 20 Jahren erfolgte der Ueberfall Hitlers auf den norwegischen Seehafen Narvik). Die Empoerung der in— und auslaendischen Presse namentlich der norwegischen war umso groesser, als man erfuhr, dass ein aktiver oesterreichischer Offizier des Bundesheeres, Oberst Holzinger, Militaerkommandant von Kaernten, die Festrede hielt. “Der 8. Juni”, so sagte dieser Herr Oberst war endlich der Tag der Ernte...” Den Angriff der Hitiertruppen auf Narvik ein “kühnes Unternehmen” zu preisen, ist eine Schande für einen oesterreichischen Offizier und ein Verrat an Oesterreich. Und ausgerechnet in der “Arbeiterkammer” von Klagenfurt wurde die Feier abgehalten. Inzwischen wurde bekannt, dass Herr Oberst Holzinger ausser Dienst gestellt wurde. Endlich wurde der ehemalige stellvertretende Leiter des Polizeikommissariat in Steyr, Polizeirat Dr. Franz Razesberger, verhaftet. Die Oeffen- Ulichkeit wurde auf Dr. Razesberger dadurch aufmerksam, dass im Zuge eines Kriegsverbrecherprozesses in West-Berlin, vom dortigen Staatsanwalt heftige Angriffe gegen den oesterreichischen Polizeibeamten erhoben erhoben wurde. Dr. Razesberger steht ausserdem im Verdacht, die Massenexetionen jüdischer Einwohner von Schitomir, sowie die Erschiessung von russischen Kriegsgefangenen befohlen zu haben. Ebenso wurde die Verhaftung des Leiters der Personalabteilung der Wolfsegg—Trauntaler Kohlenwerks AG., Dr. Egon Schoenpflug (ein Neffe des berühmten oesterreichischen Zeichners des 1. Weltkrieges, Schoenpflug) wegen Verdachtes der Beteiligung an Judenmorden ebenfalls im Krei?e von Schitomir bekannt. Durch die “Freiheitliche Partei Oesterreichs (FPOe) wurde ein Gesetzentwurf eingebracht unter dem Titel “Bereinigung dienstrechtlicher Fragen”. Darunter versteckt sich ein© weitere Wiedergutmachung an Kriegsverbrecher und Hochverraeter. Schon die damalige NS-Amnestie kostete dem oesterreichischen Staat über 800 Millionen Schilling. Sie wurde allen Nazis gewaehrt, die unter acht Jahren Kerker für ihre Verbrechen erhielten. Dies ist aber anscheinend der FPOe. zu wenig und so verlangt sie nun, dass die Amnestie auch auf solche Staatsbeamte ausgedehnt werden soll, die mehr als acht Jahre Zuchthaus erhielten. Auf Grund dieses Gesetzentwurfes müsste z.ß. die oesterreichische Polizei 117 ehemalige leitende Gestapobeamte, die erst nach 1938 in den Polizeidienst traten und nach 1945 wegen ihrer Verbrechen bestraft wurden, wieder in hoehere Dienstposten aufnehmen und Nachzahlungen im Gesamtbetrag von 72 Millionen Schilling (Fortsetzung Seite 4)

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