Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 11 (1960)
- Issue
- 230 (22.8.1960)
- Date
- 1960-08-22
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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( « DAS ECHO’’ 22. August 19Q. Die Wirklichkeit des Judentums I in lincoroni A^rvllr »im *4 » ,1», i Der in unserem Volk und in der Weit weiter schwelende Antisemitismus kann nur überwunden werden, wenn nicht nur über die Wirklichkeit Israels heute bessere Kenntnis verbreitet, sondern auch die Bedeutung Israels für die religioese Entwicklung der gesamten Menschheit recht erkannt wird. In den letzten Jahren sind zwei Romane über die Urgestalt jüdischen Glaubens erschienen, die bei der unterschiedlichen Darstellung, die fast als Gegensatz erscheinen kann, beide zusammen geeignet sind, den Mangel an Kenntnis über die Bedeutung Israels für das religioese Leben zu beheben. Es ist das 1957 im Herbert Reich, Ev. Verlag, Hamburg- Bergstedt erschienene Buch von Gertrud IsoJani: “Nacht aller Naechte’’, Roman des Erzvaters Abraham und der im Um. n Verlag, Berlin erschienene historische Roman der polnischen Katholikin Zofia Kissak: “Der Bund”. Wahrend Zofia Kossak ihre Aufgabe in einer Darstellung sieht, die dem Leser ein lebendiges Bild jener Zeit zu vermitteln sucht, in der Abraham die Stimme Gottes vernahm, der mit ihm den Bund schloss, geht die Darstellung Gertrud Isolanis andere Wege, um das Schicksal des Erzvaters dem heutigen Leser als jüdisches Schicksal lebendig werden zu lassen. Sie setzt bei dem Schicksal eines fiktiven Onkels ein, der als Ägyptologe und Archaeologe das jüdische Schicksal in den unseligen Jahren des Nazi- Regimes und des Krieges erleben musste. Dieser Onkel Abe schreibt seine Geschichte, das schwere Schicksal eines verfolgten Juden als die Geschichte des Erzvaters, mit dem er sich identifiziert. So versteht er die Gefahr der Deportation seiner Tochter, deren gefaßlschter Pass das Misstrauen der Polizei erregt hatte, als das Opfer seines Kindes, wie Abraham einst Gott seinen Sohn opfern sollte. Abraham Cohen bringt das Opfer, er bleibt bei dem Streit der Mutter um die bereits im Polizeiwagen eingesperrte Tochter tatenlos stehen. Aber Gott nimmt das Opfer nicht an, die Tochter wird ihm zurückgegeben. Und so erzaehlt jener Abraham Cohen in seinem Alter die Geschichte Abrahams, als waere er es selbst. Diese Identifizierung lasst die alte Geschichte lebendig werden. Oder ist es nicht eine die Sache treffende Parallele, wen er den Goetzendienst des Vaters Abrahams, Terach, der nach alter Ueberlieferung Goetzenbilder herstellte, mit dem Goetzendienst seines wirklichen Vaters Moshe Cohen gleichstellt, der als national denkender Preusse den deutschen Keiser bis zur Unterwürfigkeit verehrte und davon auch nach 1918 nicht lassen wollte. Und so bewaehrt sich auch der junge Abr.aham Cohen wie sein Erzvater, als er die Weihe einer Begegnung des Vaters mit den Majestaeten mit den Worten zerstoerte: “Aber Papa, wie kannst du dich so bloed benehmen! Die Majestaeten sind doch auch nur ganz gewoehnliche Menschen wie wir. Voe denen muss man sich doch nicht demütigen, wie vor dem .lieben Gott!” So werden die einzelnen Etappen jenes Lebens in Urzeiten lebendig. Gertrud Isolani verwendet dabei eine grosse Zahl jüdischer Legenden, die sich um den Erzvater gerankt haben, so dass im Grunde nur die Form der Darstellung das eigene dichterische Werk ist, das ganz, im Dienst der alten Ueberlieferung steht. Die Reichhaltigkeit dieser legenderen Ueberlie- *erung von Abraham zeigt unserer Zeit, die solcher Ueberlieferung fremd und’ ablehnend gegenüber steht, wie das Wertvolle der Geschichte nicht allein dadurch bewahrt wird, dass seine Kenntnis gelehrt und gelernt wird, sondern wie zu dem wirklichen Bewähren die eigene produktive Gestaltung gehoert, die sich in der Legen¬ Von Dr. theol. Hans-Werner Bartsch T Rahmen eirter Bücherbesprechimg behandelt ein moderner deutscher Theologe das jüdische Problem m populaerer Form, dennoch tief ¡n das Wesen des Judentums greifend. | Die Quintessenz der beiden hier von dem Protestanten Hans-WCrner Bartsch besprochenen Bücher ist der Bund zwischen Erzvater Abraham und Gott, ein Bund der auch das heutige Judentum Zusammenhalt und es zum Ewigen Volk erhebt, wenn es traditionsverbunden b'elbt und das missionarische Feuer für das Heut zu nutzen weiss. Wir veroeffentlichen diese christlich-theologischen Betrachtungen über das Judentum, da wir glauben, dass diese unsere Leder nicht nur interessieren, sondern auch zum Nachdenken .anregen werden. denbildung zeigt, die die GestaltAbrahams nicht veraendert, sondern in ihrer Eigenart nur lebendiger werden laesst. Das Buch gewinnt beim Vorlesen der einzelnen, meist in sich abgeschlossenen Kapitel. Laesst Gertrud Isolani bei ihren Berichten doch stets die Gegenwart lebendig bleiben, so dass man niemals sicher ist, ob nicht gleich der Sprung in die Gegenwart wieder getan wird, so zeichnet Zofia Kossak mit eingehender Genauigkeit jene Zeit Hammurabis, der die Sumerer-Dynastie abloeste. Wir erfahren sowohl von dem taeglichen Leben der Stadtbevoelkerung wie der umwohnenden Nomadenstaemme, wie auch von dem religioesen Leben. Mit fast grausamer Eindringlichkeit wird gleich am Anfang das Opfer eines Kindes geschildert, das ein reicher Kaufmann darbringt. Man koennte fragen, ob die Schilderung der Einzelheiten notwendig und auch ob sie historisch richtig sei: “ Der Erzpriester drückte m:t erstaunlicher Kraft die Kehle des Kinde* zusammen, der Bruder des Kaufmanns Nannt-tum betaeubte die Mutter mit einem kraeftigen Faustschlag, und die Diener schleppten sie auf einen Seitenhof hinaus. Der Vater stand immer noch mit demselben gleichgültigen Gesichtsausdruck regungslos da, nur perlender Schweiss trat ihm auf die Stirn. Das grosse Messer sauste nieder und durchschnitt tief und breit die Brust des Kindes. Das Blut stroemte heraus. Es erscholl ein wehmütiges Piepen wie das eines Vogefls. Der Erzpriester w.arf den zuckenden Koerper auf die steinerne Platte nieder, erweiterte die Wunde und achtete darauf, dass das B>'ut, diese geliebte Speise der Goetter ,die Lebensessenz, den Altar reich benetzte und auf alle Seiten herabfloss. Er tauchte die Herzchen ,die kleine, zuckende Leber, Herzchen die kleine, zuckende Leber, das Geschlinge der feinen, dampfenden Eingeweide heraus und versenkte seinen Blick darein, der nichts Gutes kündete”. Aber historisch gesichert ist die Grausamkeit der Opferzeremonie für jene Zeit ebenso wie die Selbstverstaendlichkeit, mit der die Opferung der Erstgeborenen als rechtmaessig und nachahmenswert angesehen wurde Und notwendig ist diese Darstellung, wen so die Bedeutung jenes Bundes zwischen Gott und Abraham sichtbar wird. Wir wissen zwar, dass in China sich selbstaendig eine Philosophie und Kultur entwickelt hat. deren Zeunisse wir noch heute mit Fhrfurcht als gültige Wahrheit lesen. Wir koennen darum nicht jenen hochmütigen Anspruch erheben, dass allein der Weg, den das Abendland ging, und dessen Weg mit Abraham begann, aus jenen furchtbaren Verirrungen natürlicher Religiositaet herausführen kann. Wir haben es gerade in der Geschichte des Abendlandes erfahren, wie der Mensch in seiner natürlichen Relicriositaet immer wieder zu Grausamkeiten bereit ist, die sich auch des christlichen Glaubens bemaechtigten, der in Zeiten religioeser Kaempfe zu gleicher Grausamkeit bereit war. Aber wir werden den Weg des Abendlandes nicht anders verstehen koennen als bestimmt durch jenen Bund, den Abraham mit dem Gott schloss, von dessen Offenbarung er Zeugnis gab. Und um die Bedeutung dieses Bundes zu verstehen, ist es notwendig, die furchtbare Herrschaft jener von allmaechtigen Priestern verwalteten Religion in ihrer ganzen Grausamkeit zu sehen. Die Herrschaft der Priester, auf der sich zugleich die Herrschaft des Usurpatorenkoenigs gründete, konnte nur durch einen Ausbruch überwunden werden, als den Zofia Kossak den Auszug Abrahams in das geilobte Land schildert, nur durch die Offenbarung Gottes als eines, der nicht die Verehrung eines Bildes durch die grausamen Opfer fordert, sondern der segnet, der damit aber zugleich ein anderes Opfer fordert, für das dann das weiter geduldete Tieropfer nur Zeichen sein kann, die Hingabe der eigenen Existenz im Vertrauen auf das in der Offenbarung an Abraham gerichtete Wort. Wie der Zug Abrahams nach Palaestina, der zugleich eine wunderbar behütete Flucht vor dem Koenig ist, der den Nomadenstamm sich unterwerfen will, als Tat solchen Vertrauens geschildert wird, das nicht getaeuscht wird und von daher weiter wirkt und Vertrauen erwirbt, so gestaltet die Dichterin das ganze Leben des Erzvaters in lebendiger Schilderung als eine Existenz, die in solchen Vertrauen das Leben als Geschenk versteht. Aus dem Glauben Abrahams ist vielerlei geworden. Aus ihn führen nicht nur Juden und Christen ihren Glauben zurück, auch der Islam versteht sich selbst als Erneuerung jenes Glaubens in einer Zeit, in der das Christentum zu erstarren schien. Und selbst die moderne Philosophie gleich welcher Richtung kann den Zusammenhang mit Abraham nicht verleugnen. Ist sie doch nicht anders zu verstehen als von diesem Ahnherr her, der zum ersten Male das moderne Existenzverstaendnis vorgelebt hat. Nun geht es allerdings nicht darum, das Recht des Gottesglauben zu erweisen, in dem Abraham gelebt hat. Dieses Recht laesst sich nur im Nachvollzug erweisen, zu dem seine Geschichte ruft. Aber es geht darum, bei allen, die heute aus allen moegüichen religioesen, nationalen, politischen oder gar rassischen Gründen eine Antipathie gegen Israel haben, das Wissen zu wecken, dass wir unsere eigene Existenz nicht anders verstehen können als vom Erbe jenes Erzvaters her. Zofia Kossaks Buch zeigt uns das Leben des Erzvaters in seiner Zeit in lebendiger Darstellung, die uns befaehigt, es mitzuerleben. Die gute Kenntnis der Umwelt jener Zeit, die von daher exakte Darstellung laesst jene Zeit dem Leser lebendig werden und die Bedeutung Abrahams als “Vater des Glaubens” und damit als ersten Vollzieher einer Lebenshaltung erkennen, in der wir wurzeln. Als die Nazi-Ideologie den Antisemitismus zu einem zentralen Instrument der eigenen Haltung machte, zeigte sie damit nicht nur eine Verirrung auf einem begrenzten Gebiet, nicht nur einen Rückfall in Grausamkeiten. die aller Kultur spotten, sondern in dieser Haltung kam die Barbarei als bestimmender Wesenszug zum Vorschein, durch die eine über Jahrtausende geüende kulturelle und religioese Entwicklung verneint wurde. Bedeutet die Wendung gegen Israel notwendig eine Abkehr von der eigenen Geschieht, von einer Entwicklung, in der alles wurzelt, was unser gegenwaertiges Leben bestimmt, so wird damit der Antisemitismus als Kulturfeindschaft in einem umfassenden Ausmass sichtbar, die niemand bejahen kann. Aber diese Kenntnis der Ursprünge unserer Kultur wie der Hintergründe, gegen die sich jener Gottesglaube Abrahams durchsetzen musste, fehlt. Und damit fehlt heute die Kenntnis der Wirklichkeit dessen, was Judentum heisst. Man mag sich nicht in der Lage sehen, wie Abraham das Leben als Geschenk zu verstehen, man mag die Moeglichkeit des Vertrauens in Gottes Offenbarung nicht haben, dennoch bleibt der Schritt Abranams, der erste Schritt eines Weges, an dessen Ende wir alle heute stehen, und der Weg zurück führt notwendig in die Barbarei jener Opferhandlungen, als deren Pendant die Gaskammern und Folterkammern moderrer Zeit erscheinen. Niemand moechte heute diese Barbarei vertreten, aber dass Antisemitismus notwendig dahin führt, wird in den beiden Büchern sichtbar. Zofia Kossaks Buch zeigt, dass diese Barbarei vor Abraham war und im natürlichen Goetzenglauben wurzelt. Gertrud Isolanis Buch zeigt, dass die gleiche Barbarei wieder auflebt, wenn man sich am Ende von dem Weg Abrahams lossagt. So vermitteln beide Bücher ein lebendiges Bild der Bedeutung des Judentums für die Gegenwart. (DAZ). Lieber Echofreund: LEBENSVERSICHERUNG ist ein Dauer-Sparsystem und desshalb ein Mus ’s für jeden Familienvater mit Verantwortungsgefühl! Beratungsstellen: LA PAZ: Calle Potosí 1230, Teléfonos 5623-5712, Casilla 1724. COCHABAMBA: Esteban Arze 65, Telefon 4680, Casilla 1724. SANTA CRUZ: Suárez de Figueroa 232. Telefon 215, Casilla 139. ausserdem Agencias in Oruro, Potosí, Sucre, Tari ja, Beni. 22. Uns ñu«” Die dor an Zivil Zerstoß effektiver gestellt, Üven Vo i Raketeng in dieser verton*- Nach den risnkete den die Dk neueren die "Mo dieser in Au! die Sd zu oek wesent! führen Erktaß da, ei ‘‘"nerti sie gei der Fr