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Das Echo · 1960-07-30 · 229 (30.7.1960) · p. [Seite 4]

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Journal
Das Echo
Volume
11 (1960)
Issue
229 (30.7.1960)
Date
1960-07-30
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German
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4. í i DAS ECHO y y 30. Iuli 1960. Kommentar zur A ffäre Eichmann Gewisse Folgerungen — nicht alle troestlich — lassen sich wohl jetzt schon aus den gedanklichen und gefuehlsm.aessigen Aeusserungen abj leiten, die die Aufspuerung und j Ergreifung von Adolf Eichmanu j in Argentinien durch juedische Frei-! willige und seine bevorstehende Abir j teilung in Israel in der ganzen Weit ■ hervorgerufen haben. Es war zu erwarten, dass das allgemeine Interesse zu den verschiedenartigsten Reaktionen und Beurte1 ungen fuehren wuerde. Hier haben wir schliesslich einen Fall, der in ganz ungewoehnlicher Weise atavistische Vorurteile aufruehrt, aber auch die besseren Instinkte erweckt, ein Fall, der leider die krankhafte Neigung foerdert, Israel im Unrecht zu finden, jedoch auch den tieferen, aber selteneren Sinn fuer rechtsmaessige Vergeltung erregt. Wir werden noch weiterer Witterungsaenderungen gevvaertig sein muessen; hinter dieser Unbestaendigkeit aber kann man schon die Unbehaglichkeit gewisser Kreise spueren, die eifrig bemüht sind, ihr Schuldbewusstsein durch formalistische Anklagen gegen ungeladene Vertreter einer elementaren Gerechtigkeit zu besaenftigen, die sie selbst nur zu lange ausser Acht gelassen haben. Zunaechst herrschte eine fast ungeteilte Befriedigung darueber, dass ein Massenmoerder, ein Meister des Verbrechens, zur Strecke gebracht w'orden war. Man war vok des Lobes fuer die Juden im allgemeinen und ] Israel im besonderen; man beglueckwuenschte sie fuer die unglaubliche Geduld und Geschicklichkeit, womit | diese unbarmherzige Verfolgung durchj gefuehrt worden war, waehrend der j Rest der Gesellschaft, die zwar in der Vergangenheit einiges, aber durchaus nicht alles fuer eine endgueltige Bestrafung getan hatte, die Endaufgabe engstirnig vermied, wobei man das juedische Maertyrertum unter Hitler wohlwollend erwaehnte und es fuer unbedingt richtig hielt, dass die Juden in Israel Justiz an Eichmann ueben. Es fehlte auch nicht an Einsicht in die Unerbittlichkeit und Unablaessigkeit des inneren Zwanges, der die juedischen Freiwilligen dazu trieb, sich endlich Eichmanns zu bemaechtigen, eines inneren Zwanges, der bei diesen Maennern, denen das grimmige Vorhaben einer ganzen Nation anvertraut war, viel eher zu entschuldigen ist als eine formalistische Haltung, wie sie ganz unpersoenliche Detektive in der Frage der Beeinträchtigung territorialer Rechte eingenommen haetten. Dann kam eine neue Wendung. Es erfolgte das unverhaeltnismaessig starke Betonen der Entfuehrung, der Verletzung der argentinischen Souveraenitaet. Es kam die scharfe und ueberraschende Note Argentiniens an Israel. Nunmehr wird viel dialektische Muehe an die Gegenueberstellung von nationaler und internationaler Rechtsprechung gewandt; immer mehr raet man dazu — aus ehrlicher Sorge fuer Israel, moechte man hoffen, -Eichmann wo anders vor Gericht zu stellen. Manche lassen durchblicken, dass Israel zu sehr Partei sei, um unparteiisch zu richten. Sicherlich ist Israel Partei. Wie haette man sonst das Aeusserste getan, um Eichmann vor ein israelisches Gericht zu bringen? Viele haben auch behauptet, dass selbst der Tod fuer den schuldig gesprochenen Eichmann nicht die gebuehrende Strafe waere, so armselig sei sein Leben, um alle Leben zu vergelten, die er auf dem Gewissen hat. Aber wenn selbst sein Tod keine voelüge Gerechtigkeit darstellt, was braucht man dann zu befuerchten? Welches Unrecht mag Israel ihm antun, wenn er tatsaechlich der Organisator dieses gewaltigen Maertyrertums gewesen ist? Ben Gurions edle Botschaft an den Praesidenten Frondizi war eine zeitgemaesse Mahnung daran, was die- | ser Schlussakt fuer die gesamte Menschheit bedeutet. Kann es angesichts der sechs Millionen erbarmungslos hingerichteter Menschen, .angesichts der stillen, tiefen Trauer von Millionen Angehoeriger - kann es da sub specie aeternitatis wirklich eine andere als eine grossmuetige Auffassung des Bruches internationaler Normen geben, die nicht fuer derartig beispiellose Faelle aufgestellt worden sind? Die Wunde, die Eichmanns teuflischer Auftrag der juedischen Seele zugefuegt hat, wartet auf verstaendr.isvolle Linderung. Argentinien wird bestimmt die Aufopferung jener Maenner erfassen und verzeihen, die es sich vorgenommen haben, Eichmann vor juedische Richter im juedischen Staat zu fuehren. Es wird sicher.ich den hohen ethischen Wert ihrer Aufgabe und den unbezwinglichen moralischen Drang, der sie bewegte, anerkennen. Soweit wir es der Weltpresse entnehmen koennen, ist dieses der Wunsch der oeffentlichen Meinung. Die Art, wie man Eichmanns habhaft geworden ist, rechnet ueberhaupt nicht im Vergleich zu der unsagbaren Ungeheuerlichkeit seiner Verbrechen. Im Uebrigen wird die These der israe’.ischenGerichtsbarkeit durch eine ganze Reihe kompetenter Entscheidungen auf dem Gebiete des internationalen Rechts unterstuetzi. Es war vorauszusehen, dass der Ausgang der Debatte im Sicherheitsrat, die Argentinien verlangt hatte, und die wohl von den Grossmaechten als recht unerwuenscht und unnoetig betrachtet wurde, diese weitverbreitete Meinung widerspiegeln und eine richtige Einschaetzung des so wesentheh gerechten und so leicht zu rechfertigenden Verhaltens Israels und seiner Baweggruende mit sich bringen wuode. So ist ts auch gekommen, zweifeillos zur unverhohlenen Erleichterung der Buehne wie des Publikums. Jetzt Ist die Moegüchkeit gegeben, der verletzten Wuerde Argentetiniens auf normalem diplomatischen Wege Genuege zu tun. Die Worte, mit denen der argentinische Delegierte seinen formalen Protest einrichte, geben uns zu der Hoffnung Anlass, dass die schoene und wertvolle Freundschaft, die sc schnell zwischen Argentinien und Israel aufgeblueht ist, unberuehrt bleibt, und dass Israels vitale Interessen auf dem weiten suedamerikanischen Kontinent keinen Schaden erleiden werden. Max Nurock. (Anm.dJi.: Es sieht leider ganz so aus, als ob die argentinische Regierung auf ihre Forderung nach “Wiedergutmachung’ ’im Falte Eichmann beharrt, obwohl alles von seiten der israelischen Regierung getan wurde, um diesen ausserordentlichen Fall durch ausserodentliche Massnahmen zu erklaeren. Die Erklaerung der Regierung von Buenos Aires, den israelischen Botschafter Arieh Levani als “persona non grata” zu erklaeren war eine argentinische Massnahme, die wahrscheinlich auf Druck der argentinischen Nationalisten, Israelfeinde und Militaers zurückzuführen ist. Trotz allem wird erwartet, dass es zu keinem wirklichen Bruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Argentinien und Israel kommen und das argentinische Aussenamt seine Haltung gegenüber Jerusalem revidieren wird. Es bleibt im hoechsten Masse bedauerlich, dass die wirktich freundschaftlichen Beziehungen zwischen Argentinien und Israel wegen eines beispiellosen Massenmoerders getruebt wurden). MEDIZINISCHE NOTIZEN GEGEN ZU HOHEN BLUTDRUCK Ein neues Medikament zur Behandlung von Patienten mit anormal hohem Blutdruck wurde von dem amerikanischen Arzneimittelwerk Ciba Pharmaceutical Products Company (Summit, New Jersey) unter der Bezeichnung “Singoserp” auf den Markt gebracht. Es hat fast keine Nebenwirkungen; im Verlauf der eineinhalbjaehrigen Erprobung an mehr als 3000 Patienten, meist mittelschwere u. schwere Faelle, wurden bei 50% “gute bis ausgezeichnete” Erfolge erzielt, waehrend bei den meisten anderen eine bemerkenswerte Besserung eintr.at.. Der Tatsache, dass Singoserp praktisch keine Nebenwirkungen, hat, kommt deshalb besondere Bedeutung zu, weil viele andere in den letzten Jahren eingeführte blutdrucksenkende Mittel bei, einer grossen Zahl von Patienten wegen unerwünschter und sogar gefaehrlicher Begleitreaktionen nur begrenzt oder überhaupt nicht angewandt werden koennen. Es eignet sich vor .allem dort, wo für eine Blutdrucksenkung keine oder nur geringe sedative Effekte erforderlich sind, ln besonders gelagerten, hartnaeckigen Faellen von Hypertension kann Singoserp auch mit anderen, staerkeren Praeparaten unter wesentlicher Reduzierung von deren üblicher Dosis kombiniert werden. (USIS) NEUE BIOLOGISCHE SUBSTANZ Iridomymecin, der Kampfstoff einer tropischen Ameise, ist ein Insektizid, das für Menschen und Tiere ungiftig ist. Es wirkt aber gegen Thyphus-, Par.athyphus-, Cholera- und Tuberkuloseerreger. Wegen dieser erstaunlich vielseitigen Anwendungsmoeglichkeit bezeichnet man in den USA das Iridomymecin als “die interessanteste biologische Substanz der letzten Jahre”. Mittlerweile konnte die Verbindung syntetisiert werden. Diese Synthese wird moeglicherweise den Weg für eine wirtschaftliche Herstellung der Verbindung eroeffnen. (WFJ). VERSOEHNUNG VOR GERICHT HAMBURG — Eine überraschend« Versoehnung gab es vor einem Hamburger Gericht kurz vor der Berufungsverhandlung gegen den Taxichauffeur August Brinken, der den israelischen Kaufmann Mardochai Shechter beleidigt hatte. Brinken hatte waehrend einer erregten und wortreichen Auseinandersetzung zu Shechter gesagt: “Schade, dass Sie nicht auch vergast worden sind” und war dafür zu sechs Wochen Gefaengnis verurteilt worden. Shechters Anwalt erklaerte in der Berufungsverhandlung, sein Mandant verzichte auf eine Strafverfolgung, wenn sich Brinken entschuldigte. Der voellig verdutzte Taxichauffeur ging auf Shechter zu und sagte: “Ich entschuldige mich und bedauere den Vorfaill”. Darauf schüttelte ihm Mardochai Shechter die Hand und lud ihn nach Israel ein, “damit Sie den schweren Existenzkampf meines Volkes er lieben koennen”. Mit Zustimmung des Staatsanwalts stellte der Richter darauf das Verfahren wegen Geringfügigkeit ein. HEUSS LOBT ISRAELI¬ SCHE AUFBAULEISTUNG STUTTGART — Sehr beeindruckt ist der deutsche Altbundespraesident Theodor Heuss von den Aufbauleistungen in Israel. In einem Gespraech mit dem deutschen Fernsehen berichtete Heuss über seine mehrwoechige Reise durch Israel. Nach Meinung von Heuss ist der wirtschaftliche Aufbau vorwiegend durch die eigene Arbeit der Israelis ermoeglicht worden. In entscheidenden Jahren habe auch die deutsche. Wiedergutmachungsleistung viel geholfen, auf die man in Israel zwar nicht" stolz sei, aber “ein Stück Anerkennung ist immerhin vorhanden”, sagte Heuss. Sehr eindruksvoli sei, wenn man hoere, dass Nathanya, wo 1934 nur 19 deutsche Familien wohnten, heute eine Stadt von 25.000 Einwohnern sei. Auch Tel-Aviv und Haifa haetten sich sehr schnell entwickelt. In 20 Jahren werde man vielleicht nicht mehr von amerikanischem, Oberlaender wurde vor einigen Wochen bei einem iSchauprozess in Ostberlin in Abwesenheit zu febenslaenglichem Zuchthaus verurteilt, nach dem das Gericht ihn der Kriegsverbrechen waehrend der deutschen Besetzung Polens schuldig gesprochen hatte. Der Generalstaatsanwalt in Ostberlin hat zweimal ein Auslieferungsbegehren für Oberfaender an das oberste westdeutsche Gericht in Karlsruhe geschickt, das jedoch unbeantwortet blieb PROZESSE BONN — Mindestens sechs grosse Massenmordprozesse wegen Nazi- Verbrechen, mit etwa 1200 Beschuldigten, sind in absehbarer Zeit noch vor westdeutschen Gerichten zu führen, sagte der Bonner Justizminister Fritz Schaeffer vor dem westdeutschen Parlament in Bonn. Es handelt sich um folgende Verfahren und Komplexe: (In Klammer voraussichtlicher Ort der Verhandlung). 1.—Konzentrationslager Auschwitz in Palen 900 Beschuldigte. (Frankfurt a. M.) 2. Vernichtungslager Chelmo bei Posen in Polen — 65 Beschuldigte (Bonn). 3. Vernichtungslager Treblinska bei Varschau — 40 Beschuldigte, (Düsseldorf). 1. Vernichtungslager Belzec in Po- — 10 Beschuldigte, (München). 5. Ermordung von Juden in Riga in land — 120 Beschuldigte, (Ham- 5. Ermordung von Juden in Un _ 70 Beschuldigte, (Frankfurt Main). . Diese Faelle seien nur eine Aus- 1 aus dem grossen Komplex, der der westdeutschen Justiz in d«n hsten Jahren noch zu bewaeltigen sagte Schaeffer. Editor: Leser: Editor: Leser: sondern vom israelischem Tempo sprechen. Respekt zollte Heuss auch dem Versuch der Israelis, aus einem “weithin ungepflegten Land”, aus dem Wüstengebiet des Negev, einer düster¬ Editor: Leser: grossartigen Landschaft, ein Stück Humus her.auszuholen oder hineinzuschaffen. * Editor: STECKBRIEF OBERLAEN- Leser, DERS AN DEN LITFASS- Editor: Leser: SAEULEN BERLIN —■ An allen Litfass-Saeu- Editor: len Ostberlins und der deutschen Sowjetzone ist jetzt ein Steckbrief des früheren westdeutschen Flüchßingsmfnister Theodor Oberlaender ange¬ Leser: bracht. Die Bevoelkerung wird aufgefordert, bei der “Festnahme des Massenmoerders” mitzuhelfen. Editor: Leser: Echo ■ reiben mi Spielfilme Jahre 19 Brauner Jahre 195 und wem gen Plata nimt, dan den Loev schaff fü, 1954 zur Ateliers sehr vie der bis n|cht ein sehen h; seinem { unc bahn vor heute tii «nd Anei genialen, Mensche, '^ne üb. Es gl dustrie , ntmprud *ug mit f* sehi ten Wal Sibirien pSroc geschieh “Jauner viel meh kann m, inte] die wie en %• gehoen „ Es ni such un

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