Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 11 (1960)
- Issue
- 229 (30.7.1960)
- Date
- 1960-07-30
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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30. Iuli 1960, “DAS ECHO” 3. Echo - Korrespondenten melden- ™ _ . . . ..ii. r\ . ..i i-1 ,i ,4 n!/>m oti/l uniti i'lort ctir*n r\ 3 t*- M . KILA1 berichtet aus BERLIN Für jeden Teilnehmer an dem Berliner Film-Festival ist dies der 10 jaehrige Geburtstag des Berliner Filmfestivals, verbunden damals vor 10 Jahren mit einer politischen Demonstration waehrend der Bilockade Berlins um der Welt damals den Lebenswillen Berlins zu demonstrieren. Für mich ist das Datum etwas verschieden und zwar zaehlt das Berliner Festival in meinem Kalende r nur vom Jahre 1954, wo zum ersten Male die Staatsfahne Israels am Kurfürstendamm mit den Fahnen anderer Nationen wehte und heute ist die lsrae<- fahne ausserdem vor dem jüdischen Gemeindezentrum, welches auf dem .Ruinengrundstück der von den Nazis ausgebrannten Synagoge Fasanenstrasse aufgebaut wurde, was eigentlich eine gewisse Genugtuung bei jedem Berliner Juden hervorrufen kann. Als vor 6 Jahren zum ersten Male ein Israel-Film auf dem Berliner Film-'Festivail gezeigt wurde und damit Israel sich offiziell an dem Filmfestival in Berlin -Westdeutschland sich beteilig-/ te, konnte ein jüdischer Journalist aus Israel mit ruhigem oder “unruhigem” Gewissen sich auch offiziell an dem Berlin Filmfestival beteiligen. Die erste Beteiligung war, wie man heute annehmen moechte, demonstrativ viel staerker als die Beteiligung Israels in diesem Jahr. 1954 war aussei dem Israelfilm eine Israel-Ausstellung im Maison de France, verbunden mit einer Briefmarkenausstelilung, die gerade durch die Festspielwochen grossen Anklang fand. Die Leitung dieser Austeilung lag damals in den Haenden von Dr. Uri Naor, dem damaigen Presse-Attache der Israel- Mission in Koeln, der es verstanden hat. die Ausstellung zu einer grossen Propaganda für Israel auszunutzen. Nicht nur dass zahlreiche Gruppen der Schuljugend und Erwachsenen die Ausstellung besuchten, sondern es wurden auch bei dieser Austeilung einige Israelfilme 12 Stunden am Tage aufgeführt und nach der Aufführung der Filme gab es für das Publikum die Moeglichkeit Fragen zu stellen. Es ist bedauerlich, dass die Isr.ael-Presse-Attaches, die nach Dr. Uri Naor die Nachfolge antraten, nicht die qualitativen Faehigkeiten Ihres Vorgaengers hatten und so eine günstige Gelegenheit, wie das Berliner Filmfestival fiir eine grosse kulturelle Propagandaktion für Israel nicht ausgenutzt haben. Denn trotzdem es heute eine Inflation von Filmfestivals in der Welt gibt und sogar Laender wie Pakistan, Indien;, FJImfestivale vorbereiten, so dass die Stars müde werden zu den Festivals zu kommen, kann man von dem Berliner Festival sagen, dass es trotzdem repraesentativ ausfaellt und •wenn man in Betracht zieht, dass 39 Laender 82 Filme in der Berliner Festwoche neu auff/hren, so ist das rin ungeheuer gutes Zeugnis für die Berliner Festspiele. Ausser diesen 82 Filmen laufen in Berlin einige gute Filme ausserhalb des Festspielgrogramms, die sehr beachtenswert sind, wie Fellinis Film “Das süsse Leben” ’oder “Professor Hannibal” ein ungarischer Film aus dem Jahre 195t). Auch die Jury ist repraesentativ so ist der President Harald Lloyd, (der bekannte amerikanische Filmkomiker aus der Stummfilmzeit) und als Mitglieder der Franzose Georges Auric, der englische Kritiker Henry Reed, der Leiter der Filmfestspiere in Venedig Dr. Floris Luigi Amandati, sowie ein Inder, ein Spanier, Argentinier und anderer Laender. Demgemaess setzen sich auch die Besucher, die sehr vielfarbig sind, aus allen Laendern und Nationen zusammen. Man sieht bei so einem Treffen viele bekannte Gesichter und man hoerte sehr abfaetlige Meinungen über absolvierte Filmfestivals, viel Lob über Berlin aber am meisten wurde das Filmfestival in Acapulco gelobt und sicherlich hat das maerchenhafte Ferienparadies Acapulco und das schoene gastfreundliche Mexiko mit den billigen Preisen seinen Anteil daran. Zur Popularitaef Mexikos in Deutschland und Berlin traegt sehr viel die Anwesenheit des Acapulco-Bürgers Teddy Stauffer in Berlin bei, der in dem CCC-Film-Atdüer an ,der Produktion des Filmes Marina mitarbeitet. Und die Mexikaner, die ganz neu auf dem Gebiet des Filmfestivals sind, fühlen sich durch den Acapulco-Festival bei dem Berliner Festival sehr wohl und sind sehr populaere Teilnehmer, wie Alcantara Pastor Angel, Mendoza Carrasco, und auch Jorge Nünez Prida aus Mexico-City, der Mitglied der Jury ist. Der Pionier der Anbahnung von Kontakten zwischen Israel und Deutschlands auf dem Gebiete des Filmwesens, ist Otto Sonnenfeld, der Praesident der “Israel-Film Producers Association” der sich sehr in Israel in dieser Richtung bemühte. Deutschland hat auch diesen Bemühungen Voisctiuss gegeben, in dem im Jahre 1954/ 56 der Israeli Sonnenfeld mit der Mitgliedschaft in der Jury beehrt wurde, obzwar Israel eigentlich nie als richtiges Filmland auf der Berlinale vertreten war. Deutschland von sich aus hat einige sehr gute Israelfilme produziert, so den Film von Rolf Vogel “Israel, das Land der Erfüllung”, der eine Stunden Spieldauer hatte oder der noch laengere und umfangreichere Film "Paradies und Feuerofen”, die eine gute und wirksame Propaganda für Israel waren und sind. Im jüdischen Kulturzentrum Berlins ist in der letzten Woche ein Film von 30 Minuten Dauer “Israel, Land und Leute” mit grossem Erfolg aufgeführt worden. Einen ebensolchen Film zeigen d:e Gewerkschaften in Deutschland mit dem Titel "Sehalom Israel”, der sehr eindrucksvoll ist. Wenn gegenüber diesen Filmen Israel auf der Berlinale mit einem kleinen Kulturfilm auftritt, dann haben die Beteiligten den Eindruck, dass die israelisch-deutsche Zusammenarbeit und die Bemühungen von Sonnenfeld zwar nicht annuliert worden sind, abe“ nicht von grossem Erfolg gekroent waren und niemand wundert sich darüber, dass Sonnenfeld nicht mehr der Jury angehoert. -Man kann eben nicht, sogar nicht im Film, ein “one way roade” Zusammenarbeit haben. Trotz dieser Tatsache gibt es bemerkenswerte jüdische Momente bei der Berlinale. Wenn im offiziellen Festalmanach unter den Dutzend Artikeln ein Artikel vorhanden ist über Mode und Film, geschrieben von Maria Brauner, so ist das dieselbe in deren Haus im Jahre 1955 der erste Zirkel für den j ersten drive des magbit in Deutschland stattgefunden hat, und das Haus von Rrauners ist nicht nur ein gastfreundliches, sondern auch ein charmantes. Sie ist auch die Pionierin der jugendaliah in Berlin und Deutschland und wenn andere glauben, dass jemand anderes die Jugendaliah macht, dann nur dank dem, weil Maria Brauner auch heute noch die Seele und der Motor der Jugendaliah ist. Als der Sohn von Brauners Bar-Mitzwah hatte, sind sie nach Israel gefahren, um dieses Familienereignis in Israel zu begehen. Ihr Mann, Arthur Brauner ist «in Genie auf dem Gebiete der Filmproduktion über den man ein Buch sch- (Fortsetzung Seite 8). iJ.uAwi<jj l\>. C—^ta'CcjUxAt Herausgeber der Zeitschrift “Das Echo” In der vorigen Ausgabe konnte ich 59 Glückwünsche ve. ca''etlichen, die mir aus Anlass des 10-jaehrigen Bestehens des 'i_'ha" zugingen. Nach Erscheinen der Festnumirer erhielt ich weitere Beweise der Fr eunjd&chait und Sympathie in einem Umiange, der es mir unmoegrich machte, mich individuell für alle Aufmerksamkeiten zu bedanken. Auf diesem Wege danke ich allen meinen Freunden für die Briefe, Telegramme, Geldüberweisungen, Telefcnanrufe und persoenJiche Gratx ’ationen auf das Herzlichste. Diese Verbundenheit hat mich tief erfreut und sie ist mir Verpflichtung für weitere Arbeit im Dienste der jüdischen Gemeinschaft. FRED KUBIE berichtet aus WIEN Noch haben sich die Wogen über die Verhaftung und Unschaedlichmachung d«s Massenmcerders Eichmarm nicht gelegt, noch immer verurteilen die oesterreichischen Zeitungen mit harten und treffenden Worten die Haltung Argentiniens, aber scheinbar nützt dies alles nichts denn die Nazis regen sich wieder und neu« Drohungen beunruhigen die anstaendige Bevoelkerrungsschicht Wiens. Anonyme Anrufe drohen mit der Sprengung des einzigen wiener Tempels und des jüdischen Hospitals. Wiens Synagoge und verschiedene jüdische Geschaefte wurden unter verschaerfter Polizeiaufsicht gestellt. Vor einigen Tagen wurde die Verhaftung von Dr. Egon Schoenflug bekannt gegeben. Dieser Mann, ein Neffe des berühmten oesterreichischen Zeichners Schoenflug, soll waehrend der Kriegsjahre (1941-44) als Polizeioffizier in Pollen zahlreiche Juden«rschiessungen vorgenommen haben. Bis zu dem Zeitpunkt seiner Verhaftung war er Personalchef der groessten oesterreichischen Kohlenbergwerke. Ueber Weisung der westdeutschen Behoerden in München wurde hier die Verhaftung von Dr. Schoenflug vorgenommen. Das belastende Material soll die westdeutsche Staatsanwaltschaft aus Ostdeutschland erhalten haben. Inzwischen werden vier weitere Verhaftungen bekannt; Naeheres konnte man bisher nicht erfahren. Weitere hundert Personen werden von den -oesterreichischen und deutschen Behoerden gesucht. Inzwischen wurde bekannt, dass die ehern. Freundin des SS-tFührers Eichmann aus ihrer Wohnung in Linz ploetzilich verschwunden ist. Sie war es, die dem israelischen Geheimdienst ein Foto Eichmanns übergab und dadurch wesentlich zur Verhaftung Eichmanns beitrug. Das ploetzliche Verschwinden der Ex-Freundin Eichmanns aus Linz laesst die Vermutung aufkoniinen, dass sie Racheakte befürchtete. Der SORBE-Kongress, ein Sammelbecken ehemaliger Nationalsozialisten, wurde auf Weisung der zustaendigen Behörden auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Kongress haette jetzt in Salzburg stattfinden sollen. Das Organ der SORBE, der “Europaruf’ bringt jetzt an erster Stelle einen Artikel des berüchtigten rumae nischen ■ Chefs der "Eisernen Garde” 1 waehrend des II. Weltkrieges, Horia Sima. Dieser “Professor” lebt jetzt - wie so viele seinesgleichen - in Aegypten. Die in Linz erscheinende Zeitschrift “Plattform”, bringt jetzt einen Nachruf für den obersten SS- und Polizei-Führer von Holland, Hannes Raufer ,der int Jahre 1949 wegen Massenverbrechens von den hollaendischen Behoerden zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde- Noch immer wird Oesterreich mit Nazi-Literatur überschwemmt und alle Vorsprachen bei Behoerden, diese Sintflut einzudaemmen (oder zu verbieten), naben bisher nichts genutzt. Man schaetzt die in Westdeutschland erscheinenden militaristischen Schundhefte auf 8 Millionen. Noch immer geben die sogennanten “Kameradschaftsverbnende” keine Ruhe. Woche für Woche paradieren sie mit mit den verbotenen Naziauszeichnungen und sind aufs Hcechste empoert, wenn die demokratische Bevölkerung dagegen heftigen Protest einlegt. Mitte Juli fand in Graz das “Grossdeutsche Bundesturnfest” statt, für welches die SS-Kamaradschaft eifrige Propaganda machte. Sc brachte die “Bundesturnzeitung” im reinsten Goebbels-Stil einen Gedenkartikel für die “Maertyrer” um den Schutzwall Europas”. Die KZ-Morde und brutalste Nazi-Verbrechen werden von dieser Zeitung glatt entschuldig! und die Freiheitskaempfer als “aasstinkende Unterwelt”, “Meuchelmoerder” und "Abschaum der Menschheit“ bezeichnet. Man wirft langsam abei staendig jedwede Tarnung ab und bezeichnet sich nunmehr wieder frisch, fromm und froehlich als “Deutscher Turnverein”. Wie lange werden die cesterreichischen Behoerden diesen Skandal noch dulden?... Der Praesident des wiener Stadtschulrates hat die Leitung der hoeheren Lehranstalten empfohlen, den Besuch in Mauthausen den Schülern unbedingt zu ermoegliehen; um die Leidenszeit der Nazigegner den Schülern Oesterreichs anschaulich zu machen wurde diese Ordre herausgegeben. ’ Und abschliessend: Nach Iangjaehrigen Vorbereitungen wird int oesterreichischen Naitional-Heiligtum tn Mariazell, nun ein Gedenk- und Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus errichtet.