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Das Echo · 1960-07-15 · [228] (15.7.1960) · p. [Seite 4]

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Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
[228] (15.7.1960)
Date
1960-07-15
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German
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4. ‘‘DAS ECHO’’ 15. Juli 1960. Freund reuer itarbeiter-- Lieber Freund Dr. Stargardt. wenn ich mich in meinen alten Tagen nicht irre, sind es zehn Jahre her, dass ich aus Bolivien eine neue Zeitschrift DAS ECHO zu Gesicht bekam. Am 15. Juli 1950 war sie erschienen, die Nummer 1 des ersten Jahrganges, die ich mir als ''Museumsstück'' auf-" bewahrte. Denn, — wenn ich ehrlich sein soll — damals war ich über die Lebensdauer des jüngsten Kindes der Zeitungsfamile recht skeptisch. Das muss man verstehen: denn in meiner damals bald drei Jahrzehnte waehrenden journalistischen Taetigkeit sah ich so manches Blatt verheissungsvoll starten und — in die Versenkung verschwinden. Ich erlebte es, wie altehrwürdige Zeitungen von internaüonalem Ruf dem Druck der Zeitgeschehnisse weichen mussten; sie gehoeren heute der Geschichte des Zeitungswesen an- Ich wusste es, welches Wagnis es war .nach den schrecklichen Kriegs wehen eine neue Zeitung aufzuziehen, noch dazu in einem fremden Lande, wo Druckereien für Erzeugnisse in deutscher Zunge eine Seltenheit sind. Journalismus ist vergaengliche-Tagesarbeit. Zeitungen, heute von groesster Aktualitaet und Wichtigkeit, liegen morgen im Archiv, von neuen Ereignissen überholt. V/er nennt die Namen, zaehlt die Kollegen, die man einmal voll Bewunderung als Mitarbeiter einer Zeitung genannt hat. Wie schnell ist der Name "vom Winde verweht", sobald er gicht mehr in den Spalten der Zeitung erscheint. Umso mehr taut man auf, freut sich und (gewinnt wieder Zutrauen zu dieser Welt, wenn auf dem Arbeitsfeld, der Zeitung, nach Jahren aus dem einstigen Sproessling ein wackerer Streiter geworden ist. So geht es mir jetzt, wenn ich heute auf dem Kalender 15. Juli 1960" lese. Ja, sind es denn tatsaechlich zehn Jahre her, dass wir, lieber Doktor, seit den ersten Nummern in befruchtenden Kontakt getreten sind? Zieht man, im Leben, das Alter der um einen herum aufwachsenden Menschen in Betracht, sc merkt man, dass die Jahre auch bei sich selbst nicht Halt machten- Waege ich jedoch die zehn Jahre Bestehen von DAS ECHO, dann sind wir — Sie, lieber Freund Stargardt (und auch ich, ganz nebensaechlich) — noch jung. Besonders Sie als spiritus rector des Geburtstagskindes. Nach Ihrem Elan, Lebenswillen unh -kraft sind Sie noch im Sturm¬ und Drang-Alter. DAS ECHO beweist es immer wieder aufs Neue! Zehn Jahre einer Zeitung wollen durchlebt sein! Gemessen an der Geschichte unseres jüdischen Volkes ist diese Zeitspanne eine gar sehr geringe. Wenn man so, in Gedanken, über die fast 230 Nummern von DAS ECHO Rückschau haelt, so wundert man sich nachtraeglich, welche Besessenheit Sie befallen haben muss, um nicht immer immer wieder vor der Flut der Widerstaende, der Anwürfe und Teufeleien zu kapitulieren! Nur, wer in sich gefestigt ist, kann seinen Idealen treu bleiben, ihnen kompromisslos dienen! Sie hatten sich von Anfang an zwei Richtungen vorgeschrieben: deutsch — und jüdisch, beide auf der sozialistisch-demokratischen Ebene. Es war, nach der Erfahrung der Vergangenheit, ein gewagtes Unterfangen; und manches Mal ging es hart auf hart, um allen gerecht zu werden und sich treu zu bleiben. Es war umso unglücksschwangerer, als niemand gern die Wahrheit über sich erfahren will. DAS ECHO ging unbeirrt seinen Weg, sich selber und seiner Parole treu! Das ist der grosse Wert dieser Zeitschrift! Was es heisst, eine neutrale, unabhaengige Zeitung durch alle Faehrnise und Bedrohung zu lenen, kann nur der ermessen, der das alles selbst mitmachte. Man würde ja so gern manches sagen, antworten- Aber, oft muss man sich sagen: "Wozu, wem nutzt es?". Man schluckt es eben herunter... Wie oft wird dem Zeitungsschreiber vorgehalten: “Kritisieren koennt ihr - aber besser machen?..." Das ist für das taegliche Leben manches Mal angebracht. Dem Journalisten aber wird es nicht so leicht gemacht- Der Journalist hat keine Moeglichkeit, zeitlichen- Abstand zu den Geschehnissen zu gewinnen. Er steht unter dem Zwang, die gegebene Lage schnell beurteilen zu müssen, ohne sich von seiner eigenen Meinung beherrschen zu lassen. Er muss, im Interesse des ZEHN JAHRE - DAS ECHO Im Geiste heut mit einem Blumenstrauss Betrete ich das Redaktions-Buero. Ist auch der Echo-Redakteur im Haus? Ah, auch die Gattin! Dieses stimmt mich froh. Ja hab' ich wirklichrdenn auch recht gehoert? Zehn Jahre alt wird "Unser Echo" heut ... Nicht Blumen nur! Nein! Nicht sei mir verwehrt Auch "was Poetisches als Festgelaeut! Zehn Jahre Kampf fuer Wahrheit und hier Recht - Zehn Jahre Leitartikel voller Schneid! Zehn Jahre steht DAS ECHO im Gefecht Treu seiner Fahne! Treu in Freud' und Leid! Die grosse Linie niemals es vergoss — DAS ECHO schritt dahin auf mut' ger Spur! Auch nie vergass es ohne Unterlass Die Wissenschaft, die Kunst und die Kultur! Rastloser Arbeit winkte hohe Lohn. Denn dieses ist fuerwahr ein Ruhmesblatt: Jetzt sind es achtundzwanzig Laender schon. Die unser ECHO dich erobert hat! Ja die Beliebtheit ist kein leerer Wahn, Sie spendet Freude und bringt frohen Sinn: Es freut sich, kommt der Echo-Tag heran. Der Leser und die schoene Leserin! Nun liebes "Echo" bleib auf hoher Tour, Denn deine Grenzen, sie sind nicht umzaeunt! Jahraus, jahrein kaempf wteiter mit Bravour! Jahraus, jahrein! Dies wuenscht heut BRUNO FREUND. Lesers, im Interesse der Allgemeinheit objektiv abwaegen, ehe er manchen schwerwiegenden Satz zu Papier bringt. Reden ist Silber, schweigen ist Gold, - aber schreiben, das, was schwarz auf weiss gedruckt wird, ist Dynamit! Der Journalist sitzt auf einem Fass voll von diesen Dynamits; wie leicht kann er damit in die Luft fliegen! Der Leser kann mit dem gedruckten Wort machen, was er will: er kann sich in seinem stillen Kaemmerlein damit freuen, sich darüber aergem, er kann es auch für "wichtigere Zwecke" verwenden. Er kann aber auch mit dem gedruckten Wort dem Journalisten auf die Bude rücken und ihm Grobheiten an den Kopf werfen. Alle diese Freiheiten hat er - solange er nicht beleidigt und totschlaegt. Doch wie wenig Widerhall, empfaengt der Zeitungsmensch aus dem Leserkreis, noch weniger Lob und Anerkennung' "Leserbriefe" gelangen doch fast nur auf den Redaktionstisch, wenn etwas zu beanstanden gibt. DAS ECHO - nomen est omen - wurde seinem Namen gerecht. Der Leser findet in ihm den Widerhall seiner Umwelt, den Wir derhall der Ereignisse aus nah und fern- Das sind die Hintergründe, die die kurzen Jahre einer Zeitung so zeitdehnend und schwerwiegend machen. Die vielen Stunden, die der Herausgeber einer Zeitung mit seinem Mitarbeiterstab vom Manuskript bis zum Versand des fertig gedruckten Blattes durchleben muss, summieren sich von Nummer zu Nummer zu einer grossen Zeitspanne. So wollen wir, lieber Weggenosse Doktor Stargardt, am zehnten Geburtstag Ihrer Zeitung voll Stolz, aber auch demütig und voller Dank an eine hoehere Macht und an die treuen Leser auf Ihr Lebenswerk zurückblicken. Trotz aller Mühen, trotz Aerger und Verdruss koennen Sie heute befriedigt den Geburtstag Ihrer Zeitung feiern! Sie koennen sagen: "Lamroth hakol" (“Trotz allem!") hat es sich gelohnt! Gibt es ein schoeneres Geburtstagsgeschenk?... Es gereicht mir zur Ehre, dass ich so ein klein wenig an dieser Ihrer Freunde Anteil nehmen darf. Aus freudigem Herzen kommt daher der Glückwunsch Ihres Freundes und Mitarbeiters Edwin Hallte Buenos Aires, 15. Juli 1960.

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