Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 227 (30.6.1960)
- Date
- 1960-06-30
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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30. Juni 1960. DAS ECHO ECHO - ESSAY DES MONATS: i. “Stirb und Werde”, Goethes Wegweisung zur Verinnerlichung des Menschen, durch von Unruh popularisiert und in die Masse getragen, wird wieder zur brennenden, fordernden Aktualität. Der Morast einer hyperkultivierten und daher letztenendes kulturlosen Zeit, droht unsere Menschlichkeit zu ersticken, unser fuehfendes Herz zu paralysieren. Stirb und Werde — die Fanfare, die mahnt zur Revision unserer Lebensfuehrung, zur Umkehr aus der Wulst von Phrasen zur schlichten Innerlichkeit. II. Der ingenioese Geist unserer Zeit formt Gewaltiges und doch unsagbar leeres. Dieses Zeitalter der Atombomben, des Amerikanismus, der Freudlosigkeit und ruecksichtslosen Gewalt, des Egoismus ohnegleichen, hat unser Fuehlen stumpf gemacht. Die menschliche Tat zur Dekonstruktion ist viel leidenschaftlicher, als Wille und Tat zum Aufbau und zur Vertiefung der Menschenliebe. Altruismus ist Weg und Ziel zur Ueberwindung des aktuellen Prinzips, welches nicht dem verbindenden “Wir” sondern dem isolierenden “Ich”, dem Ego, dient. III. Logos, der schoepferische Gedanke Gottes wird missbraucht. Aus Voelker wurden Menschheitsherden, die dem Materialismus ergeben und die Leuchtkraft humanistischer. Ideen ignorieren. Unser progressiver Weg ist nichts als hohle Illusion; wir gehen nicht in die Entwicklung, sondern in uns stürzt kostbarstes menschliches Gut in seelischem Schutt. Aus Groesse wird Bluff, aus Kampf wird Schacher und aus Leben wird nur ein atmen. IV. Und trotz aller scheinbaren Groesse und Herrlichkeit, aller Machtentfaltung und Potenz, ist unsere Welt noch sehr, sehr jung und die Menschen befinden sich im rudimentären Stadium ihrer wirklichen Entwicklung. Ein klarer, analysierender Blick in Zeit macht offenbar, dass die daemonische Welt im verloeschen ist, die Morgendämmerung sozialistischer Empfindung brandet und Luzifers Thron im Verfall ist. Ganz leise, ganz zaghaft und tastend, schwingt schon wieder die Melodie vom Werden und Reifen im Raum.; V Das Individuum bleibt am Schluss doch die grosse und entscheide Kraft,! wenn sie sich vom kollektivistischen . Denken und Indolenz zu befreien ver- I mag. Die Schlacken eines egozen- | trischen Denken, einer Ueberwertung d«r eigenen Persoenlichkeit und einer fehlgeleiteten Lebensfuehrung, sind zu raeumen. Der Fluch der Verstaalichung des zeitgenoessischen Menschen muss fallen und seine persoenliche Verantwortungskraft muss sich erhoehen, zur Tat und Leistung im guten menschlichen Sinne. Zu unserm Bedauern musste aus technischen Gründen diese Ausgabe 6-seitig erscheinen. Ein Mcschinendeieki verhinderte die Ausgabe im gewohnten Umfange Das Echo ' VI. Unsere (ueberzuechtigte) Zivilisation hat kontraer auf unsere seelische Entwicklung gewirkt. Diese “Entwicklung” der Menschheit hat ihr das ethisch Primäre und geistig Hoechste genommen: die Primitivität des Geluehls, die Ur-Spriienglichkeit des Menschlichen und seine innigen Beziehungen zu der Natur. Diese Evolution (mit umgekehrten Vorzeichen), hat die Brunnen des Ur-Men^chlichen, die Keuschheit der Empfindung und die Spontanität, sich mitteilender Lebensfreude, verschuettet. VII. Wir wissen heute, dass Macht nicht mit Glueck identisch ist. Eine kleine, innerlich geklaerte und gefestigte Existenz ist g.luecklicher und beglueckender, als es eine fordernde und knechtende Persoenlichkeit sein kann. Unser^ Glueck liegt nicht darin, sich wie Goetter zu gebärden, unser Glück liegt in der Stille und im Einfachen unseres Daseins, Wehn wir uns nicht isolieren, sondern uns immer und immer, als nur ein Glied in der grossen Menschenfamilie fuehlen, wird unser Leben von einem neuen und besseren Sinn getraenkt sein und wir werden die Koestlichkeit des Mit-Lebens erfuehien. VIII. Wir leben auf dem Kuluminationspunkt einer unerfreu.ichen, ja, perversen Lebensfuehrung. Zeichen der Zeit deuten mit praegnanfer Klarheit darauf hin, dass Natur ueber Unnatur, Lust ueber Geilheit, Dienen ueber Verdienen, triumphiren wird. Das Zeitalter des hasseriueliten, guetemordenden Materialismus ist im sinken und die neue Welt eines reineren, gelaeuterten Menschentums steht schon am Rande unserer Zeit. Die' grosse Wandlung um uns, die vom drohenden Homo lopus zum .liebenswerten Homo sapiens, der nicht zerstoert, sondern konstruktiv wirkt, der nicht Traenen ausloest, sondern Freude bringt, ist im Anbruch. IX. _ Und fuer dieses Goldene Zeitalter echter Menschlichkeit sollen wir uns rucsten! Steden wir beizeiten unser Werk und Wert im rechten Verhältnis. Bemuehen wir uns, schon heute Zeit und Muse zu finden, zur besinnlichen Umschau; zu einer Betrachtung der Dinge um uns nicht kritisch und kritikasternd, nicht analysierend und unter tausend Vorbehalten, sondern mit dem aufspuerenden Herzen u n d erlebnisdurstigen Augen eines schlichten, natuerlichen Menschenkindes. Horchen wir tief in uns, machen w'ir unser Genniet frei vom Ego-Prinzip und von Ueberheblichkeit. Unser verschuettets Herz wird wieder aufbluehen unfl reif sein, die Wunder einer neuen Zeit zu erfassen. X. Der echte Mensch (kein Homo novus!) ist im Kommen! Hohles, sichvergoetterndes Leben wird erfasst und vernichtet werden vom neuen humanistischen Zeitalter! Der anstuermende Mensch wird nichts als menschlich sein, in der Enge seines Menschentums edle, positive Menschlichkeit bergen, fuehlen und denken: Homo sum, humani nihil a me alienum puto!.. Ludwig. K. Stargardt. liaBllflfliaiBMIliaHHIIHBaHlliaMlliaiBIHHEIlHIHBimEllI m inert cd n -'«v. tfe 'tJnsn rcince CSo. teilt allen, ihren bolivianischen Freunden mit, dass die ausserordentlichen Erfolge auf dem Gebiete der LEBENSVERSI¬ CHERUNG sie veranlasste, mit ihrer groessten Schwestergesellschaft ra i! ec Cf'n. < tuertea n jetzt auch in Bolivien saemtliche allgemeinen Versicherungspolicen auszustellen. 6 Generalvertreter für beide Gesellschaften, wie bisher La Paz / Calle Potosí 123« / Teléfonos 5623 - 5712 / Casilla 1724 VERTRETER IM INTERIOR: Cochabamba / Esteban Arze 65 / Telefon 4680 / Casilla 1659 fcanta Cruz / Suarez de Figueroa 232 / Telef. 215 / Casilla 139 ausserdem Agencias in Oruro - Potosí - Sucre - Tarija - Beni. ■■Bl Am Rande MIKROTECHNIK IM DIENST DER SPIONAGE LONDON. — Die Sowjets haben bei dem Moskauer Besuch des britischen Ministerpraesidenten Harold MacMillan im vergangeren Jahr sogar Mikrophone in die Knoepfe des hohen Gastes eingebaut, berichtet "Kaily Express” auf Grund von Aussagen des Inspektors William Harwoud (Scotland Yard), der den Regierungschef nach Moskau begleitete. Seine Mission — sagte Inspektor Harwood — war ebenso schwierig wie aufregend. Er und seine Mitarbeiter haetten in Moskau keinen Augenblick Ruhe gehabt, denn sie mussten ununterbrochen auf Mikrophonjagd gehen. “Die Naegel — erkiaert er —, mit denen ein '1 eppich in der britischen Botschaft an den Boden gelief tet war, erwiesen sich bei naeherer Ansicht als winzige Mikrophone, desgleichen die Griffe der Zentralheizung, von denen Leitungen nach aussen gingen. Der Amtsraum des britischen Botschafters war «in wahres Museum technischer Ratt.nements, und wir sahen uns genoetigt, ihm ein besonderes Zimmer mit einem Tisch und drei Sesse.ln einzur.chten — die immer wieder überprüft wurden — damit MacMillan wirklich vertrauliche Gespraeche Jahren konnte”. Aber auch diese Vorkehrung — berichtet Inspektor Harwood weiter — verhfess keinen vollen Schutz gegen das Mithoeren. In der 'l at habe der Ministerpraesident nicht einmal seinem eigenen Schatten trauen koenen. Sein Manteil sei mehrfach überprüft worden, um festzustellen, ob de Knoepfe Mikrophone bargen. Das ihm von der Regierung zur Verfügung gestellte Zim “Automobil sei mit solchen Abhoervorrichtungen dermassen überladen worden, dass der Gast nicht wagte, in seinem Innern ein Wort zu sagen. Abschliessend erklaerte der Inspektor, die Sowjets haetten eine Miniaturkamera entwickelt, mit der aus grosser Entfernung durch ein Fenster ein auf dem Fisch liegendes Dokument scharf aufgenommen werden kann BELASTETE JUSTIZ BONN. — Zwei Staatsanw.aelte als Beauftragte des^ obersten Anklaegers der deutschen Sowjetzone haben dem Bonner Justizminister Fritz Schaeffer schriftlich Verhandlungen über die Auswertung von Be.astungs-Matcrial ge> gen ehemalige Nazi-R.enter angeboren. Beide hatten am Vortag dem obersten westdeutschen Anklaeger Max Guede in Karlsruhe Fotokopien von 500 Todesurteilen von Sondergerichten des Dritten Reichs und Auszüge aus 33 Personalakten von Nazi- Richtern übergeben. Dieses Material soll rund 350 heute noch in Westdeutschland amtierende Richter belasten. Die Sowjetzonen-Staats-Ainvaelte Fotli und Winkelbauer erklaerten auf einer Pressekonferenz jn Bonn, in der letzten Zeit seien in Danzig, Lodz und Kattowitz Tausende von Akten ehemaliger Sondergerichte Hitlers gefunden worden. Das in Karlsruhe übergebene Material sei nach einer “ersten flüchtigen Durchsicht" ausgewaehlt worden. _ Zonen-Staatsanwalt Fotli behauptete, heute amtierten noch “mehr als tausend Blutrichter” des Dritten Reiches in Westdeutschland. “BALLET ROSE” PARIS. — Der sozialistische Po'itiker und ehemalige Praesident der Nationalversammlung. André Letroquer wurde wegen Beteiligung an gewissen Festen für die junge und zürn Teil minderjaehrige Maedehen für "strio teas«”—Darstellungen angeworbeu S6'/’ Z e'£em Jahr Gefeengnis und 3.ÇXX) harten Frances Geldstrafe verureilt, Fuenf Jahre erhielt der ehemalige ohzeibeamte Pierre Sorlut, dem die Organisierung der unter dem Namen Ballet rose ’ zu trauriger Berühmtheit gelangten “Festivitaeten” obllao- Zu Sä ÄÄFis: £ie«a,ne?uireSl,.Und die