Mannheim
Compact Memory

Das Echo · 1960-06-15 · 226 (15.6.1960) · p. [Seite 4]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
226 (15.6.1960)
Date
1960-06-15
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9620162-9632912-9625892--417-9625896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

4. DAS ECHO’ 15, Juni 1960. 15. Ju“ Eich mann Ein versierter deutscher Journalist sagte mir heute, die drei grossen Sensationen in den letzten 4 Jahren waren die Sinai-Aktion, die verkrachte Pariser Gipfel-Konferenz und die Verhaftung Eichmanns. Das letztere scheint Allgemeingut aller Deutschen zu sein. Als ein jüdischer Auslaender in Düsseldorf einen Deutschen um Auskunft fragte, wurde er von dem Deutschen gefragt, ob er Auslaender sei. Als er das bejahte, sagte der Deutsche "vielleicht Jude?'1, daraufhin sagte er ihm, er will ihm eine Freude machen und erzaehlte ihm die Verlautberung Ben Gurion über die Verhaftung Eichmanns. Waehrend das bei der Einai-Aktion sehr viele unfreundliche und zum Teil auch antisemitische Bemerkungen sowohl in der Presse wie vom Mann auf der Strasse gab, ist seit die Verhaftung Eichmanns bekannt wurde, keine irgendwie .abfaeüige oder gegnerische Bemerkung über Israel zu hoeren. Ein deutscher Minister, der Justizminister Schaefer, sagte zwar, es waere angebracht, dass Eichmann vor deutsche Gerichten gebracht wird, und ein Wortführer der Juden in Deutschland sagte zwar auch, es waere angebracht, dass Eichmann von einem internationalen Gericht abgeurteiit wird, aber beide wurden von der deutschen Presse nicht ernst genommen, und die deutsche Presse billigt Unser Deutschland-Korrespondent M. KILA1 (Frankfurt a. M.) berichtet: ■Morden ihm zu langsam ging. Die Zeitungen heben hervor, dass es zwischen Israel und Deutschland eine engen Mitarbeit bei der Verfolgung Eichmanns gab, und dass Generalstaats.anwalt Bauer, Frankfurt, am 24.11.1956 einen Haftbefehl gegen Eichmann erliess und dass er von israelischer offizieller Seite eine halbe Stunde, bevor Ben Gurion die Verlautbarung bekanntgab, von dieser unterrichtet wurde. Genera'lstaatsanwalt Bauer hat auch den in Korbach/Nordhessen lebenden, mehrfach verhafteten Drog:sten u n d früheren SS-Obersturmbannfiihrer Hermann Krummey verhaften lassen. Krummey steht im dringenden Verdacht der Beihilfe zum Mord an ungarischen Juden, und die deutschen Gerichte hoffen, dass die Aussagen Eichmanns auch im Falle Krummey von Bedeutung sein werden. Die führende Zeitung “Die Frankfurter Allgemeine“ schreibt, dass es gar nicht darauf ankommt, W'O Eichmann seine irdischen Richter finden wird. Die Mitwirkung der deutschen Justiz symbolisiert die Mitwirkung der "Gerechtigkeit die hier durchgeführt wird. Das “Hamburger Abendblatt“ schreibt, dass die Beweisführung infofern erschwert werden wird, als die israelischen Behoerden bereits angekündigt haben sollen, dass sie nicht bereit seien, evtl. Entlastungezeugen freies Geleit zu gewaehren. Sie würden jeden festnehmen, der des Mordes an Juden verdaechtig sei. Alle Zeitungen geben Aeusserungen des Justizministers Rosen (wobei einige hervorheben ‘ein früherer Berli- '1» -mm Mi DAS ECHO wird in seiner naechsten Ausgabe ausführlich zu dem “Fall Eichman” Stellung nehmen, unter Berücksichtigung der letzten Ereignisse in dieser Angelegenheit. einmütig die Haltung Israels. Die gesamte Presse Deutschlands widmete viele Spalten und manchmal halbe Seiten der Verhaftung Eichmanns und auch heute, gehoert diese Sensation noch immer zu den Nachrichten der Zeitungen. Die Titel sind einmütig mit Hass in allen deutschen Zeitungen gegen Eichmann. So schreibt das “8 Uhr-Abendblatt” — “Mordbestie Eichmann droht der Henker’, andere: ‘SS- Eichmann wurde nach Israel entführt’ oder ‘Eichmann prahlte mit 5 Millionen Opfern’, die Süddeutsche Zeitung hatte als Überschrift ‘Raetsd um Eichmanns Verhaftung’, das führende “Hamburger Abendblatt” — “Israels Behoerde schweigt’ oder die liberale Zeitung “Die Welt” — ‘Keiner wiil Eichmann vor Gericht verteidigen’. Saemtüche Zeitungen geben die Lebensgeschichte Eichmanns wieder, wobei dieses Zeitungsmaterial allein einmütig Eichmann als den Schuldigen an der Vernichtung der vielen Millionen Juden darstellt. Alle Zeitungen hoben hervor, dass Eichmann mit dem Grossmufti von Jerusalem zusammenarbeitete, aber manche bezweifeln, dass Eichmann schon 1937 in Palaestina war und dort mit dem Mufti zusammentraf, um mit ihm einen Plan zur Vernichtung der Juden auszuarbeiten. Die Zeitungen behaupten, dass dies eine Legende ist, und dass die Wahrheit ist, dass dia Freundschaft zwischen Eichmann und dem Mufti aus der Jahre 1941/42 stammt, wo der Mufti als Vertreter des arabischen Blocks bei der Nazi-Regierunr? in Berlin akkrediFert war. Es ist interessant, dass die Zeitungen hervorheben, dass dieser ‘eiskaltß Gentleman’ Eichmann von krankhaftem Misstrauen war, und dass er prinzipiell keinen Befehl Unterzeichnete. Wenn er etwas Schriftliches aus der Hand gab, waren es hoechstens Fernschreiben. Die Süddeutsche Zeitung schreibt, dass Eichmann das System des Vergasens bestimmte und waehlte, weil mit Hilfe des Einsatzkommandos das ADOLF EICHMANN ner Anwalt’) bekannt und heben besonders hervor, dass Justizminister Rosen sagte, wenn Eichmann zum Tode verurteil und hingerichtet wird, würde es das erste vollstreckte Todesurte'! in Israel sein, und dass Todesurteile in Israel durch Haengen vollzogen werden müssen. Der “Berliner Tagesspiegel” veroeffentlicht eine grosse Liste von Eichmann-Freunden, führenden Nazis, die in Kairo in Nassers Diensten stehen und hofft auf Enthüllungen seitens Eichmanns. Eine Mittagszeitung “Bild“, die die groessfe Zirkulation in Deutschland hat, schreibt unter dem Titel ‘Gerechtigkeit’, dass die Geschwister und die Kinder seiner Opfer, die Überlebenden, ihn richten werden, und er wird alles das an Rechtsmitteln zu seiner Verteidigung haben, was er seinen Opfern nie gewaehrt und zugebilligt hat. Und zum Schluss des Leitartikels heisst es: “Die Gerichte werden Gerechtigkeit üben, sie werden diesen Menschen burteilen und verurteilen. Sie koennen dessen Opfer nicht wieder zum Leben erwecken”. Eine andere Zeitung schreibt: “das E’chmann sicher war, dass er auf Hilfe aus der Bundesrepublik hoffen konnte. Als er aber erfuhr, dass Bonn angeblich keinen Pflichtanwalt stellen wolle, habe er gedroht, hoechste deutsche Persoenlichkeiten innerhalb und ausserhalb der Regierung in seinen Prozess zu verwickeln Wenn die deutsche Presse, das deutsche Volk und die Bundesregierung sich in der Eichmann-Verhaftung korrekt einwandfrei und sogar verstaendnisvoll gezeigt haben, so kann man das nicht von jüdischer Seite behaupten. Die Darstellung, die der Vorsitzende Epstein, der “Amerikanischen Liga zur Bekaempfung von Diffamierungen” gab und auch die Erklaerting von Dr Maurice Perlzweig im Namen des jüdischen Weltkongresses in New York, haben weder bei Juden noch bei Nichtjuden einen guten Eindruck gemacht, bei Nichtjuden sogar einen sehr schlechten, und die beiden führenden jüdischen Organisationen waeren besser beraten gewesen, auch in dieser Sache Israel die Führung zu überlassen, und keinen unnoetigen Wirr-Warr durch ihre deplacierten Erklaerungen in die Sache hereinzubringen. Oesterreich - Echo Unser Korrespondent FRED KUBIE (Wien) berichtet: Die gesamte zivilisierte Welt atmet auf: Einer der groessten Massenmoerder wurde durch den israelischen Geheimdienst unschaedlich gemacht. Der ehemalige SS-Obersturmbann führer Adolf Eichmann befindet sich in einem Gef.aengnis und sieht seiner gerechten Verurteilung entgegen. Eichmann, der 1960 in Solingen geboren wurde, übersiedelte mit seiner Familie nach Linz, wio sein Vater erst vor kurzem verstarb. Er hinterliess det Familie ein Haus und ein Elektro-en gros-Geschaeft, welches von seinem Bruder Otto bewirtschaftet wird. Ein weiterer Bruder ist Rechtsanwm.lt in Linz mit Namen Robert. Ausserdem lebt noch ein Bruder in Deutschland, der in Staatsdiensten steht. Durch eine falsche eidesstattliche Erklaerung sollte der Tod Adolf Eichmanns sanktioniert werden. Seiner Frau Vera Liebl missglückte aber dieses Manoever. Seit Ende 1949 ist Vera Eichman, die sich einen Pass auf ihren Maedchennamen Liebl ausstellen Hess, mit ihren drei Kindern aus Oesterreich verschwunden. Sie soll sich in Argentinien befinden. Knapp vor Eintreffen der Alliierten in Altaussee Hess Eichmann 22 Kisten mit Gold in einem Wald vergraben Noch im Herbst 1959 sollen seine Agenten sich in Oesterreich aufgehalten und die letzten Kisten beise:te geschafft halben. Eichmann selbst soll mit Hilfe Skorzenys mittels falschem Pass die Grenze passiert haben und seitdem in Argentinien einen umfangreichen Im— und Exporthandel aufgezogen haben. Soweit in kurzem die Gescirchte dieses Massenmoerders. In Oesterreich selbst schlug die Nachricht von der Verhaftung Eichmanns wie eine Bombe ein. Die Zeitungsüberschriften überstürzten sich. “SS—Eichmann wurde mit israelischem U-Boot aus Argentinien verschleppt” oder “Judenmoerdei Eichmann im Gefaengnis in Israel” oder “Millionenmoerder Eichmann wurde in Oesterreich nicht verhaftet”, usw. Ein Gerücht jagte das andere. Dichtung und Wahrheit gaben sich die Haende. Ein Linzer Ingenier dem man anfaenglich den Hauptanteil an der Verhaftung Eichmanns zuschreiben wollte, musste zugeben, dass diese Nachricht nur der Phantasie eines Redakteurs entsprungen sei. Der 15. Jahrestag der Befreiung Oesterreichs von den Nazibarbaren ging vorüber, ohne dass die Geschaedigten dieses Regimes ihre Wiedergutmachung erhalten haetten. Vergebens hagelte es bei den dafür zustaendigen Stellen Proteste und Eingaben. Bis zum heutigen Tage haben die jetzt in Oesterreich lebenden “Heimkehrer” nicht einen Groschen erhalten. Dafür hat man aber die aus russischen Gefangenenlagern zurückgekehrten reichlich dotiert und in ihre alten Stellen mit rückwirkender Nachzahlung ihrer Bezüge zum grossen Teil wieder eingesetzt. Das neue Ordensgesetz welches durch das Parlament verabschiedet wurde, wirft hohe Wellen der Empoerung bei der demokratischen Bevoelkerung auf. Die Naziorden dürfen ohne Hakenkreuz getragen werden Aber einige Tage nach diesem Gesetz erliess der oesterreichische Verteidigungsminister Graf einen Erlass, der den Heeresangehoerigen dass Tragen dieser Auszeichnungen auf das strikteste verbietet. Hoffen wir, dass es dabei bleibt. Im Rahmen der internationalen Mauthausenfeier, die diesmal unter besonders starker Beteiligung des Auslandes stattfand, wurde der Grundstein zu einem Mahnmal für die Opfer Belgiens gelegt. Fast 8.000 Personen wohnten der ergreifenden Feier bei. Oesterreich und wahrscheinlich auch die anderen westlichen Laender werden momentan mit einem nazistischen Pamphlet überschwemmt, für welches der berüchtigte SchwedG Einar Aberg zeichnet. In diesem Machwerk soll der Beweis geliefert werden, dass die Vernichtung von 6 Millionen Juden “eine grosse Lüge ist”. Aberg. versendet seine Broschüre an alle europaeischen Redaktionen und oefentlichen Stellen. Hoffen wir, dass die schwedischen Behoerden diesem Manne endlich sein Handwerk legt. Man traut seinen Ohren nicht. Bei einem Juden-Schlaechterprozess in Graz entschieden die Geschworenen beinahe einstimmig für Freispruch, da die N.azizeugen aussagten, dass die Ermordung wegen Typhusgefahr, “aus sanitaeren Gründen” erfolgt sei. Vor einiger Zeit hat die Staatspolizei wiederum ein Nazinest ausgehoben, das nicht nur in Oesterreich eine rege Propagandataetigkeit ausübte, sondern auch mit internationalen Faschistengruppen in Verbindung stand. Man fand u a. einen Geheimcode, der von der westdeutschen “Kameradschaft Nationaler Jugend” stammt. Auch Schriften des Ku-Kux-Klan wurden vorgefunden. Das Neueste auf dem Gebiete der Naziporpag.anda sind Hakenkreuzmünzen mit NS-Parolen, die vor einigen Tagen in Nieder— und Oberoesterreich auftauchten. Die Staatspolizei hat entspprechende Nachforschungen eingeleitet, die hoffentlich bald zum Ziele führen werden. isn Iw Ehren in Bolivien Veranstaltungen weit führen alle dein. Am 7. Juni Simen auf d»n und konnte sic liehen Empfan teil wurde. Vei und ein Teil gruessten den tretet Israels. Am 10. Ju -suchter Gottes« da Strongest seitlicher T«t Botschafter then hoerte. Am gleici woehnlich gu bat’’ statt, w zu danken ihr Bestes den grossen nehmen solie Menschen konnte, die "Wizo” zu legio Boliviano Prise das Pro J°m Hatzmau ter Simon blikum durch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.