Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 226 (15.6.1960)
- Date
- 1960-06-15
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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15- Juni I960. DAS ECHO > > ms Bewusste Juden sind warme Israelfreunde; es ist daher stets ein schoenes und frohes Moment, wenn eine isrealische Persoenlichkeit von Amt und Würde innerhalb der Gemeinschaft weilt. In diesen Tagen war unser Gast der neue israelische Gesandte bei der bolivianischen Regierung, Dr. Michael S;mon, der als Botschafter auch in Lima (Peru) akkreditiert ist. Der neue Repraesentant Israels in Bolivien verstand es, sich sehr schnell private wie auch amtliche Sympathien zu erwerben. Dr. Simon, 1901 in Berlin geboren, 1924 nach Israel (dem demaligen Palaestina) ausgewandert, der (um 2 1 /2 Jahre) juengere Bruder des beruehmten Professors der Universitaet in Jerusalem, ist eine Persoenlichkeit, mit der man sofort Kontakt findet, die aufgeschlossen ist, die wirklich etwas zu sagen hat. In einen ausgedehnten, freundschaftlichen Gespraech mit dem Schreiber dieser Zeilen, sagte D'r. Simon manches aus, was informativ wertvoll und wissenswert ist. Michael Simon ist ein begeisterter Israeli, dessen Herz voll und ganz fuer den jungen Staat Israel schlaegt; sein Verstand aber bleibt stets kuehl und seine Berichte sind analysierend und oft kritisch. Dr. Simon ist ein gewandter Diplomat, ein geistiger Mensch, der zu beobachten versteht und tiefer sieht, was nur die Oberflaeche bietet. Batschafter Simon kam sehr gern nach La Paz, bedauert nur, dass ei so kurze Zeit hier weilen konnte, da ihn wichtige amtliche Geschaefte wieder nach seinem Amtssitz Lima riefen. Simon ist z. zt. sehr beansprucht, da er neben Peru und Bolivien provisorisch auch noch Kolumbien und Ecuador diplomatisch vertreten muss, bis fuer diese Laender der Botschafter ernannt ist. In diesem Zusammenhang werfen wir die Frage In der Konversation, dass es doch sehr wichtig waere, wenn endlich eine repraesentative Vertretung von Israel in La Paz eingerichtet werden wuerde. Dr. Simon haelt eine solche Vertretung fuer Bolivien ausgesprochen wichtig, bei der Bedeutung Boliviens im Rahmen der lateinamerikanischen Nationen. Die Installation einer israelischen permanenten Vertretung in La Paz ist vor allen eine Budgetfrage und zweitens eine Personalfrage; Botschafter Simon ist aber ueberzeugt, dass diese Angelegenheit in .absehbarer Zeit geordnet werden wird. Von diesem Thema gelangen wir zu der lateinamerikanischen Situation im Interesse von Israel. Diese Frage war ein wenig brenzlich, da diese irn Schatten der fatalen Ereignisse in Buenos Aires stand dennoch ist Michael Simon der Auffassung ,dass die Beziehungen der lateinamerikanischen Laender zu Israel im allgemeinen besonders herzlich sind und Israel erwartet, dass diese Nationen sich in ihren Beziehungen zu Israel weiter bewaehren werden. Israel legt groessten Wert darauf sich die Freundschaft und Sympathie aller Nationen zu erwerben und in dieser Hinsicht ist auch die Bemuehung zu verstehen die Ben Gurion aufwendet, um mit Westdeutschland in engeren politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu kommen. Wie Dr. Simon sagte, duerfte es allerdings noch eine geraume Zeit dauern, ehe die diplomatischen Beziehungen Bonn-Jerusalem funktioneren werden, da eine Reihe von Fakten, ausgeschaltet werden muessen, bevor dies moeglich ist, aber — nach Simon — auch das duerfte nur eine Frage der Zeit (und weniger des guten Willens) sein. Lieber die gegenwaertige politische und wirtschaftliche Situation in Israel sprach sich Botschafter Simon sehr optimistisch aus. Er stellte mit Nachdruck fest, dass der Nahe Osten nicht nur aus arabischen Laendern bestehe. Mit den nichtarabischen Laendern im Nahost-Raum bestehen durchaus gute Beziehungen. Innerpolitisch sei die Lage durchaus gut, was auch daraus hervorgehe, dass in den vier Wahlen seit 12 Jahren, die innerpolitische Situation sich stabilisierte. Obwohl der Israeli üeberaus politisch rege und interessiert sei, ordne er sich diszipliniert und harmonisch der bestehenden Ordnung ein. Wirtschaftlich gesehen ist die Lage gleichfalls gut; der Export konnte stetig gesteigert werden, die Liberalisierung der Wirtschaft schreitet vor und hat bereits sehr gute Fruechte gezeitigt, besonders durch grosse Investitionen auslaendischer Grossfirmeu in Israel. Dr Simon ist im uebrigen des Lobes voll lieber das israelische Volk, welches sich in jeder Situation auf das Beste bewaehrt hat. Obwohl Israel zu den hoechstbesteuerten Laendern zaelilt, herrscht eine wunderbare Solidaritaet, ein praechtiges Gemeinschaftsgefueh! und echter Patriotismus in allen Kreisen Israels. Der Stolz des Landes ist seine Jugend, welche gesund, arbeitsfreudig, ingenioes und voller Zukunftsoptimismus ist. lind das Leben in Erez ist nicht leicht. Das israelische Alltag fordert viel von allen Israelis solange die Grenzen noch militaerisch bewacht werden müssen. Auf unsere Frage wie sich der arabische Boykott in praxi auswirke, meinte Dr. Simon dazu laechelnd: Die Araber wollten mit ihrem Boykott das Boese und das Gote haben sie bewirkt. Denn Israel musste nach neuen Maerkfen Ausschau halten und es gelang ihm ueberaus erfolgreich in dieser Hinsicht zu arbeiten. Die arabischen Lender wollten die israelische Industrie ahwuergen, aber in Wirklichkeit wurde deren Leistungsfaehigkeit infolge dieses Boykotts immens gesteigert. Heute liefert Israel nach 88 Laendern und ist auf dem Wege in einem immer groesseren Umfange israelische Produkte nach allen Weltteilen auszufiihren. Auf unser Stichwort “Suez” sagte Botschafter Simon, dass diese Frage selbstverstaendlich dauernd akut sei, aber inzwischen der Hafen Eilath am Roten Meer sehr ausgebaut wurde und einen gewissen Ausweg bietet. “Wie steht es eigentlich mit dem Frieden zwischen Nasser und Israel”. Auf diese Frage antwortete Dr. Simon, dass Ministerpraesident Ben Gurion jederzeit zu einem Friedensschluss bereit sei. In Israel hoffe man, dass eines Tages eine Round Table-Conference a la Zypern stattfinden werde, da die gegenwaertige Situation nicht nur fuer Israel, sondern wirtschaftlich auch fuer die arabischen Laender, schwierig ist. Zur Fluechtlingsfrage: Nach dem Kriege gab es 100 Millionen Fluechtlinge, die alle mehr oder minder gut in den produktiven Prozess eingeordnet werden konnten. Die reativ wenigen arabischen Fluechtlinge aber wuenscht man nicht einzuordnen, da sie als polititisches Instrument wirken sollen, um den arabischen Machhabern Geld und Mitleid zu sichern. Botschafter Michael Simon sieht in israelischer Beziehung mit gutem Optimismus in die Zukunft, w«nn auch weiterhin eine lange Reihe von schweren Problemen zu loesen sein werden. Die politischen Beziehungen mit Bolivien hofft Dr. Simon auszubauen und zu vertiefen und auch die wirtschaftlichen Relationen zwischen den beiden Laendern zu intensivieren. Hierzu wuenschen wir ihm von Herzen viel Erfolg. Am Schluss bat uns Botschafter Dr. Michael Simon allen juedischen Echo-Lesern ln Bolivien, insbesondere im Interior, seine besten Gruesse zu uebermitteln und sein Bedauern auszusprechen, dass es ihm diesesmal nicht moeglich war, u.a. den Jlschuv Cochabamba zu besuchen, den er aber bestimmt bei naechster Gelegenheit (wahrscheinlich im Monat August) besuchen wird. Nach der Unterhaltung mit Michael Simon hatten wir die feste Ueberzeugung, dass die israelischen (und auch juedischen) Interessen in Bolivien bei dem klugen und tatkraeftigen Diplomaten Simon in denkbar besten Haenden liegen. Curt Ludwig. AM 15. JULI ERSCHEINT FESTNUMMERi ■f i'ji JAHRE ECHO i Jahre im Kampf für Wahrheit und Recht .Illllllll.I.Illllllll Jahre im Dienst der Jüdischen Gemeinschaft Beitraegie aus dem Leserkreis fuer diese Ausgabe baldmoeglichst erbeten an: Redacción Revista DAS ECHO, Casilla 2217. — La Paz.