Mannheim
Compact Memory

Das Echo · 1960-02-17 · 219 (17.2.1960) · p. [Seite 6]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
219 (17.2.1960)
Date
1960-02-17
Page
[Seite 6] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/9620162-9632912-9625822--349-9625828
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

6. 17. Februar 1960 “DAS ECHO” Argentinien - Echo Infolge des Poststreiks in Argentinien und anderer postalischen Schwierigkeiten gelangte folgender Aufsatz unseres Argentinien - Korrespondenten erst jetzt in unserm Besitz, der aber in seinem Kern aktuell blieb sodass dieser Artikel auch heute unsere Leser interessieren duerfte. Brasilien und Chile haben mit der Sowjetunion Handelsbeziehungen aufgenommen. Die europaeischen und nordamerikanischen Staatsmaenner sind sich ihrer politischen Verantwortung durchaus bewusst; sie versuchen durch Kredite den russischen Einfluss in den lateinamerikanischen Laendern auszuschalten. Es geht hier nicht so sehr darum, dass ein gutentwickeltes Land ein besserer Kunde ist, sondern vornehmlich darum, dass ein einigermassen hoher, oder zumindest steigender Lebensstandard in diesen Laendern die beste Garantie gegen die kommunistische Durchdringung nicht nur in Argentinien sondern in ganz Lateinamerika ist. Die Argentinien juengst bewilligten Kredite sind reine Stuetzungskredite fuer die Waehrung und die Zahlungsbilanz. Mit ihrer Hilfe gelang es, die argentinische Waehrung im internationalen Zahlungsverkehr einigermassen stabil zu halten. Die Zahlungsbilanz entspannte sich, wodurch der Devisenbestand der Zentralbank sich etwas erholen konnte. Mit den erwaehnten Krediten belaufen sich die Devisenreserven auf rund 500 Millionen Dollar. Hat sich nun das eigentliche Wirtschaftsbild Argetiniens wesentlich verbessert? Die Produktion von Petroleum und Naturgas ist gestiegen, sodass man nach Schaetzung der staatlichen Petroleumverwaltung (YPF) fuer das kommende Jahr 1961 mit einer Einsparung von 150 Millionen in Devisen durch verminderte Petroleumimporte rechnen kann. Wenn man aber beruecksichtigt, dass allein fuer die Fahrzeugindustrie im Jahre 1960 Importe im Werte von ueber 100 Millionen erforderlich sind, die sich durch Inbetriebnahme weiterer Fahr-* Zeugfabriken bis 1961 noch erhoehen duerften, wird die Einsparung von Devisen fast hinfaellig. Durch die neuerdings ausgeuebte starke Importrestriktion, durch die Handelsbilanz voruebergehend im Monat Oktober aktiv gestaltet werden konnte, schwin den in den Industrien die Bestaende an Rohstoffen. Der Mangel an importierten Rohstoffen trat bisher nicht in Erscheinung, da infolge der Streiks, insbesondere der Metallindustrie, laengere Zeit keine Verarbeitung stattfand und die angestauten Fertigfabrikate geraeumt werden konnten. Die in den Lagerbestaenden investierten Kapitalien konnten fluessig gemacht werden; es trat eine gewisse Entspannung des Kreditmarktes ein, der nach Anlaufen des normaleren Geschaeftes, insbesondere am Jahresende, ein grosser Geldmangel folgte. Die Kurve der Passiven bei den Konkursen schnellte im Monat Dezember alarmierend in die Ho.ehe. Allerdings handelte es sich bei diesen Konkursen um Randbetriebe, die bei einer Gesundung der Wirtschaft verschwinden muessen. Auf der anderen Seite wird durch das Eingehen dieser Betriebe und Personaleinschraenkungen bei den uebrigen die vorgesehene Unterbringung von ueberschuessigen Staatsbeamten in die Privatwirtschaft problematisch. Wird aber der unproduktive Staatsapparat mit seinem uebertriebenen Bürokratismus nicht energisch abgebaut (was angesichts der Wahlhilfe der Staatsbeamten bei den kommenden Maerzwahlen sehr fraglich ist), so duerfte die Gesundung des Staatshaushaltes selbst mit Stuetzung durch Auslandkredite ausbleiben. Dies Tatsache wird durch die sich fortlaufend erhoehende Geldemmission, die hart an der Hundert - Milliarden- Grenze angelangt ist. unter Beweis gestellt. Die Regierung nimmt eine unnach giebige Haltung in der Lohnfrage ein. Das fuehrt zu immer neuen, die Wirtschaft schwer schaedigenden Streiks. Seit drei Wochen ist der gesamte Postverkehr durch einen Streik des Postpersonals lahmgelegt. Transportarbeiter und Eisenbahner fuehrten Teilstreiks durch und ver¬ Die deutsch - aegyptische Freundschaft Die Bundesregierung hat der Regierung der Vereinigten Arabischen Republik in Kairo eine Ingenieurschule zur Verfügung gestellt, die mit Ansprachen des Staatssekretaers im Auswaertigen Amt. Dr. van Scherpenberg. des deutschen Botschafters Dr. Weber und des Erziehungsministers der Vereinigten Arabischen Republik, Kamal el din Hussein, eingeweiht wurde. Der deutsche Botschafter übergab der Regierung in Kairo die Geschenkurkunden für die vollstaendige Ausrüstung des gesamten Instituts mit Maschinen, Lehrmitteln und einer Grundausstattung an Material im Wert von 2,4 Millionen DM. Im deutschen Gesamtbetrag von 4 Millionen DM ist auch die Entsendung einer Gruppe von 20 deutschen Lehrkraeften und Ausbildern für zwei Jahre eingeschlossen. Die Vereinigte Arabische Republick stellt das Gebaeude und aegyptisches Lehrpersonal, das in Zusammenarbeit mit dem deutschen Personal den Unterricht erteilt. Das Polytechnikum kann bis zu 300 Schüler aufenhmen und soll Führungskraefte für die aegyptische Industrie und das aegyptische Handwerk ausbilden. Für die Studenten wird auch Deutschunterricht gegeben, damit sie die teschnische Fachliteratur lesen un sich über die Entwicklungen informieren koennen. Die Ausbildung ist in vier verschiedenen Brufsrichtungen moeglich: Maschinenbau, Kraftfahrzeugtechnik, Starkstromtechnik und Nachrichtentechnik. Aus Anlass der Einweihung des Polytechnikums in Kairo wurde zwischen der Bundesrepublik und der Vereinigten Arabischen Republik noch ein Abkommen über die gemeinsame Errichtung eines Instituts für technische Ausbildung in Aleppo unterzeichnet. Sparkassen in U.S.A. bieten höbe Verzinsung! STEÜERFREiFUER AUSLAENDERÜ PER * oi~ ANNUM 2 /O * Jedes Konto ist versichert bis 10.000 US-$, durch die “Federal Savings & Loan Insurance Corp., eine Regierungs - Institution in Washington D.C. * Der Zins von 4 %% wird netto ohne Steuerabzug gutgeschrieben oder ausgezahlt. * Informationen, Beratung und Vermittlung sind gebuehrenfrei. * Verlangen Sie sofort ausfuehrlichen Bericht durch Ernst I. Cabn Gegruendet 1940 — Cables ERCABAS 29 Broadway — New York 6 N. Y. USA.- halten sich abwartend. Das gleiche gilt von der Hafe larbeitern. Sie erhielten nur einen Teil der versprochenen Erhoehungen. Die Transporttarife wurden nach diesen Lohnerhoehungen bis zu ueber hundert Prozent heraufgesetzt. Als Folge zogen die Preise von vielen lebensnotwendigen Artikeln an. Neue Preiserhoehuengen erwartet man auf der ganzen Linie. Die Regierung ist gegenueber den Streiks fast machtlos. Die von ihr angeordneten Massanahmen, wie Entlassungen, Verhaftung von Gewerkschaftlern usw. sind nur von begrenzter Wirkung. Der Mangel an geeignetem Ersatzpersonal fuer die Entlassenen, die Dringlichkeit groessere Schaeden zu vermeiden, zwingt sie zu halben Massnahmen. Nur dem Umstand, dass die Streikenden ueber keine Streikreserven verfuegen, ist es zu danken, dass auch die Arbeitnehmer klein beigeben muessen. Der Beginn des Jahres 1960 steht im Zeichen wichtiger Ereignisse. Auf der einen Seite stehen die Besuche der Staatschafs von Mexiko und Nordamerika auf der anderen Seite die Wahlen zum Kongress im Maecz und die Feiern zur 150. Wiederkehr der Mai-Revolution bevor. Alle diene Ereignisse sind nicht dazu angetan, die wirtschaftliche Lage Argentiniens im geringsten zu entspanen. Die beiden Staatsbesuche sind Schachzuege in der internationalen Politik, die auf die interne Entwicklung Argentiniens keinen Einfluss haben. Sie haengt davon ab, ob die Produktion des Landes derart gesteigert werden kann, dass die Gesundung aus eigener Kraft von innen heraus erfol gt. Die Regierung hat keine Handhabe, die zentralen Stabilisierungsbetsrebungen auch in den Provinzen dimhzn-otzen. Dort wird eine Wirtschaftsnolitik getrieben die von politischen Ruecksiehten auf die kommenden Maerzwahlen diktiert wird. Die Ausgaben fuer Wahbesonders aber diejenigen fuer die pompoesen Veranstaltungen des Jubilaeumsjahres duerften den Staatshaus halt stark belasten. Es wird viel von Sparen und Mehrleistung gesprochen. Aber jeder Argentinier erwartet diese Massanahme von anderen und denkt nicht daran, bei sich selbst anzufangen. Das ist das Grunduebel, dass alle Gesundungsbestrebungen immer wieder zunichte macht.- Edwin Halle (Buenos Aires).- WER TOETET E— rockenheit und heiligem Ernst auf genommen werden sollte, dann kann sie mit Erfolg geloest werden, ohne dass religioese Gefühle verletzt und der Bestand der Glaubensreligionen irgendwie gefaehrdet zu werden brauchen. Auf Grund der neuesten wissenchaftlirhen Forschungen und Festellungen wird es nicht schwer fallen die Jesus-Ge-chichte und die Geschichte seiner Kreuzigung so darzustellen, wie sie sich in Wirklichkeit zugetragen haben. Die so festgestellte Wahrheit ist in Kürze, da=s Jesús immer ein religioeser und national bewusster Jude gewesen und bis zu seinem Tode geblieben ist. Das zeitgenoessische Judentum war gar nicht ernstlich darühpr be~tuerrt und fuehlte sich nicht dadurch bedroht, das in seiner M'tte sich wieder einmal ein Phonhet erhr>h nr>a von Jüngern umringt gegen wirtschaftliche, soziale und religioese Missstaende erfolgreich zu Felde zog. Dafür hatte das Judentum im Laufe seiner Geschichte schon zu viele wahre und falsche Pronheten «"Dreien gesehen. Nur die Roemer und ihr damals in Jerusalem residierender Landesverweser Pontius Pilatus hatten ein gewichtiges politisches Intere=se daran, eínnn íVirpg AnolrVit nach nur naob der Davidskrone strebenden neuen galilaeischen Revolutionaer zum Tode der Da die Verurteilung Christi am ersten Kreuzigunz zu verurteilen. Tage des geheiligten Peesachfestes geschehen ist, war es voellig ausgeschlossen, dass der Grosse Sanhedrin. der hoechste jüdische Gerichtshof, mit der Verurteilung auch nur das Geringste zu tun gehabt haben kann, geschweige denn mit der Vollstreckung des Todesurteils am gleichen‘Tage. Die Kreuzigung vgr zudem eine rein roemische und de n indischen Re«-ht v eilig unbekannte Vollstreckungsart. Ich fordere die Bereitschaft zur “Entmytholngipierung” der falschen These von der Juden Schuld an der Kreuzigung Christi vorerst von der deutschen protestantischen Theologie und den fortschrittlichen Maechten, die hinter ihr in Deut-chland und in a'ler Welt stehen. Die deutsche Theologie kann am besten den Beginn machen, In Deutschland war der freie Protestantismus entnrungen. Deutsche Theologen mit weltberühmten Namen waren immer fiehrend in der fortschrittlichen Entwicklung protestantischer Glaubenslehren vorangegangen. Von der katboli-chen Kirche kann in solcher Frage M:twirkung nicht erwartet werden, weil sie ein starres unveraenderliches Evangelium nredigt und einen ehernen Code von Heil "Wahrheiten unterhaelt. Zeigt sich aber die deutsche evangelische Theologie wirk’lob zu dieser von mir angeregten “ Entmv+bologisierung” bereit und ist sie willens, voranzugehen, findet sie überdies eine goldene Gelegenheit, die bereits eingeleitete Entsühnungsnolitik fuer die «-eit 1933 an den Juden begangenen Verbrechen erfolgreich fortzusetzen. Die Kirchen der Englisch snrechenden Welt und die fortschrittlichen protestantischen Maechte, die hinter ihnen stehen, werden gern nachfolgou, wenn Deutschland verantwortungsvoll vorangeht. Unsere Generation hat mancherlei Geschichte erlebt und erlebt immer erneut Geschichte Sie kann selbst in einem gewissen Sinne Geschichte für ihre Zeit machen, wenn sie sich begnadet zeigt, die unchri tliche Historie von der alten Schuld dar Juden an der Kreuzigung Chri-ti pin für allemal zu “entmythologisieren”. i Sally Cohn,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.