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Das Echo · 1960-02-17 · 219 (17.2.1960) · p. [Seite 3]

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Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
219 (17.2.1960)
Date
1960-02-17
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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17. Februar 1960 DAS ECHO 3. Nachstehender Artikel beschaeftigt sich mit einem hoechst aktuellen Problem, welches von allgemein-jüdischem Interesse ist, aber insbesondere juedische Eltern aus Deutschland angeht. Die hier aufgeworfene Frage lautet: Soll das Erbgut, die deutsche Kultur und deutsche Geistigkeit, der in Deutschland seit Generationen sesshaft gewesenen Juden, Kindern weilergegeben werden, damit sie diese Substanz ausweiten koennen? Das "Leo Baeck-Institut" (New York und Jerusalem) bemüht sich, die geistigen Schaetze des ehern, deutschen Judentums zu sammeln, und loest damit zweifelsohne eine verdienstliche wissenschaftlich-theoretische Aufgabe. Aber diese Archive müssn doch letztenendes Friedhoefe des Geistes bleiben, da kein wirkliches jüdisches Leben mehr in Deutschland blüht und in absehbarer Zeit ein solches auch dort nicht gedeihen wird- Das Leben ist progressiv, es kann nicht in der Reminiszenz verdaemmern, sondern es hat dem Heut und dem Morgen zu gehoeren. Nach dem folgenden Bericht, ist jüdische Jugend ehern, deutschjüdischer Eltern - im Sinne des Wirkens der Leo Baeck-institute - von deutschen Gefühlen beherrscht. Ohne unsere Leser irgendwie beeinflussen zu wollen, moechten wir unsere Meinung dahingehend aeussern, dass unsere neue Generation, Kinder ehern. Deutsch-Juden, sich ein neues Leben, ein neues Wissen und eine neue Moral aufbauen sollten, ohne sehnsuchtsvollen Rückblick nach dem ehern. Heimatland ihrer Eltern. Es waere natürlich, wenn moderne Jugend die alt-heimatlichen Gefühle ihrer Eltern als archaisch betrachten, da sie durch andersartige Entwicklungsphasen gebildet wurden. Aus dem Leben in der Inmigration wurde eine Sesshaftigkeit, die s ch zur Integritaet im Leben der Wahlheimat erweiterte. Die hier aufgewachsene Jugend sollte man u.E. nicht mit einen antiquierierten "es war" belasten, sondern sie bewusst ausrichten auf neue Lebens-Stile und Kulturfronten. Für die Jugend kann nicht das gelten, was für die Alten gilt. Wir wollen und koennen nicht verneinen, doss die aeltere Generation deutscher Juden geistig (und vielleicht sogar psychisch) noch immer mit Deutschland verhaftet ist, als Ursprung ihrer Erziehung und Bildung- Aber wesentlich sind die Neuen, die Kommenden! Der jungen Generation sollte man - neben dem bodenstaendischen - europaeisches (nicht deutsches, oestererichisches, polnisches etc.) Wissen vermitteln, Kulturfakten die bereichern. Spezifisch deutsche Kultur aber sollte man nur - reservatis reservandis - heranbringen, soweit es für die Abrundung einer Allgemeinbildung notwendig ist. Im Uebrigen wird jeder geistig aufgeschlossene Jugendliche im Laufe seiner Entwicklung von sich aus entscheiden, zu welchem Kulturkreis er sich hingezogen fühlt. ' In dem folgenden Aufsatz wiTd Israel für unsere Jugend nicht als primaere geistige Position aufgezeigt, was zu bedauern ist. Israelisch- Nationalbewusste jüdische Jugend - die durchaus nicht in Israel beheimatet zu sein braucht - hat den Kern des neuen jüdischen Lebens- Sinnes in sich auf genommen und dürfte in glücklicher Gegenwart und sinnvoller Zukunft leben. Trotz all dieser redaktionellen Vorbehalte publizieren wir diesen Artikel und waeren Echo-Lesern dafür dankbar, wenn sie dieses wichtige Thema diskutieren und uns ihre Ansichten hierüber mitteilen würden. Vaeter und Soehne Vor einigen Monaten fand in Tel Aviv«1 nur sein wollten “wie die andern” und$schütterung durch die Vorgaenge in<& eine Tagung des KJV. (Kartell Jüdischer Verbindungen), das heisst der Mitglieder der zionistischen Studentenverbindungen aus Deutschland statt, die aus allen Teilen des Landes stark besucht war und grossen Widerhall fand. Sie hatte sich das Problem: “Vaeter und Soehne” zum Thema gestellt. Zur Einleitung gab Dr. S. Kanowitz als Vertreter der aelteren Generation eine umfassende Darstellung der geistigen Situation, Problematik und Haltung des jungen Zionisten in Dent"chland in der Zeit etwa zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Beginn der Hitler-Zeit und stellte diesem Bild eine Schilderung der heutigen Jugend in der Welt und in Israel in ihren wesentlichen Zügen gegenüber. Sodann kamen Vertreter der zweiten Generation zu Wort, heute schon Menschen im Alter von dreissig bis vierzig Jahren, die noch einen Teil ihrer Schul au=bildung in Deutschland genossen haben und jetzt bereits im Berufsleben stehen. Die Diskussion zwischen den beiden Generationen zog sich bis in die spaeten Abendstunden hin und wurde von Professor Emst Simon in einem umfassenden Schlusswort zusammengefasst. Es ist hier nich der Ort, auch nur auf die hauntsachlichsten Probleme einzugehen, die von den verschiedensten Gesichtspunkten aus beleuchtet wurden. Hier soll nur ein einziges, für unseren Kreis allerdings entscheidendes Problem behandelt werden: die Stellung dieser Vertreter der zweiten Generation, unserer erwachsenen Kinder also, zu ihrem eigenen deutsch-jüdischen Erbgut. Fast ausnahmslos standen die Vertreter der jungen Generation positiv zu ihrem deutsch-jüdischen Erbe: mehr als das, die, “Vaeter” hoerten bittere Vorwürfe, dass sie es nicht verstanden haben, in der Erziehung ihrer Kinder diese Werte bewusst zu machen und zur Geltung zu bringe^ dass sie sich oft geschaemt haben, sich zu ihrer eigenen Vergangenheit zu bekennen; dass sie damit ihre Kinder in einer Wurzellosigkeit aufwachsen Hessen, die ihrer seelischen Entwicklung schaedlich war Die Kinder selbst litten haeufig unter einem Anderssein, das sie von ihren Altersgenossen unterschied, oft zu Reibungen führte, ohne Ursachen und Wesen dieses Anderssein zu kennen und zu verstehen. Die Folge war zunaechst vielfach ein doppeltes Bemühen der Kinder, sich anzugleichen, nicht aufzufallen. Man haette meinen sollen, dass dieser Prozess schliesslich zu einer voelligen Verdraengung des ganzen Komplexes des deutsch-jüdischen Erbgutes in der weiten Generation führen würde. Demgegenüber stellt sich heraus, dass die Generation der “Soehne” mit zunehmender Reife immer staerker das Bewusstsein ihrer Herkunft aus dem deutschen Judentum wiedergewonnen hat, und dass die Besten unter ihnen diese Werte bejahen. Nach den Jahren der Schule und Jugendbewegung, der Haganah und des Militaers, der Berufsausbildung, hoert man immer wieder, dass an die Stelle der früheren Uninteressiertheit, wenn nicht gar Ablehnung, die Frage getreten ist: wo kommen wir her und was kann uns das bedeuten? Objektiv gesehen, sind die Vorwürfe der “Soehne” gegen die “Vaeter” wahrscheinlich weitgehend unberechtigt. Die Eltern dieser Kinder waren Zionisten; sie sahen in der Uebersiedlung nach Palaestina und in dem restlosen Aufgehen in der werdenden Gemeinschaft des jüdischen Jischuv ihre selbstverstaendliche zionistische Pflicht. Nur wenige — unter ihnen übrigens besonders die Führer des deutschen Zionismus — begriffen damals, dass gerade die Erhaltung und Fruchtbarmachung der besonderen Werte und spezifischen Faehigkeiten des deutschen Judentums für das sionistische Aufbauwqrk der wesentliche Beitrag war, den diese Einwandererschicht dem werdenden jüdischen Gemeinwesen zu geben hatte. Selbstverstaendlich führte auch die Er- Deutschland instinktiv zur Ablehnung der Werte der Vergangenheit. — Und schliesslich hatten diese Neueinwanderer selbst mit all den ungeheuren Schwierigkeiten der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Einordnung zu kaempfen, und nur die wenigsten von ihnen hatten die Zeit und die Kraft, sich der Erziehung ihrer Kinder mit der Hingabe und Intensitaet zu widmen, die sie unter normalen Verhaeltnissen dafür aufgebracht haetten. All diese sicherlich stichhaltigen Entschuldigungsgründe aendern nichts an der Situation. Wenn die zweite Generation sich trotzdem ihrer Herkunft bewusst geblieben oder wieder bewusst geworden ist, so kann das nur darauf zurückzuführen sein, dass neben der natürlichen Veranlagung weitgehend Atmosphaere und Beispiel des Elternhauses und die Persoenlichkeit der Elternhauses und die Persoenlichkeit der Eltern, die die positiven Werte der Tradition des deutschen Judentums in sich selbst verkoerpert haben, auf die jungen Menschen bildend gewirkt haben. Es ist schwer, diese Werte mit wenigen Worten zu umschreiben. Klar ist, dass die Menschen dieses Kreises, gleichgültig auf welchem Boden sie parteipolitisch oder weltanschaulich stehen, verbunden sind durch eine gemeinsame Grundhaltung, die ihre Reaktionen in entscheidenden Fragen von persoenlicher, kultureller und poltischer Bedeutung, wenn auch nicht ausschliesslich bestimmt, so doch wesentlich beeinflusst. Diese gemeinsame Grundhaltung erscheint uns das Ergebnis der besonderen Geschichte des deutschen Judentums und seiner Entwicklung in den letzten zwei Jahrhunderten zu sein. Es wird also darauf ankommen, dieses Erbe zu erhalten und bewusst zu machen. Wenn in der Periode nach der Auswanderung und Eingliederung in neuen Umgebung die Schwierigder keiten der Einordnung als Entschuldigung dafür dienen konnten, dass vieles versaeumt worden ist, so besteht diese Entschuldigung heute nicht mehr. Der Council of Jews from Germany hat deshalb folgerichtig die Aufgabe erkannt und das Leo Baeck Institute geschaffen, das der wissenschaftlichen Erforschung dieses deutschen Judentums dienen soll, um das Material zu sammeln und zu schaffen, das die Kenntnis der Vergangenheit vermitteln kann. Mit der wissenschaftlichen Taetigkeit allein jedoch ist es nicht getan. Der Wunsch, seinen Kindern von den Werten, die man selbst erhalten hat und als deren Repraesentarrt man sich fühlt, etwas zu vermitteln, ist Gemeingut jeder Erziehung. Aufgabe der Organisationen der Juden aus Deutschland in der ganzen Welt und jedes einzelnen Juden, der aus Deutschland gekommen ist, muss es deshalb sein, dieses Erbgut seinen Kindern —heute vielleicht bei vielen schon bei seinen Enkeln zu vermitteln und lebendig zu machen. Die wissenschaftliche Sammlung und Bearbeitung kann nur ein, wenn auch sehr wesentlicher Teil der Erhaltung des Erbes des deutschen Judentums sein. Wenn die Tradition, zu der wir uns mit Stolz bekennen, nicht voellig mit uns abreissen soll, muss sie durch ihre letzten Traeger weitertradiert werden. Die Darstellung der Diskussion über diese Frage, wie sie in Israel begonnen hat, mag als Anregung dienen, dieses Problem zur Diskussion zu stellen. Es wird interessant sein zu hoeren, ob die Situation in anderen Laepdern, unter anderen sozialen und kulturellen Verhaeltnissen, Parallelen zu der Situation aufweist, wie sie hier für Israel geschildert worden ist. Ein solcher Erfahrungs- und Meinungsaustausch kann die Grundlage für eine weitere Aktivitaet des Council und unserer Organisationen bilden, die dem Ziel der Erhaltung und Fortführung der Tradition des deutschen Judentums dienen kann. (Council Correspondence) RADIO TELEFUNKEN EINE HOECHSTLEISTUNG DEUTSCHER RADIO - TECW»»K! Bevor Sie ein Radio kaufen — überzeugen Sie sich von der Qualitaet der TELEFUNKEN — Geraete! TELEFUNKEN — das Radio von Weltruf! Vorführung und Verkauf: METAL Ltda. PLAZA VENEZUELA 36 - CASILLA 484 - LA PAZ. TELE FUN KEN DIE ZEIT Die südamerikanische Ausgabe der bekannten hamburger Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultirr. erhalten Sie in der Buchhandlung UNIVERSAL BOOKSTORE, La Paz Mercado 1057

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