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Das Echo · 1960-02-17 · 219 (17.2.1960) · p. [Seite 2]

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Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
219 (17.2.1960)
Date
1960-02-17
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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2. DAS ECHO 17. Februar 1960 Wer toetete Christus? Vor einigen Wochen feierte die christliche Welt Weihnacht, die Geburt Christi. Und wie alljaehrlich, so auch in den vergangenen Wochen, wurde von dem Leben Jesus berichtet und auch von der Kreuzigung des Heilands durch die Juden. Dieser Bericht ueber die Kreuzigung Christis durch die Juden, ist Oel auf das ewig schwellende Feuer des Antisemitismus. "Das Echo" hat in einem früheren gross angelegten Artikel ("Die Kreuzigungslegende") entschieden gegen die Schuld der Juden an der Kreuzigung Christi Stellung genommen und hat auch entsprechende historische Beweise geliefert. Dieses brennend jüdisch-christliche Problem stellen wir heute erneut zur Diskussion und es waere nützlich, wenn unsere Leser ein Man hoert aus Deutschland die erfreuliche Kunde, dass der Marbunger Theologe Rudolf Bultmann sich die “Entmythologisierung’* der Heilsbotschaften des Neuen Testaments zu seiner verwegenen Aufgabe gemacht hat. Da erscheint es an der Zeit, dass auch das Judentum aus seiner ewigen Zurückhaltung heraustritt und mutig die “Entmythologisierung” der christlichen Legende von der alten Schuld der Juden an der Kreuzigung Christi zur öffentlichen Debatte stellt. Folgende Kindheitserinnerung wird die Wichtigkeit dieses Unternehmens besonders deutlich erscheinen lassen: Ich bin in einer Kleinstadt Westpreussens geboren, die trotz ihrer Winzigkeit einst ein Zentrum besten deutschen humanistischen Erziehungswesens ^»war. Ihre katholische und evangelische^ Bevoelkerung hielten sich fast die Waage Zwischen den beiden Konfessionen lebte eine unbedeutende Minderheit von Juden, die seit Jahrhunderten zuverlaessige Bürger des Landes gewesen waren und treu zum Judentum hielten. Das ganze Jahr hindurch standen wir Juden mit unseren christlichen Nachbarn auf bestem Fusse. Doch so oft der Karfreitag nahte, kam Unruhe und Spannung in des Staedtchen, die sich am Karfreitag selbst oft zu Gewalttaetigkeiten gegen die Juden entluden. i Ich vergesse nie, dass ich an solchem; Tage, nicht durch gewisse Strassen mei- : ner Heimatstadt gehen konnte ohne dass Steine auf mich geworfen und Beschimpfungen gegen mich als Juden ausgestossen wurden. Grund für diese Erscheinung, die wenig dazu beitragen würden, die giftige und unrealistische Legende durch Verbreitung von Tatsachen unfruchtbar au machen- Die Kirche, und eine gewisse Literatur und Publizistik tragen ein gerüttelt Mass an Schuld, durch die konseguente Propagierung des "jüdischen Mordes an Jesus Christus". Papst Johann XXIII hat in seiner bisherigen Regierungszeit sich als sehr tolerant erwiesen und konnte mit manchen peinlichen Tendenzen im Kirchenbrauch aufraeumen; es waere eine gewaltige vatikanische Tat, wenn diese "Legende" in Rom neu überprüft und revidiert werden würde. Die leidenschaftslose, nüchterne Darstellung im nachstehenden Aufsatz ist geeignet, dazu beizutragen, mit alten Vorstellungen zu brechen, Vorurteile aufzuheben und damit, den wesentlichen Grund zum Anti-Semitismus zu besenitigen. f und seiner Propheten für unbedinsrte. Gerechtigkeit bewies. Als spaeterer Jünger des Rechts und amtierender Rechtsanwalt begriff ich mit Schrecken, dass die Legende von der Schuld der Juden an der Kreuzigunz Christi waehrend einer Zeitspanne von etwa zweitausend Jahren unverrückbares Fundament fuer einen Weltantisemitipmus geworden und geblieben war, obwohl sich diese Historie ausschliesslich auf zweifelhafte Mythen, erfundene Parabeln und auf unhistorische' Ueberlieferungen innerhalb der uralten chistlichen und judenfeindlichen Othodoxie stützte. nicht etwa auf dieses Kleinstadt beschraenkt geblieben ist, war, dass, zumal um die Osterzeit, der Religionsunterricht in den chistlichen Schulen, die Predigten der Geistlichkeit von den Kanzeln der Kirchen, das Gespraechsthema in den christlichen Gesellschaftsschichten die Historie von der Kreuzigung Christi durch die Juden behandelten, dass so diese Legende als geschichtliche Wahrheit und unverrückbare Heilsbotschaft der Jünger Christi von Geschlecht zu Geschlecht fortgepflanzt und damit der Judenhass immer erneut vertieft wurde. Als Schüler und Student war ich verwundert, wie solches im “Lande der Dichter und Denker" widerspruch-los geschehen konnte, wo doch bekanntermassen das Alte Testament die grenzenlose Leiden';chp,rf 4es Judentums De LA PAZ a LIMA Y CONEXION CON ELn NUEVO VUELO LIMA PARIS por la RUTA MAS DIRECTA A EUROPA En un solo avión, con un solo asiento, un solo boleto, una sola noche a bordo .....y sin necesidad de visas de tránsito. De Paris conexiones a toda Europa, Africa, Medio y Lejano Oriente. Gewiss, ab und zu sind mutiere Maenner in den verschiedensten Laendern der Welt aufgestanden und haben versucht, gleich wesentlichen Heilswahrheiten des christlichen Evangeliums auch die unchristliche These von der Kreuzigung Christi durch die Juden zu beseitigen. Weil aber solche Kaemnfer gewoebnlich die historische Ex'stenz eines Chritus radikal ablehnten, scheiterten regelmaes=ig alle ihre Aufklaerungsversuche. Doch auch Religionen müssen den Grundsatz an sich erfahren, dass sich nichts dem historischen besetz der Evolution und des endlichen Wandels zu entziehen verrnasr Der Druck der unaufhoer'ichen Erfindungen und Entdeckungen, die Bedeutung immer neuer Schrift- und sonstiger archaeologischer Funde, der stneudige Fortschritt aller Technik und Wissenschaft oeffnen mehr und schneller denn je allen denen die Augen für die Falschheit von Lehren, welche man durch blindes Lernen in den Schulen und mit kindlicher Folgsamkeit im Lehen gedankenlos als Heilswahrheiten bis zum Tode übernommen hatte. Laest sich mithin erfolgreiche Becfnt-eViaft für die “F.utmvthoiorr^ierung" der Legende von der Schuld der Juden an der Kreuzigung Christi in der Gegenwart erzielen? W»nn die Aufgabe, diese grausame Mythe zu zerstoeren, mit Unersch- Fortsetzung Seite 6 AIR FRANCE LA RED AEREA MAS EXTENSA DEL MUNDO /11 Edificio Krsul - 5o piso Avenida Camacho Tel. 11744 yPAZ / ~± ISRAEL — Zeit, dass Jerusalem seine Zurueckhaltung aufgibt und sich aktiver in das politische Weltspiel einschaltet. Die Araber sind in dieser Hinsicht ueberaus ruehrig und konnten dadurch manche Kunden gewinnen; es wird zaehe israeliche Arbeit kosten, um den arabischen Vorrang wieder einzuholen . Die israelische Aussenpolitik konnte trotz aller Schwierigkeiten gute Fortschritte machen, insbesondere bei den jungen afrikanischen Laendern und konnte auch in manchen Gebieten Asiens Fuss fassen. Auch in Lateinamerika (besonders nach dem Besuch von Golda Meir) konnten manche Positionen fuer Israel gewonnen werden. Es gilt diese Stellungen nicht nur zu halten, sondern weiter auszubauen und neue Verbindungen zu schaffen . Die Grossmaechte benehmen sich ziemlich jaemmerlich gegenueber dem feindumgebenen Israel; dieses junge und starke Land wird seinen Boden zu verteidigen wissen, es wird weiterhin unerschütterlich fuer den demokratischen Gedanken strei- , auch dann, wenn die Welt-”Demokr-a tien” sich mehr und mehr mit Faschisten und Antidemokraten verbinden . Abel die Situation ist nunmehr klar - und Klarheit ist im politischen Leben besonders wichtig .

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