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Das Echo · 1959-12-18 · 216 (18.12.1959) · p. [Seite 8]

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Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
216 (18.12.1959)
Date
1959-12-18
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German
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8. “DAS ECHO“ 18. Dezember 1959. BERICHT AUS ISRAEL: Freude mit Tieren Von Dr. M. NETER (Israel) Vor einigen Monaten hat man Schoschanah, unsere brave Mitarbeiterin, unsere gute Eselsfrau, vom Hühnerhof auf eine andere Arbeitsstelle versetzt und eingetauscht gegen “Sechei”, den alten, treugedienten Esel. Ich kenne Sechei schon lange, schon von der Zeit her, als er als junger schoener Esel zu uns kam und wegen seiner Klugheit den wohlklingenden Namen “Sechei” erhielt. Seitdem hat er allerdings — im langjaehrigen Verkehr mit Menschen — viel von seiner Klugheit eingebüsst, dafür aber an Weisheit zugenommen. Auch seine Kleidung hat viel von ihrer Schoenheit verloren; sie ist altersgrau geworden. Wir beide verstehen uns gut; sind wir doch beide nach einem arbeitsreichen Leben recht alt geworden. Morgens, wenn ich ihm begegne, ihm “Schaiiom” sage und das gewohnte Stück Brot gebe, dankt er mit einem freudigen, freundschaftlichen Blick. Manchmal ist mir, als ob auch in unserem alten Esel sich ein tiefes Gefühlsleben verberge. Ein tragisches Schicksal traf heute meinen braven Sechei: Es war Schoschanah, der immer noch schoenen Eselsfrau, gelungen, im Stall sich loszumachen und illegal spazieren zu gehen. Bei diesem frohen Bummel kam Schoschanah auch auf unseren Hühnerhof, wo Sechei am Waegelchen angespannt, mit den Bügeln an einen Baum festgebunden war. David, der Lenker des Eselwagens, war anderweitig beschaeftigt. Schoschanah naeherte sich Sechei; die beiden flüsterten eine Weile miteinander. Dann ging die Schoene weiter und verschwand um um die Ecke. Da überkam Sechei eine heisse (Sehnsucht. Der alte Esel zerrte und zerrte an den Zügeln, bis diese rissen und das Gespann freigaben. Und nun rannte der alte Esel mit dem Waegelchen über Stock und Stein seiner Schoschanah nach, an meinem Hühnerstall vorbei — mitten hinein in die Bjenenstoecke. An einem Draht blieb das Waegelchen haengen; alles Zerren des verzweifelten Tieres nutzte nichts. Und nun geschah das Entsetzliche: die empoerten Bienen der umgeworfenen Bienenstoecke fielen über den armen Esel her. Da stand er nun, der arme Kerl, umschwirrt von unzaehligen, wütenden Bienen. Ein jammervoller Anblick. Ich eilte fort, den Bienenvater zu suchen. Dieser kam auch sehr bald und befreite, geschützt durch seinen Drahthelm, das geauaelte Tier. Ich brachte das Gespann hinweg aus dieser Hoelle toller Bienen. Dann rief ich unseren Tierarzt, der dem Esel eine Spritze gab. Ich hatte Mühe, den armen Esel zu beruhigen und seine schwer enttaeuschte Seele ins Gleichgewicht zu bringen; zu sehr schaemte sich der alte Esel übe'r seine Entgleisung. Die Liebe hatte ihm einen sehr schmerzhaften Streich gespielt. Leise erinnerte er sich des alten Spruches: “Alter schützt vor Torheit nicht”. Vier Tage lang verweigerte der arme Esel jegliches Futter; vier Tage lang hoerte man nicht mehr das gewohnte “1—A”. II. DAS KLUGE HUHN Spaet führte mich gestern mein Weg auf den Hühnerhof. Es war um Mitternacht. Tiefer Friede herrschte, wo tagsüber ein viel hundertfaches Gegacker m i t unermüdlichem Ki-ki-ri-ki wetteiferte. Die Hühner sassen — wegen der Kaelte — dichtgedraengt nebeneinander auf den Stangen, sich erholend von der schweren Tagesarbeit des Eierlegens, und ebenso die Haehne, sich ausruhend von ihrem Amte. Noch war es für sie nicht Zeit, den anbrechenden Tag zu begrüssen. Wie ich so an dem reizenden Haeuschen vorbeigehe, wo der Inkubator (der Brutapparat) die vielen Eier ausbrütet, vernahm ich ein Geraeusch, das ich nicht zu deuten wusste. Ich trat naeher und hoerte nun deutlich ein Reden. Bald erkannte ich, was los war: der Inkubator war in einem lebhaften Gespraech mit einem Huhn: einem meiner bravsten und klügsten Hühner. Der Inkubator schien sehr erregt zu sein. Ich wusste nicht, warum. Schliesslich kam er ins Schimpfen: “Was bildest Du Dir eingentlich ein, Du armseliges Huhn? Ich, der Inkubator, kann 9000 Eier auf einmal ausbrüten und Du nur 10 Eier, hoechstens 12” — So sprach das Grossmaul veraecht- Iich zu dem geduldigen Huhn. In vornehmer Zurückhaltung antwortete ihm das Huhn: “Ja, es ist schon so, wie Du sagst, sehr verehrter Herr Inkubator. Aber ich moechte Dich noch in aller Bescheidenheit darauf aufmerksam machen, dass Du zum Ausbrüten den elektrischen Strom brauchst; ohne diesen bist Du ein toter Kasten. Ich aber brauche keinen elektrischen Strom; ich brüte meine Eier mit der Waerme meines mütterlichen Herzens aus. Gestatte mir noch eine leise Frage: Hast Dü überhaupt schon ein einziges’ Mal ein Ei | gelegt?” | Bevor noch der Inkubator antworj ten konnte, trat ploetzlich tiefe Stille / ein. Der Vollmond zeigte auf meiner i Uhr genau 1 Uhr. Die Geisterstunde i war abgelaufen. Heute morgens i brachte ich meinem klugen Huhn ein seltenes Geschenk: einen Regenwurm. DIE BEIDEN RIESEN Unter diesem Titel erscheint im Jahre 1960 ein umfangreiches Werk mit Internationa er Verbreitung. Dieses gigantisch^ illustrierte Werk wird nach amtlichen Quellen die Entwicklung der USA und dlir UdSSR in den letzten 10 Jahren behandeln; den Teil über die USA schreibt André Maurois, über Sowjettrussland berichtet Paul Eluard. Dieses Werk steht unter dem Protekiorat der UNESCO. Kruschtschow und Eisenhower werden jeweils zu dem ihre Voelker betreffenden Teil des Werkes ein ausführliches Geleitwort schreiben. (Die deutschsprachige Ausgabe wird editiert durch den hamburger Viäfjjag Ernst Rowohlt.) Hotel Herschthal Cochabamba, Casilla 846, Telefon 4427 Das Hotel des Vertrauens und der guten Kueche unter der Leitung des ehern. Kuechenchefs des “Auerbachs Keller”, Leipzig. HOTEL HERSCHTHAL bietet angenehmes Wohnen zu guenstigen Preisen! WV WWWWW + Traktat über die Briefmarken - Kultur Von M. Y. BEN-GAVRIEL Ich sammle gelegentlich Briefmarken. Nicht aus angeborener Leidenschaft, sondern um dadurch das gelegentlich auftretende leise Unbehagen in der Kultur abzureagieren. Dagegen ist wohl kaum etwas einzuwenden. Weder vom wirtschaftlichen noch auch vom moralischen Standpunkt aus. Auch wenn ein Psychoanalytiker, den ich um seine Meinung fragte, sein Gesicht in freudlos-warnende Falten zusammen legte und zu einer Analyse der Zusammenhaenge von Philatelie und Erotik ansetzte. Ein Psychiater der alten Schule hingegen, an den ich mich nachher wandte, erklaerte, dass die Markomanie zu den leichteren geistigen Veraenderungen zu zaehlen und in vielen Fallen heilbar sei. Besonders dann, wenn die oekonomischen Poten zen des Patienten erschoepft sind. Als er nachher versuchte, m i r einen ziemlich wertlosen Satz Albanien 1950 anzudrehen, wies ich auf die letztgenannte Tatsache hin und gab mich mit der Diagnose zufrieden. Nach einer gewissen Zeit aber wurde mir das Zusammentragen von gezaehnten und ungezaehnten, noch gültigen oder bereits aus der Zirkulation gezogenen Staatspapierchen doch zu langweilig. Ich begann mich daher nach Komplizierterem auf diesem Gebiet umzuschauen u. verlegte mich auf das Sammeln von Ersttagsbriefumschlaegen. Da aber die Postverwaltung meines Landes darauf aus ist auf diesem Gebiet einen Rekord aufzustellen, zeigte es sich bald, dass auch diese Art von Sammlung keine das Interesse in dauernder Spannung erhaltende Angelegenheit ist. Ich schenkte daher die Kollektion einem Man einfacheren Gemüts, der gegen unsre Kultur anscheinend nichts einzuwenden hatte. Zu meiner Ueberraschung aber stellte es sich bald heraus, dass ich den Mann unterschaetzt hatte. Er erfand naemlich im Handumdrehen ein erregendes Spiel, dessen unfreiwillige Spielpartner Postbeamte, also Durchschnittsbürger aller Kulturlaender wurden. Wjas tat dieser Mann Er schickte am Tag der Ausgabe neuer Marken eine Anzahl von Ersttagsumschlaegen in alle Wjelt hinaus. Nicht aber, wie man wohl erwartet, an briefmarkensammelnde Freunde, sondern — und das ist das Neuartige an diesem Sport — überhaupt nicht an Persoenlichkeiten, sondern an Namen. Er gab naemlich die stets mit dem Absender versehenen Briefe eingeschrieben auf, so das sie, wenn unbestellbar, wieder an ihn zurückkommen mussten. Dadurch erhoehte sich — als “echt gelaufen” — vor allem ihr philatelistischer Wert. Aber nicht das war es, was diese Sammlung unbestellbarer Briefe in aller Welt einzigartig machte, sondern das, was auf den Umschlaegen von den verschiedenen Postverwaltungen im Zusammenhang mit den Adressaten ausgesagt wurde. Ein Brief, adress'.ert an Herrn Johann Peter Eckermann, Weimar, Goethestrasse, Germany, kam z. B. mit dem Postvermerk zurück: “Adressat hierorts unbekannt”. Ein Schreiben an Frl. Gretchen Schwerlein-Faust mit einer Adresse in Leipzig wies neben einem roten“Zurück”-Stempel eine Unzahl negativer Bleistiftsnotizen von Postboten und einem weiteren Stempel “Empfaenger durch Aufruf nicht ermittelt” auf. Das gleiche galt auch von einem Brief an den Legationsrat Jean Paul Richter Weimar. Ein Schreiben, adressiert an Monsieur Heinrich Heine in Düsseldorf, Bolkerstrasse, kam mit dem lakonischen Zettel “Unbekannt - inconnu” zurück, was ja nicht weiter verwunderlich ist. Aber dass Dr. Friedrich Nietzsche als “verzogen, unbekannt wohin” rückgemeldet wurde, dass Frl. Johanna Sebus bei Herrn J. W. Goethe als “nicht gemeldet” und Frl. Minna v. Barnhelm p. A. Gotthold E. Lessing als “Empfaenger durch Aufruf nicht ermittelt” kurzerhand den weiteren postalischen Nachforschungen entzogen wurden, ist immerhin betrüblich. Andererseits ist es, wenn ein Brief an Señor Calderón de la Barca als “desconocido — inconnu” zurückkommt, *,iicht weiter verwunderlich, denn der Mann hat ja nur rund zweihundert Theaterstücke geschrieben, und wer erinnert sich schon an Theaterstücke, wenn es keine Kinofassung von ihnen gibt? So ist es auch beinahe selbstverstaendlich, dass Charaktere wie Sancho Pansa, Sir John Falstaff, Friedrich Rückert oder Signore Shylock, Kaufmann in Venedig, um nur einige von meinem Freund mir offerierte Namen herauszugreifen, mit “Unbekannt”-- Zetteln in unzaehlig vielen Sprachen von den im Weltpostverein vertretenen Behcerden Abschied nahmen. Als aber der Mann auf die Idee kam, versuchsweise Ersttagskuverts an zeitgenoessische Filmgroessen ohne Hinzufügung irgendeiner Adresenangabe auszusenden, wurde der Weiterbestand dieser kulturhistorisch einzigartigen Sammlung in Frage gestellt, da nicht ein einziger Brief als unbestellbar zurückkam. Diese Tatsache hat — und dies ¡st der moralische Erfolg der Sammlung meines Freundes — mir wieder zu einem gewissen Grad von Behagen in der zeitgenoessischen Kultur verholten, deren repraesentative Traeger, wie man sieht, doch allgemein bekannt sind. ★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★ 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- * 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- 4- * 4- 4- 4- 4- Sie wohnen GUT Sie sneisen GUT im guten Klima von Obrajes bei MEMELSDORF Calle 4, Nr. 6 Telefon 3578 -x -x -x -x -x -x -x -X -X -X -X -X -X -X -X -X -X -X -X -X -X -X -X -X Î* -X -X -X -X -X -X -X -X -X -X Î Waehrend der Ferien: î *- * * Verbilligte Preise! * * 4- -X ¥**¥+¥¥¥**+¥¥+¥*****+*** ★★★★★★★★★★★★★★★-fr******** -X -X M Wenn 4- 4- -X •X •X ' AU6ENGLAESER 4- 4- 4- -X ■X dann 4- 4- -X -X -X •* Optica “La Paz" 4- 4- 4- ■X -X Avenida Camacho 4- 4- -X -X 308 — 321 4- 4- ■X -X LA PAZ 4- ★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★A*** a a “Briefmarken” KAUFE in jeder Menge zu hoechsten Preisen! S. CAHN Cochabamba Casilla 384

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