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Das Echo · 1959-12-02 · 215 (2.12.1959) · p. [Seite 7]

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Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
215 (2.12.1959)
Date
1959-12-02
Page
[Seite 7] (sequence 7)
Language
German
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1959. “DAS ECHO” 7. 2. Dezember 1959. ilmg hat nur noch rtlich der (“Baliner l,e sich Sieges zu die bald ternehmer einem ler seinen und inabsolutes politische ler Regie- »chaftsbedominiert, isterorgafe perso- ' Reorgaige Gene- •avon, die egte das Irei Besiehe, der wichtigenbearbeiten bteilungen nisationen Histadrut iihrt. unter dem on vorgenuehr als :hen Vor- :h hesass dass ihre staatspoliste. Denn jolitischen ler Wirtheutigenapai nicht heute die Liberalider Konjpole eia. s angeht, rentlichen Gesetzen ¡rctadi Aapai geierung in Ausspruch kein Kaheute von irtschaftsdaraus eia irtschaftliewiss von [ kann, ung der liberalem ■ch das Lieber Leserfreund: Alles Grosse ist nicht immer erhaben, und schon garnicht erhaben und grossartig ist die “Grosse Politik’. Wer sich beruflich mit Tagespolitik .abgeben muss, wer die Gelegenheit hat, mit Politikern naeher zusammen zu ’kommen und in die Kulissen der Werkstaetten hineinschaut, in denen "Politik gemacht wird”, dem steigt manchesmal der Ekel auf. Kaum gibt es etwas, was intriganter und boshafter, verlogener und schmutziger ist, als die kleine, die mittlere und die grosse Politik. Politik ist oft nur ein Mittel, eigene oder Interessen von Gruppen zu foerdern, kaum aber ist Politik das, für was sie sich euphemistisch .ausgibt: Dienst für die Gemeinschaft, selbstloser, idealistischer Dienst am Ganzen, am Volk. Poistik ist die gewaltige Arena, in der Ehrgeizige sich patriotisch gebaerden. jNaechstenlliebe |und IVjohlfahrt propagieren, die machtlüstern -sich Mensch lind bürgerliche Institutionen zu eigen machen. Und je humaner, je volkstümlicher Grosse zum Volke sprechen, .desto verdaechtiger sollte dies dem politischen Kritiker erscheinen. Politiker meinen selten das was sie sprechen; im Gegensaetzlichen liegt oft die Wahrheit. Politiker und Diplomaten zeichnen sich durch aalglatte Wendigkeit aus; man kann sie "kaum beim Wort nehmen, da sie anstatt des Wortes Woerter haben, die sie mischen, und damit einfache und logische Begriffe verwirren. Die Hohe Schule de Diplomatie ist das Institut, wo man lernt: etwas zu sagen, ohne es zu meinen. Charmante Unaufrichtigkeit ist die Hoefiichkeit der Diplomaten; aus leeren Worten entfesselt man Ideologien und Philosophien. Und dennoch: das Volk hoert, .glaubt und folgt seinen Politikern. Viel Welttragik, viele Stroeme an Blut und Traenen haetten vermieden werden koennen, wenn Voelker weniger “Glauben” und dafür mehr “Wessen” haetten. Walther Rathenau, ein gewiegter Politiker, sagte einmal: Für ein Volk gibt es keine Entschuldigung - es erlebt, was es verdient! Nun, ¡lieber Leser, weshalb diese vielen Worte von Politik und Politikern, die doch eigentlich garnicht im den Rahmen der Rubrik “Unter uns.passen? Ueber Politik muss einmal “Unter uns” gesprochen werden! Es ist ein Thema welches mir sehr am Herzen liegt und ich schon früher davon gesprochen haette, wenn es die Gelegenheit ergeben haette. Die Gelegenheit hierzu: Die Echo- Redaktion erhielt vor einigen Tagen von einem lieben und treuen Leser in La Paz, folgende Zeilen: “..So sehr ich mich über “Das Echo” im allgemeinen freue, so bin ich doch der Meinung, dass Ihre Leitartikel nicht in ein jüdisches Blatt gehoerenjt Sie schreiben über Sachen, die uns wirklich nichts angehen und die uns bei christlichen Lesern Ihres sehr gesch. Blattes in schlechtes Licht setzen koennen”. Der Brief geht noch reichlich weiter, aber das, was uns wichtig erscheint, habe ich hiermit zitiert. Diese Zeilen sind typisch für viele Zeitgenossen: eine jüdische Zeitung soll nicht nach rechts oder links im grossen Weltenraum sehen, sondern nur über jüdische Dinge berichten. Hat gerade der Jude nicht genug Tragisches in letzter Zeit erlebt, als er zum Spielball einer barbarischen, niedertraechtlgen Politik wurde; hat er wirklich nichts, garnichts aus dem Zeitgeschehen gelernt? Es ist Tatsache, unverstaendliche Tatsache, dass in unsern Kreisen beute noch (oder wieder?) eine bemerkenswerte Indolenz in politischen Fragen besteht. Es sollte sich langsam herumgesprochen haben, dass die Politik nicht Sache von Einzelnen sein kann und darf sondern eine Sache Aller sein muss. »«* XV/. - Wir und die Politik Denn Politik ist keine gasartige Masse, die einfach und für uns unschaedlich über uns schwebt, sie ist eine Substanz, die unser innerstes W^sen angeht und formt, die für uns ein verlierendes Gift sein kann, aber auch günstig für unsere Lebensformen sich entwickeln kann. Politik gestaltet unser Leben, siegibt uns gute Tage oder auch schlechte Zeiten. Gewiss, ¡lieber Echo-Freund, ist es einfacher, bequemer, weniger aufregend, sich treiben zu lassen, Klischee- Vorstellungen von politischen Auffassungen zu haben, diese zu verwaessern, und alsdann im Strome eines billigen Optimismus zu schwimmen. W|er sich treiben laesst, wird zum Treibsand. Koennen wir es uns wirklich erlauben, kritiklos den politischen Entwicklungen gegenüber zu stehen, die Entscheidungen sein koennen ueber unser persoenliches Leben und über die Zukunft unserer Kinder? Nein, Nein und Nein!!! Reissen wir uns aus der Bahn des unser Blut versauernden Indolenz- Trott, sehen wir den politischen Dingen klar ins Auge, seien wir nicht bequem und traege! Koerperliche Traegheit ist schlimm( aber weit gefaehrlicher ist die, die originelles Denken abwürgt, die geistige Traegheit, die hirnliche Phlegmatik, die zu allem Ja und Amen sagt. Politik heisst (oder sollte sein) Weltklugheit. Kein geistig aufgeschlossener, verantwortungsbewusster Mensch kann Politik mit Gleichgültigkeit betrachten; politischer Fatalismus ist so ziemlich das Toerichste was es geben kann! Wenn der oben von mir zitierte Leser vorwirft, dass “Das Echo”, sich “um politische Dinge kümmert, die es nichts angehen”, so weise ich diesen Vorwurf;mit kraeftiger Energie zurück. Ich würde m.E. meine publizistische iPflicht straefiich vernachlaessigen, wenn ich “Das Echo” apolitisch leiten oder politische Situationen grundsaetzlich nur mit einer rosenroten Brille betrachten würde. Bedenken Sie, verehrter Leser, dass “Das Echo” kein Gemeindeblatt, sondern ein unabhaenglges Presseorgan mit internationaler Verbreitung ist, welches sich dem Kampf um Wahrheit verschrieben hat. Ich sehe es als wichtigste Aufgabe einer sauberen Zeitung, ihre Leser ehrlich und ungeschminkt zu informieren, sie über politische Zusammenhaenge (soweit dies moeglich) aufzuklaeren, sie aus dem Klima einer politischen Denk-Sterilitaet zu befreien und zu gewissen politischen Konsequenzen zu erziehen. Sie wissen, lieber Leserfreund, dass “Das Echo” nicht immer ein “bequemes Blatt” ist, es raspelt nicht Süsshoiz, wenn bittere Wahrheit gesagt werden muss, ¡es nimmt politische Pflichterfüllung wichtiger ais billige Popuilaritaet. Ich glaube heute mit Sicherheit, dass meine eingeschlagene redaktionelle Linie die richtige war, wenn ich die vielen Briefe lese (und mich darüber freue), die die Echo- Leitartikel hoch bewerten und mir dafür Dank aussprechen, dass “Das Echo” eine sehr konstruktive politische Arbeit in jüdischer Sicht leistet. Politik ist heute nicht nur Sache der Minister und Diplomaten, diese haben Diener des Volkswillens zu sein und die Politik so zu gestalten, wie cs zum Besten tfer Gesamtheit erscheint. Dieser ideal-demokratische Zustand ist leider heute noch “Mangelware”, doch muss dafür gesorgt werden, dass dieser mehr und immer mehr für die internationale Politik richtungsgebend wird. Die freie, unabhaengige Presse hat über die Formen der politischen Ethik zu wachen und in Zeiten politischer Gefahren die Pflicht, Alarmzeichen zu geben die nicht überhoert werden koennen' Lieber, verehrter Echo-Leser; Die Grosse Politik trifft den Kleinen Mann —. darüber seien wir uns klar und versuchen wir, entsprechend zu handeln. Eine Vogöl-Strauss-Politik ist sicher bequem — aber existenzgefaehrlich! Das Bequeme bringt schwere Gefahren! Es gibt genug skrupellose Politiker, die die bürgerliche Bequemlichkeit für ihre Zwecke ausnutzen. Lassen wir uns nicht durch uns freundliche und sympathische Gedankenbilder einlullen, sondern seien wir Realisten, suchen wir den Wahrheitsgehalt in den Worten der grossen Politiker. Und die erfreulichen Ansaetze für eine politische Formung durch den Volkswillen sind heute bereits an vielen Stellen ersichtlich. Das bürgerliche und proletarische Individuum, wird immer mehr zur politischen Kraft. So hat sich in Deutschland kürzlich der (kriegserfahrene) Jahrgang 1922 energisch und erfolgreich geweigert, aufs Neue Soldat zu spielen,, die Faelile von Kriegsdienstverweigerung haeufen sich. In vielen Staedten der Welt fanden eindrucksvolle Demonstrationen gegen den “Atomtod?’, gegen die grauenvolle Nacht des Krieges statt. Freie, unabhaengige, menschheitsfreundliche Maenner der Presse und der Kirche, aber auch Berufspolitiker, haben in Schrift und Wort zur politischen Situation (Stellung genommen, Massen aufgerüttelt und fruchtbaren Boden für eine weitere politische und pazifistische Weiterentwicklung geschaffen. Der MENSCH wird in den Mittelpunkt allen Lebens gestellt - nur so kann eine gute und volksnahe Politik gestaltet werden. Ich bin vom Thema abgeschweift, bleiben wir bei unserm Thema “Juden und Weltpolitik”. Map sagt, die Zeitung sei der Sekundenzeiger des Weltgeschehens; unser “Echo” will wenigstens der Stundenzeiger für we]p0litische Ereignisse sein. Kommentar und Raffung politischer Vorkommnisse fr************************^***************^***.*********. * -* -K * -K * * -K * * * * * * * * * * * * * * -*c -fc und Entwicklungen in den Echoppalfen sollen dem Leser einen “Blick in die Zeit” ermoeglichen. “Das Echo” ist eine jüdisch positiv eingestellte Zeitschrift, die allgemeine Politik vom jüdischen Standpunkt aus untersucht. Der jüdisch-politische Standpunkt kann nur humanitaer und friedliebend sein, gemaess des historischen Fundamentes jüdischen Lebens.. In diesem Sinne legt “Das Echo” seine journalistische Hand an den Puls der Zeit und registriert die Stoesse und Kurven. Ich serviere meinen verehrten Lesern den Kuchen der Weltpolitik und es bleibt jedem Leser überlassen, sji-ch davon ein SiUick in beliebiger Groesse abzuschneiden. Gegen politische Heuchelei, für Frieden und Voelkerverstaendigung müssen alle Menschen guten Sinnes wirken. Denn gegen den breiten, reissenden Strom der Öffentlichen Meinung, kann heute auch der maechtigste Politiker nicht schwimmen. “Das Echo” ist im grossen Presse- Teich ein winziges Fischchen, es ist ein unscheinbares Fischlein unter vielen — aber durch Mut und publizistisches Pflichtgefühl laesst das bolivianische Echo-Fischlein manchesmal Wasserblasen zur Oberfjaeche aufsteigen, die nicht immer unbeachtet bleiben... Jeder kann nur nach seiner Groesse und nach seiner Form wirken. Wichtig allein ist, dass man am Gebaeude der Zeit mit baut, dass man im Interesse seiner Mitmenschen wirkt. Und das, lieber Leserfreund, versucht Ihr “Echo”. So, jetzt habe ich mein Herz von einer Zentnerlast befreit und will hoffen, dass Ihnen, verehrter Freund, dieses Privatissimum über Politik nicht gar zu langweilig war. Ich begrüsse Sie wie stets in freundschaftlicher Verbundenheit als I h r. 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