Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 215 (2.12.1959)
- Date
- 1959-12-02
- Page
- [Seite 6] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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'v»»3irr'.. 6. DAS ECHO 2. Dezember 1959. Der International bekannte jüdische Journalist Josef Fraenkföl ist der Spiritus rector eines in Gründung befindlichen “Weltverband jüdischer Jourtnalisten” (“Wor'd Union of Jewish Joumalists”) ln leinem umfangreichen Artikel der der Presse übersandt wurde, behandelt Fraenkel den kulturellen und poetischen Wert der jüdischen Presse für die jüdischen Gemeinschaften. Wir lassen einen kurzen Auszug aus diesem Artikel folgen. Von dem Wert der jüdischen Presse Von JOSEfc FRAENKEL (London) Die jüdische Presse der Diaspora gehoert zu den wichtigsten Instrumenten zur Erhaltung und Staerkung des jüdischen Volkes. Ihr Einfluss ist überall und sie ist eine geistig» Waffe zum Schutze des Judentums. Es ist schwer zu beweisen, ob es heute mehr Leser von jüdischen Zeitungen, B'esucher von Synagogen oder Mitglieder von jüdischen Organisationen gibt, aber alle drei: Presse, Synagoge und Organisationen, sind Saeulen, um das jüdische Haus zu erhalten, ln Staedten und Doerfern, wo nur gezaehlte Juden leben und wo keine Synagogen und Organisationen sind, ist die jüdische Zeitung oft das •einzige Memento, um sie aus der Isolierung zu befreien. Eine jüdische Familie ohne Synagoge, Presse und Organisationen ist in Gefahr, vom jüdischen Volk abgeschnitten zu werden. Die jüdische Presse vermittelt reügioese, politische, literarische, soziale und wissenschaftliche Nachrichten, orientiert den Leser über die Verhältnisse und Vorgaengie der Diaspora und in Israel, kommentiert die Ereignisse, kaempft für bestimmte Ideale, bekaempft Unwissenheit, wirkt erzieherisch, schafft eine oeffentliche Meinung, wacht für die Interesen der Juden, für die Reinheit und Wahrheit, für die jüdische Solidaritaet und Einheit. In gewisser Hinsicht kann man die Juedische Presse mit einer Volkshochschule vergleichen, wo die bedeutendsten Maenner für die jüdische Gesellschaft engagiert sind. Hier sind die besten Journalisten und Schriftsteller zu finden und Journalisten sind auch - Politiker, Professoren, Dichter, Denker Lehrer und Erzieher. Theodor Herzl schrieb: .tatsaechlich sind die Journalisten die einzigen Juden, die etwas von Politik verstehen”. Waehrend des 2. Zion '.«ten kon gres s (1898), bei einem “Lunch der Journalisten”, definierte er den “Journalisten als einen Mann, der heute schreibt, was morgen die Wlclt denken wird". THEATER IN ISRAEL Israel besitzt vier staendige Sprechbuehnen. Daneben gibt es ein Öpern- und Operettentheater sowie über hundert Amateurgruppen, von denen sich die meisten in landwirtschaftlichen Siedlungen niedergelassen haben und dort auftreten. Die 1918 in Moskau mit der Hilfe von Stanislawsky, dem Begründer des berühmten Moskauer Theaters, gegründete “Habimah” begann ihre Taetigkeit im Wirbel der russischen Revolution, als die Juden noch keinen eignen Staat hatten und sich mit einem “Selbstbestimmungsrecht in kultureller Hinsicht” begnügen mussten. Junge Juden verwirklichen damals ihren Traum, ein hebraeisches Theater zu schaffen, wobei sie in der Benützung der lebendigen hebraeischen Sprache eine enge Verbindung zwischen Zionismus und Dramatik schufen. Jüngste Erfolgsstücke: “Das Tagebuch der Anne Frank”, Millers “Bück von der Brücke”, Goethes “Faust”. Das von den Gewerkschaften protegierte Ohel-Theater entstand in Palaestina im Jahre 1925. Es wurde von dem aus Moskau stammenden Moshe Haievy gegründet, dem es gelang, 30 jugendliche Arbeiter um sich zu grup pieren, die dank ihrer frischen Spielweise in Stadt und Land Begeisterung für die Kunst der Bühne erweckten. Eine Weiterentwicklung des Theaterlebens in Israel bedeutete d i e Gründung des Kammerspieltheaters. Junge Darsteller treten in vorwiegend modernen Stücken auf, die ein reines Hebraeisch ohne fremden Akzent in der typischen Art des Sabra (des im Lande Geborenen) sprechen, weshalb diese Bühne besonders bei der Jugend des Landes Anklang findet. Zu den erfolgreichsten Aufführungen des Kammertheaters gehoeren: “Der gute Mensch von Sezuan’’ von Bert Brecht und “Das Schloss” von Franz Kafka, Ausser diesen Bühnen existiert das Zira-Theater, ein junges Unternehmen, das unter anderem Stücke von Sartre, Beckett und Roussin aufführte. Die Forderung nach Werken israelischer Autoren wurde in neuerer Zeit verstaerkt erhoben und Stücke, die das Leben des Landes aufzeigen oder zu internen Problemen Stellung nehmen, konnten bemerkenswerte Er folge verbuchen. Sowohl die “Habimah” wie das Ohei-Theater erzielen jaehrliche Besucherzahlen von je nahezu einer halben Million. .**.*:**.*************************************************** für den Freitag-Abend nur mit echten ISRAEL- Die Qualitaetsweine für alle familiaeren * Festlichkeiten: * MALAGA / TOKAY / ALICANTE * GLOBUS Ltda. t MERCADO 1326 — LA PAZ Í Im Interior: Alfredo Aschner, Cochabamba + Telefon 2096. -*> Y. & H. Blum, Santa Cruz, Casilla 719. í *************** ***************************************** Wirtschaftspolitischer — geführt werden koennen; die grossen potentiellen Absatzmaerkte liegen nun sozusagen vor der Tür. Der im Entvvicklungsministerium entworfene Plan der Erschliesung des Negev besteht darin,. im Süden zunaechst 100 000 Menschen anzusiedeln. Sie sollen den Kern bilden, um den herum sich weitere Bevoelkerungsgruppen bilden koennen; sobald einmal das wirtschaftliche Leben an einzelnen Schwerpunkten in Gang gekommen ist, werden diese — so kalkuliert man — gleichsam als Magnete wirken. In Eilat und in Beerscheba sind die Umrisse der neuen Siedlungen schon sichtbar, die nur noch aufgefüllt werden müssen, damit sich ein organisches Leben entwickelt. Die Initialzündung geht vom Staat und von der Gewerkschaftsbewegung aus, die sich in die Entwicklungsarbeiten teilen. Bis Ende Maerz 1959 waren im Negev inuustrieanlagen im Wert von 400 Millionen israelischen Pfund entstanden; wenn alle Projekte einmal realisiert und die Verkehrswege nach Eilat votll ausgebaut sein werden, koennte Israel zu einem der wichtigsten Düngemittelexporteure Asiens werden. Klima und Natur sind dem Menschen in des südlichen Steinwüste nicht hold. Aher was bis jetzt dort schon gebaut wurde, zeigt, dass es keine unüberwindlichen klimatischen Hindernisse gibt. Man experimentiert und probt, projektiert und baut; der optimistische Geist friedlicher Expansion herrscht in diesem Gebiet, aus dem man eine neue taetige Provinz schaffen will. Wann der Zeitpunkt kommen wird, da diese Provinz der Krücken entbehren kann, die ihr der Staat und die grossen Wirtschaftskoerperschaften leihen, ist noch nicht zu erkennen, und ebensowenig kann man Voraussagen, wie sich der angestrebte Uebergang zur gemischten Wirtschaft vollziehen wird. Durchbruch liberalen Denkens Bei der Erschliessung des Negev wiederholt sich — mit einigen spezifischen Abweichungen und Verschiebungen — ein Vorgang, der aus den Anfaengen der Mandatzeit bekannt ist. Die Rolle, die bei der Landeserschliessung heute dem Entwickiungsministerium zukommt, spielte damals die Histadrut, die Einheitsgewerkschaft, die die Arbeiter aller Kategorien in sich vereinigt. Die Organisation, die 1920 gegründet worden war, war zunaechst — und ist es heute noch — das groesste Auffangbecken für die Einwanderer. Sie hat sich in den Jahren des Mandats und erst recht nach dem Beginn der Masseneinwanderung zur groessten Massenorganisation des ganzen Landes entwickelt. Heute sind 55 Prozent der ganzen Bevoelkerung in ihr zusammengeschlossen, und ihr Kongress, der in direkten Wahlen gewaehit wird! bildet auf wirtschaftspolitischem und sozialem Gebiet das grosse Gegenstück zürn Parlament. Die Histadrut wuchs aber rasch über ihre ursprüngliche Zielsetzung hinaus, da es galt ,die Neuankoemmlinge nicht nur organisatorisch zu erfassen und zu sammeln, sondern ihnen auch Unterkunft und Arbeit zu verschaffen. So bildeten sich Kooperativen, industrielle Betriebe, d i e Krankenkasse und Organisationen der verschiedensten Art, die in der Wirt- | Schaft Palaestinas eine entscheidende Rolle spielten;ihre Bedeutung hat nach der Gründung Israels nur noch weiter zugenommen. Namentlich der Baukooperative Solei Boneh (“Baljner und Erbauer”) entwickelte sich waehrend des Zweiten Weltkrieges zu einer Mammutorganisation, die bald nicht nur zum groessten Unternehmer in Israel wurde .sondern zu einem eigentlichen Staat im Staat, der seinen eigenen Gesetzen gehorchte und innerhalb der Histadrut ein absolutes Eigenleben führte. ln jüngster Zeit ist die politische Führung der Mapai, die in der Regierung sowie in der Gewerkschaftsbewegung und ihren Betrieben dominiert, zur Zerschlagung dieser Monsterorganisation geschritten: mit Hilfe personeller und organisatorischer Reorganisation loeste der tatkraieftige Generalsekretaer der Histadrut, Lavon, die Solei Boneh auf und zerlegte das Riesengebilde in seine drei Bestandteile der Industriebetriebe, der Bauunternehmungen und des wichtigem Zweigs, der im Ausland Regiearbeiten ausführt. Die drei Unterabteilungen sind zu unabhaengigen Organisationen geworden, über die die Histadrut wieder direkt die Aufsicht führt. Die Reorganisation, die unter dem Stichwort der Dezentralisation vorgenommen wurde, stellt viel mehr als einen blossen organisatorischen Vorgang dar. Die Solei Boneh hesass eine so grosse Machtfülle, dass ihre blosse Existenz zu einem staatspolitischen Problem werden musste. Denn die Heranbildung von monopolitischen Organisationen innerhalb der Wirtschaft Israels entspricht der heutigen gemaessigfen Doktrin der Mapai nicht mehr. Vielmehr setzt sich heute die Regierungspartei für eine Liberalisierung und einen Abbau der Kontrollen, aber auch der Monopole ein, deren Zeit es ist, dort, wo es angeht, das heisst ausserhalb der eigentlichen Entwicklungsgebiete, den Gesetzen der freien Wirtschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Wenn ein zur Mapai gehoerendes Mitglied der Regierung in, einem Gespraech den Ausspruch Bebels: “Ohne Profit raucht kein Kamin'’, zur Erlaeuterung der heute von seiner Partei gesteuerten Wirtschaftspolitik zitiert, dann spricht daraus ein so grosses Mass an privatwirtschaftlichem Denken, dass man gewiss von einer Umbesinnung sprechen kann. Die bewusste Zuwendung der Partei Ben Gurions zu liberalem Wirtschaftsdenken mag durch das Herannahen des Zeitpunktes begünstigt worden sein, da die deutschen Reparationnen aufhoeren werden und Israel diese wichtige Hilfe für die Entwicklung seiner Wirtschaft verlieren wird. Es ist offenkundig, dass bis dahin versucht werden muss, auslaendisehes Kapital an einer Invesfitionstaietigkei in Israel zu interessieren. Doch wenn auch eine solche Nebenabsicht mit im Spiele sein mag, so kündet doch das Herumwerfen des Steuers von einer inneren Entwicklung, die dahin zielt, die maechtigen wirtschafrlichen Organisationen, die sich in Israel bildeten, wieder unter Kontrolle zu bringen. Von einer konsequenten Fortführung dieses Kurses wird es weitgehend abhaengen, oh in Israel jenes Gleichgewicht zwischen staatlicher, gewerkschatlicher und privatwirtschaftlicher Initiative gefunden werden kann, das zur Entwicklung einer ausbal,änderten, gesunden und blühenden Wirtschaft notwendig ist. (“Neue Zürcher Zeitung”). ******************************************************* » Madera MACHIHEMBRADA | * de Mara, Pino y Laurel * f R. H. LEHMAN & CIA., LTDA. i * * * Oficina Central: Cochabamba. Av. Manco Kapac * * Casilla 883. Teléf. 2175. í * * * Oficina La Paz: Armentia 363 (frente Aduana) *- Í Casilla 2839. Teled. 11992 %