Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 215 (2.12.1959)
- Date
- 1959-12-02
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4. “DAS ECHO” 2. Dezember 1959. Der Echo-Redaktion liegt seit einiger Zeit das von David Bin Gurten der israelischen Tageszeitung “Haaretz” gegebene Interview vor, aber musste leider immer wieder wegen Raummangel zurückgesiel'.t werden. Wir bringen heute einen Teil dieser Unterredung, in der sich der führende israelische Staatsmann über die deutsche-israelischen Beziehungen aeussert. BEN GURION UND DIE DEUTSCHEN Fr. age: Haben die Verbrechen, die das deutsche Volk gegen das jüdische Volk in den Jahren 1933-1945 verübt hat, einen Einfluss auf die Art der Beziehungen und der Verbindungen zwischen Israel und Westdeutschland? Ben Gurion: Ich habe über diese Angelegenheit viel und jahrelang nachgedacht und gegrübelt. Ich gehe von zwei Voraussetzungen aus, an deren Richtigkeit ich nicht zweifle; Erstens, man darf die Verbrechen der Nazi nicht vergessen und nicht verzeihen. Für diese Verbrechen ist das ganze deutsche Volk verantwortlich, denn sie wurden nicht nur von einem Mann allein durchgeführt, sondern mit Zustimmung des Volkes. Zweitens, die Sünden der Nazi sind nicht den Deutschen heimzuzahlen. Das waere doch die Rassentheorie — “Ein jeglicher soll um seiner Sünde willen sterben”. Wenn ein deutscher Vater ein Unmensch war, seine Soehne aber anstaendig sind, habe ich nichts gegen die Soehne. Frage: Handelt es sich nicht um die gleiche Generation? Ben GurJon: Nein, das ist nicht die gleiche Generation, das ist eine andere Generation. Die frühere Generation, das war Hitler, die junge Generation ist eine andere Generation. Das deutsche Volk ist verantwortlich für das, was seine Regierung waehrend der Hitlerzeit getan hat. Ich halte die Leute in Ostdeutschland für Übeltaeter, denn sie fühlen keine Verantwortung für die begangenen Untaten, aber das Volk in Westdeutschland hat diese Verantwortung anerkannt, sogar diejenigen in ihm, die nicht daran beteiligt waren- Muss ich mich denn einem Deutschen gegenüber, der kein Nazi war^so verhalten, wie ich mich einem Nazi gegenüber verhalte? Das waere ja Hitlers Rassentheorie. Frage: Ist das nicht eine biologische Frage? Ben Guriom: Nein, diejenigen, die jetzt in Deutschland regieren, sind nicht dieselben, die waehrend der Nazi-Zeit regierten. Frage: Ist es das gleiche Volk oder ist es nicht das gleiche Volk? Ben Gar.'on: Das deutsche Volk ist das gleiche Volk geblieben, aber es ist nicht die gleiche Regierungsform. Ich muss nicht einen jungen Deutschen i hassen, weil sein Vater ein Nazi war. Ich hasse ihn nicht. Ich hege keinen Hass j gegenüber dem deutschen Volk. Ich hasse den Nationalsozialismus. Das deutj sehe Volk ist wie jedes andere Volk. i THEMA: ANTISEMITISMUS Ein Israel-Abend auf dem Münchner Kirchentag DK MÜNCHEN. — Auf dem 9. Evangelischen Kirchentag, der in München abgehalten wurde, war ein Abend dem Verhaeltnis von Juden und Christen gewidmet. Dabei sprachen der Goettinger Universitaetsprofessor Dr, Walter Zimmerli über das Thema “Wir Christen und die Juden” und Professor Dr. Helmut Gollwitzer von der Freien Universitaet Berliln über das Thema “Wir Deutschen und die Juden”. ___ ^..^..,^.«1 uiiMVI liw|» 11IUC90 ten. Aus der von Hitler geplante: “Endloesung der Judenfrage” sei ei) neuer verheisssungsvoller Anfang ge worden, wie man ihn nach dem furcht baren Aderlass der nationalsozialisti sehen Blutherrschaft für unmoeglic! behalten haette mach 2000jaehrigei Unterdrückung haette sich das ausgeblutete jüdische Volk wieder einer eigenen Staat geschaffen. “Was haben wir Christen mit diesen Juden zu tun?”, fragte der Redner. “Das Buch, das die Juden zu dem gemacht hat, was sie sind, bildet auch die Grundlage unserer christlichen Religion. Ohne Altes Testament ist das Neue Testament undenkbar. Wir, die Christen, hoeren auf dasselbe goettliche Wort wie die Juden und sind daher mit ihnen untrennbar verbunden. Sie sind unsere Brüder”, ANSTOSS UND ANSPORN Gollwitzer erklaerte, dass es heute i keine “judenfrage” mehr gebe, sondern eine (‘Christenfrage”. Gewiss seien die Juden im Vertaufe ihres 2 OCX) jaehrigen Exils auch in heidnischen und mohammedanischen Laendern verfolgt worden, nirgends aber sein ihnen so Furchtbares widerfahren wie im christlichen Abendland. Ausdrücklich rückte der Redner von Martin Luther ab, der in seinen spaeteren Jahren viel Falsches und Ungerechtes über die Juden gesagt habe. Die Folgen dieses Verhaltens haetten wir leij der noch heute zu spüren: ohne Zweifel (habe ¡der Rassen-Antisemitismus seinen Ursprung im religioesen Antisemitismus. Manche evangelischen Christen empfaneden leinen fWlderwillen, wenn dieses Thema angeschnitten werde und man ihnen zumute, Reue zu zeigen für das was den Juden in der Zeit der Nazi-Herrrschaft in Deutschland zugefügt worden sei. Wie Zimmerli weis auch Gollwitzer darauf hin, dass ein christlicher Antisemitismus ein Widerspruch in sich sei. Dass es auch in anderen Laendern Antisemitismus gebe, sei keine Entschuldigung. Diese Tatsache müsse im Gegenteil Anstoss und Ansporn sein, dieses Geschwür nur noch umso entschlossener zu be- Itaempfen. In eindringlichen Worten rief Gollwitzer seine Zuhoerer zu taetiger Hilfe für die alten und kranken jüdischen | Mitbürger auf. H. L. Wenn Du zurückblickst.. Frage: Müssen wir uns ihm gegenüber verhalten wie gegenüber jedem anderen Volk? Ben Gurion: Wir müssen seine Freundschaft genau so gewinnen, wie wir die Freundschaft eines anderen Volkes gewinnen müssen, denn das ist für uns (notwendig. Frage: Sind Sie dafür, dass israelische Studenten in Deutschland studieren? Ben Gurion: Nein. Obwohl man darin einen gewissen Widerspruch sehen koennte, aber ich bin nicht dafür. Ein Student kann in Frankreich oder England studieren, andererseits freilich sehe ich im Studium eines Israeli in Deutschland kein moralisches Vergehen. Frage: Sind Sie dafür, dass die deutsche Sprache an israelischen Schuten unterrichtet wird? J3en Guri.onf Nein, denn dafür besteht keine Notwnedigkeit. Heute ist Englisch die internationale Sprache. Frag«: Sind Sie dafür, dass Reisen deutscher Touristen nach Israel gefoerdert werden sollen? Ben Gurion: Ja, unbedingt. Ich moechte nur verhindern, dass mit den Besuchern Rowdies zu uns kommen. Aber ich bin unbedingt für Touristik. In meinen Augen ist das deutsche VoOk ein Volk wie alle anderen Voelker. Frage: W/iirden Sie nach Deutschland fahren? Ben Gurion: Wenn eine politische Notwendigkeit dazu bestünde, würde ich fahren. Aber ohne Grund moechte ich nicht nach Deutschland fahren. Ich kann ja auch woandershin fahren. Aber Beziehungen zum deutschen Volk wie zu jedem anderen Volk — ja. Frage: Was sagen Sie zu den Waffenlieferungen? Sehen Sie darin eine nützliche Transaktion? Ben Gurio.i: Ich bin sogar stolz darauf. Ich sehe darin eine Rache an den Nazis, ich wünsche, dass der Unmensch in seinem Grabe sehen koennte, dass Deutsche in Israel Waffen kaufen. Er würde sich in seinem Grabe umdrehen. ARGENTINIEN — Diese Entwicklung ist für die interne Stabilisierung nur von sekundaerer Bedeutung. Die Preis-Lohn- Spirale, die sehr stark von politischen Faktoren beeinflusst wird, ist nach wie vor der Ausgangspunkt einer echten Stabilisierung. Wenn auch die Streiks der Arbeiter keinen vollen Erfolg hatten, so rechnet man doch mit einer Lohnerhoehung von fünfundzwanzig Prozent. Diese Erhoehungen stehen in keinen Verhaeltnis zu det Steigerung der Lebenshaltungskosten um fünfunsiebzig Prozent im ersten Halbjahr 19 5 9 gegenüber zwoelf Prozent im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wobei die Preise weiter anziehen. Die Eisenbahnen kündigen Tariferhoehungen von 35 bis 50 % an, wodurch die Gestehungskosten der Waren und als Folge die Preise weiter anschwellen. D i e sozialen Spannungen dürften sich dadurch nicht verringern, den Markt beunruhigen und durch Streiks und .Produktionsausfall den Fortschritten bei der Stabilisierung entgegenstehen. Inden letzten Tagen ist ein Zufluss von Finanzkapital an der Boerse von Buenos Aires zu verzeichnen, der hauptsaechlich aus Deutschland kommen soll. Der schweizer Boshafter .hat zu gleicher Zeit auf einem Essen der argentinisch-schweizer Handelskammer in einer beachtenswerter Rede darauf hingewiesen, dass schweizer Kapital schwer erarbeitetes Sparkapital sei, das bei Investitionen vor allem auf Sicherheit bedacht sei. In der fetzten Zeit haben politische! Kreise, insbesondere einige Gouverneure einige Massnahmen ergriffen, die diese Sicherheit zweifelhaft erscheinen lassen. Die Regierung bemüht sich nun, diese Sicherheiten •nachzuweisen. Diesem Zwecke diente die Reise der argentiniechen Finanzsachverstaendigen nach den Vereinigten Staaten. Ob jedoch die politischen Kreise die auf die Ergaenzungswahlen im Maerz Rücksicht nehmen, die guten Vorsaetze der Wirtschaftssachverstaendigen unterstützen, bleibt eine offene Frage. EdwMi Halle (Buenos Aires). Wenn Du zurückblickst, blickst Du in die Nacht, Versuche nicht das Dunkel zu ergründen, Ein Schleier fiel — wer kann die Deutung finden —? Wenn die Erinnerung in Dir erwacht, Wird sie wie Ketten Dich an früher binden... Wenn Du zurückblickst in den Strom der Zeit Siehst Du die Stunden, die Dir kalt entglitten, Du schwammst im Strom und Du hast mitgelitten, Kurz ist das Leben, doch der Raum ist weit — Endloser Kampf, der niemals ausgestritten... Wenn Du zurückblickst, bist Du ploetzlich blind, Denn aus dem Wesenlosen scheinen sie zu steigen, Geliebte Schatten, die sich zu Dir neigen. Und die ein Stück von Deinem Herzen sind — Wie hilflos stehst Du da in diesem dunklen Reigen... Wenn Du zurückblickst, wirst Du alt vor Leid — Was Du heut’ bist und was Du einst gewesen, Versuchts Du zitternd in dem Buch zu lesen, Dem .grossen Buch der mitleidtosen Zeit, Vergilbte Blaetter, die verdorrt, verwesen... Wenn Du zurückblickst, bist Du reich wie nie, Irrtum und Not, die Qual der letzten Tiefen Und all’ die Treume, die umsonst Dich riefen, Sind nur >die Noten einer Symphonie, Die unvergessen in den Herzen schliefen... Kurt Kaiser-Blüth. 'JeMÜMl WENN REISEN- DANN DURCH EXPRINTER u*.*r*;m « IHRE PASSAGEN fuer Flugzeug, Schiff oder Eisenbahn IHRE HOTEL - RESERVIERUNGEN besorgt Ihnen schenellstens, zuverlaessig und preisguenstig SERVICIO MUNOIAt Ol VIAJES ' EXPRINTER LA PAZ Av. Camacho (Edif. Yugoeslavo) Telef. 2560 u. 9265 yy-y TTTTV V y o y ^»Trww»---