Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 215 (2.12.1959)
- Date
- 1959-12-02
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Dezember 1959. DAS ECHO Wirtschattspolitischer Strukturwandel in Israel Die Wirtschaft Israels steht noch mer im Zeichen der Expansion. Noch nie seit der Gündung des Staates ist ein Stillstand oder eine Verzoegerung im Wachstumsprozess eingetreten. Wohin man schaut, veraendert sich das Land unter den Haenden seiner Bewohner, ln den Staedten ist das dynamische Arbeitstempo ebenso zu spüren wie auf dem Land, im gut bewaesserten Norden ebenso wie in den ausgedoerrten Steppen- und Wüstengebieten des Südens. Anhaltende Einwanderung Das Andauern der Einwanderung bildet den einen — nicht den einzigen — Motor dieser nicht erlahmenden wirtschaftlichen Aktivataet. Zwar ist heute die Bevoelkerungszunahme — absolut und relativ — kleiner als nach dem zweiten Weltkrieg und nach der Gründung des Staates, als die riesigen Voelberstroeme ins Land hineinbrandeten, die ihren eigenen Staat bauen wollten und bauten. Aber in den Jahren 1956 und 1957 sind immerhin 100000 Einwanderer angekommen, für die Wohnungen und Arbeitsplaetze geschaffen werden mussten. Allein in den sechs Sommermonaten des letzten Jahres wurden 21000 Wohnungseinheiten errichtet— 6700 mehr, als im Jahre 1956 gebaut worden waren. Die. Aufrechterhaltung einer starken Einwanderung bleibt das Hauptziel der israelischen Bevoelkerungspolitik. Man fragt nicht nach den Absorptionsmoeglichkeiten der Wirtschaft, sondern passt den Wirtschaftsapparat den Bedürfnissen der demographischen Entwicklung an. Jeder Jude, der nach Israel kommt, wird aufgenommen; und für jeden will man einen Arbeitsplatz bereithalten oder schaffen. Dieses Ziel ist nur zu erreichen mit Hilfe einer gleichzeitigen Intensivierung der Wirtschaft. Die Investitionen in der Landwirtschaft, das Vorantreiben der k ü n s tl i chen Bewaesserung, die Entwicklung der Industrie, der Ausbau des Strassennetzes und des Verkehrs, der Bau von Anlagen zur Ausbeutung der Naturschaetze des Landes und die Ausgaben für den staatlichen Wohnungsbau betrugen 1957 insgesamt 840 Millionen israelische Pfund, was rund einem Drittel' des Bruttosozialproduktes entspricht; dieses war um 20 Prozent hoeher als im Vorjahr. Wettlauf mit der Zeit Die Belastung der Volkswirtschaft durch die Einwanderung spielgelt sich am deutlichsten in der negativen Handelsbilanz. Waehrend das Budget auf dem Papier ausgeglichen erscheint, betrug das Defizit der Handelsbilanz im letzten Jahr rund 300 Millionen Dollar. Es konnte ausbalanciert werden, weil neben den namentlich aus den Vereinigten Staaten hereinstroemenden Mitteln die von Bonn ausgerichteten Reparationsleistungen und individuellen Entschaedigungen an die Opfer des Hitler-Regimes mehr als ein Dritte1! dieser Dollarlücke stopften; der Aufbau der israelischen Industrie und die rege Bautaetigkeit in den Staedten beruhen zum Teil aufden Summen, mit denen die Deutsche Bundesrepublik die Verbrechen der Hitler-Zeit zühnt. Die befruchtende Wirkung der Reparationszahlungen auf die Wirtschaft ist allenthalben spürbar, und laengst sind die Rufe der Fanatiker verstummt die sich anfaenglich gegen jede Annahme deuscher Abfindungen zur Wehr setzten. Doch die Reparationsleistungne werden 1962/63 zu Ende gehen. Bis dahin muss die isradlische Wirtschaft so kraeftig geworden sein, dass sie auf eigenen Beinen stehen kann. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Das Ziel besteht in einer Intensivierung der Wirtschaft, die befaehigt werden soll, in den gegenwaertigen geographischen Grenzen des Landes nicht nur den steigenden Bevoelkerungsdruck auszuhalten, sondern auch den Anschluss an die grossen Wirtschaftszusammenschlüsse der freien Welt zu finden. Das heisst, dass der Produktionsapparat bis zum Jahr 1962 so ausgebaut sein muss, dass er den Wegfall der Reparationen auszugleichen vermag. Gleichzeitig muss aber auch iene leistungsfaehige Exportindustrie geschaffen werden, die faehig ist, das Defizit der Handelsbilanz zu decken Die Kanalisation der Investitionen erlangt damit hoechste Bedeutung. Die zur Verfügung stehenden Mittel müssen so verwendet werden, dass die israelische Wirtschaft moeglichst rasch selbsttragend wird. Woechentlich einmal versammelt sich der wirtschaftpalitische Brain Trust der Regierung, der aus acht Ministern und dem Gouverneur der Zentralbank besteht, um die Aktivitaet in den verschiedenen Zweigen der Wirtschaft aufeinander abzustimmen. Die Planung selbst liegt in den Haenden der Zentralbank, die mit Hilfe einer überaus strikt gehandhabten Kreditlenkung dafür sorgt, dass das Entwicklungs Programm ohne inflationaere Erscheinungen in der vorgesehenen Zeit erfüllt werden kann: die Aufrechterhaltung einer moeglichst grossen Einwanderungsquote und der Aufbau einer tragfaehigen Exportindustrie unter Vermeidung einer zügellosen Inflation sind Ziele, die nur eine folgerichtig durchgeführte und energisch gehandhabte Kreditpolitik sowie eine Hand in Hand damit gehende zurückhaltende Lohnpolitik zu erreichen vermoegen. Dass die auf der aeussersten Linken der Regierungskoalition postierte Mapam gegen beide — die restriktive Kreditwie die konsequente Lohnpolitik — opponiert, beweist hoechstens die Richtigkeit der vom Gouverneur der Notenbank und von der Regierung gehandhabten Planung, die nichts mit der Ideologie der an starren marxistischen Dogmen festhaltenden Mapam gemein hat, sondern sich in erster Linie bemüht, die Waehrungs front gegenüber dem gewaltigen Druck zu verteidigen, den die Finanzierung der Neueinwanderung, der Verteidigung und der Wirtschaftexpansion auf sie ausübt. Kolonisierung des Negev Wie gross dieser Druck ist, zeigt das Beispiel der Erschliessung des Negev, dem bei der Absorption der Neueinwanderer eine zentrale Stellung eingeraeunit wird. Im Steppen- und Wüstengebiet südlich von Beerscheba liegt nach den Vorstellungen der Planer im Entwicklungsministerium die Zukunft des Landes. Es ist mit zehn Millionen Quadratkilometern ebenso gross wie die fruchtbare und schon weitgehend erschlossene noerdliche Haelfte Israels, beherbergt aber bisher erst ein Prozent der Gesamtbevoeükerung. Vom Volumen der Wasserzufuhr haengt es ab, wie weit die Steppe agrarisch erschlossen werden kann, und Bau sowie Planung neuer Wasserleitungen schreiten denn auch voran. Der Negev birgt vor allem riesige Phosphat- und Pottasschvorkommen, die die Grundlage für eine Kunstdüngerproduktion in grossem Massstab und für die Entwicklung chemischer Industrien abgeben koennen; daneben finden sich dort hochwertiges Rohmaterial für die Herstellung von Chamotts sowie Kupfererze, die z. T. schon jetzt verarbeitet werden. Die im Negev liegenden Bodenschaetze haben an Bedeutung gewonnen, da sie — seit der Oeffnung des Golfs von Akaba — nicht mehr auf dem weiten Umweg über das Mittelmeer, sondern auf direktem Weg nach Afrika und Asien (Fortsetzung Seite 6). Argentinien wirbt um Vertrauen Der argentinische Wirtschaftsminister Ingenieur Alsogaray hatte in den Vereinigten Staaten Besprechungen mit internationalen u n d nordamerikanischen Finanz— und Regierungskreisen, unter anderem .auch mit dem Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Professor Erhardt und dem Frankreichs, Pinay. Von letzteren erbat er sich neue langfristige Kredite des Pariser Klubs zuzüglich der schon bestehenden. Ingenieur Alsogaray setzte den Sachverstaendigen den argentinischen Stabilisierungs- und Entwicklungsplan auseinander. Nach Melldungen aus den Vereinigten Staaten sollen die angesprcchenen Kreditgeber von einem ersten Erfolg der Massnahmen überzeugt sein. Der sogenannte Stabilisierungs— und Entwicklungsplan ist vornehmlich ein interner Plan. Er beruht auf dem Gedanken, Ordnung der argentinischen Wirtschaft zu schaffen. Ordnung heist: Stabilisierung der W.aehrungvornehmlich Einschraenkung der Geldemission und Foerderung der Spartaetigkeit —, heisst Marktwirtschaft, Verringerung der Staatslast, Korrektur des Missverhaeltnisses zwischen Staatsbetrieben und Privatwirtschaft und Entwicklung innerhalb der finanziellen Moeglichkeiten. Es geht also zunaechst um rein interne Fragen, die weder mit den Vereinigten Staaten noch mit dem Waehrungsfonds etwas zu tun haben, sondern nur mit der Faehigkeit der Regierung, dieses Ordnungsprinzip auf der ganzen Linie durchzusetzen. Diesen Gedanken muss man sich vor Augen halten, um den Wert der Besprechungen Alsogarays und seiner Finanzsachverstaendigen in den Vereinigten Staaten .abzuwaegen. +****+***+****+*++**++++++++++¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥*■ Î * * + * _ * gehoert in unsere naechste Ausgabe: § CHANUKKA - DAS FEST DES SCHENKENS I ¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥c Führer durch leistungsfaehige Einkaufsstaetten in La Paz * * Anzeigen-Annahme: “Tiahuanacu” (Leo Ranis) gegenüber Post, $ ’ * Echo-Büro, Yungas 534 oder durch Casilla 2217 * * ¥ ¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥ ¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥ Die starke kurz— und mittelfristige Verschuldung Argentiniens bringt es mit sich, dass die Zahlungsbilanz der naechsten Jahre durch Schuldenrückzahlungen stark belastet ist. Nach den jüngsten offiziellen Zahlen belaufen sich die Rückzahlungen von Schulden und die Zinsendienste 1960 und 1961 auf beinahe dreihundert Millionen Dollar für jedes J.ahr. W'ehl ist die Petroleumproduktion stark im Ansteigen begriffen. Aber die finanzielle Ausbeutung ist infolge der erhoehten Anlaufkosten noch nichtbedeutend. Die Entlastung der Zahlungsbilanz durch die Petroieumgewinnung faellt in den naechsten Jahren noch nicht ins Gewicht, zumal durch erhoehtem Bedarf bei der Industrieausweitung und Zunahme des Verkehrs und Transportes noch weiter Petroleum importiert werden muss. Dem Wirtschaftsteam gelang es, durch starke Import— und Kreditrestriktion die Devisenkurse eine geraume Zeit stabil zu halten. Diese Unveraenderlichkeit der Devisenkurse als Stabilisierung der argentinischen Wirtschaft anzusehen, ist verfehlt Denn dieser stabile Kurs ist die Folge der Tatsache, dass bestimmte Wirtschaftszweige mit einer Kapazitaetsausnutzung von nur i fünfzig Prozent arbeiten und weeen der Streiks still liegen. Um die Wirtschaft anzukurbeln, wird die Regierung gezwungen sein, die Kreditmarge zu erweitern, was schon wieder erhoehte Importe bedeutet. Es ist kaum anzunehmen, dass die Produktionseinschraenkung, die sich aus der gegenwaertigen Lage ergibt, lange di? FxÍoÍp erha,ten wird- Da zudem die Exporteure zum augenblicklichen Devisenkurs nicht exportieren, so kann man den Schluss ziehen, dass tä:,r'Heííi"1"’des Jahres »«i« (Fortsetzung Seite 4).