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Das Echo · 1959-10-15 · 212 (15.10.1959) · p. [Seite 4]

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Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
212 (15.10.1959)
Date
1959-10-15
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German
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15. Oktober 1959. “DAS ECHO“ 4. JUDENTUM IN DEUTSCHLAND Am 27. September 1959 beging die Jüdische Gemeinde zu Berlin in einem Festakt die Weihe des neuerrichteten Gemeindehauses in ' der Fasanenstrassle. Am 9. November 1938 war dieses bedeutendste Bauwerk des religioesen Judentums in Berlin vom nationalsozialistischen ' Mob zerstoert worden. Am 26. August 1912 wurde diese Synagoge j in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II, i eingeweiht und ihrer Bestimmung ' übergeben, Anlaessfich der Weihe des neu in Gemeindehauses hielt der | Bundesmtnister für gesamtdeutsche Fragen, Emst L em m e r, folgende Ansprache: Es ist mir mehr als die Erfüllung einer repraesentativen Pflicht, wenn ich heute als Mitglied der Bundesregierung der Verbundenheit zu unseren Mitbrüdern jüdischen Glaubens Ausdruck gebe. An diesem Weiheakt der Neuerrichtung eines jüdischen Gemeindehauses an der Stelle, an der einst die groesste und schoenste Synagoge des deutschen Judentums stand, teilzunehmen, ist mir eine Ehre und Freude, wenn auch nicht ohne Wehmut. Um das Geschehen dieser Stunde zu würdigen, lassen Sie mich mit innerer Bewegung einen Blick auf die Geschichte richten. Als 1743 Moses Mendelssohn, der spaeter ein bedeutender Vertreter der deutschen Philosophie werden sollte, als vierzehnjaehriger armer Junge von Dessau nach Berlin kam, musste er noch um die halbe Stadt wandern, um durch das einzige Tor für nichtprivilegierte Juden eingelassen zu werden. Wenige Jahre spaeter rühmte Herder ihn als'jenen “philosophischen Schriftsteller, der die Weltweisheit mit der Schoenheit des Stils vermaehlt”. Dieser Vorgang ist in bestimmtem Sinne typisch für die deutsch-jüdische Geschichte. Mehr als 1600 Jahre ist die Existenz jüdischer Gemeinden auf deutschem Gebiet nachweisbar, und mit Sicherheit hat das Judentum von Anbeginn dessen, was wir deutsche Geschichte nennen, eine bedeutende Polle in den grossen deutschen Staedten gespielt. ' Lassen Sie mich mit einigen Namen — und sei es auch nur aeusserst lückenhaft — das so riihrend-bewunderswerte Bemühen der jüdischen Geistigkeit belegen, sich mit dem wahren Deutschland, ihrer eigentlichen Heimat, zu identifizieren. Führt nicht eine, wenn auch durch die Schuld intoleranter Jahrhunderte vielfach unterbrochene Linie von dem Minnesaenger Süsskind von Trimborn des 13. JB1B 3B m 1BI» „ o BENIMM DICH! von ALFRED KERR Trink bei Tisch die Fingerschale nicht zu hastig aus — und lass die Zitrone drin. Fasse Lachsbroetchen bei Tees nicht seitlich an, sondern mit Zeigefinger und Mittelfinger von oben. Schüttle dann einer Dame die Hand, Ziehe bei Tisch einen Zahnstocher heraus und entferne mit Ruhe, was dich stoert. Nur im Notfale nimm ein Streichholz. Von herumgereichten Weissbroetchen nimm eins, knacke es mit den Fingern und waehle dann lieber ein anderes. Gib dem Tischgespraech eine persoenliche Note. Sprich von deinem eingewachsenen Fussnagel. Oder von der Strassenbahnlinie “16” mit dem Umsteiger. Dass du ein Auto hast, erwaehne nur indirekt. (“Unser armer Chauffeur friert gewiss”). Iss die Suppe so, dass du die Worte deiner Nachbarin immer noch hoerst. I Jahrhunderts zu Moses Mendelssohn, | dessen Enkel Felix, zu Heinrich Heine, j Max Liebermann, Gustav Mahler, zu j Karl Wolfskehl, Max Reinhardt und | Albert Einstein. 'Moses Mendelssohn war mit Lessing befreundet, Kant nannte ihn “den wichtigsten Mann”. Seine Tochter wurde die Frau Friedrich Schlegels. Goethe rühmte Rahel Levin, die Frau Varnhagen von Enses, als eine der ersten, die ihm bei seinem Berliner Aufenthalt das Gefühl einer Resonanz gegeben habe. Die deutsche Klassik war es, in der die deutschen Juden auch vor ihrer Emanzipation zu Beginn des 19. Jahrhunderts ja sagten zu ihrer Heimat, dem wahren Deutschland, dem Deutschland der Dichter und Denker. Jener geistesgeschichtliche Prozess, in dem sich Deutschland sozusagen selbst entdeckte und dann seine Emanzipation in Europa erreichte, begeisterte das deutsche Judentum; die Juden bestaetigten im wahren, warmen Teilnehmen an den Geschicken dieses Volkes diese ihre im tiefsten Sinne vaterlaendische Entscheidung. Sie nahmen teil, indem sie ihren Teil dazugaben. Denken wir an den Philosophen Hermann Cohen, an Sigmund Freud, an Alfred Kerrr, Bruno Walter, Otto Klemperer — unmoeglich, an Vollstaendigkeit zu denken —, an die Verleger Bondi, Cassirer und Fischer, an Sonnemann, Mosse und Ullstein. Es waere falsch, die Assimilation als den einzigen Weg deutsch-jüdischen Miteinanders zu sehen. Die deutschen Begründer des Zionismus belehren uns eines anderen: Hermann Cohen, Franz Rosenzweig, Leo Baeck. Von Rosenzweig, der doch in das religioese Judentum heimkehrte, stammt das Wort: “Sollte man mich zwingen wollen, mein Deutschtum von meinem Judentum zu trennen, so würde ich diese Operation nicht lebend überstehen”. Wie entsetzlich hebt sich auf diesem Hintergrund das Ende der deutsch-jüdischen Geschichte ab. Es ist nie anders denn als barbarisch charakterisiert worden, Liebe mit Hass zu vergelten. Hier war es nicht nur Hass, es war systematische, kalte Vernichtung — das Wort stockt im Munde. Hat die deutsch-jüdische Geschichte nun wirklich ihr Ende gefunden? Das ist die Frage, die wir mit innerer Bedrückung heute zu stellen haben. Ein Hoffnungsschimmer ist die Rückkehr zahlreicher Juden nach Deutschland. Ich sage zahlreicher, denn angesichts der Verbrechen Hitler-Deutschlands an den Juden ist die Rückkehr einiger Tausend Juden — nun, fast ein Wunder. Bleibt mir noch die eine Frage: Ist denn ein neuer Anfang deutsch-jüdischer Geschichte wünschenswert oder 1 notwendig? Ich moechte die Rückkher von Juden nach Deutschland als Ausdruck eines überaus mutigen, wenn auch zaghaften Glaubens dafür ansehen, dass Hitler das wahre Deutschland nicht hat ganz zerstoeren koennen. Und in dieser Hoffnung ,in diesem Glauben, in dieser zaghaften Zuversicht liegt für uns Deutsche eine Ermutigung, derer wir dringend bedürfen. Wir bedürfen der Anwesenheit der Juden, der Zusammenarbeit mit ihnen, um unsere jüngste Vergangenheit wirklich zu überwinden und zu bewaeltigen. Ohne die Juden waechst die Gefahr, unsere Vergangenheit zu einem Komplex zu verdraengen. Wir dürfen niclu, vergessen, und wie sollten die i Jud£n vergessen koennen, wenn wir i uns nicht erinnern wollen? Aber be-! steht nicht die latente Gefahr, dass wir uns nicht zu erinnern brauchen, weil zu wenig Juden unter uns sind? Indem wir uns der unvergesslichen Opfer eines von Unmenschlichkeit gepraegten Abschnitts der wechselvollen Geschichte unseres deutschen Volkes erinnern, darf ich in dieser Stunde versichern, class die deutsche Bundesregierung von ganzer Entschlossenheit erfüllt ist, alles zu tun und nichts zu unterlassen, um einen Rückfall in die Barbarei in unserem Lande unmoeglich zu machen. Ausschneiden! Aufheben! 19 5 9 Rasch Hase hon crh 3. und 4. Oktober Fasten Gedaljah 5. Oktober Jaum Kippur 12. Oktober Suklcaus 17. und 18. Oktober Sukkaus Ch. Chaumaued 19. bis 22. Oktober Hauschanoh Rabboh 23. Oktober Scheminin Azores 24. Oktober Simchas T hauroh 25. Oktober Chanukah 25. Dez. bis 2, Jan, 19 6 0 Tag der Baeume 13. Februar Fasten Esther 10. Maerz / Purim 13. Maerz Pessach 12. und 13. April Pessach Ch. H. 14. bis 17. April Pessach Schluss 18. und 19. April Jaum Haatzmauth 2. Mai Schewuaus 1, und 2. Juni Fasttag 17. Tamus 12. Juli Jahrzeit Herzl 16. Juli Fasttag Tischa Beav 2. August Ch. Os er Beav 8. August Erew Rausch Haschanah 5721 21. September DAS ECHO für SIE- SIE für DAS ECHO! DAS ECHO Das Blatt des positiven Judentums! Ihr Begleiter auch im Jüdischen Jahr 5720!

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