Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 212 (15.10.1959)
- Date
- 1959-10-15
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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15. Oktober 1959. DAS ECHO 3. Wirtschaftsprobleme Die Wirtschaft Israels befindet sich seit der Gründung des Staates im Jahre 1948 in staendiger Expansion. Diese rasche Erhoehung der Produktion ist dringend notwendig. Denn sie allein erlaubt die schnelle Zunahme der Bevoelkerung, von der sie ihrerseits einen starken Antrieb erhaelt. Einige Zahlen über die Bevoelkerungsentwicklung lassen ahnen, vor weichen Aufgaben Israel auch heute noch steht. Gegenwaertig hat es etwa 2 Mili. Einwohner, darunter 1,8 Mili, luden. Davon ist rund eine Million seit 1948 zugewandert. Dieser Strom ist zwar in den ersten Jahren nach der Gründung besonders stark geflossen, aber man schaetzt trotzdem, dass die Bevoelkerung in etwa zehn Jahren um eine weitere Million gewachsen sein wird. Diese Entwicklung ist in Israel durchaus erwünscht. Denn sie entspricht ebenso dem Wunsch nach einer jüdischen Nation wie dem Verteidigungsbedürfnis gegenüber der arabischen Umwellt. Welche wirtschaftlichen Anstrengungen es kostet, einen grossen Bevoelkerungszustrom in die Wirtschaft einzugliedern, haben wir in Deutschland erfahren. Die Aufgaben müssen noch groesser sein, wenn das Land in das relativ weit mehr Menschen zuwandern, noch gar keine entwickelte Wirtschaft hat. Israel steht seit seiner Gründung vor den typischen Schwierigkeiten unterentwickelter Laender, alle Zweige der Wirtschaft gleichzeitig aufbauen zu müssen. Erleichtert wird das aber — und darin liegt ein Vorteil gegenüber anderen Staaten mit aehnlichen Aufgaben — dadurch, dass die Bevoelkerung bereits zum grossen Teil einen hohen kulturellen und technischen Standard mitgebracht hat. So kann das Land heute schon Techniker in befreundete junge Staaten Afrikas und Asiens entsenden. Waren die Voraussetzungen für die Expansion von der Seite der Arbeit günstig, so konnte das notwendige Kapital keineswegs im Inland gebildet werden. Arme Laender koennen nicht rund ein Drittel ihres Sozialprodukts sparen und investieren, wie das in Israel geschieht, ohne dass ihnen von aussen geholfen wird. Israel war aber in der Lage, auf hohe Kapitalimporte zurückgreifen zu koennen. Sie betrugen bis Ende 1958 insgesamt 5,76 Mrd. israelische Pfund (bei einem Kurs von 2,33 DM für ein Pfund rund 13,4 Mrd. DM). Das ist ungefaehr doppelt soviel wie das Sozialprodukt des letzten Jahres. Der Kapital-Import stammt in erster Linie aus den USA und aus den deutschen Wiedergutmachungsleistungen. Das 1952 abgeschlossen Abkommen sieht deutsche Leistungen in Hoehe von knapp 3,5 Mrd. DM vor; davon wurde Israel bis jetzt etwa die Haelfe zur Verfügung gestellt. Die Auslandshilfe erlaube es, aus dem Budget bisher 1,3 Mrd. isr. Pfund der Landwirtschaft und fast den gleichen Betrag der Industrie einschliesslich Energieerzeugung zuzuweisen; 1,5 Mrd. wurden für den Wohnungsbau ausgegeben und 700 Mili, für den Ausbau des Verkehrswesens. Eine grosse zusaetzliche Belastung der Wirtschaft sind aber die hohen Kosten der Verteidigung. Das Land fühlt sich staendig bedroht und muss deshalb grosse Rüstungsanstrengungen auf sich nehmen. Nach Angaben, die vor kurzem Finanzminister Levi Eschkol machte, wurden bisher 2,5 Mrd. isr. Pfund für militaerische Zwecke ausgegeben. Die relative Groesse dieses Betrages erkennt man am Vergleich mit den Ausgaben für die wirtschaftliche Entwicklung. Die Handelsbilanz spiegelt die Anspannung aller Hilfskraefte wider. Immerhin werden in diesem Jahr schon etwa 45 Prozent der Importe durch Devisenerloese aus Exporten gedeckt werden. Vor acht Jahren betrug der Satz nur 12 Prozent. Der Export ist eine Lebensfrage für Israel; seiner weiteren Steigerung müssen grosse Anstrengungen gelten, zumal die deutschen Entschaedigungszahlungen in einigen Jahren auslaufen werden. Gute Erfolge wurden bereits bei den Exporten von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, besonders von Zitrusfrüchten, erzielt. Den weiteren Aufbau von Industrien, die das Land unabhängiger von Importen machen und gleichzeitig für den Exporten arbeiten koennen, hofft man auch dadurch zu sichern, dass man ein günstiges Investitionsklima für auslaendische Unternehmungen schafft. Das findet auch die Unterstützung der führenden Gewerkschaft, der Histradut, der heute über die Haelfte der Bevoelkerung angehoert. Diese Gewerkschaft zeigt eigentümliche Züge, die dem wirtschaftlichen Aufbau sehr zustatten kommen. Seit ihrer Gründung vor 40 Jahren sah sie ihre Aufgabe weniger darin, die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber Unternehmern zu vertreten, denn die gab es kaum, sondern sie wurde zum Sammelbecken der Einwanderer und widmete sich vor allem der Beschaffung von Arbeitsplaetzen. Diese Rolle hat sich nach der Gründung Israels noch verstaerkt. So hat es sich ergeben, dass die Histradut selbst in grossen Umfang als Unternehmer taetig ist. Sie betreibt eigene landwirtschaftliche und industrielle Betriebe und spieüt in der Bauwirtschaft eiine grosse Rolle. Dabei vertritt sie aber keineswegs planwirtschaftliche oder gar marxistische Prinzipien, sondern ist durchaus bereit, mit privaten Unternehmern zusammenzuv arbeiten. Ueberhaupt haben sich in der israelischen Wirtschaftspolitik in der letzten Zeit die liberalen Züge verstaerkt. Unter Umstaenden haengt das mit der Absicht zusammen, auslaendische Investoren anzuziehen. Pilanwirtschaftlich geht man in den ausgesprochenen Entwjcklungsgeh(ieten vort, wo für den Einsatz privaten Kapitals erst die Vorausssetzungen geschaffen werden müssen. Das groesste Projekt dieser Art ist die Besiedlung des Negev, der Wüste im Süden des Landes. Dieses Gebiet enthaelt reiche Rohstoffvorkommen, vor allem für die chemische Industrie, soll aber auch landwirtschaftlich genutzt werden. Der Erschliessungsplan sieht vor, mit einem Kostenaufwand von 400 Mili. isr. .Pfund 100 000 Menschen bis 1962 anzusiedeln, die einen wirtschaftlichen Schwerpunkt für weitere Zuwanderer bilden sollen. Israel koennte trotz aller auslaenddischen Hilfe nicht seine grossen wirtschaftlichen Leistungen vollbringen, wenn seine Menschen nicht mit einem besonderen Schwung an ihren Aufgaben arbeiteten. Die Begeisterung für die gemeinsame Sache, die Bereitschaft, Persoenliches zurückzustellen, sind starke Stützen des jungen Staates. “Die Welt” (Hamburg). Bericht unseres Argentinien-Korrespondenten: Unruhiges Buenos Aires Die Unsicherheit in der argentinischen Hauptstadt nimmt von Tag zu Tag zu. Es vergehen keine 24 Stunden, in denen nicht zahlreiche Ueberfaelle auf Fabriken, Geschaeftshaeuser, Einzelpersonen auf offener Strasse und am helllichten Tage im dichten Verkehr und terrorisierende Bombenexplosienen gemeldet werden. Niemand wagt ohne groesste Vorsichtsmassnahmen groessere Sumen von den Bank abzuheben. Ironisch wird die argentinische Hauptstadt “Nueva Chicago” (Neu-Chicago) genannt. Der Argentinier nimmt das alles stoisch mit ieinem gewissen Fatalismus hin. Wenn die Polizei über dieses Banditentum nicht Herr wird, was soll er da tun? Der Staat (lies: Regierung) benoetigt die nicht geringen Polizeikraefte zur Eindaemmung politischer Kundgebungen und Streiks mittels Traenengashomben und Wasserwerfer. An “strategischen Punkten” der Stadt stehen dite Mannschaftswagen mit jungen Polizeikraeften in Bereitschaftsalarm, waehrend in unmittelbarer Naehe in aller Ruhe ein Büro um etliche tausend Pesos erleichtert wird! Quo vadis Argentina? In dieses Bild passt der verbrecherische Anschlag, der kürzlich auf die Ausstellung der Hebr.aeischen Univelrsitaet Jerusallem in den Wandelgaengen der Rechtsfakultaet der Universitaet Buenos Aires verübt wurde Wie immer diese feigen Gesellen das Dunkel der Nacht ausniitzen, so drangen auch dieses Mal Unbekannte in das Gebaeude der Rechtsfakultaet ein, um “ihr Mütchen zu kühlen” und die ausgestellten Fotografien zu zerstoeren. Die ideologische Herkunft dieser vandalisehen Freveltat ist unleugbar, doch ist man der Annahme, dass dieses Mal Horden der Alianza Nacional mit .arabischen Nationalisten zusatnmenarbeiteten, um die wirksame Werbung der israelischen Propaganda über den herrlichen Aufbau des jungen Staates Israel zu zerstoeren. Zahlreiche Kundgebungen gingen den Veranstaltern, zu, darunter von zahlreichen kathoÖisQhen Einrichtungen und Vereinigungen, die ihre Ablehnung und Entrüstung über diese Tat zum Ausdruck brachten, die eine Beleidigend des Geistes der bonarenser Universitaet sei. Sie verletze die primitivsten Regeln des menschlichen Zusammenlebens und sei ein Rückfall in die Urzeit der Barbarei. fn einem Leitartikel schreibt die weitbekannte “La Prensa”: “... Die herausfordernde Zügellosigkeit gegen wehrlose Dinge ist ein Symptom eines ganz primitiven Denkens. -Da gibt e9 keinen Widerstand, kein Risiko, noch messen sich Kraefte...” “Die verbrecherische Art der Unduldsamkeit” führen “Noticias Gráficas” aus, “wird von den unterschiedlichsten Kreisen schaerfstens zurückgewiesen. Ueberall konnte man denselben Eindruck der Bestürzung und derselben verdammenden Ablehnung gegen diese feststehende Minderheit feststellen, die durch ihren Ueberfall auf ein Schau von kulturellem Wert, sich selbst an den Rand der Gemeinschaft bringt...” “Handlungsweisen wie diese”, kommentiert “La1 Nación’', “welcher Ideologie oder welchen Grundsätzen sie immer entspringen moegen, sind zu verdammen. Die offizielle Meinung erwartet, dass man die Form findet, um eine gerechte Bestrafung herbeizuführen...” “Die Zerstoerung von fotografischen Dokumenten, die man in der Rechtsfakultaet austellte — gerade an dem Ort, an dem Studenten eingehend die grundlegenden Doktrinen des menschlichen Zusammenlebens erlernen sollen ■— brandmarkt ein gefaehrliches Symptom...” vermerkt “Correo de la Tarde”. “EU Mundo” wiederum führt an: “...Solche vandalisehen Freveltaten, wie wir sie kritisierten, die für nicht wenige scheinbar unbedeutend sind, aber als Sympton mehr als beunruhigen ,sollten ein für alle Male zum Wohle aller aus unserer Mitte verschwinden...” Diese Pressekommentare spiege'n ohne Zweifel die gesunde Meinung des argentinischen Volkes wieder. Die Ablehnung der Bevoelkerung ist einmütig gegen die methodische Anwendung derartiger verbrecherischer Verfahren, die der Eigenart des Argentiniers und seiner demokratischen Ueberlieferung fremd sind. Sie dürften auch nichts mit den studentischen Gewohnheiten gemein haben. Denn trotz den Interessen einiger Wirrkoepfe sind die Studenten augenblicklich wegen der bevorstehenden Jahresendexamen voll und ganz ihren Studien verhaftet. Die oeffentliche Meinung ist daher der Ansicht, dass die Taeter in Kreisen zu suchen sind, die der Studentenschaft fern stehen. Die spontane und einmütige Ablehnung der drei Sektoren der Studentenschaft ist der beste Beweis dafür. Die Polizei in Argentinien ist zur Zeit zu' sehr mit anderen Problemen beschäftigt-, denn sonst waere sie nicht so machtlos (oder unfaehig?) gegen die taegüchen Ueberfaelle, Bombenattentate, Terrorakte, Teerbombenanschlaege gegen Synagogen und vandalisehen Antisemitismus erfolgreich anzukaempfen. Edwin Halle (Buenos Aires). wwwwwww^ —- > iwi I1H.IU i L.UW1J1 Haue tDlieiLUS Aires). * * * * J IHRE Buchhandlungen: J f UNIVERSAL BOOKSTORE Ltda. I * LA PAZ: Mercado N9 1057 * i LOS AMIGOS DEL LIBRO l * * $ COCHABAMBA: Perú esq. 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