Mannheim
Compact Memory

Das Echo · 1959-08-30 · 209 (30.8.1959) · p. [Seite 4]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
209 (30.8.1959)
Date
1959-08-30
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9620162-9632912-9625721--246-9625725
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

4. “DAS ECHO“ 30. August li59 ’Jim Gemeinde Im sozialen Leben jeden Volkes gibt las Institutionen und Organisationen: die Institution des jüdischen Lebens ist die Gemeinde. Nicht wir schaffen Gemeinden, wo wir leben, sondern die Gemeinden schaffen uns. Die Gen:' inde, ist nicht das Produkt unseres jüdischen Lebens, sondern unser jüdisches Leben ist das Produkt unserer Gemeinden. Die jüdische Gemeinde ist nicht eine Organisation, die wir gründen koennen, wenn wir es so wollen, oder die zu gründen wir unterlassen. Die jüdische Gemeinde ist eirifc Einrichtung unseres jüdischen Lebens, die w(r mehr oder weniger gut ausbauen, ohne die wir aber nicht zu denken sind. Die Gemeinde ist der Rahmen unseres geistigen und seelischen Lebens. Sie war ';s im Laufe unserer Geschichte zuweilen so stark, dass sie uns das verlorene Vaterland ersetzte. In ihr fanden wir die Moeglichkeit, uns auszuleben. Sie hat im Laufe der Jahrhunderte oft ihren Charakter veraendert, je nach den geistigen und seelischen Bedürftnisäen des Volkes, sie hat ihre organisatorischen Formen gewandelt, je nach den sozialen Zusammenhaengen, aber in ihrem Kern blieb sie stets das gleiche: die Institution des jüdischen Lebens. Die jüdische Gemeinde unserer Herkunftsländer hatte eine Vorkommenheit erreicht, wie wir sie 3n der Geschichte selten erlebt haben. Organisatorisch — nach aussen gesehen — als die oeffentlich-rechtliche Körperschaft mit Steuerrecht 'erfasste sie einen jeden Juden, es sei denn, er besass die Schamlosigkeit, sich formell von ihr loszusagen. Und nach innen gesehen hatte sie die organisatorische Vollkommenheit, im Rahmen der Einheitsgemeinde alle religioesen und weltanschaulichen Stroerming'cn des Jüdischen Lebens zusammenzufassen, so lange sie sich noch in den Grenzen des Judentums bewegten. Auch sozial gesehen war sie eine vollkommene Gemeinde: sie erfasste den Reichsten und den Aermsten. Sie gab dem einen wie dem anderen das Gefühl der Sicherheit und der Geborgenheit, Sei es dass er zu ihrem Etat beisteuerte, sei es dass er vor ihrem Etat im Rahmen ihres Sozialwerkes lebte. Sie war vollkommen als Organisatorin des Erziehungswesens: sie baute vom teinfachen Religionsunterricht, einmal in der Woche erteilt, bis zur Integral;schule, ein umfangreiches Erziehungswerk auf, in dem es ebenfalls Platz gab für die verschiedensten ideologischen Stroemungen. Sie war vollkommen im klassischen Sinne: von der Bris Miloh bis zum Bes Aulom begleitete sie den Juden, der sich in ihrem Schutz geborgen fühlte. Gewiss war es nicht moegich, eine so voUkammlane Gemeinde in den /verschiedenen Elender der Immigration sofort wieder erstehen zu lassen; Politische Bedingungen verhinderten, ihr den Status des roeffent- Kch-rechtlichen Koeprerschaft zu geben, die Vielfalt der Elemente, die sich in ihr fanden, Hessen nicht immer den Einheitscharakter gleich deutlich sichtbar werden. Aber wo wir in die Emigration gingen, begriffen wir, dass wir uns zunächst in einer Gemeinde konstituieren mussten, um wir selbst zu bleiben und uns nicht zu vertieren. So erstand auch unsere Gemeinde in La Paz, deren 20. Jubilaeum wir in diesen Tagen feiern, Sie wunde am Sabbath de* Trostes gegründet, weil diejenigen, die sich in ihr znsamtrtenfanden, verstanden, dass der Wiederaufbau einer Gemeinde Trost in so viefl Not und Verzweiflung bedeutete. Uns aGen schwebt das Idealbild der Jüdischen Gemeinde unserer Herkunftslaender vor, wenn wir vom weiteren Aufbau unserer Gemeinde sprechen. Wir glauben, dass wir stolz sein dürfen auf das, was bisher geleistet wurde, und zuversichtlich für das, was vor uns liegt. Rabb. G. Friedaender. IWir wollen nicht von den viel Schwierigkeiten sirech<ni die 7 Schüfe in d iese: zwanzig Jahr durchgemacht und mit denen uns« Schule noch heut« zu kaempfen hi dafuer ist in diesem Artikel ke Raum. Aber es darf voM gesagt werdt dass es auch fuer den in den letzt Jahren ziemlich “¡usammengeschmi zenen” Yishuw von La Paz keine schwere Aufgabe dt, dieses Sorge kind unserer Gemeinschaft und die Gruendung der “Comunidad Israelin zu einem fruehrenden Erziehungen titutnicht nur innerlich, wie es die Schule heute ist, sondern auch aeu serlich, dass heisst, in Bezug a schoene Raeume, auf einen modern Schulbau-, zu machen, wenn wirkiii das noetige Verstaendnis und d “Herz” in allen juedischen Kreis« unserer Stadt da ist! — Wenn dies “HerzJ” fuer unsere Schule wirkiii schlaegt, wird kein wirtschaftlich Problem zur Errichtung eines schoem Schulbaues existieren!— I Unsere Gruendungsakte sagt: “Ve eu'nigung aller israelitischen Eletm* te, ohne Unterschied des Herkunft landes und ohne Unterschied d Sprache”. 1953: EINWEIHUNG DER! munidad Israelita de Bolivia Es liegt nahe, anlaesslich des 20jaehrigen Jubilaeums der “COMUNI- DAD ISRAELITA DE BOLIVIA, LA PAZ” an Hand der Gruendungsurkunde, die das Datum vom 14. August 1939 traegt, zu untersuchen, inwieweit in diesen 20 Jahren unsere Organisation die damals gesetzten Aufgaben und Ziele erfuellt hat. Man kann dabei woh'l feststellen, dass vor 20 Jahren, als unsere Gemeinde gegruendet wurde, damals manches, was in der Gruendungsurkunde steht, eine vieil staerkere Bedeutung fuer die interessierten Kreise hatte als heute, und dass die Gemeinde vor allem damals bei ihrer Gruendung vielen Glaubensbruedern und- Schwestern, die aus ihrer Heimat vertrieben waren, einen starken seelischen und moralischen Hart geben sollte, vielleicht mehr als heute, wo gluecklicherweise die meisten von uns hier in Bolivien gefestigte Existenzen gefunden haben von RODOLFO BERKOWITZ Generalsekretaer der “Comunidad Israelita” Die Gruendungsakte sagt etwa folgendes: ’’ZIEL DER COMUNIDAD IS- ” RAELITA IST: a) in ihrer Mitte ” alle israelistischen Elemente, die ” moralisch und geistig dazu be- ” faehigt sind, zu vereinen, ohne ” Unterschied des Landes aus dem ” sie herkommen, der Sprache, die ” sie sprechen, sei es dass sie ” schon seit langem in Bolivien le- ” ben oder erst vor kurzem in das ” Land gekommen sind. ” b ) Durch alle legalen Mittel ” die Einheit ihrer Mitglieder, so- ” wie die groesstmoegliche gegen- ” se:tige Hilfe und Zusammenarbeit ” zwischen ihnen zu foerdern. “ c.) Den Fortschritt und die •” Entwicklung der Gemeinschaft ” zu foerdern, den Gottesdienst ” sowie auch die geistige und ” koerperliche Erziehung, die noeti- ” ge soziale Hilfe der Gemeinschaft ” fuer ihre Mitglieder auch in ihren oeffentlichen Beziehungen, zu orga- ” nisieren und durchzufuehren. “2.—Die formierte “Comunidad Isralelita (de Bolivia"" hat keine ” politischen Ziele und es ist ihr ’’verboten, aktiv oder passiv an ” der internen Politik des Landes ” teilzunehmen.Die Mitglieder ver- ” sprechen und verpflichten sich, ” die bestehenden Gesetze in BoH- ” vien zu beachten und zu erfüllen”. Dies ist dem Sinne nach der ins Deutsche uebertragene Text dieser Urkunde. Man darf wohl sagen, dass diese Masstaebe anlegen, die wir aus frueheren europaeischen Gemeinden gewoehnt sind. Eines steht aber fest, dass durch die aufopfernde Taetigkeit einer ganzen Reihe von wertvollen Elementen innerhalb unserer Gemeinschaft doch Einrichtungen hier entstanden sind, die nicht nur dem Wohle unserer engeren Gemeinschaft dienen, sondern auch nunmehr dem Lande, das uns vor 20 Jahren gastlich augenommen hat, zum Nutzen gereichen. Dass es eine SYNAGOGE gibt, die unserer Gemeinde gehoert, ist wohl kein so grosses Verdienst. Denn wo immer es Juden gegeben hat, war es hier enthaltenen Aufgaben so mannig- | seObstverstaendlich, dass auch sofortfaltig sind und einen so umfangrei-; und sei es im kleinsten Ausmassechen Wirkungskreis ergeben, dass sich ein Gottesdienst organisierte. Dies dieser nur unter der groessten Aufliegt nun in der Wesensart unserer Opferung und Mitarbeit aller juedi- Glaubensgemeinschaft, sehen Elemente in La Paz zu einer; Es moege dahingestellt bleiben, segensreichen Entwicklung unserer ob es - nach 20 Jahrenvielleicht in Institution fuehren konnte. Was ist nun in den letzten 20 Jiahren * erreicht worden und was koennte noch erreicht werden? Bolivien ist ein Land, das _— sprechen wir es offen ausdie hier ein gewanderten fremden Elemente -ganz gleich welcher Religion und Herkunftauf die lange Dauer nicht immer anzieht. Das bedeutet, dass eine Gemeinde in La Paz, innerhalb i von 20 Jahren laufend starken Veraenderunge’n in ihrem Mitgliederbestand unterworfen ist; es ist ein “Kommen und Gehen” unter den Mitgliedern, leider mehr ein “Gehen” als ein “Kommen Das muss sich naturgemoess auf die Erfuellung der Aufgaben dieser Gemeinde entsprechend auswirken und daher koennen wir auch nicht die La Paz nicht auch moeglich gewesen waere, ein schoeneres Gotteshaus zu schaffen als das hier bestehende. Cochabamba moege uns darin ein Beispiel sein! Jedoch eines koennte vielleicht im absehbarer Zeit und mit nicht allzu grossen Mitteln in unserem Gottesdienst verbessert werden: seine Ausgestaltung. Man Sollte doch dafuer sorgen, dasswie in anderen suedamerikanischen Nachbargemeinden (Chile, Peru Argentinien) — auch in unserer Synagoge ein staendiger Kinderchor mitwirkt. Wenn wir dahin kommen koennten, auch wieder einen staendigen Kantor zu haben, waere dies ebenfalls sehr begruessenswert. Das Problem des staendigen MIN- JAN in unserer Synagoge haengt aber nicht vom Vorstande unserer Gemeinde allein ab. Dies ist eine grosse Verpflichtung unserer Mitglieder, die sich dies zu einer Herzensaufgabe machen sollten. Mit groesserem Stolz koennen wir auf die Erfuellung der Aufgaben in edukativter Hinsicht blicken: Im September dieses Jahres werden es ebenfalls 20 Jahre, dass unsere Schule aus ganz kleinen Anfaengen heraus, als eine Elementarschule gegruendet wurde und es ist in 20jaehriger, zaeher Arbeit, dank der aufopfernden Taetigkeit ihrer leitenden Kraefte, gelungen, aus dieser Primarschule ein Erziehungsinstitut zu schaffen, das heute, als “COLEGIO BOLI- VIANO - ISRAELITA” zu einem der fuehrenden und besten Secundar- Schulen Boliviens gehoert. Das ist wohl der groesste Erfolg, den unsere Comunidad Israelita in La Paz zu verzeichnen hat. vifS A'; mm v O, A IL. 1 S ' ■itas . Auf dem Foto f fred Cohn,^™^d Simon Epstón | Diesem Ziele, glaube ich . besonders in den letzten lahro W!r groesserem Erfolge naehereelfnrü m't Dies, sei mit Gemtuung Lt Eine juedische Gemeinde m,fSe *■ aktiven juedischen Elemente ,,7 alle es ist nicht angebracht, in gen Zeit, dass wir ein* „ ,eJ «utivir ftjti 7* meinde als eine S° ch bezeichnen. '■SS.är Gewiss, wir haben , eine fuelirende Stadt “CIRCULO ISRAELI^,SaH den gabenkreis, wenn auch Urs en Aufin ersten Linie ein sozia|e pruenglich i 7«;+ ©in i.L ..VJ> doch; Laufe der Zeit lm den ist wie der unsere ¡n 'r S^w0rffidad Israelita”. Ar a„c/\ Cömusich in den letzten lahren h¡„ ^er hat nisglücklicherweisele Erkennt. dass, wenn auch, »ie ¡n gerungen suedamerikanischen . n meisten I “Grundstock” der »dj"«r. der j schatten aus Element^ y-. Gemeini hervorgegangen ist. s¡c)l '.f^Uropgs! diese beiden Elemente, A1* der zejt j und die “westlichen» Eichen”1 Gemeinschaft in Ajja| einer i arbeit vereinigen l«s$cn ^Sattim*.! fuer das Judentum i„ de’r viel^^ koennen, als fruehj Alt |e¡s. Werdet Mitglied der “Comunidad Israelita”! Nichî iefen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.