Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 209 (30.8.1959)
- Date
- 1959-08-30
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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30. August 1959 “DAS ECHO“ 3. Wir leben in Bolivien in den Bergen, und die optische und innere Sicht wurde bei Vielen unter uns getruebt. Man nimmt das Leben so, wie es sich bietet, man wurde frei von hoeheren Ambitionen, man redet in Zahlen und weniger in Worten, man atmet, ohne zu leben. H ist es woanders besser? Die Kulisse ist eine andere, die geistige Haltung aber ist oft identisch mit der unseren hier in Bolivien. Unsere Zeit ist freudlos und durch diese Armut an Freude fehlt uns Zeitgenossen der Reichtum eines Innenlebens, welches seelisch ausfuellt, gute Worte praegt und gute Taten leistet. Das Leben in unsere Zeit wurde zu einem mechanischen Vorgang, zu einem Gesetz des (negativen) Handelns, zur einer Stillung des Ess- Beduerfnisses. IH Wir hasten zu sehr, wir verbohren uns in Nichtigkeiten, unsere Empfindsamkeit wurde blind, wir berauschen uns an Phrasen, und der Wille zum Eigenen Weg wurde paralysiert. Es fehlt uns an persoenlichem Mut zur Eigenen Linie, man fuehlt sich wohl als “Masse”, der Eigen-Sinn wurde verschuettet wie die Kraft zur schoepferischen Gestaltung. Unsere Zeit ist arm an wirklichen Persoenlichkeiten, an Menschen die unabhaengig denken und handeln, an Zeitgenossen, die nicht bluffen sondern in schoepferischer Kraft edle Werte gestalten Durch unsere Zeit laeuft negativer Konstruktivismus. WUSSTEN SIE - — dass bis Anfang dieses Jahres rund 124 Millionen nordattnerikanischer Bürger insgesamt mit 550 Milliarden Dollar versichert waren? -- dass jede lebensversicherte Familie in den USA im Durchschnitt auf 11.000 Dollar |gedeckt ist? Neue Lebensversicherungen im Jahre 1958 wurden im Betrage von 67 Milliarden Dollar abgeschlossen. — dass der Reservebestand der nordamerikanischen Versicherungs - Gesellschaften Ende 1958 110 Milliarden Dollar erreichte, was 6,5 Milliarden $ mehr waren, als wie im Vorjahre? Wer versichert ist - lebt ruhiger! Informationen durch ^AMERICAN LIFE Calle Potosi 1230 LA PAZ Telefon 5712 £ (Unsem Lesern steht Herr ► Otto Dornbusch mit fachli- ► ehern Rat gern zur Verfüg- ► ung). ► ► 1 “Zeitalter der Scheuklappen” koennte man unsere Epoche bezeichnen, die trotz gewaltiger technischphysikalischer Erkenntnisse und Erfindungen leer und arm gebleiben ist. Liegt darin das grosse menschliche Glueck, einen Apparat einzuschalten und ein Konzert aus looo Klm. Entfernung zu hoeren, oder eine Reportage im Bildfunk zu sehen, oder schmutzige Waesche in eine Apparatur zu werten und diese nach kurzer Zeit gereinigt und gebuegeilt in den Schrank legen zu koennen? All das sind Annehmlichkeiten, aber keine Freuden, die Erlebniss vermitteln und das Leben bereichern. Heut, von Primitivitaet und Zivilisation Jede Ueberzuechtung fuehrt in die Unnatur, zu einer Perversion in der Sicht und Auffassung der natürlichen Dinge. Tauen wir den harten Mantel auf, der unser Innenleben fesselt, machen wir uns frei und sehend, schaffen und spenden wir, sehen wir in unserem Da-Sein nicht den Zweck des Ich sondern des Wir. IX Periode der Technik, der Mechanik. Die Hand am Hebel - und alles entwickelt sich nach Wunsch. Wir sind auf dem besten Wege, dass nicht wir die Technik beherrschen, sondern uns die Technokratie beherrscht und entmenscht. Ordnen wir unser Leben nicht nur dem Intellekt unter, sondern lassen wir Herz und Seele die wesentlichen Funktionen unseres Lebens sein. Gemuet und Gefuehl weisen instinktsicher den geraden Lebensweg, der oft vom nuechternen Verstand uebersehen wird. „ , . Setzen wir die Hand an den Hebel unserer guten Menschenart, damit sie die infektionoesen Gifte unserer Zeit ausscheidet und wieder urspruenglich wird. * Ludwig K. Stargardt V Was uns fehlt, ist die Erdgebundentheit, die Freude an Naturschoenheiten, die Demut (und nicht Angst) vor den Grossen und Letzten Dingen, die Kinder unserer Generation haben sehr viel Interesse fuer Atom-Konstruktion und Motor-Mechanik, aber sie sind - im allgemeinen - sehr frei von idealistischen Interessen, es fehlt ihnen der Blick nach Innen, da sie nur das Auessere (die Auesserlichkeit) wichtig nehmen. “Die Jagd nach dem Glueck” sehen unsere Menschen darin, zu raffen, und in (scheinbaren) Luxus zu leben. Was ist Luxus? Eine empfindsame Seifenblase, die sich schnell in Nichts aufloesen kann. VI Erkennen wir endlich, dass “Geld” nicht Alles ist, es ist nur der Schluessd zu verpflichtender Leistung; Geld wird nur dann zur Guten Quelle wenn es philantrophisch verwaltet wird. Formen wird Geld in Giueck, schaffen wir durch Geld freundliche Lebenskreise, greifen wir mit Geld helfend und erneuernd ein, wo es not tut. Geldgesaettiger Egoismus macht nicht gluecklich. VII In Europa und in Amerika glaubt man seine kurze Lebensspanne in Hast verleben zu muessen; man hastet und eilt, bis der Lebensatem stockt. Lernen wir, die “Hoch-Zivilisierten”, die Freuden am feiern, die Gestaltung von Freizeit, lernen wir in dieser Beziehung von “rueckstaendigen Voelkern”, wie man sich das Leben sonniger und erfreulicher einrichten kann. Machen wir aus dem Leben kein groesseres Drama, als es schon ist, setzen wir in unsere kurze Lebensbahn einige hdle Freudenlichter, die uns und unseren Umkreis erwaermen. VIII Unsere Zeit ist die Zeit der Technik, des kalten Verstandes, der kuehlen und kuehnen Spekulation. Jules Verne mit seinen Phantasien kann uns nicht mehr imponieren, denn neun Zehntel seiner Traeume wurden realisiert. Wir leben bequem, aber nicht gut, wir leben in einem Zeitalter des “Als Ob”, aber alle Errungenschaften, haben letztlich die Funktionen unseres Lebens nicht erweitert, nicht verschoenert. Wir glauben den Goettern das promethische Feuer entwunden zu haben - und doch ist unser Wissen so eng, so klein geblieben.. Menschen in unserer Zeit wurden zu Analytikern, die gern alles aufspalten und erforschen wollen, die aber dabei die grosse und grossartige Gabe der Faehigkeit zur Formung verloren haben. Unsere (Erde ist lebenslohnend, sie ist reich und fruchtbar - wenn wir zurueckfinden zu einer Form, die eine Synthese darstellt von Gestern und Das ist ln unserer Artikelserie “Menschen im Licht” erwaehnten wir bisher nicht den Namen Erich Lüth der Anspruch hat, mit an erster Steile zu stehen. Was dieser ehrliche Demokrat, dieser echte Christ im guten Sinne im heutigen Deutschland wirken konnte, diese Aufzaehlung bedarf vieler Blaetter, die wir leider nicht zur Verfügung haben. Lüth gehört zweifelsohne zu den charaktervollsten Zeitgenossen, die den einmal für richtig erkannten Weg konsequent gehen, ohne Rücksicht darauf, missverstanden, oder gar .angeklagt zu werden. Der Philosemit Erich Lüth äus Hamburg steht im dauernden Kampf mit dem antisemitischen Stumpfsinn, von dem viele seiner Landsleute befallen sind, ln einer endlosen Reihe von Vortraegen und Referaten, von Feuilletons und Broschüren, zeigte er immer wieder die grosse, unvergessliche Schuld des deutschen Volkes gegenüber seinen ehern. Jüdischen Mitbürgern auf. Lüth wurde nicht müde, immer wieder das traege deutsche Herz aufzurütteln, mit Klarheit die sumpfige Bahn zu zeigen, welche Millionen und Abermillionen von Deutschen gewandelt sind. Lüth hat sich als grosser Mensch, als bedeutender Demokrat und echter Christ in langen Jahren bewaehrt, er hat eine sittliche Aufgabe übernommen und auch erfüllt, für die zumindest Juden ihm zu danken haben. Erich Lüth war der harte Kaempfer für eine gerechte, d.h. weitgehende “Wiedergutmachung” für Juden und andere Naziopfern, er war der dynamische Schoepfer und Leiter (seit August 1951) der Aktion “Friede mit Israel”, er war (und ist) der prominente Kopf der deutschen Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Erich Lüth war der immer hellhoerige Trommler, von verstaerkten Anzeichen für Antisemitismus in Deutschland, denen er stets mit Mut zu begegnen versuchte. Aber Erich Lüth war auch einer der ersten Deutschen, die ihr Herz /lr [srae* zeigten und dieses Land in ■ rischen Farben den Deutschen n.aeher brachten. Kanaan Niederschlag in lebendigen, interessanten Reiseschilderungen fanden. Das erste Mal besuchte Lüth Israel unter dem Pseudonym “Julius Bermann”, da es im Jahre 1953 nicht ganz einfach war, afe deutscher Tourist durch Israel zu wandern; seitdem war er viele Male dort und wurde als Israel-Freund und Philosemit in allen israelischen Kreisen gefeiert. Von Lüth erschienen bisher “Reise ins Getobte Land*’, “Ein Deutscher sieht Israel” und “Israel - Heimat für Juden und Araber”. Soeben erschien das Baendchen “Das ist Kanaan”, Erlebnisse und Begegnungen in Israel. Obwohl diese Schrift kein aeusserliches Format (50 Seiten) besitzt, so hat sie dennoch ein stattlich inneres Format. In diesen Seiten erleben wir mit Lüth die ganze Einfacheit und Kompliziertheit israelischen Lebens, erfahren die Dur und Moli-Merodie, die das Land umspannt, lernen Landschaft und Menschen kennen. In dem trefflichen Stil des Verfassers wird jedem Leser das Land Israel nahe gebracht, so nahe, dass man es lieben muss. Lüths Impressionen, die er am See Genezareth .aufnahm, seine journalistische Erfassung des Wesentlichen, ist unterhaltend, belehrend und erfreuend zugleich. Die humanitaer-politische Quintessenz seines Israel-Erlebnisses drückt Lüth in folgenden Worten aus: “Es gibt nur eine Loesung: Die Humanitas! Sie mag christlich sein oder jüdisch. Sie wird immer auch die soziale Befreiung de§ Menschen umfassen müssen:, Genug Brot für alle! Die Erde hat genug Brot! Wo sie es nicht zu haben scheint, müssen wir die Wahrheit, dass die Welt genug Brot erzeugt, durch bessere Ordnung unseres Lebens zur Wirklichkeit machen. Es ist eine Frage des guten Willens. Nur das”. Die Schrift scftliesst mit den Saetzen: “Kanaan war in der Vergangenheit, es ist eine Ueberhoehung unserer Gegenwart, es ist Zusage, Glück und Erfüllung in alle Ewigkeit: Dieses herrliche, himmlische, irdische, ewige Kanaan, Heimat der Heimatlosen, Zuflucht der Schaffenden, Staette der Wiedergeburt der aus aller Verfolgung Erretteten, süsser Trost der Gequaelten - Land der Kinder Israels”. Viele Male besuchte Lüth Erez i.yae, Und immer wieder kam er mit etaerksten Eindrücken zurück die ihren i . DR. GERHARD KANN INTERNIST ELECTROCARDIOGRAPHS Consultorioc Dr. Lklio Arce Loayzd 460. von 5 1/2-7 1/2 nachmittags.