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Das Echo · 1959-02-18 · 197 (18.2.1959) · p. [Seite 7]

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Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
197 (18.2.1959)
Date
1959-02-18
Page
[Seite 7] (sequence 7)
Language
German
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18, Februar 1959, í í DAS ECHO y > =s= 0 e )-• i- :h e- 1 iseb 1er it )ie Witen ohl ahr Kir laft txt ind enteil er- Wisgehen ttetten mit iortgeche itlegen datinem tastet » Arbeit»* tin m Lfieun# (Für die hier veroeifentlichten Auffassungen aus dem Leserkreise, übernimmt die Redaktion keine Verantwortung). Durch ein postalisches Versehen erreichte uns erst jetzt eine Zuschrift aus London, von d?m Mitarbeiter des “Jüdischen Weltkongress!’, Dr. F. L. Bratssloff), der wir besonders gern Raum geben, da diese Zeilen geeignet sind, unseren Artikel in Ausgabe Nummer 185 in einigen Punkten zu klaeren. “KAMPF DER RASSEN” in der im “Echo” (vom 5. November 1958) unter dem Titel “Kampf der Rassen” veroeifentlichten grossangelegten kritischen Uebersicht ueber die engstirnige und durch gefaehrliche Vorurteile bedingte Haltung der sogenannten “Weissen” zu Menschen anderer Hautfarbe wird unter anderem erklärt, dass im puritanischen England die Verfolgung und Diskriminierung farbiger Menschen in hohem Grade zunehme und sich junge englische Herren im Londoner Stadtbezirk Notting Hill das straflose Vergnuegen machen, Nigger zu schlagen und zu quaelen. Der soziale Wohlfahrtsstaat England sorge zwar gut fuer seine Menschen, betrachte aber nur den Weissen Mann als Vollenglaender; anderen, die es als Parias ansehe, gebuehre dort kein Entgegenkommen sondern nur Schlaege. Das die Vorfaelle in Notting Hill in der ganzen Welt Entsetzen und Abscheu hervorrufen, war berechtigt. Aber es waren nicht “junge englische Herren”, sondern zweifelhafte Typen aus diesem anruechigen und aus anderen Londoner Bezirken, welche die pogromartigen Ausschreitungen veruebten. Die Polizei griff energisch durch und ein — uebrigens juedischer- Richter verhaengte ueber Missetaeter exemplarisch hohe Gefaengnisstrafen. Dadurch wurde den Unruhen schnell ' und wirksam ein Ende bereitet. Die Vorteile des Wohlfahrtsstaates werden allen Staatsbürgern Grossbritanniens und anderen dort Lebenden ohne irgendwelche Diskriminierung zuteil. Man sollte auch davon Notiz nehmen, dass sich weite Kreise des englischen Volkes vom Rassenvorurteil emanzipiert haben. Zusammenarbeit und freundschaftliche Beziehungen zwischen “Weissen" und “Farbigen” -sind.-ein wesentlicher Teil des englischen Alltagslebens. Gewiss gibt es auch reichliches Misstrauen und mehr verhehlte als offene Feindseligkeit gegen alle Frendem’und alles Fremdartige. Schule, Rundfunk, die Kirchen und die meisten Organe der oeffentlichen Meinung leisten gute Arbeit, um diesen Vorurteilen den psychologischen Boden zu entziehen. Sympathie mit den Opfern rassischer Unduldsamkeit und kompromisslose Verurteilung aller Erscheinungen des Rassenhasses ist sehr wohl vereinbar mit einer Anerkennung der Bestrebungen, ihn zu eliminieren. Dr. F. L. Brassloff (London) Mit Genugtuung konnten wir feststellen, dass unser Artikel “Die Sprache der Juden’f (“Echo1”, Nr. 193) innerhalb der jüdischen Presste lebhafte Polemiken ausloeste und diesfer auch in Unserer Gemeinschaft in Bolivien, (eifrig diskutiert wurde. Wir bringen anschliessend und abschliessend eine beachtenswerte Zuschrift eines unsetter Leser in Cochabamba. “Sprache der Juden” Unsere juedischen Kinder welche aus dem Osten stammen — hoeren und sprechen zuhause jiddisch, und die aus dem Westen — deutsch. Beide Sprachen sind sich aehnlich und der Jugend gut verstaendlich, vor allem besser a'ls Hebraeisch. Wenn die Jugend kein Interesse an juedischen Veranstaltungen oder juedischen Vortraegen, hat, so ist es nicht deshalb, weil sie die Sprache schlecht verstehen, sondern vielmehr weil die Eltern selbst! wenig Interesse fuer jtiedische Belange aufbringen. Dass unsere Kinder die j Landessprache gut lernen und gut verstehen, ist selbstverstaendlich. i Will man aber in “üaluth” juej dische Kinder auch im nationalen Geist erziehen, dann nur durch die jiddische Sprache Alle unsere Groessten, angefarjgen von Bialik, Achad Floam, Sokolow, Schneer und viele viele andere, die am meisten ihre Werke in Hebraeisch schrieben — haben erst angefangen im “juedischen Glieder” das Hebraeische in jiddisch zu uebersetzen. Unsere weiteren üroessen selbst in Israel, Ben Gurion, Ben Zwi und fast alle Minister haben ebenfalls erst jijddisch gesprochen, jiddische Literatur gelesen und sind erst spaeter zu Jwrith uebergegangen. Schon vor fuenfzig Jahren war das Problem jiddisch oder Hebraeisch an der Tagessordnung. Und schon damals hat sich die jiddische Sprache behauptet. Eine Muttersprache liess sich nicht aus em Sattel heben! Jiddisch ist leicht zu erlernen. Jiddisch ist in der ganzen Welt zu Hause! ln der jiddischen Sprache sind hebraeische Worte stark vertreten und daher ist jiddisch die beste Uebergangsbrtiecke zu hebraeisch. Will man aber im Galuth, ich unterstreiche im Galuth, den Kindern von Anfang an “Iwrith" beibringen, wo sie keine Gelegenheit haben, weder zuhause noch auf der Strasse die Sprache lebendig zu hoeren und noch weniger zu sprechen —so erziehen wir unwillkuer#ch Sprachdilletanten die nicht her— und nicht hin zu gebrauchen sind. Wir besitzen in Jiddisch eine grosse schoene Literatur, grosse bedeutende Schriftsteller, zahlreiche jijddische Journale und Zeitungen, luedische Kinder sollen lernen jiddisch lesen, jiddisch schreiben und jiddisch denken. Wenn sie erst dies erreicht haben, dann ist der Weg zu Jwrith, zu Israel und seinem Volke von selbst geschaffen. Max Jungstein (Cochabamba) Leserbrief aus Cochabamba “Fi üher waren wir einig — aber nicht vereinigt, heafcz sind wir vereinigt — aber nicht einig!” Diese Worte kann man als Motto für folgende Zeilen voransetzen. Durch eine Clique von Intriganten, wurde ein faehiger Gemeinde-Vorstand, seit 15 Jahren von Gustav Stier geführt, in der letzten Generalversammlung, zur Strecke gebracht. Durch den Vorwand, dass Herr Stier gegen eine Vereinigung des “Circulo" mit der “Comunidad” und das nur er dass Hindernis dieser Vereinigung sei, verlangte' man von ihm, dass er für die neue GV nicht mehr kandidieren soll. Man schlug ihm vor, dass er zu Gunsten des Herrn Forte verzichten sollte; Forté stellte die Bedingung nur zu kandidieren, wenn Herr Stier auf seine Kandidatur Verzicht leiste. Aus diesem Grund, und um kein Hindernis im Interesse des Yishuv zu sein, hat Herr Stier auf seine Kandidatur vernichtet. Es wurde dann durch eine etwas unklare Motivierung eine Absitmmung in dieser Generalversammlung veranstaltet, die 57 fuer “Nein" (kein Anschluss) und 63 für “Ja" stimmten. Lieber, alter Chaplin.... In bolivianischen Kinos lief der alte Chaplin-Film “Goldrausch" erneut an. Wie vor vielen Jahrzehnten, so auch diesmal, ist die Begegnung mit diesem. Streifen ein vollendeter Genuss. Hier wird einmal klar gemacht, was Filmkunst ist (oder eigentlich sein sollte). Allerdings ist Filmkunst in dieser Perfektion nicht kopierfaehig, da ein Chaplin unnachahmlich ist. Charles Chaplin, dieser dramatische Clown, dieser tragische Komiker, ist einer der ganz wenigen Darsteller, die die Gesetze der Filmkunst kennen und virtuos beherrschen, ln Charlys Spiel gibt es keine lauten Aufdringlichkeiten, keinen protzenden Luxus einer verfaulenden Gesellschaft, sondern nur das strahlende Licht warmer Menschlichkeit. In diesem Film wird darstellerisch und regietechnisch nichts raffiniert getüftelt, hier gibt es keine attraktiven Rück— und Zwischenblendungen, keine “genialem” Schnitte, alles verlaeuft gerdezu naiv und schicksalgewollt. Aber wie jede einzelne Scene von realem Leben erfüllt ist, wie jede Geste, jede mimische Pointe sitzt, wie mit einfachsten technischen Mitteln groesste künstlerische Effekte erzielt werden, ist nicht nur filmhistorisch interessant, sondern auch belehrend für heutige Filmdarsteller und Regisseure. Nun bekommen wir als Presidenten jetzt Herrn Forté, der wohl ein charaktervoller Mensch ist, der aber leider weder ein Wort deutsch oder jiddisch versteht. Gerade heute, wo je<Jer Jude einen Halt in der Gemeinde sucht, ist den Mitgliedern der Comunidad in Cochabamba die Moeglichkeit genommen, ihrem Praesidenten das Herz auszuschütten, wie es bis jetzt der Fall war. Was soll nun werden bei Besuchen von Schelichim, wie wird es sein mit Ansprachen im Tempel, mit sonstigen Vortraegen in der deutsch-jüdischen Gemeinde in Cochabamba? Es gibt sehr viele Mitglieder die mit Pessimismus die weitere Entwicklung der Comunidad Cochabamba verfolgen. (gez.) B.A., Mitglied der Comunidad Israelita in Cochabamba. (Name und Wohnung des Einsenders sind der Redaktion bekannt). Chaplin-Filme beweisen immer wieder, dass auch im Film nicht das Drum und Dran das allein Wesentliche ist, sondern dass im Zentrum aller Dinge, der simple Mensch steht. Dieser Mensch muss allerdings ein Fluidium ausstrahlen, welches Herzen bewegt und froehlich macht, eine geistige Floureszenz sprüht, die den Film zum klingenden und bleibenden Erlebnis auf Menschen jeder Altersklasse macht. So grossartig auch die modernen Chaplin-Filme sind, die alten (fast praehistorischen) Produktionen, sind noch besser. Dieser komische Mann, mit dem springenden Stoeckchen. dem laecherlichen Hut, dieser schmale Mann mit den traurigen Augen, ist (trotz allem Firlefanz) ein nackter Mensch, der sich uns in voller Hingabe mitt^Mt. Der Besuch des alten Chaplinfilms war eine erfrischende Begegnung. Noch schoener waere es gewesen, wenn man diesen antiken (aber jung gebliebenen) Film nicht “modernisiert” haette; die Synchonisierung von Wort und Musik schadet diesem filmischen Aleistwerk eher, als es ihm nützt. “Goldrausch” von und mit Charlie Chaplin wurde im Jahre 1925 gedreht und gehoert nach seiner kuensflerischen Form, zu den wich- LION FEUCHTWANGER zum Gedaechtnis war dar Thema eines Vortrages, welchen Rabbiner Günter Friedlaender vor einem recht zahlreichen Publikum hielt. Der Referent zeigte eine sehr gute Beherrschung des Materials und verstand es, sein Publikum von Anfang bis Schluss intensiv zu interessieren. Besonders gelungen war der Vergleich zwischen den Grossen der deutsch-jüdischen Literatur, w i e Wassermann, Werfel und Stefan Zweig mit Lion Feuchtwanger, hinsichtlich ihres DranQes der Selbstidentifizierung der in ihren verschiedenen Werken zum Ausdruck kommt, bei Feuchtwanger aber zum wesentlichen, Inhalt seines Werkes wird. Friedlaender betonte - überzeugend den starken jüdischen Kern im Wesen des deutschen Literaten Lion Feuchtwanger, mit dessen Tod einer der letzten grossen Romanciers von uns gegangen ist. Der Vortragende umriss das Wesen und das Werk des kürzlich im Alter von 74 Jahren Verstorbenen mit Praegnanz und Meisterschaft, sodass der Wunsch erweckt wurde, mehr literarische Themen und Biographien geistiger Juden von Günter Friedlaender geboten zu erhalten. *+*++++++++++++++*■*■+**■**■*■> t * * *■ * Deutsches Klavier ± * zu Vermieten! + * * * ♦ i Ausk.: Telef. 4535 * t t KUENSTLER — ANEKDOTEN Johannes Brahms wurde von einem Wiener Bankier zu einem Festbankett eingefaden Als Brahms erschien, führte ihn der Gastgeber Freudestrahlend zur Tafel und sagte. “Probieren Sie meinen Wein, ich habe die hervorragendsten Marken aus meinem Weinkeller geholt Den ich Ihnen hier anbiete, das ist der Brahres unter mei- | nen Weinen!” Der Künstler kostete i und meinte dann geniesserisch “Wirj klich gut — sehr nett — aber wenn l das der Brahms unter ihren Weinen [ ist, dann holen Sie mir doch, bitte; einmal den Beethoven!”. | Bei Pablo Picasso kreuzte eine j schon sehr bejahrte Tante auf und betrachtete eingehend die Werke des abstrakten Malers. Die alte Dame hielt mit ihrer Kritik nicht zurück und Pablo Picasso hnerte schweigend zu Wieder blieb die Tante stehen und legte los: “Was, das soll moderne Kunst sein?” — “Nein", entgegnete jetzt Pablo, das hier, vor dem du stehst, ist diesmal nur ein Spiegel 1”. Emest Hemingway, begann seine Laufbahn bekanntlich als Journalist. Am Anfang meinte er einmal: “Vergangenen Monat habe ich vier Artikel verkauft!” — “Ach, so schlecht finde ich das gar nicht für den Anfang?!’, erwiderte ein Kollege, “welche Artikel waren es denn?” — Hemingway erwierderte trocken: “Ein Wintermantel, zwei Anzüge und ein Ueber gangsmantel!”. tigsten Filmen die je produziert wurden. An seiner Seite sind lediglich Streifen zu stellen wie Eisensteins “Potemkin” (1925), “Die grosse IHue sion" (1937) und “Fahrraddiebe" von de Sica (1948). Nach diesem “Goldrausch”, moechte man wieder all die alten Chaplin-Herrlichkeiten, wie “The Kid”, “Circus”, “Die Strasse”, etc. kennen lernen. Chaplins weiser Humor, seine Grotesken mit menschlichem Hintergrund, werden auch noch in fünfzig Jahren Menschen mit Herz von Herzen erfreuen. d s (“Goldrausch” laeuft in Kuerze i im “Teatro Monje Cämpero”, La Paz. 4 >

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