Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 9 (1958-1959)
- Issue
- 197 (18.2.1959)
- Date
- 1959-02-18
- Page
- [Seite 6] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS ECHO 1'8. Februar T959. Technik und Wissen Bisher mussten die Aerzte, wenn sie den .Mageninhalt eines Kranken untersuchen wollten, eine Magenausheberung vornehmen. Die Prozedur ist unangenehm, ausserdem sind die Eigenschaften des Mageninhalts an der Luft nicht unbedingt die gleichen wie im Magen. Noch mehr gilt d.as vom Darminhalt, der erst nach der Ausscheidung untersucht werden kann, abgesehen vom Zwoelffingerdarm, der noch ueber den Magen erreichbar ist. Eine Untersuchung des Magen — und Darminhalts an Ort und Stelle ueber die ganze Laenge des Verdauungstr.aktes hinweg, gestattet jetzt der Intestinal — Sender. Das ist ein winziger, kompletter Radiosender, der samt Batterie nur die Groesse eines Dragees hat. Der Patient verschluckt ihn; der 'Sender wandert nun durch Magen und Darm, wobei er Radiosignale ueber den Zustand im Verdauungstr.akt aussendet. Neben dem Patienten steht ein kleiner Radioempfaenger, der diese Signale aus dem ''Tartarus'’, wie die alten Aerzte den Unterleib nannten, aufnimmt und einer selbsttaetigen Registriervorrichtung zulleitet. Das Radiogramm wird dann von den Aerzten ausgewertet. Der Patient hat keinerlei Beschwerden. Wird der Sender, wissenschaftlich die Radiosonde genannt, um 0 Uhr geschluckt, so tritt er 5o Minuten spaeter vom Magen in den Duenndarm ueber. Um 7 Uhr 42 Minuten am naechsten Morgen erreicht er den Dickdarm. Um 0 Uhr 3o Minuten in der anschliessenden Nacht tritt er wieder aus. In Deutschland entwickelte der bekannte Forscher Manfred von Ardenne zusammen mit H. P. Sprung (Dresden — Weisser Hirsch) schon 195t) den ersten Intestinal-Sender. Der Sender wurde erst durch den Transistor moeglich, das Kristaellchen, das die Radioroehre ersetzt. Selbst mit der kleinsten Roehre waere die Sonde noch zu gross geworden. Auch Radiosignale aus dem Magen eine genuegend kleine Stromquelle musste geschaffen werden. Ardenne verwendete hierzu einen sehr kleinen Akkumulator. Immerhin war sein Geraet 26 Millimeter lang und einen Zentimeter dick. Hin neues Modell ist nur noch 8 Millimeter dick. Das Geraet wurde mit Erfolg zur Untersuchung der Druckverbaeltnisse im Darm verwendet. Es erbrachte neue Aufsehluesse, die nicht nur klinisch, sondern auch fuer die Psysiologie von Bedeutung sind. Der Druck im Darmtrakt schwankt periodisch. Im Dickdarm ist er 1 J/7 mal so hoch w'ie im Duenndarm. Bei pathologischen Zustaenden ’ treten charakteristische Druckveraenderungen ein, die nun zur Diagnose mit herangezogen werden goennen. Das Dresdener Forschungsprogramm. sieht die Untersuchung der Wirkungsweise gewisser Heilmittel mittels des neuen Geraets vor. An der Universitaets-Kinderklinik Heidelberg liess Dr. H. ü. Noeller nun ebenfalls Drucksonden bauen, hauptsaechlich aber Endorasiosonden zur Messung der Temperrmr und des pH, des Saeuregrades, nr. Verdauungstrakt. Die Batterie Fabrik Pertrix uebernahm die Entwicklung einer Miniatur-Trockenbatterie fuer den winzigen Sender. Der Sender verbraucht nur 3o bis 5o Milliontel-Ampere. Die für mehrere Tage ausreichende Mikrobatterie gestattete eine weitere Verringerung der Ausmasse des Senders. Der Heidelberger Sender zur Temperaturmessung ist heute nur noch einen Zentimter lang, sein Durchmesser hetraegt viereinhalb Millimeter. Manches Dragee, das unzerkaut geschluckt werden muss, ist groesser. Der Sender hat > die Form einer laenglichen Kapsel, Die Radioschwingungen werden von einem Transistor geliefert. Das Heidelberger Geraet dürfte der zur Zeit kleinste Radiosender der Welt sein. Um aus Radiosignalen solche Groessen wie Druck, Temperatur oder Saeurewert ablesen zu koennen, muss dafür gesorgt werden, das die Schwankungen dieser Groessen in Frequenzschwankungen umgesetzt werden. Das tut der Transistor. Die Temperatursonde besteht nur aus einem Utraminiaturtransistor, einer Drahtspule, Plaettchenkondensatoren, Fadenwiderstaenden, Batterie und Umhüllung. Das alles ist in einem Raum von etwa einem halben Kubikzentimeter untergabracht und funktiomiert' so praezise wie die Teile eines Grossenners, Der Transistor wandelt die Temperaturschwankungen in Frequenzschwankungen um, die im Empfenger aufgezeichnet werden. Zur Kontrolle der Darmtaetigkeit Etwas komplizierter ist die Radiosonde zur Saeure-Wertmessung. Sie enthalt zwei Bauteile zur Temperaturkompensabon und als Hauptebement einen Hochfrequenz-Eisenkern. Er haengt an einem Streifen aus einem Kunststoff, der saeurewertempfindlich ist und sich je nach dem pH, dem Saeuregrad, der Umgebung zusammenzieht oder ausdehnt. Damit wird der Abstand des Eisenkerns von der Schwingspule des Senders geaendert und dies wieder aendert die Frequenz des Schwingkreises. Der pH- Sender ist fast ebenso winzig wie der Temperatursender. Nichts ist einfacher, als mit einem solchen Geraet den Saeuregrad des Mageninhalts an Ort und Stelle festzustellen. Dr. Noeller — Heidelberg — konnte mit dem neuen Geraet bereits Das Telefon von Morgen Jedes Mal, wenn neue Atombombenversuche die Welt erschüttern, fragen sich Millionen Menschen: Warum ward nicht lieber Vernünftiges erfunden? Ein Toilettew'asser beispiei sweise, das den Bart wegwaescht. Oder eine Elektronenmaschine, die Oberhemden ohne Zutun der Haus frau plaettet. Oder ein meteorologisches Messgeraet, das die kommende Witterung wirklich voraussagt. Auf einem Gebiet wenigstens haben Konstrukteure — konstruktiv in des Wortes wahrem Sinne — etwas wirklich "Vernünftiges” erfunden. Etwas, das, das Leben leichter, nicht schwerer macht. Aus dem Gebiet unseres alten Freundes — und Feindes des Telephons. In den Vereinigten Staaten, in Skandinavien und in England sind in der letzten Zeit in aller Stille revolutionaere Neuerungen im Bezirk des Fernsprechens teils erfunden, teils bereits in die Tat umgesetzt worden. “Bell System" die groesste Telephon-» gesellschaft der Welt, erklaert in Amerika, dass innerhalb der naechsten fünf oder sechs Jah re das Telephon, wie wir es heute kennen, so veraltet sein wird wie die Postkutsche. Eine Uebersichf der Neuerungen, die demnaechst in einer Reihe von I^aendern eingeführt werden, ergibt, dass die Bell’Konstrukteure offenbar nicht uebertreiben. Dies ist die Liste der umwaelzenden Fortschritte. 1. Amerika wird als erstes Land die Waehlscheibe abschaffen. Jahrelange Versuche haben ergeben, dass eine der Tastatur einer Schreibmaschine aehnelnde Druckvorrichtung viel leichter zu bedienen ist und Fehlverbindungen so gut wie ausschliesst. 2. Gewisse Nummern wird man ueberhaupt nicht mehr waehlen müssen. Der neue amerikanische Apparat gestattet es, bis zu fünfzig der von jedem Einzelnen' am haeufigsfen gewaehlten Nummdrn ein für alle mal einzustellen. Von dann an genügt es, einen kleinen roten Pfeil zu bewegen — und schon ist die Verbindung hergestellt. 3. Ein Mann, der den Hoerer ans Ohr ■ haelt, wird bald als altmodisch gelten. — Die englische “Engineering Design Contract Ltd..” hat einen Apparat entwickelt, der mit einem winzigen Lautsprecher verbunden ist. Der Ton kann im ganzen Zimmer gehoert wer den. Der Apparat besitzt auch ein kleines Mikrophon, so dass man auch gehoert wird, wenn man selbst vom anderen Ende des Zimmers spricht. 4. In den skandinavischen Laendern wird der unangenehme Ton des "laeutenden” Apparates abgeschafft. Die Glocken werden durch musikalische Instrumente ersetzt. In den Vereinigten Staaten wird es demnaechst sogar Telephone geben, die * * * pies cansados y SENSIBLES — Bílsamo Pédico Dr. S<koll refresca y caima los pies fatigados y sensibles. Pídalo en todos los Negocios del Ramo y en Farmacias y Droguerías! ★★A*-*-************************************************* man auf seine Lieblingsschallplatte einstellen kann, deren Musik ertoent, so oft man angernten wird. Das System beruht auf einer Kombination von Telephon und Bandgeraet. 5. Mehrere tausend Apparate sind in Amerika bereits in Funktion, die mit einer kleinen "Kasse.” verbunden sind. Auf die Art der Benzinpumpen die nichtnur die Menge des konsumierten Brennstoff, sondern auch die zu bezahlende Summe anzeigen bei Ferngespraechen stets anzeigen, wie viel man auszugeben im Begriffe ist. 6. Eine neue englische Erfindung ermoeglicht es, ein Gespraech "zu dritt” zu führen — bei gleichzeitiger Anmeldung werden sich also, beispielsweise, Freunde in den verschiedenen St.aedten miteinander unterhaltn koennen. Gleichzeitig soll eine "Siebevorrichtunq” ein unerwünschtes Zwischenschalten unntoeglich machen. Da die wesentlichen dieser Neuerungen aus Amerika kommen, ist es überflüssig, zu sagen, dass auch wichtige klinische und physiologische Feststellungen machen. So fand er, dass gesunde, verdauende Darmteile gegenueber ruhenden eine hoehere Temperatur aufweisen. Man kan also jetzt feststellen, ob bestimmte Darmteile arbeiten oder nicht. Dass die Patienten die Saetiremessung mittels der pH-Radiosonde der Magenausheberung vorziehen werden, auch der lokalen Messung mittels in den Magen eingeschobenen Geraeten, die an einem Kabel haengen und wieder durch die Speiseroehre herausgezogen weilen, ist anzunehmen. Die Frequenzen dieser Sender liegen in der Groessenordnung von 1 5oo Kilohertz. Sie sind so geaicht, dass beispielsweise eine Druckveraenderung von l/lo Atm. eine Frequenzaenderung um 1 kHz bewirkt. Die Sendetechnik ist einfach, der Betrieb erfolgt in der sogenannten Dreipunktschaltung. Die Sender ruhen in einer Kunststoffhülle. Als vor nicht langer Zei der Transistor aufkam, haette noch nie mand gedacht, dass -er der innert.i Medizin zu Hilfe kommen würde. Die medizinischen Moeglichkeiten der Miniatursender sind mit den Geraeten von Dresden und Heidelberg wohl noch nicht erschoepft. Ohne Gefahr oder nennenswerte Befestigung für den Patienten steigt die Wissenschaft in sein Innerstes hinab, um sichere Informationen ueber seinen Zustand heraufzubringen. Die typischen Druckschwankungen im Darmtrakt, zu deren Registrierung auch zwei unabhaengig arbeitende amerikanische Forschergruppen Radiosonden entwickelt haben, werden in Zukunft ebenso in den Wissensbestand der Physiologie eingehen wie die in Heildelberg ermittelten Temperaturverhaeltnisse. Walter Theimer. die Versuche, das Telephon mit Fernsehen zu verbinden, weit fortgeschritten sind. Ob dieser neuerliche und endgültige Einbruch ins Privatleben allerdings immer als ein Segen empfunden werden wird, bleibt dahingestellt. Schnell, sicher und mühelos rechnen I Eine PRECISA-Rechenmaschlne entlastet Si9 vom anstrengenden Kopfrechnen. Ihre Arbertrt kraft können Sie vermehrt tu schöpferischen* Tun einsetzen. Diese und weitere Vorteile loh* nen den Einsatz einer PRECISA117 zur Lösung Ihrer Rechenprobleme. F. D. LUCAS & Cía. Ltda. LA PAZ Yanacocha 587. Casilla 947