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Das Echo · 1959-02-18 · 197 (18.2.1959) · p. [Seite 5]

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Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
197 (18.2.1959)
Date
1959-02-18
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German
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Im Herbst vergangenen Jahres veranstaltete die Wiener Israelitische Kultusgemeinde eine Gedenkkundgebung zum 12. November und at'fichierte diese durch Plakate. Am naechsten Morgen waren diese plakate ueberklebt mit dem Hinweis, dass die Veranstaltung in einem anderem Saale stattfinden würde. Bei feiner Razzia durch die Funkstreife, wurden die Taeter ermittelt. Es handelt sich ■ durchwegs um “nationale" Studenten, alle aus gut bürgerlichen Familien. Ein Teil war aus dem Sudentenland. Die Anzeige wurde erstattet und der Akt an die Staatspolizei weitergeleitet. Interessant ist nur, dass einer der Studenten, Helmut Patry, jetzt, anlaesslich der Hochschulwahlen, als Kandidat auf der Liste des “Ringes freiheitlicher Studenten" aufgestellt wurde. — Schon seit langem ist die demokratische Bevoelkerung Oesterreichs über die zunehmende Renazifizierung einzelner Bevoe'lkerungsschichten beunruhigt und verlangt die Beschlagnahme div. obskurer Presseorgane, wie “Wegwarte”, “Eckhartsboten", “Die Plattform”, etc. Vor kurzem wurde nun die Beschlagnahme “Der Trommler” durch die Staatsanwaltschaft verfügt. Diese Zeitschrift, die sich im Untertitel “Kampfschrift der nationalen Jugend Oesterreichs” mennt brachte in ihrer vorleezten Nummer einen Artikel "Ist das Neofaschismus”. Lediglich der Herausgeber, konnte verhaftet werden, der Verfasser selbst, befindet sich in Deutschland. Nun wurde auch die naechste Nummer beschlagnahmt. Die “Wiener Arbeiter-Zeitung” schreibt dazu: "Hoffentlich raeumt das Gericht mit diesem Nazispuk gründlich auf”; — Ein Werbeschreiben, welches ein Wiener Stadtschneider an den Wiener Korporationsring oesterr. Studenten versandt hat, enthaelt u.a. folgenden bezeichnenden Satz:... Es soll darüber hinaus der in Vergessenheit geratene Grundsatz, dass der nationalbewusste Mensch nur bei bodenstaendigen, arischen Firmen einkaufen soll, wieder geweckt werden”. — Auch dieses Schreiben wurde durch die anstaendige Wiener Presse angeprangert. — Ich habe schon erwaehnt, dass seit einigen Monaten die “nationale Jugend” dazu uebergegangen ist, Hauswaende, Briefkasten, etc., mit sogenannten germanischen Runenzeichen zu verunzieren. Nun aber wird in div. Rundschreiben dazu aufgefordert, dass der nationale, deutsche Mensch offen sein Bekenntnis zur Schau tragen muss. Und zwar in Form eines Abzeichens der “Odal-Rune”. Empoert berichtet “Die oesterreichische Nation”, Salzburg, darüber, und meint: “Es ist zu hoffen, dass im Zusammenhang mit der Beschlagnahme des “Trommler” auch das Verbot dieser neonazistischen Organisationen, wie “Sudentendeutsche Jugend”, “Volkstreuer Kampfbund", etc., erfolgen wird. — Des “Wegwarte” ist zu entnehmen, dass das Nobelpreis-Komitee den Friedens-Nobel-Preis den Stellvertreter des Führers, Rudolf Hess, verleihen moege. In diesem Appell heisst es weiter, dass die Moeglichkeit zu überprüfen waere, Rudolf Hess den Preis zuzuerkennen und dadurch einen der tragischesten und empoerensten Justizmorde aus der Welt zu schaffen und so das christliche Weltgewissen zu beruhigen!!! — Vor einigen Wochen haben anscheinend neonazistische Kreise von verschiednenen jüdischen Organisationen “fachgemaess” die Anschlagtafeln abtnontiert. Bis jetzt ist es der Polizei nicht gelungen, di© Taeter zu eruieren. — Das boeswillige Zerstoeren jüdischer Friedhoefe scheint jetzt in Oesterreich Schule zu machen, wo im Hohenauer Jüdischen Friedhof Grabstaetten beschaedigt wurden. Der Taeter konnte verhaftet werden und wurde zu einer bedingten Arreststrafe verurteilt. — Es handelt sich durchwegs um Jugendliche. — “Ben Hecht und die sechs Millionen”, so überschreibt -die “Wegwarte” einen Artikel, der Berichterstatter: Echo-Korrespondent FRED KUBIE (Wien) .angeblich vor einiger Zeit über die amerikanische Fernsehstation WABC- TV, Channel 7, von Ben Hecht gebracht wurde. Woertlich schreibt die Zeitung "Ben Hecht, den das Fernsehen beschaeftigt, um das amerikanische Volk zu unterrichten, kreischte, ... die Grausamkeiten, n.aemlich die Ermordung von sechs Millionen jüdischer Maenner, Frauen und Kinder, dieser Mord wurde durch das deutsche Volk, nicht durch die Nazis ausgeführt''. Weiter meint die famose “Wegwarte"’, “Wenn die üreuelhetzer nicht über die Todesart übereinstimmen koennen, wie die brichtete Giausamkeit sich zutrug, so kommt das wohl daher, dass sie überhaupt nicht geschah!! Ben Hecht, hasst die Deutschen, hasst Christus! Was ihren Hass anlangt, so ist es ein Kompliment für Christen von der Synagoge des Satans gehasst zu werden”. Im Schlusswort heisst es dann: “...Alle Subventionen und Wiedergutmachungen, ganz gleich mit welchen Erpressungen sie erzwungen wurden, müssen eingestellt werden, wenn die Errichtung von Hass-Denkmaelern für die “sechs Millionen”, die eine schwere Verleumdung darstellen, nicht sofort zu Ende kommt”! — Kürzlich wurden in einigen Wiener Bezirken antisemitische Flugzettel und ausgestanzte Hakenkreuze gestreut. Man vermutet, dass dafür eine neonazistische Untegrundbewegung verantwortlich ist. — Die vom Innenministerium verbotene Dachorganisation AN'JUE, die unter etwas geaendertem Namen wiedergegruendet wurde, gibt einen sogenannten "Führerbrief” heraus. Das Emblem ist die oben erwaehnte “Odals-Rime”. In einem dieser Briefe heisst es nun: “Gelingt es uns, innerhalb der naechsten Jahre ein paar hundert von Kaempfern zu erziehen, so haben wir die Zukunft praktisch schon für uns entschieden”. — Nachdem in Oesterreich die “Arbeitsgemeinschaft Nationaler Jugendbünde" verboten wurde, gründeten ehemalige Nationalsozialisten in Deutschland einen “Freundeskreis der Nationalen Jugend Oesterreichs in Deutschland”, Sitz in Düsseldorf. Die Wahlen in Oesterreich werfen ihren Schatten voraus. Die beiden Koalitionsparteien wetteifern über das Bemühen um die “nationalen” Stimmen. Circa 300. OCX) Sudenten— und Volksdeutsche wurden in den letzten zehn Jahren in Oesterreich eingebürgert und da ist es kein Wunder, wenn man diese Stimmen braucht, denn jede der grossen Parteien will bei den kommenden Wahlen die Majoritaet erringen. Die Liebedienerei geht soweit, das ein grosses, der SPOE (Sozialistische Partei) nahestehendes Wochenblatt, ein Artikel veroeffentlicht mit der bezeichnenden Ueberschrift: “Gerechtigkeit für die FPOe”. Freiheitliche Partei Oesterreichs. Untertitel: “Der Kleine darf nicht zerquetscht werden". WIEDERGUTMACHUNG Anmeldefrist fuer Anspruech'a nach dem Bundesrueckerstattungsgesetz bis 1. April 1959. verlaengert. j Wir fassen die wichtigsten Bes- | timmungen erneut zusammen: Nach | dem Kriege (1945) warenunzaehlige | den Verfolgten von den Nationalsozia-! listen entzogene ( geraubte ) Ver-! moegenswerte, wie z. Bl Schmuck, Edelmetall, Wohnungseinrichtungen, i Wertpapierdepots, Bankguthaben,! Warenlager, Devisen etc. nicht mehr I greifbar. Diese Faelle der nichts mehr i greifbaren, aber im Zeitpunkte des I Verlustes feststellbaren Vermoegens-! werte bilden die Grundlage fuer die; Antragstellung nach dem Bundesj rueckerstattungsgesetz. | Dieses Gesetz bezieht sich aber | grundsaetzlich nur auf Entziehungen, i die im gegenwaertigen Bundesgebiet ] (Westdeutschland) oder in Westberlin j erfolgt sind. Wegen der in Ostberlin erfolgten Entziehungen sind Ansprueche nur dann gegeben, wenn entweder der Verfolgte oder einer seiner Erben einmal in der Nazizeit seinen Wohnsitz in Westberlin oder in Westdeutschland gehabt hat. Wir sagten, dass das Bundesrueckerstattungsgesetz grundsaetzlich eine Entschaedigung vorsieht, wenn die Entziehung im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland oder in Westberlin erfolgt ist. Davon gibt es folgende Ausnahmen: 1.) Es wird eine Entschaedigung gewaehrt fuer Umzugsgut, das ausserhalb Deutschlands in Europa beschlagnahmt wurde, wenn der Verfolgte PAULA BEN GURION maligen Heimatland der Juden Inbegriff seines Lebens war. Paula und David lernten sich im Hause eines gemeinsamen Bekannten kennen. Sie wurden von grosser Zuneigung zueinander erfasst, und bald erfolgte die Eheschliessung, die sogar für Ben Gurions beste Freunde eine Ueberraschung bedeutete. Der einzige, der von der bevorstehenden Heirat Kenntnis hatte, w,ar Yitzhak Ben-Zwi, ein anderer aus Palaestina Vertriebener in New York. Heute ist Ben-Zwi Praesident des Staates Israel. David Ben Gurion ist ein grosser Staatsmann. Er ist eine fast legendaere Gestalt, die die Prophezeiungen aus dem Gebiet der Bundesrep. oder aus Westberlin ausgewandert ist. 2,) Anspruch auf Entsch. besteht auch dann, wenn Vermoegensgegenstaende (wie oben bespielsweise angefuehrt) ausserhalb Deutschlands beschlagnahmt (entzogen) und dann in das Gebiet von Grossberlin geschafft wurden. Die B'ischiagnahme ausserhalb Deutschlands und die Fortschaffung nach Westdeutsiand oder Grossberlin muessen nachgewiesen werden. URO besitzt fuer die Beschlagnahme und oder fuer die Fortschaffung von Vermoegenswerten aus den okkupierten westlichen Gebieten, wie Frankreich, Belgien, Holland, Luxemburg ausreichendes Beweismaterial. URO .besitzt auch Dokumente, die beweisen, dass (grosse Posten von Wertpapieren aus den Gebieten des okkupierten Ostens, insbesondere aus Polen, aus der Tschechoslowakei und aus Oesterreich ueber die Reichskreditkassen an die Reichshank Bertin abgeliefert wurden. Dasselbe gilt fuer den Inhalt von Safes, Gold, Devisen etc. und Briefmarkensammlungen, sowie Westgegenstaende, die den Haeftlingen in den Ghettos und in den KZ- Lagern abgenommen wurden. URO ist bemueht, die Dokumentation ueber die im Osten vorgenommenen Beschlagnahmen (Entziehungen) und vor ailem fuer die Versendung nach Berlin oder Westdeutschland zu erlangen bzw. zu vervollstaendigen. Mitgeteilt von United Restitution Organization (URO) von der Zurückführung des juedischen Volkes nach Israel verwirklichte. Sein Historiker oder Biograph koennte indes die Memoiren von Paula Ben Gur:on, seiner Gattin, schwerlich verwenden. Frau Ben Gurion weisg zwar um die Groesse ihres Mannes, sie bewundert ihn und zoegert nie, ihn öffentlich als Genie zu bezeichnen, aber sie sieht die Jahre ihrer Ehe mit Ben Gunon von einer rein subjektiven Seite, von der Seite der Lebensgefaehrtin. s 1948 proklamierte Ben Gurion als Premierminister die Gründung des Staates Israel. Der Krieg gegen die Uebermachf der arabischen Nachbaraender, deren Heere in Israel einfielen, begann und endete mit einem grossen Sieg Israels. Im Gedaechtnis von Paula Ben i Gurion ist das Jahr 1948 ein Jahr der | steigenden Angst um die Gesundheit ihres Gatten, der sich in der Krisenzeit keine Ruhe goennte, sondern ohne Rücksicht auf sich selbst seine Kraefte in den Dienst des Staates stellte. Auch : in den folgenden Jahren des Aufbaus war es stets die Sorge um ihren Mann, i die Paula bewog, ihn staendig zu bej treuen, — ja, ihn selbst bei wichtigen I Parlamentssitzungen unauffaellig zu; umsorgen. ' Von ihrem Standpunkt ,aus missbilligte sie sicher Ben Gurions Entsch- I luss, sich im Dezember 1953 vom Amt zurückzuziehen, um als Schafhirt in dem einsamen Kibbutz Sdeh Boker in der Negev-Wüste zu leben. Mit dieser Umsiedlung wollte er der israelischen Jugend ein Beispiel geben, sie auffordern, den Komfort der Staedte zu verlassen und in der Wüste Aufbauarbeit zu leisten. Für ihn war es eine Flucht aus der zermuerbenden Tagespolitik, die Realisierung des lange gehegten Wunsches, ungestoert zu meditieren und studieren. Für Paula, die damals ihren 60. Geburtstag feierte, bedeutete es kein glorreiches Abenteuer, in einem primitiven Dorf eine Holzhütte zu beziehen, mit Menschen zusammenzuleben, deren Durchschnittsalter 25 Jahre war, die älteu Lebensgewohnheiten voellig abzulegen und einem ungünstigen Klima ausgesetzt zu sein. Aber sie ging dennoch, ohne sich lange zu bedenken, ■ init ihrem Mann in den Kibbutz und | wurde die Krankenschwester des Dorfes, waehrend ihr Gatte die Schafe , huetete. Als Ben Gurion spaeter den Re- , gierungssitz von Tel Aviv nach Jerui salem verlegte, war das ein Akt von : hoechster politischer Bedeutung. Für I die Israelis ist Jerusalem das Symbol 1 ihrer mehr als tausendjaehrigen Ver-! gangenheit, die Kette, die den modert nen Staat mit dem. Koenigreich von David und Salomon verbindet. Aus- | senpolitisch bedeutete die Verlegung; des Regierungssitzes, dass die Stimj men schweigen mussten, die gefordert j hatten, Jerusalem zu internationalisiej ren. In den Augen der Gattin aber i wurde diese Handlung mit nachhalti- I gern historischen Effekt zu einer Um- I Siedlung in eine offizielle Residenz. | Das bedeutete eine neue Wohnung, j eine neue Küche, eine andere Umge- I bung und fremde Nachbarn. Sie! musste sich gleichzeitig noch um die i alte Wohnung in Tel Aviv kümmern, wo der Premierminister seine reichhal- ] tige, wertvolle Bibliothek belassen hat.! Paula Ben Gurion nahm diese Umste- | llung mit Selbstverstaendlichkeit auf ■ sich. Frau Ben ütirion begleitet fast! immer ihren Gatten, sei es auf der Kreuzfahrt einer Marineeinheit, zu einem Staatsbesuch in den USA. bet einem offiziellen Empfang einer be- | freundeten Botschaft, bei lnspektionen von Truppen oder bei Paraden.; Nur diejenigen, die Frau Ben Gurjns angeborene entwaffnende Aufrichtigkeit nicht kennen, bezichtigen sie etwa der Indiskretion. So erklaerte sie einmal zum Schrecken der anwesenden Politiker in einem Gespraech mit Dag Hammarskjoeld, dem Generalsekretaer der UNO: “Der Grund Ihrer vielen politischen faux pas ist Ihr Junggesellenleben. Sie sollten endlich heiraten!” Es ist ihr sicher nicht bewusst, dass sie oft ihren Mann, seiner Partei oder gar der Regierung Ungelegenheiten bereitete durch Worte, die sie in voller Aufrichtigkeit an einen Führer einer anderen Partei einen wichtigen fremden Besucher oder ein Kabinettsmitglied richtete “Ich bin von Natur aus ehrlich und zoegere nie, einer Person zu sagen, was ich denke, was auch ihr Rang oder ihre Position sein moege” erlaeutert sie bereitwillig. Paula Ben Gurion ist eine schlichte und unauffaellige Frau, die tapfer und unverzagt an der Seite ihres Mannes geht, ihr Leben in Einfachheit und ohne ueberhebliche Ansprueche lebt und bescheiden und kaum beachtet unermuedlich für ihn sorgt Ihre Lebensaufgabe ist nur das Wohlergehen ihres genialen Gatten. Marianne Wegrter (Tel Aviv)„

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